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Interviews & Artikel

ADOLESCENTS

The adolescent growth

Mit ihrem Debütalbum von 1981 haben die ADOLESCENTS einen der Meilensteine des frühen US-Hardcore aufgenommen, auf den sich viele Bands der damals zweiten Reihe (BAD RELIGION, NOFX, etc.) berufen, und aonyreflex.blogspot.deuch das zweite Album „Brats In Battalions“ von 1986 sollte man kennen. „Balboa Fun Zone“ von 1988 ist eher verzichtbar, es ist auch das einzige Album ohne Sänger Tony. Danach war es um die ADOLESCENTS knappe 15 Jahre lang recht still, obwohl die einzelnen Bandmitglieder bei ebenfalls guten Bands wie D.I., FLOWER LEPERDS, ADZ, JOYRIDE aktiv waren, um nur einige zu nennen. 2005 erschien dann mit „O.C. Confidential“ überraschend ein neues Album, dem zwei weitere folgten, inklusive des aktuellen Albums „Presumed Insolent“, von diversen kleineren Formaten ganz zu schweigen. Zudem sind die ADOLESCENTS seit 2007 jährlich in Europa unterwegs. Aus Anlass der Veröffentlichung von „Presumed Insolent“ beantworteten Sänger Tony und Bassist Steve einige Fragen.

Schon seit einigen Jahren sind die ADOLESCENTS wieder als Band unterwegs. Scheinbar läuft es ja wieder ganz gut für euch, oder?

Tony: Steve und ich sind sehr enthusiastisch, was dieses Projekt betrifft und wollen es auch durchzuziehen. Wir finden, dass die Musik, die wir jetzt machen, eine gewisse Reife und Dynamik rüberbringt, die wir in den Jahren 1982 bis 2000 nicht zeigen konnten. Die Band besaß zwar die Fähigkeit dazu, aber wir haben die Lieder nicht mit der Perfektion aufgenommen und gespielt, die sie eigentlich hätten haben müssen.

Steve: Mir macht es immer noch viel Spaß, wir können viel reisen und lernen überall auf der Welt neue Menschen kennen. Außerdem schreibe ich bei meinen anderen Projekten die Texte meistens allein und ich genieße es sehr, mit Tony zusammen zu schreiben. Es ist einfach großartig, ihm Musik zu schicken und abzuwarten, was er daraus macht. Seine Texte hauen mich jedes Mal vom Hocker. Ich bin sehr stolz auf das, was wir geschaffen haben, vor allem in den letzten zehn Jahren.

Zweieinhalb Platten in zwei Jahren ist ebenfalls ein Rekord für die ADOLESCENTS. Wo kommt all die Kreativität her?

Steve: Unsere Zeit läuft ab, haha, nächsten Monat werde ich fünfzig. Ich weiß nicht, ob wir uns weiterentwickeln. Wir müssen neue Songs machen und aktuell sein, sonst ist es nur Nostalgie.

Tony: Das Leben besteht aus vielen Wendungen und es gibt viele Unebenheiten auf der Straße des Lebens. Steve und ich können das leicht in den Texten zum Ausdruck bringen, weil wir beide sehr klar denken und uns ausdrücken können. Wie auch immer, wir finden, dass das beste Medium dafür die Musik ist, und wir genießen es sehr, zusammenzuarbeiten. Wir sind jetzt seit 35 Jahren befreundet und haben eine Menge großartiger Dinge miteinander erlebt. Wir sind wie eine Familie.

Ihr scheint sehr zufrieden mit Concrete Jungle zu sein. Warum habt ihr euch ein deutsches und kein amerikanisches Label gesucht?

Steve: Wir fragten mit „The Fastest Kid Alive“ bei Fat Wreck und Epitaph an, aber die waren nicht so recht interessiert. Die Jungs von Concrete Jungle unterstützen uns super. Es ist nur logisch, zu jemandem zu gehen, der zu schätzen weiß, was man macht.

Tony: Für mich ist das nichts Besonderes. Fast alle meine Alben, die ich in den letzten 15 Jahre gemacht habe, wurden entweder gleichzeitig oder ausschließlich in Deutschland veröffentlicht. Du kannst dich vielleicht daran erinnern, dass ich ab 1996 viel mit Bitzcore zusammengearbeitet habe und „Brats In Bataillons“ 1987 auf Armageddon veröffentlicht wurde.

2007 seid ihr das erste Mal durch Europa getourt und tut dies seitdem jährlich.Was bringt euch dazu, noch jedes Jahr auf Tour zu gehen?

Tony: Wir veröffentlichen die meisten unserer Platten hier und finden, dass wir das so gut wie möglich unterstützen sollten. Die größten Touren machen wir in Europa. Wir spielen zwar auch in Amerika, aber nicht so oft. Dort sind es sind meistens so acht bis 15 Shows pro Tour.

„The Fastest Kid Alive“, „American Dogs In Europe“ und nun auch „Presumed Insolent“ besitzen alle dieselbe hohe Qualität. Nehmt ihr die Songs immer am Stück auf oder stammen die Songs aus unterschiedlichsten Sessions?

Tony: Die Alben wurden natürlich alle zu unterschiedlichen Zeiten gemacht. Obwohl zwei Lieder der neuen LP vor einem Jahr schon auf „American Dogs“ waren. „The Fastest Kid Alive“ wurde bei Exile on Mountain Avenue von Chris Heckman aufgenommen, während die beiden anderen mit Jim Monroe im Racket Room on Orange entstanden sind. Normalerweise nehmen wir ein Album innerhalb einer Session auf. Singles funktionieren genauso.

Steve: Es waren schon immer ganz unterschiedliche Sessions, aber der Ablauf war immer derselbe. Bei „The Fastest Kid Alive“ haben wir alles anders gemacht. Ich habe Tony die Songs geschickt und wir haben sie aufgenommen, ohne sie jemals live gespielt, geschweige denn richtig als Band geübt zu haben. Wir haben also die Lieder eingespielt und dann kam Tony und sang die Texte ein. Wir haben die Lieder also erst komplett gehört, als sie aufgenommen waren. Bei „American Dogs“ und „The New One“ lief das genauso. Ich muss ehrlich zugeben, dass wir teilweise nicht wussten, ob das funktionieren würde, aber im Endeffekt hat es das und ich bin auf alle drei Platten sehr stolz.

Ich kenne kaum eine ADOLESCENTS-Platte, die mit derselben Besetzung aufgenommen wurde. Jetzt wurde schon wieder der Drummer ausgetauscht. Was ist mit dem Sprichwort „never change a winning team“? Und wer spielt auf der neuen Platte Schlagzeug?

Tony: Na ja, manche Dinge passieren eben und das Engagement von manchen Leuten verändert sich. Armando hat viele Jahre bei uns gespielt, aber es gibt auch andere Dinge, um die er sich kümmern muss. Er spielt ja auch noch für THE BRIEFS und die GENERATORS, er ist also nicht aus der Welt. Mike Cambra von DEATH BY STEREO spielt zur Zeit bei uns und so lange er will. Mike McKnight hatte im Mai 2013 einen Autounfall und wurde deshalb am Fuß operiert, deshalb konnte er bei dieser Tour nicht dabei sein. Vor einigen Tagen habe ich noch mit ihm geredet und er ist sehr enttäuscht darüber, aber er kann einfach nicht spielen. Allerdings sind wir froh, wenn er wieder zurück ist. Was das „winning team“ betrifft: mir ist es einfach wichtig, gute Platten abzuliefern. Wenn ich mich darum kümmern würde, was andere Leute denken, hätte ich erst gar kein Album veröffentlicht.

Steve: Wie Tony schon sagte, ist unser alter Drummer nicht mehr dabei. Wir haben wegen unserer Vergangenheit eine gute Stellung in der Szene. Von daher haben wir gute Musiker in unserer Band, die bei uns spielen wollen und es mit Tony und mir aushalten müssen, haha. Mit jedem in der Band sind wir schon jahrelang befreundet.

Ist bei einer wirklich professionellen Band überhaupt noch viel Platz für Freundschaft?

Steve: Natürlich! Tony und Dan haben beide Familie, deshalb sehen wir uns auch nicht so oft, wenn wir daheim sind. Aber sobald wir im Van sitzen, geht es los ... wir lachen die ganze Zeit.

Tony : Das weiß ich nicht, auf richtig professionellem Level habe ich noch nie gespielt. Ich bin hauptsächlich ein Lehrer, der Gedichte und Liedtexte schreibt, und der nebenher in einer Punkrock-Band spielt. Steve ist Musiker und spielt in vielen Bands, Dan ist Biergroßhändler, der Musik macht, Mike ist Buchdrucker und Mike C. ist Koch ... Und ich bin mit Steve, Dan und McKnight befreundet. Ich meine, Mike spielt seit „Brats In Bataillons“ bei den ADOLESCENTS. Little Joe Harrison konnte diesen Sommer nicht mit uns auf Tour gehen, weil er seinen College-Abschluss macht und wir sind sehr stolz auf ihn. Wir betrachten seinen Erfolg als Erfolg von uns allen. Vor einigen Wochen kam er zu unserer Show in Boston und vor anderthalb Jahren hat er mit der Band in Bogotà gespielt. Er spielt immer noch ab und zu mit, aber im Moment hat er dafür einfach keine Zeit. Wir sind Freunde. Auch Mando versteht sich mit uns allen immer noch gut. Dan Root, Steve und ich waren schon Freunde bevor er bei TENDER FURY war. Er spielte für Rik L. Gitarre. Rik ist ebenfalls ein Freund von mir, es steckt also eine lange Vorgeschichte dahinter, auch schon, als er bei ONE HIT WONDER war. Er und Steve touren mit CJ Ramone durch die ganze Welt. Rikk Agnew und ich verbrachten letzten Monat einige Zeit beim Punk Rock Bowling und ich spreche ab und zu mit Frank und Casey. Alles Freunde. Ich treffe mich auch immer noch mit Mikey, dem Drummer von ADZ, und ab und zu mit Bruce.

Da Englisch nicht meine Muttersprache ist, verstehe ich die Bedeutung eures Albumtitels „Presumed Insolent“ nicht ganz. Worum geht es dabei?

Tony: „Insolent“ bedeutet so viel wie respektlos oder unausstehlich. Wenn man jemandem also unterstellt er wäre „insolent“ bedeutet das, dass die Menschen ihn respektlos finden. „Presumed“ kommt vom juristischen Begriff „Unschuldsvermutung“, der heißt, dass jemand unschuldig gilt, bis vor Gericht das Gegenteil bewiesen wird. Meine Tochter Mia hat mich auf den Titel gebracht hat. Sie ist eine exzellente Dichterin, Geigerin und Thereminspielerin. Sie hat Texte zu diesem Album beigesteuert, auch wenn ihr Musikgeschmack eher in Richtung Gary Numan und KRAFTWERK geht. Sie bezog sich dabei auf ihren jüngeren Bruder, der Autist ist. Jeder empfindet ihn wegen seiner Behinderung als unverschämt an und denkt, dass seine Mutter und ich schreckliche Eltern seien. Sie wissen nicht, was er hat, weil er ganz normal aussieht, wie jedes andere Kind auf der Welt. Er galt für die Schule und in unserer Gemeinde als frech und respektlos. Wir verbrachten fast drei Jahre vor Gericht, bei Elterngesprächen und mit Klagen gegen diese Leute mit Hilfe des Bildungsministerium und dem Institut für Menschenrechte. Fast das ganze Album handelt von solchen Dingen.

Wer ist Daisy in „Daisy’s revenge“? Ist das dieselbe Person wie in „Stage diving Daisy“ von ADZ?

Tony: Ja, das ist dieselbe Daisy. Sie ist ein langjähriger Fan beziehungsweise eine alte Freundin von mir. Ich denke oft an sie und an die tollen Dinge, die sie für Menschen tut, die Hilfe brauchen.

Tony, du kommst auch in dem Film „The Other F Word“ über Punkrock-Väter zu Wort. Gefällt dir das Ergebnis?

Tony: Natürlich, ich liebe alle diese Väter. Es war schön zu sehen, dass unsere Subkultur geschätzt wird und wir als hart arbeitende Menschen gezeigt werden, die ihren Beitrag leisten. Ich hätte vielleicht einige Sachen weniger betont und dafür andere hervorgehoben, aber nur weil ich mittendrin bin. Ich finde, dass Jim, Andrea und Cristan einen tollen Job gemacht haben.

Ist es schwer für dich, Vater und Punkrocker zu sein?

Tony: Überhaupt nicht. Eigentlich ist es sogar so, dass es die Werte von Punkrock sind, durch die ich fähig bin, für die Rechte meiner Kinder zu kämpfen. Meine Frau und ich engagieren uns auf lokaler und staatlicher Ebene in Bildungs- und Erziehungsfragen und setzen uns für Kinderrechte ein. Wir protestieren, streiken und machen auf Dinge aufmerksam, sind also ziemlich aktiv in dieser Hinsicht.

Tony, du und deine Frau schreibt viel auf Blog-Ebene und das sehr unmissverständlich und direkt. Dabei geht es häufig um Lokalpolitik. Was macht dich da so wütend?

Tony: In meiner Gemeinde gab heimliche Treffen, um meinen Sohn aus seiner Klasse zu verweisen. Sie wollten ihn auf eine Schule für geistig Behinderte abschieben. Sie haben wegen meinem Sohn, der damals sieben Jahre alt war, die Polizei gerufen. Zu diesen Menschen gehörten lokale Strafverfolger, gesetzliche Vertreter der Stadt, Leiter der Elternvertretung, Schulleiter und Lehrer. Sie behandelten uns wie Scheiße, weil sie unsere Kultur nicht verstanden und nicht wussten, was Autismus ist. Das sind Schweine. Wir haben Jahre damit verbracht, sie ihrer Heucheleien und Lügen zu überführen. Wir werden nicht aufhören, bis sie sich bei uns entschuldigt haben oder für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden.

Ihr beide wart oder seid immer noch in mehreren Bands. Auf welche seid ihr am meisten stolz?

Tony: Ich bin auf alles stolz, was ich mache. Aber in die ADOLESCENTS habe ich Herz, Seele, die meiste Zeit und Energie reingesteckt. Ich hatte seit 1990 kein anderes Projekt mehr. Ich weiß, dass dieses Projekt für Steve auch eine besondere Bedeutung hat, denn die Geschichten aus meinem Lebens, die ich durch meine Texte teile, sind auch für Steve sehr wichtig. Er ist Teil meiner Familie und es hat ihn auch beeinflusst. Wir sind alle miteinander befreundet und Musik ist das, was uns verbindet.

Steve: Ich war sehr glücklich und fühlte mich geehrt, mit Joey Ramone arbeiten zu dürfen. Zur Zeit spiele ich mit CJ Ramone und habe auch seine neue Platte produziert.

Hier in Deutschland gab es kürzlich große Aufregung wegen der groß angelegten Bespitzelung durch die NSA. Wie denkt ihr darüber?

Steve: Es macht mich traurig, dass unser Staat kriminell wird, und obwohl es mich nicht überrascht, jagt es mir ganz schön Angst ein, wie weit unsere Regierung geht und was sie tun, um den American Way of Life zu „schützen“.

Tony: Ich weiß nicht, für uns ist das nichts Neues. Die Leute hier laden ja quasi dazu ein. Sie erwarten von der Regierung, sie zu ignorieren, während sie gleichzeitig alles über sich im Internet preisgeben. Das ist wirklich dumm. Aber die CIA und das FBI überwachen die Bürger schon länger, als die Stasi das im Osten tat. Den Amerikanern ist das mittlerweile gleichgültig und sie gehen leichtfertig mit ihren Rechten um. Es ist traurig, mitansehen zu müssen, wie sich das immer weiter verschlimmert.

Guntram Pintgen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #109 (August/September 2013)

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