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Interviews & Artikel

My Little Drummer Boy – Folge 19

Fabsich aka Lorenzo Stiletti (2BAD, ANKRY SIMONS, STEAKKNIFE)

Als 1988 die erste 2BAD-Platte erschien, war klar, dass da etwas ganz Besonderes passiert war. Eine Punk-Hardcore-Scheibe jenseits der üblichen Hörgewohnheiten, die die volle Aufmerksamkeit erforderte und einen nach mehrmaligen Durchläufen komplett in ihren Bann zog – allerdings nur, sofern man bis dahin durchgehalten hatte. Nicht unwesentlichen Anteil am organischen Gesamtbild der Band hatte die starke Schlagzeugarbeit von einem gewissen Fabsich, die man mindestens als ungewöhnlich, jedoch besser als großartig beschreiben kann. Nun sind 25 (in Worten: fünfundzwanzig) Jahre vergangen und Fabsich ist mit seiner Band STEAKKNIFE immer noch in Deutschland unterwegs. Wir befragten ihn zu seinem bisherigen Werdegang als Schlagzeuger.

Bist du schon als kleiner Junge deiner Mutter mit dem Trommeln auf die Nerven gegangen?

Ja, definitiv. Mein Bruder, ein Nachbarjunge und ich hatten früher eine Lego-Band. Da haben wir uns Instrumente aus Lego gebaut, die Gitarre hatte Saiten aus Gummibändern und ich habe dazu auf den Kochtöpfen meiner Mutter getrommelt. So haben wir dann im Kinderzimmer zusammen Musik gemacht, obwohl die Gitarre natürlich keine Chance gegen die Lautstärke der Drums hatte, aber das war ja auch scheißegal.

War dir damals schon klar, dass das Schlagzeug dein Instrument werden würde?

Eigentlich fing alles an, als mein Bruder Gitarre spielen lernen wollte. Der hatte aber totale Probleme damit und so saßen wir dann zusammen und haben an „Smoke on the water“ herumprobiert. Das war mir dann aber alles zu fummelig, obwohl ich eigentlich schon immer Musik machen wollte, und so kam ich dann auf die Idee, es mit dem Schlagzeug zu versuchen. Da steht man auch nicht so im Vordergrund, was mir ganz recht war. Zum Glück hatten wir einen Keller, wodurch ich den Nachbarn nicht so auf die Nerven gegangen bin, und da durfte ich dann auch mit meiner ersten Schülerrockband proben. Wir haben damals alles gecovert, was gerade angesagt war, bis ich dann mit JOLLY ROGER meine erste Punkband hatte. Im Keller meiner Alten durften wir nachmittags proben und um zehn Uhr abends musste dann wegen der Nachbarn Schluss sein, aber das war ja schon cool von meinen Eltern, dass wir überhaupt im Keller proben durften.

Wie bist du dann später zum Punk gekommen?

Zwei Klassen über mir ging damals ein Rainer auf dieselbe Schule, der brachte von einer Klassenfahrt die Platte der SEX PISTOLS mit, und mit der hat eigentlich alles angefangen. Es dauerte allerdings ziemlich lange, bis ich andere Punks kennen lernte, denn Homburg ist ja nur eine Kleinstadt. Als ich schließlich doch welche kennen lernte, war auch ziemlich schnell der Gedanke da, eine eigene Band zu gründen. Spielen konnten wir ja alle nicht. Der Gitarrist konnte ein paar Akkorde, ich hatte am Anfang nie Unterricht und der Bassist hat sich auch alles selbst beigebracht. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich nicht weiterkomme und habe eine zeitlang Unterricht genommen. Da wusste ich aber schon, was ich wollte.

Gab oder gibt es für dich Schlagzeuger, die du großartig findest?

Clem Burke von BLONDIE finde ich super. John Wright von NOMEANSNO ist auch großartig, obwohl ich an den ja sowieso nicht rankomme. Der ist unerreichbar und übt eben auch sauviel. Du merkst auch sofort, der hat diesen klassischen „Marching Band“-Hintergrund, denn in Amerika ist Musikunterricht an Schulen ja ganz anders. So etwas gibt es bei uns gar nicht.

Wie ist es dann später zur Gründung von 2BAD gekommen?

Also ich bin damals einige Male der Fahrer von CHALLENGER CREW gewesen, bei denen Stoffel auch schon Gitarre gespielt hatte, und als die sich aufgelöst hatten und die Gründung von 2BAD anstand, habe ich direkt gefragt, ob ich mitspielen könnte. Der damalige Schlagzeuger der CHALLENGER CREW hatte ziemlich viel mit Allergien zu kämpfen und hatte nach ein paar Tagen auf Tour immer wahnsinnig starke Ausschläge. Er stand also aufgrund seiner Krankheit nicht zur Verfügung und so habe ich angefangen, mit 2BAD Musik zu machen.

2BAD waren aber technisch schon deutlich anspruchsvoller als typischer Punkrock, oder?

Ja, das stimmt, und besonders am Anfang hatte ich große Probleme mit dem Timing. Ich hatte auch diese typische Schlagzeugerkrankheit, immer schneller zu werden. Mir hat aber damals super gefallen, dass wir alles zusammen gemacht haben. Wir haben mehrmals in der Woche geprobt und alle Lieder sind zusammen im Proberaum entstanden. Der Umgang miteinander war ganz anders, als ich das vorher bei JOLLY ROGER gewohnt war, und ich habe da wirklich viel gelernt.

Bist du bei deinen Bands in das Songwriting involviert?

Unsere Songs entstehen alle im Proberaum und da hat schon jeder Mitspracherecht. Der Schlagzeuger sagt dann mal, ob man nicht hier und da etwas an der Strophe ändern könnte, damit es nicht so langweilig klingt, aber eigentlich kommt der Hauptanteil bei den Songs schon von den Gitarristen. Das ist ganz klar, obwohl wirklich viel beim Jammen passiert. Ich gebe einen Rhythmus vor, dann steigt der Nächste ein und immer so weiter. Es ist aber wirklich nie so, dass bei uns einer ein Lied zu Hause fertig geschrieben hat und dann bei der Probe sagt, spiel du das und spiel du das und so weiter. So etwas hat es bei uns nie gegeben.

Was ist der Unterschied zwischen 2BAD damals und STEAKKNIFE heute?

Grundsätzlich sind ja bei beiden Bands dieselben Leute dabei, nur bei 2BAD hatten wir immer das Problem, dass wir die negativen Energien vom Publikum aufgesogen. So hat das Stoffel mal treffend formuliert, und das war der Grund, warum wir selbst nach den Konzerten oft scheiße drauf waren. Das größte Kompliment haben wir mal bekommen, als wir in Stuttgart auf der Weihnachtsfeier der Kunsthochschule gespielt haben. Da kam eine Frau zu uns und sagte: „Ich kam heute hierher, um zu feiern, und ihr habt mir den ganzen Abend verdorben.“ Der Veranstalter kam dann zu uns und meinte: „Genau deshalb habe ich euch gebucht. Ich wollte es den Arschlöchern mal so richtig zeigen.“ Das war zwar eine Zeit lang gut, aber wenn man oft gegen das Publikum spielt, macht es irgendwann auch keinen Spaß mehr. Wir haben dann am Ende von 2BAD bei unseren Konzerten angefangen, als Zugabe die einfachen und straighten ANKRY SIMONS-Songs zu spielen. Einfach nur deshalb, um diese negative Stimmung aufzulösen und uns wieder besser drauf zu bringen. Irgendwann war dann klar, dass wir in der Richtung weitermachen wollten, weil es uns auch einfach mehr Spaß macht. Man selbst verändert sich auch im Laufe der Zeit und so waren die Voraussetzungen für 2BAD nicht mehr gegeben.

STEAKKNIFE gibt es jetzt schon seit über zwanzig Jahren. Wie motivierst du dich, immer noch weiterzumachen?

Wir proben regelmäßig einmal die Woche. Manchmal schleppt man sich eher zur Probe hin, aber wenn man dann im Proberaum zusammen ist, ist es eigentlich immer schön. Ich sage manchmal: „Mein Vater ist Kegeln gegangen und ich gehe halt Proben.“ Wir sehen uns ja nicht mehr täglich und haben uns immer viel zu erzählen, und dann musizieren wir einfach gern zusammen und gehen hinterher noch ein Bier trinken. Und wir spielen ja auch manchmal noch Konzerte, daher kommt auch die Motivation. Wir spielen gern in Läden, wo wir die Leute kennen und wissen, dass es cool ist. Dann haben wir ja auch mal wieder Pläne, in absehbarer Zeit eine Platte zu machen, wobei wir uns da keinen Druck machen. Wenn wir genug neue Sachen haben, mit denen wir zufrieden sind, dann machen wir eben eine neue Platte.

Bist du noch bei anderen Bands aktiv?

Ja, ich spiele noch in einer TRIO-Coverband mit dem Namen DIE FAHRT VON HOLZMINDEN NACH OLDENBURG, mit der wir die komplette erste TRIO-Platte – inklusive dem dummen Gelaber – nachspielen. Dann bin ich seit einem halben Jahr noch bei MOFAHEAD, wo auch unser Gitarrist Stoffel spielt und wir Siebziger-Jahre-Mofarock machen. In der TRIO-Band spiele ich natürlich Standschlagzeug und bin immer wieder fasziniert, wie genial Peter Behrens damals bei TRIO auf diesem extrem reduzierten Schlagzeug getrommelt hat. Die Akzente und die simplen Arrangements waren wirklich großartig.

Wie hältst du dich fit, um nach so vielen Jahren immer noch kraftvoll spielen zu können? Ich habe gehört, du bist engagierter Rennradfahrer.

Ich fahre schon viel Rad. Früher habe ich häufiger mal an so „Jedermannrennen“ teilgenommen und bin auch heute noch viel auf dem Rennrad oder dem Mountainbike unterwegs. Da ich jetzt nicht mehr so viel Zeit habe, fahre ich lieber zwei Stunden auf dem Mountainbike als fünf Stunden mit dem Rennrad. Da ist man hinterher auch schön kaputt. In einem Verein war ich allerdings nie, weil mich diese ganze Vereinsmeierei nie interessiert hat. Wir haben so eine lose Gruppe und fahren unsere Touren gemeinsam, wobei ich auch sehr gern für mich alleine fahre. Das bringt fürs Schlagzeug die nötige Kondition und ich halte einfach länger durch. Außerdem macht es auch herrlich den Kopf frei und ist für mich der beste Ausgleich zu meinem täglichen Job am Schreibtisch. Bewegung ist immer gut und wenn im Winter mal beschissenes Wetter ist und ich tagelang wegen Schnee nicht fahren kann, dann komme ich einfach scheiße drauf. Dann will mich meine Frau immer ins Fitnessstudio schicken, aber darauf habe ich überhaupt keine Lust.

Hast du dir nach so vielen Jahren im Geschäft mal überlegt, ob du auch als Schlagzeugprofi deinen Lebensunterhalt hättest verdienen können?

Nein, das war für mich immer nur ein Hobby. Wir haben es zwar mit 2BAD und dann auch STEAKKNIFE mal ein bisschen mehr wissen wollen und sind zu einem größeren Label gegangen, aber die sind bald pleite gewesen. Ich wollte immer nur die Musik spielen, die ich wirklich machen will, und kenne bei uns in der Stadt zwei bis drei Profis, die genau das nicht mehr können. Die müssen immer hier noch mal auftreten und da noch einen Job im Vorprogramm von irgendjemandem erledigen und sind ständig unterwegs von einem Auftritt zum nächsten, damit die Kohle stimmt. Wenn das irgendwann nur noch ein Job ist, geht doch der Spaß verloren, und der ist für mich eben das Wichtigste.

Christoph Lampert

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #109 (August/September 2013)

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