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Interviews & Artikel

CREEPSHOW

... must go on

Sänger weg = Band am Ende. Diese Gleichung ist in der Welt der Populärmusik so unumstritten wie die Gleichung 1 + 1 = 2 in der Mathematik. Wären THE CREEPSHOW also Mathematiker, dann müssten sie sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht rechnen zu können. Schließlich haben die Kanadier die Sänger-Gleichung bereits zweimal ignoriert: Erst ging Jennifer „Hellcat“ Blackwood und reichte das Mikro weiter an Schwesterchen Sarah „Sin“, ebenfalls Blackwood. Dann ging auch Sarah und wurde von Kenda Legaspi beerbt. Doch was anderen Bands das Genick gebrochen hätte, rang THE CREEPSHOW nur ein müdes Lächeln ab: Sie machten einfach weiter mit ihrem Mix aus Punk und Psychobilly, nahmen ein neues Album auf und tourten, als sei nichts gewesen. Auf den Stufen einer Kirche und eine halbe Stunde vor ihrem sommerlichen Sauna-Konzert im Kölner MTC erzählten Frontfrau Kenda, Bassist und Gründungsmitglied Sean „Sickboy“ McNab sowie der neue (deutsche) Gitarrist Daniel Flamm, wie sie es schaffen, die CREEPSHOW einfach weitergehen zu lassen – um mal eine weltberühmte Band zu zitieren, die ihren Sänger verlor und nicht wieder auf die Beine kam ...

Kenda, du trinkst da gerade einen Energydrink, der laut Zeitungsbericht von unseren Ärzten als extrem gesundheitsschädlich eingestuft wird. Musst du als Sängerin nicht mehr auf dich achtgeben?

Kenda: Haha, ach komm. Das sagen unsere kanadischen Ärzte auch. Das sagen dir die Ärzte auf der ganzen Welt. Aber es ist ganz einfach: Ich brauche so was jetzt. Ich bin vom gestrigen Auftritt noch soooo müde. Heute morgen war ich sogar so platt, dass ich kaum aus dem Bett kam. Das hier in Deutschland ist eine harte Zeit. Neulich in Berlin hatte einer aus der heimischen Crew Geburtstag und mir wurde ein Drink nach dem anderen in die Hand gedrückt. Du musst wissen: Ich trinke nicht oft. Entsprechend schnell war ich betrunken. Die haben mich fertig gemacht.

Und seitdem ist dein Verhältnis zu Deutschland ein gespaltenes.

Kenda: Nein, überhaupt nicht. Ich liebe Deutschland. Ich bin sogar lieber hier als in Kanada.

Das würden dir hierzulande geschätzte 2% der Menschen abkaufen ...

Kenda: Es stimmt aber. Und weißt du, woran das liegt? Ihr Deutschen seid unfassbar ehrliche Menschen. Ihr nehmt kein Blatt vor den Mund. Wenn ich auf der Bühne nur Mist abliefere, dann sagen mir die Leute das hinterher auch: Also, Kenda, das war jetzt nicht so super. Und wenn mein Make-up nicht sitzt, dann bekomme ich das auch zu hören. So etwas ist zunächst natürlich hart. Aber nach kurzer Zeit beginnt man, darüber nachzudenken und seine Schlüsse daraus zu ziehen. Und dann sagt man sich: Das tut der andere ja nicht, um dir weh zu tun oder um dich zu ärgern, sondern weil er es so empfunden hat. Also lerne daraus. Diese Ehrlichkeit ist doch so viel besser als alles schönzureden. Man reflektiert das, was man tut, viel mehr.

Dann lasst uns mal euer neues Album reflektieren. Wir sitzen hier zusammen. Ihr spielt gleich ein Konzert, bei dem sicher auch neue Songs zu hören sein werden. Aber: Bis auf zwei Stücke – darunter das BEATSTEAKS-Cover „Hello Joe“ – kennt kein Mensch die Platte, weil sie erst in zwei Monaten veröffentlicht wird ...

Sean: Ja, wir sind erst kurz vor unserem Aufbruch nach Deutschland vor wenigen Tagen mit dem letzten Mix fertig geworden ...

Und wie wird sie nun eurer Auffassung nach klingen, diese unbekannte neue Platte?

Shane: Sie hört sich nach THE CREEPSHOW an. Aber sie ist anders. Immerhin haben wir eine neue Sängerin. Wir haben einen neuen Schlagzeuger, der aus der Hardcore-Ecke kommt und uns antreibt. Und mit Daniel haben wir endlich einen echten Lead-Gitarristen an Bord, der auch mal ordentliche Soli spielen kann.

Den hattet ihr vorher nicht in Sarah Blackwood?

Sean: Nicht in dieser Form. Nicht so...

Daniel: ... virtuos? Kann man das sagen?

Sean: Ja, genau!

Daniel: Gut. Wobei ich sage: Ich spiele vielleicht durchdacht. Aber ganz sicher nicht virtuos im Sinne von Rumgegniedel.

Kenda: Man kann sagen: Das Album ist ein typisches THE CREEPSHOW-Album und steht für diese Band. Gleichzeitig aber stecken die Gedanken und Überzeugungen von fünf Menschen darin, die allesamt durchaus unterschiedliche musikalische Hintergründe haben.

Die personellen Änderungen einmal außen vor gelassen: Gab es irgendeinen Unterschied zu den Aufnahmen der vorigen Alben?

Sean: Absolut. Dieses Mal waren tatsächlich alle fünf Bandmitglieder am Songwriting beteiligt. Früher waren das eigentlich nur Sarah und ich. Aber jetzt haben wir in Daniel einen neuen, tollen Songwriter. Sandro, unser Schlagzeuger, hatte auch ein paar Texte auf Lager. Und natürlich kam dann auch Kenda an und meinte: „Hey, Juuuungs! Schaut mal. Ich habe hier eine Idee für einen Soooooong!“

Kenda: Haha, genauso höre ich mich an.

Sean: Wir haben viel Herzblut in dieses Album gesteckt.

Das hört sich ja alles sehr schön und homogen an. Aber ihr habt bereits zum zweiten Mal eure Sängerin verloren. Das ist ja für die meisten Bands sozusagen der Anfang vom Ende. Da ist es nicht selbstverständlich, einfach weiterzumachen.

Sean: Das stimmt schon. Aber irgendwie haut es bei uns immer hin. Du sagst es ja: Wir haben das ja nicht zum ersten Mal durchgemacht. Ich gewöhne mich daran. Man muss sich einfach sagen: Das ist nie passiert. Mach weiter.

Kenda: Da hörst du es: Diese Jungs sind einfach leidenschaftlich. Sie sind so konsequent, dass sie nicht zurückschauen, sondern nur eine Richtung kennen: geradeaus. Zudem haben all diese Erfahrungen diese Band unfassbar stark gemacht. Ich behaupte mal: Wir würden niemals aufgeben! Egal, was passiert. Wir würden immer weiter gehen!

Also wenn du so etwas sagst, dann muss dein erstes Jahr in dieser Band ja außerordentlich gut gewesen sein, oder?

Kenda: Es war überwältigend! THE CREEPSHOW waren ja immer eine Band, die ich bewundert habe. Sie waren eine Inspiration für mich bei dem, was ich früher musikalisch gemacht habe. Und bei diesen Voraussetzungen in diese Band zu kommen, als Sängerin – das war für mich ein totaler Schock. Aber einer in der Form von: Da wird ein Traum wahr.

Trotzdem: Du warst plötzlich Mitglied deiner Lieblingsband, hattest Sarah Blackwoods schweres Erbe zu tragen und musstest hohe Erwartungen erfüllen. Das hört sich nicht nur nach reinem Vergnügen an.

Kenda: Die ersten Konzerte waren in der Tat nervenaufreibend. Es gibt Einfacheres, als neue Frontfrau in einer Band zu sein, das kann ich dir sagen. Aber es ändert nichts daran: Das mit THE CREEPSHOW ist die größte und beste Erfahrung, die ich in meinem Leben gemacht habe. Die anderen pushen mich unglaublich.

Bekommt ihr bei all dieser Band-Romantik euch im Studio auch mal in die Haare?

Kenda: Nein. Wir diskutieren und haben schon einmal verschiedene Ansichten. Aber wir zoffen uns nicht. Außerdem, was würde Wut bringen? Wenn ich plötzlich irgendwas zerfetzen und laut schreiend um mich treten würde – was ich ganz gut kann –, dann würden mich die anderen doch nur auslachen, hehe.

Wie haltet ihr diese Harmonie innerhalb der Band trotz Besetzungswechsel und Tourneestress aufrecht?

Sean: Ganz einfach: Wir würden niemals jemanden als Mitglied aufnehmen, ehe er nicht mit uns im Bus unterwegs gewesen ist.

Das ist die wichtigste Voraussetzung?

Sean: So ist es. Es gab bislang nur eine Ausnahme: Kenda.

Kenda: Haha, ja. Ich musste nur eine Stunde mit den Jungs in einem Raum aushalten. Danach wussten alle Bescheid.

Wie haben sie dir auf den Zahn gefühlt?

Kenda: Sie haben mich gefragt, was ich leiden kann und was nicht. Furzende, stinkende Jungs? Kein Problem: Mein Freund hat drei ältere Brüder. Das kenne ich!

Hand aufs Herz: Gab es ernsthafte Konkurrenz für Kenda als Sängerin?

Sean: Na ja, wir haben einige ausprobiert. Es gab da zum Beispiel ein Mädchen, das ich in einer Bar kennen gelernt habe. In einer Karaoke-Bar. Sie fing an zu singen – und es klang fantastisch. Ich habe sie gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, bei uns zu singen. Konnte sie. Aber letztlich lief es dann doch auf Kenda hinaus. Egal, wie wir es drehten und wendeten.

Was hast du getan, um die Jungs zu überzeugen?

Kenda: Ich habe beim ersten Treffen sofort „Zombies ate my brain“ gesungen.

Sean: Kenda war zwar von allen, die wir uns angehört haben, diejenige, die am schlechtesten vorbereitet war und die Texte nicht richtig drauf hatte. Aber sie lebt diese Songs. Es hat einfach gepasst.

Kenda: Ich war eben unglaublich nervös vorher. Ich bin zu Hause rumgerannt und habe mich gefragt: Was ziehst du an? Wie gibst du dich da bloß? Sitzt das Make-up?

Wer von euch hat wen zuerst angesprochen bei der Sängersuche?

Kenda: Sean hat mich gefragt. Wir sind bei Facebook befreundet und ich hatte irgendwann eine Nachricht von ihm im Posteingang, so nach dem Motto: Hey, du bist doch Fan unserer Band. Also komm her und sing für uns!

Und wie kam Daniel zu euch?

Daniel: Wir haben uns erstmals 2007 bei der Jubiläumstour von MAD SIN getroffen. Da war ich noch mit meiner alten Band HEARTBREAK ENGINES am Start. Wir kamen sofort super miteinander klar, haben die Tour in einem Bus verbracht – und danach wurde der Kontakt immer enger: Ich half Sarah Blackwood bei ihrem ersten Akustik-Soloprojekt und flog immer häufiger nach Kanada, besuchte dort CREEPSHOW-Konzerte und fuhr im Tourbus mit. Wenn sie nach Europa kamen, war es das gleiche. Es wurde also irgendwann familiär. Und dann fragten sie mich, ob ich nicht ihr neuer Gitarrist werden wollte. Tja, jetzt fliege ich eben noch häufiger hin und her zwischen Deutschland und Kanada – was bei meiner ausgeprägten Flugangst nicht immer so einfach ist.

Kenda: Oh ja, armer Daniel. Ich muss immer seine Hand halten im Flugzeug.

War jemals ein Mann am Mikrofon im Gespräch?

Sean: Es ist lustig und interessant, dass du fragst. Denn die Antwort lautet: Ja. Unser Management – sowohl das in Deutschland als auch das in Kanada – hatte das tatsächlich auf dem Schirm, als Sarah ging. Sie fragten mich: Sean, warum singst du denn nicht selbst? Ich habe ihnen aber ganz schnell gesagt, dass das eine bescheuerte Idee sei. Das würden fünf Leute gut finden. Der Rest würde es wahrscheinlich hassen. Wir hatten ja immer eine Sängerin. Texte und Melodien, alle Songs sind auf eine Sängerin zugeschnitten. Das wäre also nicht mehr THE CREEPSHOW.

Frank Weiffen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #110 (Oktober/November 2013)

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