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Interviews & Artikel

OATHBREAKER

Eros und Anteros

In der belgischen Kleinstadt Gent brodelt es gewaltig. Im Schatten von Größen wie RISE & FALL und AMENRA formierten sich in den vergangenen Jahren Bands wie THE BLACK HEART REBELLION, HESSIAN und nicht zuletzt auch OATHBREAKER, die spätestens seit ihrem 2011 auf Deathwish erschienenen Album „Maelstrom“ große Wellen schlagen. Im Spätsommer 2013 erschien „Eros/Anteros“, der Nachfolger. Unter Kurt Ballous Obhut wagten sich OATHBREAKER diesmal an ihre komplexen, dynamischen Songs. Befreit von Unsicherheiten zeigt die Band, wie facettenreich und atmosphärisch Hardcore in Verbindung mit Elementen aus Metal, Doom und artverwandten Genres klingen kann. Sängerin Caro und Schlagzeuger Ivo gaben währen ihrer Tour im August Auskunft über die Symbolik und Konzeption von „Eros/Anteros“.

Eure Heimatstadt Gent hat in den vergangenen Jahren einen Haufen großer Bands ausgespuckt. Habt ihr eine Erklärung dafür?

Caro:
Die wenigsten Mitglieder dieser Bands stammen ursprünglich aus Gent, sind aber aus verschiedenen Gründen dort hingezogen. Ganz allgemein ist es einfach eine lebenswerte Stadt. Im Vergleich zu Brüssel oder Antwerpen ist Gent winzig, eher eine Kleinstadt, in der alles sehr vertraut ist. Jeder kennt jeden und es gibt einen ausgeprägten Sinn für Gemeinschaft, der sich auch in der lebhaften Kulturszene der Stadt widerspiegelt. Kulturell ist Gent sehr aufgeschlossen und vielfältig.

Ivo: Der Eindruck, dass Gent der Grund für die hohe Aufmerksamkeit, die all diese Band gerade genießen, sei, ist meiner Meinung nach ein Missverständnis. AMENRA gründeten sich 1999 und sie spielten vorher schon in anderen Bands. Die Jungs von RISE & FALL spielen bestimmt seit 15, zwanzig Jahren in Hardcore-Bands. Ich gehe seit 1998 auf Hardcore Shows, Lennart sogar noch länger. Dass sich gerade alles in Gent konzentriert, ist eine Zufall, eine glückliche Fügung mit dem Ergebnis, dass Menschen, die sich seit Jahren abmühen, endlich die Früchte ihrer Arbeit ernten. Eine Eigenart Gents würde ich dennoch als Katalysator sehen: der von Caro angesprochene solidarische Gemeinschaftssinn der Stadt. Die Bands greifen einander unter die Arme und spornen sich aber gegenseitig an. So gesehen verbindet diese Szene von sechs, sieben Bands auch ein gemeinsamer kreativer Geist.

Die genannten Bands sind auch alle unter dem Dach der „Church of Ra“ versammelt. Was hat es mit diesem Kollektiv auf sich?

Ivo:
Church of Ra ist nicht nur eine Plattform für Bands, sondern auch für Fotografen, Illustratoren und einem Haufen weiterer kreativer Köpfe, die zusammen arbeiten und sich gegenseitig inspirieren. Hauptsächlich geht es darum, Kräfte und Ideen zu bündeln. Arbeitest du nur eigenbrötlerisch alleine vor dich hin, erreichst du weit weniger als im Kollektiv.

„Eros/Anteros“ hat mich mit seinen langsamen, fast ruhigen Parts überrascht. Haben euch atmosphärische Bands wie AMENRA oder THE BLACK HEART REBELLION beeinflusst?

Ivo:
Ich würde eher sagen, dass wir ein Interesse an Dynamik entwickelt haben.

Caro: Absolut. Unser erstes Album „Maelstrom“ wirkte nicht wirklich in sich geschlossen, es fehlte der rote Faden, weil wir fast vier Jahre brauchten, also eine halbe Ewigkeit, um die Platte zu schreiben. Dieser Zeitspanne ist ein Konzept für das Album zum Opfer gefallen. Im Vergleich klingt „Eros/Anteros“ kohärenter und wurde mit einem Sinn für Atmosphäre und Dynamik geschrieben, angelehnt an unser Live-Konzept, ruhige und schnelle Parts zu verknüpfen. Eine Band, die dreißig Minuten lang das Gleiche spielt, ist langweilig. Außerdem braucht man bei der Musik, die wir spielen, einfach einen Ruhepol, eine Verschnaufpause. Du kannst nicht eine halbe Stunde lang auf den Hörer einprügeln.

Ivo: Es erzeugt Spannung, sowohl auf Platte als auch in der Setlist. Erst der Klang von Stille lässt laute Musik wirklich intensiv und umwerfend klingen. „Maelstrom“ war eine Ansammlung von Liedern, aus denen wir ein Album machten. Dieses Mal setzten wir uns hin und schrieben ein Album mit Sinn für Atmosphäre und Dynamik. Der erste Schritt in diese Richtung war auch die Split-Platte mit AMENRA, auf der „Agartha“ ebenfalls zu hören ist. Das Stück war sozusagen ein Experiment, bei dem wir unsere Möglichkeiten und unser Talent ausloten und ausreizen konnten.

Waren die Arbeiten zu „Eros/Anteros“ vielleicht auch deswegen fokussierter, weil die Band seit „Maelstrom“ eine höhere Priorität in eurem Leben genießt?

Caro:
Definitiv. Vor den Aufnahmen zu „Maelstrom“ waren wir kurz davor, OATHBREAKER aufzulösen, weil alles im Sand verlief und zu nichts führte. Ich glaube, dass wir fast sieben Monate lang nicht probten. Es war nichts Persönliches, die Luft war einfach raus. Beim Schreiben von „Eros/Anteros“ waren wir viel motivierter und vor allem auch selbstbewusster. Wahrscheinlich auch, weil wir bei Deathwish gelandet sind.

Ivo: Die Entscheidung, ein Studio für die „Maelstrom“-Aufnahmen zu buchen, war eine lebenswichtige Notwendigkeit für die Band. Es war der letzte Versuch, unser bis zu dem Zeitpunkt geschriebenes Material irgendwie zu dokumentieren, in der Hoffnung, dass sich irgendjemand dafür interessieren würde. Die Entwicklung des Ganzen, die Rezeption der Platte, hätte sich niemand von uns träumen lassen. So etwas verändert automatisch die Bedeutung, die die Band für dich hat, und verschiebt deinen Fokus.

Der Deal mit Deathwish war sicher eine einschneidende Veränderung.

Caro:
Das war total bizarr. Dass Deathwish unsere Platte veröffentlichen wollte, konnte ich kaum glauben. Das hätte ich mir niemals träumen lassen. Ich war mir sicher, dass das nie passieren würde.

Ivo: Wir dachten immer, dass Deathwish das Label ist, auf dem wir mit Glück irgendwann, in vielen Jahren landen könnten. Als ich Jacob Bannons Mail im Postfach sah, dachte ich, dass uns jemand verarschen will. Denn nur eine Woche vorher hatten wir uns getroffen, um zu beraten, was wir mit den Aufnahmen anstellen, wenn weiterhin niemand Interesse an ihnen zeigen würde.

Das Cover der neuen Platte ziert ein geschmückter Maibaum, im dazugehörigen Musikvideo ist eine Art kultisches Ritual zu sehen. Eros und Anteros sind zwei Figuren der griechischen Mythologie. Was hat es mit all dem auf sich?

Caro:
Fangen wir mit dem Titel an. Beim Schreiben der Texte hatte ich den Eindruck, dass wir uns im Wandel befinden und Veränderungen durchleben. Nicht unbedingt als Band, eher im Privaten. Parallel zu den Arbeiten an „Eros/Anteros“ machten einige von uns harte Zeiten durch und nach den Aufnahmen schienen sich die Wogen wieder zu glätten. Als wir auf die Entstehung der Platte und die Zeit seit der Veröffentlichung von „Maelstrom“ zurückblickten, entschieden wir, das Geschehene und unsere persönliche Erfahrungen aus dieser Zeit auf dem neuen Album zu verarbeiten. Unsere Musik schien uns das passende Medium für diese Auseinandersetzung zu sein. Deswegen legten wir den Fokus auf das Thema Übergänge und Gegensätze, das spiegelt sich nicht nur in den Texten wider, sondern auch musikalisch in der angesprochenen Dynamik. Dann sind wir auf ein Theaterstück des Genter Dichters Maurice Maeterlinck gestoßen. In dessen Werken erkannten wir uns und unsere Gefühle wieder, weshalb wir eines seiner Gedichte in „Beeltenis“ auch als Text nutzen. Maurice Maeterlinck schrieb auch ein Theaterstück, namens „Pelléas et Mélisande“, das die Geschichte von Eros und Anteros erzählt, zwei Götter als Verkörperung von Gegensätzen.

Ivo: Das Theaterstück handelt auch von Wandel, dem Auf und Ab des Lebens. Ruhige, besonnene Zeiten wechseln mit Episoden von Chaos und Verstörung. In dieser ambivalenten Metaphorik sahen wir nicht nur eine Reflexion unseres Privatlebens, sie ließ sich auch auf unsere Vorstellung vom Sound der Band übertragen.

Und was hat es mit dem Maibaum auf sich?

Caro:
Der Maibaum bedient auch die Metaphorik von Wandel und Übergängen. Das Aufstellen des Maibaums ist ein altes heidnisches Ritual zur Feier eines neuen Zyklus oder eines neuen Jahres. Den Maibaum auf dem Cover von „Eros/Anteros“ stellten wir selbst auf, zusammen mit den Leuten von We Became Aware, dem Grafikdesign-Büro des Gitarristen von THE BLACK HEART REBELLION, wo auch schon das Artwork für „Maelstrom“ gestaltet wurde. Jeroen Mylle – auch Teil des „Church of Ra“-Kollektivs – schoss die Fotos für das Cover und drehte später auch das Video zu „No rest for the weary“. Im Video ist derselbe Maibaum zu sehen, den wir nach dem Fotoshooting im Wald versteckten. Das Video zeigt eine Gruppe junger Frauen, die im Zuge eines Rituals den Maibaum stellen. Angelehnt ist das Ganze an historische Illustrationen des Maibaum-Rituals, bei dem meist Mädchen oder Frauen um den Baum tanzen.

Caro, für die Texte zu „Maelstrom“ hattest du dich unter anderem von Tarotkarten inspirieren lassen, jetzt von einem heidnischen Ritual. Faszinieren dich solche spirituellen Bräuche?

Caro:
Sie inspirieren mich. Als ich damals auf die Tarotkarten gestoßen bin, hat mich weniger deren spirituelle Bedeutung interessiert, sondern mehr deren Bildsprache. Die Texte zu „Eros/Anteros“ sind weniger vom heidnischen Ritual des Maibaums an sich inspiriert, sondern von der Metapher der Wandels. Generell fasziniert mich Symbolik. Viele meiner Texte sind sehr persönlich, aber nie offensichtlich. Ich versuche immer, mich ein wenig kryptisch auszudrücken, so dass jeder, der meine Texte liest, sie für sich selbst interpretieren und sich darin wiederfinden kann.

Ivo: Die Themen und Inhalte unserer Alben sind von verschiedensten Teilen unserer Kultur inspiriert. Stoßen wir auf etwas, das unsere Empfindungen oder Aussagen zu einem bestimmten Zeitpunkt reflektiert, beschäftigen wir uns damit und nutzen es oder deuten den Sinn auch um. Maurice Maeterlincks Gedicht haben wir zum Beispiel in einen ganz neuen Kontext gesetzt. So kommen auch neue Leute mit seinem Werk in Berührung, die sich unter Umständen auch eigene Gedanken dazu machen.

Matin Nawabi

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #111 (Dezember 2013/Januar 2014)

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