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Interviews & Artikel

SUPERSUCKERS

Eddie, der Familienmensch

Was hat man für ein Bild von Eddie Spaghetti, dem Frontmann der SUPERSUCKERS? Ein cooler Rock’n’Roller, vom Scheitel bis zur Sohle, der für die Musik lebt und gerne Party macht, der für einen eher lockeren Lebensstil steht? Das Gegenteil ist der Fall: Eddie ist ein Familienmensch, verheiratet, drei Kinder, und 2014 wird er mit der ganzen Familie losziehen, um für ein Jahr im Wohnwagen zu leben und zu touren. Darüber und über das neue SUPERSUCKERS-Album „Get The Hell“, das erste seit fünf Jahren, sprach ich mit ihm Anfang des Jahres.

Eddie, fünf Jahre sind seit dem letzten Album vergangen, was war los?


Ach, ich weiß auch nicht, irgendwie brauchen wir mittlerweile einfach ziemlich lange, bis wir so was organisiert bekommen. Wir wollten die Platte schon viel länger machen und rausbringen, aber die Labelsuche gestaltete sich schwierig und alles selbst zu machen, ist auch ganz schön aufwendig.

Wird das Leben mit den Jahren auf wundersame Weise einfach komplizierter, war es früher einfacher?

Haha, genau so ist das!

Zudem hattest du auf dem letzten Album einen Song zum Thema Prokrastination, vulgo: Aufschieberitis.

Ja, das mit der Prokrastination kommt auch noch dazu. Wir haben allerdings die ganze Zeit über Songs geschrieben, aber uns alle ins Studio zu bekommen – wir leben alle in anderen Städten – ist mittlerweile recht schwierig. Alle von uns haben Familie.

Apropos, da war gerade Kindergeschrei im Hintergrund ...

Haha, ich stehe gerade im Kinderzimmer, deshalb. Meine Frau und ich haben drei Kinder, und wenn ich zu Hause bin, sind wir eine ziemlich typische Familie. Wobei es ein mittleres Wunder ist, dass ich jetzt zu Weihnachten und Neujahr zu Hause bin, das war schon seit Jahren nicht der Fall.

Wie bekommt ihr das hin mit den Kindern? Damit der Mann, der berühmte Musiker, unterwegs sein kann, muss die Frau zuhause bleiben und sich um die Kinder kümmern?

Man braucht eine wirklich starke Partnerin, damit das klappt. Meine Frau ist unglaublich, die kümmert sich um alles, wenn ich unterwegs bin, und ich bin viel unterwegs – mindestens die Hälfte des Jahres. Damit wir uns 2014 etwas mehr sehen können, planen wir gerade eine interessante Aktion für Ende des Jahres: Wir werden uns einen Wohnwagen kaufen und dann alle fünf zusammen losfahren – ein Jahr lang! So können wir endlich mal viel Zeit zusammen verbringen. Ich werde in der Zeit sowohl Solokonzerte spielen wie welche mit den SUPERSUCKERS, das volle Programm eben. Die Band wird natürlich separat reisen, haha. Ich glaube, das wird ein ziemliches Abenteuer.

Und was ist mit dem Schulbesuch deiner Kinder?

Mein Sohn ist 13, meine beiden Töchter sind vier und eineinhalb, und wir werden meinen Sohn in der Zeit selbst unterrichten, Homeschooling ist in den USA erlaubt.

Und, in welchen Fächern wirst du deinen Sohn unterrichten?

„School of Rock“, haha, Musikunterricht natürlich! In Literatur bin ich ganz gut, meine Frau wird für Mathematik zuständig sein. Ich denke, das Unterwegssein wird schon Unterricht genug sein, aber natürlich wird er die Hausaufgaben seiner bisherigen Schule machen müssen, damit er nicht zurückfällt. Ich denke, für einen Dreizehnjährigen wird es es eine spannende Erfahrung sein, es ist das richtige Alter, um ihn aus dem Schulsystem rauszuholen. In diesem Alter fängt der ganze Scheiß mit Cliquenbildung und Gruppendruck an.

Reisende Musiker – das klingt beinahe nach den Hippies damals, die in bunten, alten Schulbussen durchs Land tourten.

Haha, ja, wir werden so was wie Hippies sein in der Zeit. Wir haben bislang auch keinen Bezug zum Campen gehabt, über diese ganz eigene Welt wissen wir bislang nichts. Es wird bestimmt ein interessanter Lernprozess. Danach sind wir sicher auf alles vorbereitet, was da noch so kommen könnte, haha. Meine Frau kam mit der Idee an. Die fragte sich, was wir tun können, damit ich mitbekomme, wie meine Kinder groß werden. Ich verpasse ja mit dem ganzen Touren einen großen Teil ihrer Kindheit, das ist echt schade. Und so kam dann eben die Idee auf, mit der Familie ein ganzes Jahr zusammen loszuziehen. Ich kann ja nicht anders, ich muss „on the road“ sein, kann nicht zu Hause bleiben, muss Geld verdienen, also bedeutete das automatisch, dass die Familie mitkommen muss. Als mein Sohn damals geboren wurde, waren meine Frau und das Kind auch immer wieder mal mit auf Tour, und es war für uns drei eine echt gute Sache, auch wenn andere uns für bekloppt hielten. Diese Erfahrung habe ich in den letzten Jahren vermisst. Meine Frau hat mich immer schon unterstützt, was meinen Beruf betrifft. Das meiste daran findet sie cool, nur ein paar der Leute, mit denen wir als Band regelmäßig zu tun haben, findet sie etwas nervig. Dass wir in diesem einen Jahr separat von der Band unterwegs sind, ist sicher hilfreich.

Bei Musikern ist die Diskrepanz zwischen Image und Rock’n’Roll-Klischees einerseits und der Realität andererseits bisweilen recht groß. Man muss schon ein irgendwie gespaltene Persönlichkeit haben, um damit umgehen zu können, oder?

Im Rock’n’Roll geht es ja immer auch um Fantasien, und mir macht das Spiel mit den Klischees von Girls und Schnaps und so weiter großen Spaß, aber die Realität sieht natürlich ganz anders aus. Wenn ich zu Hause bin, besteht mein Leben aus Windelnwechseln und Spaziergängen im Park, haha. Und die anderen in der Band sind ja auch schon älter, auf Partys und Girls abschleppen hat da keiner mehr Lust.

Bedauerst du das, waren die „old days“ spaßiger?

Nein, ich vermisse sie überhaupt nicht. Solche Dinge haben meinen Touralltag auch früher nicht bestimmt. Solche Klischees gehören aber eben zum Rock’n’Roll-Image, und ich mag die Aspekte am Rock’n’Roll, die ihn überhaupt erst zum Rock’n’Roll machen, doch wenn du mich fragst, ob ich diese Klischees leben will, sage ich klar nein. Es kann eben nur einen Lemmy geben, haha.

Auf dem neuen Album singst du „I’m a fuck-up“ – das dürfte kaum ein Song sein, den du zu Hause als Wiegenlied singst, oder?

Hahaha, das ist ein guter Song zum Kinder ins Bett bringen, oder? Also zu Hause versuchen wir „dirty talk“ zu vermeiden – meine vierjährige Tochter plappert alles nach ... Mein Sohn übrigens hat sich noch nie für Schimpfworte und Fluchen interessiert.

Versteckst du deine Platten, Textentwürfe, was auch immer? Ist die Trennung zwischen Familienvater und Musiker so strikt?

Mein Sohn versteht, dass die Texte der SUPERSUCKERS als Spaß gemeint sind. Selbst wenn ein Song auf den ersten Blick übel erscheint, bei genauerer Betrachtung ist das ja alles witzig gemeint.

„Get The Hell“, wenn ich das so sagen darf, ist ein typisches SUPERSUCKERS-Album geworden – was ist anders, was ist neu?

Die Formel für die SUPERSUCKERS ist über die Jahre immer gleich geblieben, wir sind allerdings in Sachen Songwriting ein bisschen besser geworden – aber wirklich nur ein bisschen. Wenn Musiker was erzählen wie: „Und mit dieser Platte sind wir künstlerisch wirklich gewachsen!“, dann heißt das doch eigentlich: „This is the record where we started to suck.“

Man spricht auch immer von „künstlerischer Weiterentwicklung“ ...

... ja, aber das Einzige, was solche Bands weiterentwickelt haben, ist ihre Fähigkeit zu langweilen. Wir dagegen sind so spannend wie eh und je, ich bin stolz auf die neue Platte – ich behaupte, es ist unsere beste seit „The Evil Powers Of Rock’n’Roll“. Und die ist zehn Jahre her. Wir haben wirklich ein gutes Spätwerk produziert. Mein Favorit ist der Titelsong „Get the hell“, da stimmt alles. So klingt für mich aufregende Rockmusik. Er ist inspiriert von den Ereignissen um Hurricane Sandy. Ich dachte mir damals, dieser Sturm braucht einen Song, und so konzentrierte ich mich auf die Evakuierung, die Leute mussten ihre Häuser verlassen, „Get the hell out!“, hieß es. Für viele Freunde von mir war das eine echt üble Erfahrung– wir waren nicht betroffen, wir wohnen ja weit weg in Seattle. Diese fiesen Stürme gibt es hier nicht, dafür haben die Menschen Angst vor Erdbeben. Unser Haus ist von 1913, das ist alles andere als erdbebensicher. Ein Wohnwagen hingegen ... hat auch da seine Vorteile, haha.

Seattle liegt in Washington, wo neben Colorado der Marihuana-Konsum legalisiert wurde.

Eine gute Entscheidung! Ich finde, Marihuana sollte legal sein, es ist absoluter Blödsinn, Menschen in den Knast zu stecken wegen einer Pflanze, die wie Unkraut wächst.

Und wenn dein Sohn eines abends mit roten Augen nach Hause kommt, was sagst du dem? „Mach nur, das ist ja legal“?

Hm, also ich glaube nicht, dass wir das gut finden würden. Vor allem, wir würden das erkennen, der könnte das nicht vor uns verheimlichen.

Und was war mit dir in diesem Alter?

Meine Eltern waren total cool, die haben mich bei der Umsetzung meines Traums, Musiker zu werden, immer unterstützt. Ich war ein netter, braver Junge, machte meinen Eltern keinen Ärger. Die schmutzigen Seiten des Lebens entdeckte ich erst später, ich war ein Spätzünder, was das betrifft, haha.

Gemischt hat euer neues Album Blag Dahlia von den DWARVES. Warum er?

Nach den Aufnahmen war ich bei ihm zu Besuch, spielte ihm die Sachen vor, und er meinte, das könnte alles noch viel besser klingen. Da antwortete ich, er solle einfach machen. Und er machte – ich denke, das war eine geniale Idee. Ich bin wirklich überrascht, was er aus der Platte rausgeholt hat, er hat einfach ein Händchen dafür. Er weiß, wie man es schafft, dass einen die Platten förmlich „anspringen“, wenn man sie auflegt. Die letzten DWARVES-Platten haben alle diesen speziellen Sound. Sein Mix hat unsere Platte wirklich zu etwas Besonderem gemacht.

Wenn du heutzutage sagst „Wir haben eine neue Platte gemacht“, ist das dann das königliche Wir und du meinst letztlich nur dich – oder bezieht sich das auf die Band?

Ja, das ist schwierig, vor allem weil ich ja auch noch eine Solokarriere habe, da wechselt man ständig von der einen zur anderen Perspektive. Ich genieße es mit der Band zu spielen, das aktuelle Line-up ist das beste seit langem, es macht mir großen Spaß mit den Jungs zu spielen – und das war in der Vergangenheit nicht bei allen Versionen der Band so.

Joachim Hiller

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #112 (Februar/März 2014)

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