Interviews & Artikel : TEX MORTON :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

TEX MORTON

Punk mit Bundfaltenhose

Der Gitarrist Tex Morton wurde 1961 in Emden geboren und zog mit elf Jahren nach Osnabrück. Unzählige Bands und Projekte begleitete er musikalisch, so dass es mal an der Zeit war, seine Musikerlaufbahn ein wenig aufzudröseln. Dass dies bei bestimmt dreißig Bands, in denen er mitwirkte, kein leichtes Unterfangen werden würde, verstand sich im Vorfeld des Gespräches von selbst. Tex ist zudem ein wandelndes Lexikon und schafft es mühelos, in drei Minuten zwanzig Bandnamen zu nennen. Der auskunftsfreudige Norddeutsche, der seit 19 Jahren in Berlin wohnt, ist ein Paradebeispiel für die Verbindung von Rock’n’Roll und Punk.

Tex, gleich spielen die US BOMBS, deren Schlagzeuger ja Chip Hanna ist. Da gab es doch mal die Band CHIP HANNA & THE BERLIN THREE, mit dir natürlich. Chip war zeitweise sehr präsent in Berlin, ist er wieder komplett in die Staaten gegangen?


Nein, er lebte immer in den USA, wohnt jetzt in Phoenix, Arizona. Wir lernten uns kennen, weil die US BOMBS wie meine damalige Band MAD SIN bei People Like You Records waren und da gingen wir zusammen öfter auf Package-Tour. Ich spielte dann ab und an Rockabilly-Gitarre, Country und Honky Tonk. Und Chippy sang beim Soundcheck zur Akustikgitarre Ernest Tubb-, Johnny Cash- und Hank Williams-Songs. Das war also die „Geburtssekunde“ der Band. Im Januar/Februar 2014 touren wir im Übrigen in Originalbesetzung durch Europa.

Genau, mit Andy Laaf an den Drums und Valle am Kontrabass. Zwei Platten gab es ja auch.

Die erste Platte nahmen wir mit Tom Schwoll auf und sie ist wirklich in einer einzigen Nacht komplett eingespielt worden. Am nächsten Tag hat wohl Chippy noch ein bisschen was gesungen. Wir trafen uns echt am Abend und ich bin dann morgens um sieben Uhr hier in Kreuzberg in die U Bahn gestiegen. Die zweite Platte, die schon anspruchsvoller war, dauerte dann extrem viel länger, nämlich drei Tage!

1985 kam ja die erste SUNNY DOMESTOZS Platte heraus, produziert von Götz Alsmann. Wie trug sich das alles zu?

Ich habe mit „Ossi“ Münnig SUNNY DOMESTOZS gegründet, weil wir uns durch Götz Alsmann kennen lernten. Götz machte früher in Münster ein Fanzine, das hieß Rockin’ Regards, und für das habe ich als Kid so einige Artikel geschrieben. Na ja, Münster und Osnabrück sind eben auch nur fünfzig Kilometer entfernt, sind quasi Nachbarstädte. Genau genommen war meine erste Band ja DELIRIUM aus Osnabrück, das war so Hardcore-Punk, so Stachelpunk in Richtung GBH, und ich war als Ted der Bassist dabei. Unser größter Hit in der Szene war damals „Deutschland ist ein Nazistaat – Deutschland verrecke“. Das sah aus, diese Nietenpunks und ich dazu mit meiner Bundfaltenhose, Tolle und gebügeltem weißen Hemd. Dann hatte ich mit Freunden eine Band, die hieß TEX MORTON & THE JET SETS. Mit denen spielten wir Support für UNDERTONES und Link Wray. Ich hatte mir ja außer Saxophon fast alles selber beigebracht, Gitarre, E-Bass, Schlagzeug. Ich nahm ein Demo auf, wo ich eben alles selber fabrizierte. Eines Tages las ich eine Kleinanzeige: „Kleine Rock’n’Roll-Plattenfirma sucht Künstler“. Die sagten dann gleich zu. In Hamburg nahm ich also meine erste Single auf, wobei die da im Studio überhaupt keine Ahnung von Rockabilly hatten, die Scheibe klingt ganz fürchterlich, mit viel zu lauter Kickdrum. Diese Kickdrum-Geschichte kam ja erst mit den BEATLES auf, es gibt zwar Fünfziger-Jahre-Aufnahmen, wo man die Kickdrum hört, ansonsten wurde die Bassdrum aber nie abgenommen. Deswegen hört man auch zumeist nur Snare und Becken. Mein bester Kumpel war damals mitgefahren, der war Bravo-Boy des Jahres, weil er genauso aussah wie einer von den BAY CITY ROLLERS, und der sagte zu mir: „Hey ich habe Ahnung vom Showbusiness und mit deinem Namen bekommst du es nicht hin, du nennst dich jetzt Tex Morton.“ Und eine weitere Episode war die, dass ein Freund von mir mich mit Bob Giddens bekannt machte, der hatte DAF produziert, und Giddens war dann Feuer und Flamme, als er hörte, dass ich Rockabilly-Gitarre spiele. Und so kam ich in seine Band SURPLUS STOCK. Jedenfalls organisierte er an einem Sonntagnachmittag ein Vorspielen, wo ich dann in einer leeren dunklen, vermieften Diskothek einfach spielen sollte, was mir so einfiel. Und Giddens stellte nach fünf Minuten sein Tonband ab und meinte: „Ja, das ist der Sound, den ich haben will!“ Und so nahmen wir in Manchester eine Platte auf, im Studio von GANG OF FOUR und JOY DIVISION. Und schließlich gab es ja noch das Hydepark, der berühmteste Laden in unserer Gegend, da spielte Bo Diddley, DEAD KENNEDYS, sogar TRIO. Ich sah damals zum Beispiel BLACK FLAG, MINUTEMEN und Richard Hell gratis. Da arbeiteten viele Engländer, Osnabrück war ja die größte englische Garnisonsstadt in Deutschland. Und so konnte ich in meiner Stadt – durch die vielen Teds aus England – mit 14 Jahren bereits CRAZY CAVAN, MATCHBOX oder Sleepy LaBeef sehen.

Jetzt müssten wir ja schon fast bei deiner nächsten wichtigen Band angelangt sein, nämlich PSEIKO LÜDE & DIE ASTROS?

Das war etwas früher als SUNNY DOMESTOZS, die kamen auch auf mich, weil ich eben bei Bob Giddens spielte.

Wäre dies eine Band gewesen, die es deiner Meinung nach verdient gehabt hätte, auch kommerziell richtig erfolgreich zu werden, oder würdest du da eine andere Combo nennen?

Kann ich so gar nicht sagen. Zu der Zeit waren ja noch Elemente aus der Neuen Deutschen Welle angesagt. Einige Sachen in deutscher Sprache hatten ja auch noch danach noch Bestand. Auch wenn der Vergleich hinkt, aber EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN gibt’s immer noch, wobei, klar, die Neubauten sind natürlich deutsches Kulturgut und Pseiko Lüde war nie Kulturgut, das war einfach nur Rock’n’Roll mit deutschen Texten. Eigentlich hätte es jede Band verdient groß rauszukommen, mit der ich gespielt hatte. Bei Pseiko Lüde war es so, dass wir uns zuerst an der New Yorker Band FLESHTONES orientierten, sich das Ganze aber dann immer weiter in Richtung Hardrock entwickelte.

Das Tollste an deiner Laufbahn ist ja, dass du das Punk-Virus in dir hattest, du aber gleichzeitig im weitesten Sinne Teddyboy warst. Und vergessen wir nicht, die Achtziger waren ja nun sehr heftig, was Szeneabgrenzungen anging. Vielleicht warst du in Deutschland einer der ersten, der den konservativen Teddy mit dem gegensätzlichen Punk verband.

Die erste Musik, die ich überhaupt geliebt habe, war Fünfziger-Jahre-Rock’n’Roll. Ich bin ja bis heute weltgrößter Fats Domino-Fan. Und Chet Atkins, Gene Vincent, das ist mein Ding. Aber als ich die ersten Punk-Platten im Radio gehört habe, RAMONES und SEX PISTOLS und STRANGLERS, da war ich begeistert, Gerade bei den beiden ersten, da dachte ich sofort, das ist ja Rockabilly mit verzerrter Gitarre.

Aber die geistige Grundhaltung war ja doch recht unterschiedlich, oder?

Ja, schon, aber die richtigen Teds oder die ursprüngliche Oi!-Szene mit den Skinheads, das war ja Working Class. Und wer sich eine riesige Tolle formt und mit hellblauem Drape rumläuft, der war ja auch kein Spießer, der war auch „out of society“. Die Punks waren halt politischer, das war das Einzige,was mich aber auch nicht störte. Mit meiner Liebe zum Punk wurde ich natürlich aus der Osnabrücker Rockabilly-Szene herausgeschmissen. Aber ich hatte schon immer auch andere Leute um ich herum, SUNNY DOMESTOZS waren ja wiederum Psychobilly, und zu uns kamen auch zahlreiche Punks und Scooter Boys. Als dann alles auf einmal zusammenging, war ich dann wieder der beste Kumpel von allen. Abgesehen vielleicht von der „Hardcore“-Rockabilly-Fraktion aus Berlin, die natürlich so was wie mich nicht gelten ließ. Ich bin ja ohnehin, was das anbelangt, absoluter Nonkonformist, ich ziehe mir grundsätzlich andere Sachen an, als es die Leute von mir erwarten. Wir spielten mal mit DUSTY GRAY in Hamburg und als der Gig vorbei war, bin ich mit meiner schicken Siebziger-Jahre-Wildlederjacke am Tisch der Berliner Rockabillys vorbeigegangen und da kam dann so ein Spruch von wegen: „Aus welcher Altkleidersammlung hast du die denn?“

Wann war der letzte Tag, den du komplett ohne Musik verlebt hast, war das 1975?

Keine Ahnung. Ach doch, im Urlaub. Immer wenn ich mit meiner Frau im Urlaub wandern gehe, zuletzt zum Beispiel in Nordengland, das geht.

Deine Hauptprojekte sind weiterhin KAMIKAZE QUEENS und THE DEVIL ’N’ US. Mit den Kamikazes musstet ihr pausieren, weil Sängerin Trinity Nachwuchs bekam.

Ja, aber neulich spielten wir schon wieder auf einem Festival mit BONAPARTE und BOSSHOSS. In Italien lief es für uns richtig gut, da kamen auch viele Leute. Wir waren ja bisher nur in Italien und Deutschland oder Skandinavien unterwegs. Die Band hat genau die Richtung und den musikalischen Mix, den ich auch bei THE DEVIL ’N’ US weiterführe.

Ja, da haben sich ja die Richtigen gefunden, Hellvis am Gesang, du und Joe und Bruno von BLUE ROCKIN’ ...

Absolut, die Jungs sind extrem entspannt und angenehm, sind ja alles ältere Herren. Und völlig ohne Allüren.

Du warst, was Punk betrifft, bei den MIMMI’S, den PASSENGERS und den LOLITAS, aber ist Punk dein ganzes Leben, was das Partymachen betrifft. Oder wird das nun heruntergeschraubt, seit du nicht mehr bei MAD SIN bist?

Ja, man wird ja älter. Früher, als wir noch alle gut drauf waren, so zu Zeiten von Lüde oder Sunny, da war eine halbe Flasche Jack gar nichts, die trank man und am nächsten Morgen stand man auf und fuhr halt locker nach Hause. Heute bekomme ich schon einen Megakater, wenn ich nur eine Flasche Whiskey anschaue. Letztens haben V8 WANKERS gespielt – mit dessen Sänger Lutz und seiner Band WYLDFIRE nehme ich übrigens gerade eine LP auf –, na, jedenfalls stand Lutz mit der Whiskeyflasche auf der Bühne und reichte die mir. Ich nahm vielleicht zwei Schluck, trotzdem dachte ich am nächsten Tag, dass ich sterbe. Also das Alter schraubt die Party schon zurück, aber klar, wenn wir auf Tour sind mit Hellvis, Bruno und Joe, dann trinken wir schon einige Bierchen. Aber wenn ich am nächsten Tag fahre, da bin ich fit, denn so weit geht der Punk nun doch nicht. Meine Frau will mich ja auch wohlbehalten wieder daheim haben.

Markus Franz

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #112 (Februar/März 2014)

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Mit Offbeat haben TALCO nicht viel zu tun. Fette Gitarren, ein wuchtiges Schlagzeug, ein straighter Bass, aber scharfes Gebläse peitschen das italienische Wortgefecht des Sängers voran. Die ganz eigene Note verschaffen sich TALCO durch Verwendung ... mehr