Interviews & Artikel : From Russia with love - Teil 3 :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

From Russia with love - Teil 3

So, endlich hab ich es mal geschafft, einen Teil der uns von Alexander aus Sibirien zugesandten Übersetzungen zu bearbeiten. Ich kann euch sagen, trotz einer deutschen "Vorübersetzung" brach bei mir regelmäßig der Schweiss aus. Dazu muß man wissen, dass die russische Grammatik alleine schon so ´ne Sache für sich ist, und dazu kommt noch, dass man die kyrillischen Zeichen auch nicht 1:1 übersetzen kann, denn manche griechischen Buchstaben gibt es schlichtweg nicht! Ich also mit Wörterbuch am jonglieren, um wenigstens die Bändnamen richtig hinzubekommen, denkste, sind alles irgendwelche Slang-Ausdrücke und nirgends zu finden! Auf der Arbeit hab ich noch eine nette Russin, aber die bekommt jedesmal, wenn ich ihr irgendwas "Punkiges" vorlege ´nen hochroten Kopf. Tja, die Jungs haben halt ´n deftigen Humor....
Die nun folgenden Texte sind alles Übersetzungen von in Russland erschienenen Zeitungsartikel über Punks und ich hoffe, ihr habt genauso viel Spaß wie ich beim "Eindeutschen". Für eventuelle Rechtschreibefehler übernehme ich aber keine Haftung! Jede Anregung ist willkommen, und falls es da draußen jemanden gibt, der "perfekt" russisch/deutsch lesen & sprechen kann, der soll sich bitte mal mit mir in Verbindung setzten, um die restlichen Texte zu bearbeiten, bzw. Korrektur zu lesen! Thanx. casi.


Punks! - Zu Shakespeares Zeiten nannte man in England so die Prostituierten. In seiner wörtlichen Übersetzung bedeutet "Punk" soviel wie Müll oder Schmutz und so nennen sich auch selber viele Vertreter einer Jugendbewegung! Hier geht es also um Punk! An die Punk-Revolution der 70er Jahre erinnert sich die ganze Welt, aber das war weit weg, im Ausland, fern hinter dem "Eisernen Vorhang"...

Während der Perestroika versuchte sich die Jugend dann auch bei uns sich neu zu definieren und so kam der Punk auch zu uns.

Was passiert zur Zeit? Wie leben Punker heute? Ist diese Welle überhaupt in Ost-Sibirien angekommen? Scheinbar ja, und um genaueres darüber zu erfahren, befragten wir den "berühmtesten" Punk der Stadt Irkutsk: SASHA GORSKIJ, der in seiner Cique nur "Gorynytsch" genannt wird.

Als wir ankamen saß er gerade gemütlich zusammen mit der Ulan-Udensker Punk-Bänd ORGASMUS NOSTRADAMUSA, trank Bier und philosophierte über den Punk.

"Gorynytsch" ist ja nicht dein richtiger Name! Was hat er zu bedeuten?

"Du kennst doch diese alten russischen Märchen? Gorynytsch war einer der Bösen, er hatte drei Köpfe! Nun, ich hatte auch mal drei! Einer wurde mir leider bei der Geburt entfernt, einen trage ich noch auf meinen Schultern und den anderen in der Hose, hahaha... Ich kann mich auch noch anders nennen, sozusagen passend zu jeder Gelegenheit!"

Für dich ist das also mehr ein Spiel? Betrachtest du das ganze Leben nur als Spiel?

"Ja schon, aber gleichzeitig ist es auch mein Leben und das interessiert mich schon. Das ist mehr geworden als nur jugendlicher Aufruhr, wie es am Anfang war. Jetzt ist es die Wirklichkeit und mir gefällt es, so zu leben, wie ich lebe!"

Was wird denn in zwanzig Jahren sein?

"Egal, wenn du willst können wir uns dann ja mal wieder treffen?"

Wird es noch eine Punk-Generation nach dir geben?

"Die gibt es schon! Überall da draussen gibt es neue Leute, die behaupten, dass sie diese Welt richtig ficken wollen! Es ist eine Lebenseinstellung! Es wird immer ein Danach geben. Ich werde krepieren, sie werden leben. Sie werden krepieren, andere werden geboren..."

Gibt es in Irkutsk auch jüngere Punks?

"Ja, sie kleiden sich wie Punks und behaupten es auch, dann werden es wohl auch Punks sein!"

Du sagst das so verächtlich?

"Nun, sie legen viel mehr Wert auf ihr Äußeres als auf ihre Einstellung. Sie haben einfach den "Aufstand" nicht im Kopf! Man muß nicht unbedingt einen Iro haben um dazu zu gehören!"

Warst du auch schon in der Schule ein Punk?

"Nein, ganz im Gegensatz! Ich war ein richtig "netter" Junge, der sich nur für die Wissenschaft interessierte und dachte, in was für einer schönen, sozialistischen Welt wir doch alle leben. Dann irgendwann nach der 8. Klasse bekam ich einen starken Drang aufzufallen und Punk war damals eine gute Möglichkeit, sich von den anderen abzusondern."

Das heißt Punk ist eine Form der Selbstverwirklichung?

"Ja, zuerst war es nur die einfache Form von Protestes als Teenager, dann wurde ich als ganzer Mensch zum Punk!"

Lass uns mal über Punkmusik reden!

"Wilde Musik ist dabei immer sehr wichtig! Besonders auf den Konzerten wird eine Energie frei, die den Leuten wieder Kraft gibt weiterzumachen. Da wird Punk lebendig!"

Wie kommst du denn mit der Polizei klar?

"Es geht... Sehr oft ist die Polizei mit meinem Benehmen nicht einverstanden, aber was soll´s, man muss einfach immer bereit und schneller sein."

Du warst in Deutschland. Kann man die Lage dort und hier vergleichen?

"Nein, dort gibt es schon viele verschiedene Punk-Gruppierungen und sie brauchen alle Geld um die einzelnen Szenen weiterzuentwickeln. In Irkutsk stehen wir gerade mal am Anfang und es ist noch ein weiter Weg dahin. Trotz Geldnot und all den Problemen mit der Gesellschaft werden wir es irgendwann schaffen!"

Tatjana Lapenekova & Alex Werchosin
24.06.1998 "TschP-Swegaja"
Übersetzung: E. Kikilitsch
Deutsche Bearbeitung: Casi


MATRJOSCHKIE - EINE PUNKBÄND AUS USOLSK
Mit donnerndem Schlagzeug und heulenden Gitarren wurde das Irkutsker März-Rock-Festival eröffnet. Dieses traditionelle zweitägige Spektakel fand wie immer im örtlichen Kulturpalast mit dem revolutionären Namen "Oktajabrski" statt. Die ganze Stadt war mit Plakaten zugepflastert, die alle Rockfans einluden um gemeinsam zu feiern. Veranstaltet wurde dieses Festival von der Rock-Bänd SEKIT, die gleichzeitig mit diesem Festival ihr 5-jähriges Bestehen feierte.

Von den ca. 20 auftretenden Bands wurde die Stadt Usolje diesmal nur von der Punkbänd MATRJOSCHKIE repräsentiert. Die anderen Bänds dieser Stadt zogen es aus verschiedenen Gründen leider vor, dieser Veranstaltung fern zu bleiben.

Als der "Punk-Teil" des Konzertes angekündigt wurde, versammelte sich der Mob sofort vor der Bühne. Eröffnet wurde der kommende Wahnsinn von den Matrjoschkas mit ihrem Lied "Swinja" ("Das Schwein"), der Mob tobte und der berühmt berüchtigte Irkutsker Punk Grynytsch kletterte auf die Bühne und sprang kopfüber ins Publikum. Allerdings fing ihn niemand auf und er krachte voll auf den Boden. Nicht umsonst raten die Ärzte: "Lernt richtiges Fallen bei den Betrunkenen!", denn als sei gar nichts passiert kletterte Grynytsch erneut auf die Bühne und pöbelte erstmal die anwesenden Skinheads an! Das nächste Lied "Predatel" ("Der Verräter") war Jack gewidmet, der die Ideale der Anarchie verriet! Weshalb es nun einen Punker weniger in Usolje gibt...

Als die Matrjoschkas ihr letztes Lied anstimmten, das mit dem wirklich schönen Titel: "Ich kotze im Treppenhaus, weil es grün ist", ging im Saal schon wieder richtig die Post ab. Punker stürmten die Bühne und stürzten sich voller Todesverachtung in den leeren Saal als wäre er ihr Grab! Gut, dass es nur eine Imitation des Selbstmordes war, denn es gibt immer noch zu wenig Punker in Russland.

Als nächstes spielte die Irkutsker Bänd KRYSSY (Die Ratten) mit ihrem Frontmann Grynytsch. Es herrschte jetzt das totale Chaos im Saal, denn natürlich waren alle ziemlich besoffen. Zum Abschluß sangen alle Punks gemeinsam "Anarchy in the UK" von den SEX PISTOLS. Es wurden Flaschen zerschlagen und ein wilder Pogo begann. Um weitere Ausschreitungen zu verhindern brachen die Organisatoren das Konzert nach über vier Stunden dann schließlich einfach ab. Der Saal sah aus wie ein Schlachtfeld und die Punks hinterließen den Putzfrauen wirklich ordentlich Arbeit...

Am nächsten Tag ging es also weiter und da viele Leute extra nur wegen den Punkbänds angereist waren, überzeugte man die Veranstalter, dass diese nocheinmal auftreten müssten! Leider kam das Publikum nicht so zahlreich wie am ersten Tag, obwohl die Karten nur 10 Rubel kosteten. Die meisten kurierten doch lieber ihren Kater vom Vortag aus.

Fazit: Nach Meinung aller Teilnehmer herrschte auf dem Festival der "Geist der Einheit"! So verliehen beispielsweise viele Musiker ihre Instrumente. Das einzige Manko bestand darin, dass der Soundmixer mit dieser Art von Musik nicht vertraut war. Deshalb war der Sound auch nicht perfekt, aber er war dafür um so lauter...

Zum Schluß noch ein paar Worte über die Bänd MATRJSCHKIE:

Die Bänd existiert jetzt ca. ein Jahr nach der Auflösung der Bänd BOMLOULEJUTSCHE (Luftschutzraum). Während dieser kurzen Zeit gelang es ihnen aber schon 8 Alben aufzunehmen, wovon jedes nur 30 Minuten dauert. Aktuelle Besetzung: Werchotja - Gesang & Bass, Majav - Schlagzeug, Sup S Pizdukami - Gitarre. Der Älteste von ihnen ist gerade mal zwanzig Jahre! Auf die Frage, warum sie es vorzögen lieber in Irkutsk als in ihrer Heimatstadt Usolje aufzutreten, antwortete Majav: "In Usolje zu spielen ist tödlich langweilig! Denn was soll man in einer Stadt noch bewirken, wo die Häuser mit solch befickten Quatsch wie PRODIGY beschmiert werden!?"

E. Steblov "Usdskie Nowostie"
19. März 1998

Übersetzung: E. Kikilitsch
Korrektur: Kristina
Abschrift: A. Gorsky
Deutsche Bearbeitung: Casi

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #40 (September/Oktober/November 2000)

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