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Interviews & Artikel

SNFU

Ein Plattentitel muss aus sieben Worten bestehen

Chi Pig ist kein einfacher Gesprächspartner. Der Frontmann der 1981 im kanadischen Edmonton gegründeten und später in Vancouver ansässigen Skatepunk-Band ist mittlerweile das einzig verbliebene Urmitglied, und wer SNFU in den letzten Jahren mal live gesehen hat, kann sich vorstellen, was ich meine – jahrelange prekäre Lebensverhältnisse inklusive Drogenmissbrauch haben ihren Tribut gefordert, nicht nur optisch. Dennoch ist Kendall Stephen „Ken“ Chinn, Jahrgang 1962, ein Stehaufmännchen: Nachdem er seine schwerste Zeit Mitte des letzten Jahrzehnts überwunden hatte und ihn auch eine Lungenentzündung 2011 nicht unterkriegen konnte, ist er seit letztem Jahr wieder auf dem Damm, auch kreativ. Mit „Never Trouble Trouble Until Trouble Troubles You“ entstand 2013 ein neues SNFU-Album, das, so klar muss man das sagen, überraschend gut geworden ist. Im Frühjahr 2014 werden SNFU nun in (mal wieder) neuer Besetzung auf Europatour gehen, und ich sprach mit dem deutsch-chinesischstämmigen Chi-Pig.

Chi, im Herbst 2013 erschien das erste SNFU-Album seit vielen Jahren. Es muss eine große Befriedigung für dich gewesen sein, dass es erscheinen konnte.


Ja, und ich mag es wirklich, es ist ein gutes Album. Es galt, einige Schwierigkeiten zu überwinden, ich musste die richtigen Leute finden, und dann haben wir es in recht kurzer Zeit fertiggestellt.

Die Band war immer die Konstante in deinem Leben, auch wenn es mal nicht so rund lief.

Ja, es gab immer wieder mal Pausen, für ein Jahr oder so, aber irgendwie haben wir es geschafft wieder zusammenzukommen. Ich bin letztlich die Band, ich werde immer mit der Band identifiziert, und es macht mir bis heute Spaß – noch ist es nicht vorbei, haha. Ich freue mich jetzt erst mal auf die Europatour im Frühjahr, außerdem habe ich noch dieses Akustik-Set kombiniert mit einer Lesung aus Chris Walters Buch über SNFU – damit gehen wir hier in Kanada auf Tour. Und teilweise zeigen wir auch noch Ausschnitte aus dem SNFU-Film. Und ich mache ja auch mein Soloprojekt DNFU, das steht für DISTORTION’S NO FUCKING USE, und dann kommt jetzt auch eine Split-7“ von SNFU mit DEATH BY STEREO.

Wie muss man sich die Solo-Shows vorstellen?

Ich singe und werde von einem Freund begleitet, der Gitarre spielt. Wir spielen Akustikversionen von SNFU-Songs und verschiedene Coverversionen.

SNFU haben bis heute einen guten Namen – erwähnt man den, bekommen die Leute ein Leuchten in den Augen, erinnern sich an großartige Konzerte in den Achtzigern und Neunzigern. Woran liegt das?

Ich denke, das liegt daran, dass wir schon immer eine gute Live-Band waren, dass es Spaß macht, uns auf der Bühne zu sehen. Bei den Konzerten, auch in Europa, entdecke ich immer wieder die gleichen Gesichter im Publikum. Etwas älter vielleicht, haha.

Euer Debüt „... And No One Else Wanted to Play“ erschien 1985 auf BYO Records, dem Label der Stern-Brüder von YOUTH BRIGADE – gebürtige Kanadier. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Das war Anfang der Achtziger, da habe ich die hier in Kanada getroffen, als sie auf Tour mit SOCIAL DISTORTION waren. Später waren sie noch mal in Kanada, wir spielten ein paar gemeinsame Shows, sie veröffentlichten einen unserer Songs auf ihrer „Something To Believe In“-Compilation, und dann boten sie uns an, unser Album zu veröffentlichen. Auch das zweite Album, „If You Swear, You’ll Catch No Fish“, erschien bei BYO, das dritte, „Better Than A Stick In The Eye“, kam dann 1988 über Cargo Canada.

SNFU werden immer wieder als eine der klassischen Skatepunk-Bands bezeichnet – zu Recht?

Aber sicher, ich war immer schon ein begeisterter Skater. Wir wurden damals schnell als Skate-Punks bezeichnet, weil viele der Punks, die zu unseren Shows kamen, Skateboard fuhren. Wir spielten damals viel in Kalifornien, die Skatepunk-Szene dort war riesig. Und Skull Skateboards gehörten zu unseren großen Unterstützern.

Und fährst du heute selbst noch?

Oh nein! Das letzte Mal stand ich vor 15 Jahren oder so auf einem Board. Es wurde mir einfach zu gefährlich, mit den ganzen Touren wollte ich nichts riskieren – wenn ich falle, dann von der Bühne, haha.

Ihr habt die lustige Tradition begründet, euren Platten Titel aus sieben Worten zu geben. Wie kam es dazu?

Das hat sich rein zufällig ergeben, und dann haben wir einfach beschlossen, dass von nun an jedes SNFU-Album einen aus sieben Worten bestehenden Titel haben wird, Singles und EPs ausgenommen. Die Titel sind übrigens alle mir eingefallen.

Und was hat es mit „Never Trouble Trouble Until Trouble Troubles You“ auf sich?

Das war ein Spruch auf einem Glückskeks, den ich in einem Chinarestaurant bekam. Ich bin ja zur Hälfte chinesischer Herkunft, deshalb esse ich gerne chinesisch. Ich fand den Spruch irgendwie gut, und als ich merkte, dass er aus sieben Worten besteht, war klar, was das bedeutet ...

Mütterlicherseits hast du deutsche Vorfahren – hast du in Deutschland Familie?

Nicht dass ich wüsste, und ich wurde ja auch in Kanada geboren. Ich habe mich da nie drum gekümmert.

Wie aktiv sind SNFU derzeit? Oder andersrum gefragt: Was treibst du so die ganze Zeit?

Ich schreibe viel, ich male, gebe Konzerte, hier und da mal eine Ausstellung – und ab und an gehen wir mit SNFU auf Tour.

Das Line-up der Band, das das Album aufgenommen hat, gibt es in der Form schon nicht mehr, wie man hört ...

Es war schwierig, ein schlüssiges Line-up zu finden, aber als es stand, schafften wir es, echt gute Songs aufzunehmen und diese Platte einzuspielen. Leider ist diese Besetzung schon wieder Geschichte und für Europa stellen wir jetzt ein neues Line-up zusammen. Das Problem ist auch, dass ich darauf angewiesen bin, dass meine Mitmusiker gesundheitlich und ihre rechtliche Situation betreffend in der Lage sind, nach Europa zu reisen ... Aber ich bin zuversichtlich. Wir haben viele Fans in Europa, und ich freue mich, dass wir jetzt wieder auf Tour gehen können.

Es gab Zeiten, da war deine körperliche Verfassung das Problem ...

Da gibt es nichts zu beschönigen, ja, aber ich habe es geschafft. Ich habe die ganze Zeit über an das geglaubt, was ich mache, und ich habe Spaß daran, ich hänge mich rein. Wir schaffen es immer noch, eine ordentliche Live-Show hinzubekommen, und darüber bin ich glücklich. Ich kann reisen, ich komme herum, und ich bekomme auch noch Geld dafür – was will ich mehr?

Du bist die einzige Konstante in der Band, allerdings „nur“ der Sänger. Wie absolviert ihr das Songwriting?

Die anderen kommen mit Musikideen an und ich lasse mir die Texte dazu einfallen. Und ich kümmere mich um das Design und die mit der Band verbundene Optik.

Und was ist die „geheime Zutat“, die ein SNFU-Album ausmacht?

Ich! Ich bin der Einzige, der bei allen Platten dabei war. Und 99% der Texte sind von mir. Aber meine Mitmusiker verstehen natürlich, was die Band ausmacht, und so schaffen sie es, dass SNFU klingen, wie sie klingen müssen. Ich sage denen schon, wenn es nicht richtig klingt.

Du bist der Boss?

So würde ich es nicht sagen, aber ich bin die Konstante. Ohne mich gibt es keine SNFU-Platte.

Wie sieht die Setlist eurer Shows aus?

Also diverse alte Favoriten sind natürlich dabei, aber wir spielen auch neue Songs und ein paar Coversongs, zum Beispiel „New rose“ von THE DAMNED.

Apropos THE DAMNED: Welche Bands haben euch damals beeinflusst?

THE DAMNED, THE RAMONES, SEX PISTOLS, BLACK FLAG, HÜSKER DÜ, die ganzen SST-Bands ...

Eure erste Europatour 1988 war ein Erfolg, dennoch löste sich die Band danach auf. Was war geschehen?

Die anderen Jungs hatten andere Pläne, und so gingen wir getrennte Wege. Später hatten sie wieder Lust auf die Band, und ich war auch wieder mit dabei.

Das war zu Beginn der Neunziger, und die drei folgenden Platten auf Epitaph waren die erfolgreichsten, auch wenn sich der Sound verändert hatte, da war mehr Rock als früher.

Die frühen Platten waren sehr schnell, energiegeladen und punklastig, das stimmt. Dann wurden wir etwas rockiger, aber ich fand das okay. Wir waren damals ständig auf Tour und so waren die Neunziger unsere erfolgreichste Zeit. Irgendwann hatten wir aber keine Lust mehr, blieben jahrelang in Kanada. Und dann dauerte es ewig bis zu diesem neuen Album.

Die beiden Belke-Brüder waren wichtige Mitglieder der Band, sind aber lange schon raus. Habt ihr noch Kontakt?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe keine Lust, so weit in die Vergangenheit zurückzugehen. Es ist einfach so, dass manche Menschen einen anderen Lebensweg einschlagen, Kinder, Familie und so weiter, und dann ist an Touren nicht mehr zu denken und sie sind raus. Und so versuche ich jetzt, die Tradition am Leben zu halten.

Und so sind SNFU neben D.O.A. und SUBHUMANS die dienstälteste kanadische Punkband ...

... NOMEANSNO und DAYGLO ABORTIONS nicht zu vergessen! Ich kann nicht aufhören damit, ich wurde wohl einfach dafür geboren.

Joachim Hiller

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #113 (April/Mai 2014)

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