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Interviews & Artikel

STATUES ON FIRE

Scheiß auf die Fußball-Weltmeisterschaft

„Phoenix“ ist zwar erst das Debüt-Album der 2013 gegründeten STATUES ON FIRE, doch trifft man hier auf alte Bekannte: Andre und Lalo blicken auf viele gemeinsame Jahre bei den NITROMINDS zurück, einige Europatouren, und haben mit ihrer neuen Band ihrem Spaß an druckvollem Hardcore und melodiösem Punkrock freien Lauf gelassen. Ihr Album ist gerade erschienen, im April steht die erste Deutschlandtour an, und so stellte ich Sänger und Gitarrist André meine Fragen.

Euer Album ist nach dem sagenhaften Vogel benannt, der aus der Asche aufersteht ... Gibt es eine Geschichte dazu?


Na ja, die Leute vermuten vielleicht, dass es wegen mir ist, weil ich seit 18 Jahren in einer Band war, aufgehört und wieder angefangen habe. Aber nein, darum geht’s nicht, haha. Ich habe diesen Song wegen Mark Farner geschrieben. Ich habe eine Dokumentation über seine Band GRAND FUNK RAILROAD gesehen, von denen ich ein großer Fan bin. Diese Typen waren einst in den USA größer als THE BEATLES, haben Millionen von Platten verkauft, vor Tausenden von Leuten gespielt – und wurden dann von ihrem Manager abgezockt. Sie bekamen nur 250 Dollar pro Woche, obwohl sie sieben Tage die Woche spielten. Sie brachen den Kontakt ab, führten einen Prozess deswegen und verloren Millionen von Dollar. Aber sie spielten weiter und kamen wieder zu Geld. Doch die IRS, also die Steuerbehörde der USA, nahm ihnen alles wieder ab. Vor einigen Jahren war Mark Farner in Brasilien. Ich arbeite als Tour- oder Bühnenmanager für einige Agenturen, aber ich war selbst auf Tour und konnte den Job nicht machen. Alex, unser Schlagzeuger, hat es dann gemacht. Mark Farner spielte vor 500 Leuten und ging voll ab. Ist das nicht eine begeisternde Geschichte? Deshalb heißt der Song „Phoenix“, außerdem haben GRAND FUNK RAILROAD auch ein Album namens „Phoenix“, das rauskam, als sie nach dem ganzen Alptraum, den sie durchmachen mussten, wieder neu starteten.

Das Line-up von STATUES ON FIRE scheint eine Mischung aus den NITROMINDS und deinem anderen Projekt MUSICA DIABLO zu sein. Was passierte mit den anderen Bands?

Ich bin ausgestiegen, weil die NITROMINDS nicht mehr mein Ding waren. Es war zu dieser Zeit nicht einfach, ich wollte nicht mehr mit ihnen spielen. So kam eins zum anderen, und ich dachte auch daran, nicht mehr Gitarre zu spielen. MUSICA DIABLO waren großartig, aber das Management von SEPULTURA war nicht so glücklich mit unserem erfolgreichen Debütalbum. Auch mit Derrick Green, dem Sänger von MUSICA DIABLO, der ja auch der Sänger von SEPULTURA ist, war es schwer klarzukommen. STATUES ON FIRE machen jetzt die Musik, die ich schreiben will, was die NITROMINDS mir aber nicht erlaubt haben.

Wie viel Musik der alten Bands steckt in STATUES ON FIRE? Es scheint, dass du deinen Hang zum klassischen Neunziger-Melodic-Skatepunk nicht los wirst.

Der ist manchmal noch da, aber vielleicht habe ich mich als Musiker oder Songwriter ja verbessert, ich weiß es nicht. Aber wir haben auch wirklich schnell gearbeitet: In weniger als einem Jahr hatten wir 18 gute Songs. STATUES ON FIRE sind zugänglicher als die anderen Bands, finde ich. Ich bin sehr glücklich mit unseren Aufnahmen und dem, was wir daraus gemacht haben.

Du warst schon oft in Deutschland auf Tour. Was magst du am Leben und der Szene hier – und woran kannst und willst du dich nie gewöhnen?

Ist Deutschland nicht der beste Ort für Live-Musik? Ich sehe das zumindest so. Ich mag, wie ihr das macht. Und dass es Publikum sogar bei Shows gibt, die am Montag stattfinden. Hier in Südamerika ist das unmöglich. Auch die ganze Organisation, die gute Tontechnik weiß ich zu schätzen. Ich arbeite in Brasilien und Lateinamerika als Tourmanager und weiß, wovon ich spreche. Ihr wisst wirklich, wie man einen Musiker behandelt. Es ist nicht wie hier oder in den USA, wo du gar nichts bekommst oder um eine Dose Bier betteln musst, und Veranstalter dich meist nur abziehen wollen. Neben dieser ganzen Professionalität in Deutschland, auch in den kleinen Läden, mag ich die Leute sehr gerne. Ich habe viele Freunde in Deutschland, die alle cool sind. Ich habe in Deutschland sogar mehr echte Freunde als in Brasilien. Die Leute interessieren sich sehr für uns. Auch Magazine wie das Ox findet man in anderen Ländern eher selten.

Brasilien war in den letzten Monaten sehr oft in den Schlagzeilen. Die Medien berichten über die Proteste gegen die Korruption und eine Regierung, die das Land ruhig halten will, um die Anforderungen der FIFA im Vorfeld der Fußball-WM zu erfüllen.

Die Leute sind es leid. Diese Weltmeisterschaft ist der größte Scheiß aller Zeiten. Warum geben sie so viel Geld für den Bau von Stadien aus, anstatt für Bildung oder das Gesundheitssystem? So ein Bullshit. Alle unsere Politiker sind korrupt. Sie sagen, dass die Stadien eine Milliarde kosten werden, aber jeder weiß, dass es weniger kosten wird, weil all diese Arschlöcher das meiste Geld unter sich aufteilen. Außerdem haben die Politiker in allen Baufirmen ihre Finger drin und einige besitzen sogar diese Firmen. Eine Stadt wie Manaus hat nicht genügend Hotels, der Flughafen ist totaler Schrott, die Hälfte der Bevölkerung hungert sich zu Tode und niemanden interessiert es. Deshalb gibt es die Unruhen. Ich hoffe, dass die Menschen der FIFA und der Regierung ordentlich Probleme bereiten werden. Ich reise jede Woche als Tourmanager mit Bands durch das Land und die meisten Flughäfen sind nicht mal fertig, ich sehe das ständig. Außerdem ist Brasilien keine richtige Demokratie, die Polizei prügelt die Leute auf der Straße zu Tode. Ich hoffe, während der Weltmeisterschaft nicht hier zu sein. Und ich hoffe, dass Brasilien gegen Argentinien verlieren wird und die ganzen geldgierigen brasilianischen Fußballspieler für immer ihr Maul halten werden. Fuck Neymar, fuck Ronaldo, fuck them all. Wenn du als Deutscher nach Rio de Janeiro kommst, dann pass auf deinen Geldbeutel auf, denn sie werden dich auf jeden Fall versuchen zu beklauen.

Du bist Vegetarier – wie schwierig ist das Leben für dich in einem Land, das sogar noch verrückter nach Fleisch ist als Deutschland?

Das ist es tatsächlich. Ich bin schon seit 14 Jahren Vegetarier. Am Anfang war es nicht so leicht, aber heutzutage ist es viel einfacher. Ich lebe in der Großstadt São Paulo und da gibt es viele Möglichkeiten. Aber wenn du in den Nordosten oder Norden oder auch in den Süden mit seiner Fleischkultur fährst, ist es für Leute wie mich sehr übel. Ich manage RATOS DE PORÃO, einer von denen ist Veganer und er ist echt ein armes Schwein, weil sie ihm immer Schinken oder Hühnchen ins Essen machen, haha. Huhn ist ja kein Fleisch, oder, haha?! Wir haben hier so gute Lebensmittel, zum Beispiel haben wir mehr als zwölf Sorten Bananen, alles Mögliche an Gemüse und es ist sehr billig. Es eigentlich nicht schwer, sich selbst gesundes Essen zu kochen, anstatt Junkfood zu konsumieren.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #113 (April/Mai 2014)

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