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Interviews & Artikel

U.K. SUBS

No rules!

Auch nach 24 Alben scheint beim politischen Engagement der UK SUBS kein Ende in Sicht. Bis heute sind Songs wie „Worker’s revolution“, „Black power salute“ oder „Stop global war“ ein Beweis dafür, dass diese Band immer etwas zu sagen hatte und die hässliche Realität unserer Gegenwart in ihrer Musik reflektierte. Und was für eine Musik! Alben, die die ganze Bandbreite der musikalischen Möglichkeiten von Punk und Rock’n’Roll zeigen. Charlie Harper stammt aus der ersten Generation von Punkrockern, die sich nicht schämten, diesen Einfluss klassischen Rock’n’Rolls zuzugeben. Er ist seit 1976 das Herz und die Seele der UK SUBS. Charlie Harper, Jahrgang 1944, ist freigiebig mit seiner Zeit und erzählt einem beim Bier Geschichten, wie es ein guter Kumpel in der Kneipe tun würde. Er ist ein großartiger Songschreiber, unverfälscht und ehrlich, der ständig neue Wege findet, seine Gefühle in einer Sprache auszudrücken, die unbestreitbar Punk ist, aber die eben auch durch den Rock’n’Roll untermauert wird. Es gibt auf dieser Welt keine Band, die 24 dermaßen solide Alben vorzuweisen hat, jedes davon ein einzigartiger Moment in der Entwicklung einer Band, die musikalisch immer weiter wächst. Es ist klar, dass Musik Harpers Leidenschaft ist, aber noch beeindruckender ist seine Sorge um den Zustand der Welt sowie seine prophetische Ader. Die UK SUBS sind fast immer auf Tour und machen weiter damit, das Universum auf ihre Weise aufzumischen. Das aktuelle Line-up – Jet an der Gitarre, Alvin Gibbs am Bass, Jamie Oliver am Schlagzeug – ist schon seit neun Jahren unterwegs. Das Motto hier lautet: If it ain’t broke, don’t fix it. Die UK SUBS machen keine Anstalten aufzuhören, was letztlich die einzige wirklich verlässliche Sache auf diesem Planeten ist, auf die man sich freuen darf. Das folgende Interview mit Harper fand Anfang Februar 2014 backstage im SO36 in Berlin statt.

Charlie, wie läuft eure Tour bisher?


Nun, diese Tour ist eher „normal“. Wir haben sie von fast zehn auf sechs Wochen zurechtgestutzt. Aber selbst bei sechs Wochen ist man irgendwann ein bisschen durch. Gib uns einfach einen Monat mit guten Gigs, das reicht, weil jeder nach einem Monat ein wenig ausgepowert ist – jede Nacht trinken, jede Nacht halb bewusstlos sein ... Bei einem Monat kann man wenigstens das Licht am Ende des Tunnels sehen. Es ist nicht so, dass wir nicht mögen, was wir tun, wir stehen drauf. Aber unser Schlagzeuger, das ist noch ein junger Kerl, und der ist wirklich im Arsch, haha.

Ich habe mal gehört, dass ihr generell 140 oder 150 Tage im Jahr auf Tour seid.

Ja, eigentlich haben wir versucht, es ein wenig runterzufahren und unsere Shows etwas besser auszuwählen. Irgendjemand erzählte uns, dass wir letztes Jahr 99 Shows gespielt hätten, was unter unserem Durchschnitt liegt.

Für mich repräsentierst du die erste Generation von Punks, die oft einen Rock’n’Roll-Background haben. Anders als etwa später die Hardcore-Punks, die Rock’n’Roll hassten und deren Ursprung eher im Metal liegt. Du hast keine Probleme mit „Rock’n’Roll“, oder?

Nein, für mich ist es Rock’n’Roll. Ungefähr so wie bei THE VIBRATORS, die als Band so etwas wie unsere „Brüder“ sind, weil sie schon früh Rock’n’Roll gespielt haben. Ich habe Rock’n’Roll gespielt, weil die Leute Rock’n’Roll dazu tanzten. Die gingen voll drauf ab, es war ein lebendiger Sound.

Wofür hast du dich interessiert, als Punk dich voll erwischte? Ich meine den Moment, als du eine Band gesehen hast, die alles verändert hat.

Für mich waren es die RAMONES, oder nein, davor schon waren es die NEW YORK DOLLS. Jeder, der sie sah, dachte nur: Das will ich auch machen! Sie waren wie von einem anderen Planeten, ich stand voll auf diese New York Underground-Szene, Iggy Pop, Patti Smith, THE VELVET UNDERGROUND ... das kam vor dem Punk. Ich ging oft in einen Lesbenclub, weil er spät aufmachte und sie es für gewöhnlich nicht so eng gesehen haben, welche Leute sie reinließen, und weil da unglaubliche Musik lief. Sie spielten viel von THE VELVET UNDERGROUND und so Zeug, oder Jack Brill. Das war ein belgischer Schlagersänger, der später Songs für Frank Sinatra schrieb oder für Scott Walker von THE WALKER BROTHERS.

Von Anfang begeistert mich an den UK SUBS diese musikalische Freiheit, dieser reiche Fundus an musikalischen Einflüssen.

Neulich habe ich mir, als unser neues Album „XXVI“ raus war, bei YouTube mal die Kommentare durchgelesen, ich wollte sehen, was das Publikum darüber denkt. Und es standen da jede Menge tolle Sachen. Am meisten gelobt wurde „Monkeys“, was, denke ich, einer der eingängigsten Songs ist. Er hatte über tausend Klicks, während die anderen nur ein paar hundert hatten. Da fand ich den Kommentar von einem Mädchen, und der Teil, der mich faszinierte, war, dass sie sagte, dass man mit jedem UK SUBS-Album ein anderes Musikgenre kennen lernen kann. Hinterher habe ich überlegt, was als Nächstes kommen muss. Ich schätze, eine Jazz-Platte, haha. Aber wir machen das eigentlich nicht absichtlich.

Und ihr seid ja immer noch eine echte Punkband, richtig? Aber ihr habt dennoch die Top 40 geknackt, drei oder vier Mal. Hat das zu irgendwelchen Problemen geführt? Bands aus der Punk-Szene, die eine gewisse Popularität oder den Mainstream erreicht haben, erleiden oft einen derben Rückschlag.

Wir hatten einfach das Glück, dass wir auf einem kleineren Label waren, das zu dieser Zeit einen Deal mit RCA hatte. Und wenn die jeden Plattenladen in England mit einer Platte versorgten, waren wir schon um die 30.000 Stück im Vorverkauf los. Wenn wir heute so viel verkaufen würden, wären wir auf Nummer eins!

Die ADVERTS etwa waren nach ihrem ersten Album ja sehr populär und dann, als das zweite Album rauskam, wurden sie völlig niedergemacht, vor allem durch die Punk-Szene.

Das wollten wir unbedingt vermeiden, denn so lief das bei den meisten Punkbands, dass das zweite Album nicht mehr mithalten konnte. Wir waren also fest entschlossen, mit dem zweiten Album das erste noch übertreffen.

War es nicht damals irgendwie seltsam herauszufinden, dass ihr dermaßen viel öffentliche Aufmerksamkeit bekommt?

Ja, du kommst dir vor, als ob du unbesiegbar seist, du nichts falsch machen kannst und alles,was du anfasst, zu Gold wird, es ist wirklich schräg. Aber das Ding ist, dass wir uns an unsere künstlerische Agenda gehalten haben. Für uns stand fest, den ganzen kommerziellen Scheiß nie mitzumachen, den wir in den Augen des Labels unbedingt tun sollten. Wir waren froh, dass sie nur ab und an reinschauten, als wir im Studio waren, um zu sehen, wie wir vorankommen, und um sicherzugehen, dass wir wirklich arbeiten, haha! Und die waren immer dran: „Klingt für mich wie die Single!“ Und ein paar Tage später, bei einer anderen Aufnahme, wieder: „Yeah, yeah, das ist die Single.“ Und wenn sie nächste Woche wiederkamen, jedes Mal dasselbe. So lief das, als wir das zweite Album aufnahmen.

Die besondere Qualität eurer Alben macht für mich von den Anfängen bis heute das Songwriting aus. Es gibt auf jedem Album einen Song, der ein Klassiker geworden ist. Diese Freiheit, musikalisch dahin zu gehen, wo ihr wollt, und das mit den Stilmitteln des Punk, die ihr so gut beherrscht. Kommt es vor, dass du etwas schreibst und dann denkst, nein, das ist nichts für UK SUBS?

„Party in Paris“ ist so ein Song. Das ist eine unserer beliebtesten Nummern. Ich kam damit damals an und sagte: „Hier, ich habe da einen Song geschrieben, der ist aber ziemlich poppig, ist wahrscheinlich nichts für uns!“ Dann hab ich es allen vorgespielt und sie mochten es, also was soll’s ...

Es scheint einen großen Spielraum in eurer Musik zu geben. Wie passt das zu den Vorgaben des Punk? Ich finde ja, Punks können musikalisch manchmal ganz schön engstirnig sein.

Wir haben ja einen Song namens „No rules“ geschrieben. So was wie „Punk-Regeln“, also Vorschriften, das ist doch ein Witz. Du musst kurzes Haar haben, du musst Nieten tragen, du musst, du musst ... Manche Bands, nimm zum Beispiel WIRE, eine meiner Lieblingsbands, werfen sich auf der Bühne nicht gerade in Schale, sondern tragen ihre normalen Sachen. Die waren trotzdem sehr erfolgreich. Dieser ganze Kram ist scheißegal. Was zählt, ist die Musik.

Beim Hören des neuen Albums „XXIV“ wurde ich irgendwie in das Jahr 1983 und zu eurem Song „Flood of lies“ zurückversetzt. Da heißt es: „All you political leaders / With your armies gone insane / Your lust for guns and violence / While you never die in pain / And the churches stand behind you / With wealth and piety“. 1983 ist lange her. Was hat sich für dich verändert, seit du diesen Text geschrieben hast?

Die Dinge sind schlimmer geworden! Aber ich muss zugeben, dass es immer schwieriger wird, gute neue Songs zu schreiben, weil wir schon so viele gemacht haben. Was bleibt da noch übrig? Aber ich mache mir darüber keine Sorgen, irgendwas fällt mir immer ein. Wir haben mal vier Singles und zwei Alben pro Jahr veröffentlicht, dazu waren wir vertraglich verpflichtet. Das war nie wirklich ein Problem. Wenn ich nach Hause komme, läuft der Fernseher und die Gitarre ist immer griffbereit. Ich spiele jeden Tag ein bisschen, nicht nur um meine Finger fit zu halten. Und manchmal notiere ich mir etwas, dann habe ich bereits ein Stückchen von einem Song. Genau wie bei den Texten. Jemand sagt etwas und ich denke: „Das ist eine gute Zeile für einen Song.“ Diese Band existiert auch nur deshalb noch, weil jeder seinen Beitrag dazu leistet. Jamie, unser Schlagzeuger, schreibt auch großartige Songs. Jet schreibt tolles Zeug – es wird schwierig, für mich mitzuhalten! Und zum Glück ist Alvin ebenfalls ein guter Songschreiber.

Mir gefällt, was du vorhin auf der Bühne gesagt hast, dass Punkrock eine Art von Frühwarnsystem ist.

Ja, er ist dein Wecker. Und wie in dem Lied „Monkeys“ ist es so, dass nicht die richtigen Leute zuhören. Wie nennt man das? Paradox! Die Leute, die zuhören sollten, hören nicht zu, dabei sind sie diejenigen, die fertig gemacht und abgezockt werden – und die hören nicht zu. Und das ist eine Schande, aber so ist die Welt, nicht wahr?

Ja, so ist das wohl. Siehst du einen Unterschied zwischen der jüngeren und der älteren Generation von Punks?

Mein Enkel spielt auch in einer Punkband, aber das sind noch Schulkinder. Also handeln ihre Songs von von dem, was sie nervt. Sie nennen sich MEATHEAD, INC und sie benutzen ein großes Anarchiezeichen als Logo, haha. Sie sind einfach tolle kleine Punks und ihre Songs handeln von allen möglichen Nervereien – und Mädchen. Aber wenn sie erwachsener werden, da bin ich mir sicher, werden sie ein bisschen härter und wissen die Bands zu schätzen, die wirklich etwas zu sagen haben. Unser Publikum ist auf jeden Fall immer gut gemischt, aber bei unserem ersten Auftritt in Paris damals, auf dem Boot, da waren wirklich sehr viele junge Leute, oder auch in Stockholm, viele junge wilde Punks. Als das Boot abgelegt hatte in Paris, ging es nur noch ab. Das gibt uns unsere Energie.

Punk kann ja generell ein großer Widerspruch sein. Ich meine, auf der einen Seite sind Punks sehr intelligente Menschen, aber gleichzeitig gibt es da auch diese rücksichtslose, besoffene, sinnlose Gewalt.

Das ist eine Frage, die wir oft gestellt bekommen: Was ist für dich Punk? Und meine Antwort lautet: D.I.Y. Man braucht keine Labels, kein Management, du musst es selbst machen, das ist es im Grunde. Für mich ist es D.I.Y., das sagte sogar erst kürzlich wieder Johnny Rotten. Ich meine, er hat seine Klamotten selbst entworfen, seinen Haarschnitt, alles ist von ihm selbst, er hat das gemacht. Aber jeder wird diese Frage sicherlich anders beantworten in der Punk-Welt, es ist eine eigene Welt ... Gestern Abend war da übrigens eine völlig verrückte Frau beim Konzert. Jet spielte Gitarre und sie hatte eine Bierflasche und versuchte, das Bier in sein Gesicht zu spritzen. Du siehst, manche Leute sind ein bisschen verrückt und glauben, so was machen eben Punks. Na ja, der Türsteher sah das anders und schmiss sie raus. Ich sagte zu ihm noch: „Ach, sie ist verrückt, sie kann nichts dafür.“ Wir lieben verrückte Leute, haha. Aber sie schmissen sie trotzdem raus, die Arme ...

Abraham Rodriguez

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #113 (April/Mai 2014)

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