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Interviews & Artikel

BOSKOPS

Energie aus der Gosse

Schnell – laut – aggressiv – das sind die Schlagwörter, die vielen zur Hardcore-Punk-Formation BOSKOPS einfallen. Entstanden 1981 aus den Resten von BLITZKRIEG, GEGENWART und ARISTOCATS, brachten die Hannoveraner es bis zu ihrer Auflösung 1999 auf vier Alben, von denen die ersten beiden („Sol 12“, 1983, und „Lauschgift“, 1985) vor ein paar Jahren auf dem Farewell-Label als limitierte Vinylversionen wiederveröffentlicht wurden. Seit Mitte 2012 sind die BOSKOPS auch live wieder aktiv und absolvierten unter anderem 2013 einen Auftritt auf dem Ruhrpott Rodeo. Der Großteil der Fragen wird von Gitarrist und Gründungsmitglied Wixer beantwortet, gefolgt von Willy – Sänger und ebenfalls Gründungsmitglied – und Schlagzeuger Tilo.

Wixer, vor eurer ersten LP habt ihr ja zuerst mit BOSKOPS ein Demotape herausgebracht, richtig?


Ein Demotape war das nicht, sondern eine Übungsraumaufnahme, die landete auch bei Herbert Egoldt von Rock-O-Rama. Wir hatten dann ein Gespräch mit ihm in seinem damaligen Plattenladen in Köln. Der Laden wurde um 14 Uhr dicht gemacht, und Deutscher W von OHL hat hinten Singles aufgelegt. Mit OHL hatten wir damals auch in Wilhelmshaven gespielt. Dann wurde der Vertrag aufgesetzt, aber ein Punkt gefiel mir nicht, da ging es um die Nachpressung. Der macht dann 60.000 Stück, da siehst du kein Land, da kannst du dir den besten Anwalt nehmen. Ich habe gesagt, das unterschreibe ich nicht, der Rest der Band hatte so einen Hals, dann war aber wieder alles okay. Wir wurden danach aber auch beschissen von Frostschutz Records. M. von Eye hat die „Sol 12“ ohne unser Wissen weiterverkauft. Das war der damalige Schlagzeuger von KALTWETTERFRONT, so einer Hippie-Band, die auch mit Rio Reiser Kontakt hatten. Wenn ich den noch mal treffe ... Wir wurden nur beschissen. Während der Album-Aufnahmen haben wir im Dreck gepennt und mit Abmischen alles in sieben Tagen fertig gestellt. Bei Harris Johns im Berliner Music Lab – da kannst du heutzutage eine Aufnahme nicht mehr bezahlen. M. von Eye hat den Kontakt klargemacht. Wir haben so viele Stücke auf die erste LP draufgepackt, weil wir dachten, dass wir sowieso keine zweite LP mehr machen werden. Ich hatte ja bereits etwas Erfahrung mit Studioaufnahmen wegen BLITZKRIEG und wusste, dass man auf jeden Fall Echo auf die Stimme packen sollte. Dann kam beim „Lauschgift“-Album die Idee mit der kratzenden Plattennadel für „Dein Gesicht sind Zahlen“ – da springen heutzutage noch Leute entsetzt auf, obwohl es eine CD ist. Bei den Aufnahmen zu „Lauschgift“ kam auf einmal Blixa Bargeld in Gummistiefeln und Mantel hereinmarschiert. Der hat sich kurz die Kratzerei angehört und ist mit seinem Flaschenbier wieder abgehauen. Vom Mischer kam dann nur irgendwann: „Wie viele Gitarren wollt ihr denn noch einspielen?“ Und wir nur: „Komm, hier haste noch’n bisschen Captagon, geh zu deiner Alten ins Tempodrom und guck dir DIE TOTEN HOSEN an ...“

Welchen Eindruck machte Herbert Egoldt von Rock-O-Rama auf dich?

Er war ein kleiner dicker alter Mann, der mit Punk nur deshalb etwas zu tun hatte, weil er damit Geld machen konnte.

Warum erschien euer „Sol 12“-Album nicht auf Aggressive Rockproduktionen? Mit denen hattest du doch zuvor bereits Kontakt wegen BLITZKRIEG?

Das hat sich irgendwie nicht mehr ergeben. Mit BLITZKRIEG sind wir sehr nah an Labelchef Walterbach herangekommen. Bei dem Festival 1979/80 in Bremen waren ÄTZTUSSIS, RAZORS, NO NAME etc. am Start. Die erste Band waren KOTZBROCKEN aus Hamburg, voll auf Valium 10 plus Alk. Sie fielen mehrmals am Abend in die geliehene Anlage. Am nächsten Tag standen BLITZKRIEG, ÄTZTUSSIS und Walterbach vor der Tür des Veranstalters. Der meinte nur: Erst wenn die Anlage repariert ist, bekommen wir Spritgeld. Mit Schlauch und Kanister kam dann aber doch noch jeder nach Hause. So kam der Kontakt zum AGR-Label zustande. Auch durch den ersten KZ36-Sampler. Der zweite KZ36-Sampler war ja professioneller aufgenommen, aber es waren zu viele Bands drauf. Mit BLITZKRIEG haben wir in Berlin eine 8-Spur-Aufnahme gemacht, in so einem Hippie-Studio, wo der Typ die ganze Zeit bekifft herumsaß.

Was hat es mit dem Albumtitel „Sol 12“ auf sich?

Die Enterprise geht nur bis Sol 9, wir haben dann Sol 12 gemacht, da fliegst du auseinander. Wegen der Geschwindigkeit, also mehr in Richtung Hardcore. Wie B.G.K., die hatten das von MDC.

Wie kam es zu eurem Beitrag auf dem internationalen „P.E.A.C.E.“-Sampler?

Wir spielten mit BOSKOPS um 1983 herum im Frontkino in Berlin. MDC waren auch gerade dort; der Sänger sah zu, wie beim ersten Song die Pogomeute auf die Bühne fiel, es herrschte totales Chaos, die halbe Backline war im Arsch. Wir lagen alle auf der Bühne und glotzten nur! Der MDC-Sänger bemerkte uns, und über Tony von NITWITZ kam dann der Kontakt zustande. Tony hat dann später auch noch einen Gig für BOSKOPS in Amsterdam klargemacht. Zwei Stücke sollten wir für den „P.E.A.C.E.“-Sampler schicken, eins kam nur drauf: „Skorbut“. Der Sampler war ja ein Soli-Projekt und erschien als Doppel-LP. Alle Sampler-Stücke von BOSKOPS erscheinen übrigens demnächst auf einer LP, die wird über Punkdistro erhältlich sein.

Hättet ihr die Chance auf eine US-Tour gehabt?

Ja, über Dave Pollack aus Berlin, damals bei PORNO PATROL, um 1983/84 herum. Die Berliner haben auch damals öfters bei mir gepennt. Aber es kam letztendlich nichts dabei heraus.

Habt ihr sonst mal im Ausland gespielt?

Frankreich, Schweiz, Spanien, Dänemark, Holland. Alles selbst organisiert, und viel in besetzten Häusern. 1991 in Spanien war unser Schlagzeuger Hein noch mit dabei, der ist dann ja gestorben. Ich habe mich noch viel um ihn gekümmert, als er im Rollstuhl saß. In der Schweiz, in Bern, haben wir in einem Laden gespielt, wo viele Ami-Bands gleich auf dem Absatz wieder kehrtgemacht haben. In der Küche Millionen von Fliegen, und da der Weg zum Klo zu weit war, wurde einfach ein Loch in die Wand gehämmert. In Paris haben wir mal unter anderem mit DISORDER gespielt. Da gab’s richtig Stress mit farbigen Fascho-Skins. Die haben dem Sänger von DISORDER auf der Bühne erst mal richtig eine gesemmelt. Wir waren die letzte Band. Als ’ne Pulle flog, haben wir aufgehört. O-Ton 1985 vom Hannoveraner Magazin Schädelspalter: „Die Ordner, nur Skinheads, sorgten schon an der Kasse für erste Rangeleien. Die wenigen erschienenen Punx nahmen’s gelassen hin, man hatte so seine Erfahrungen. Das Konzert konnte losgehen. Aber nicht die Musik, sondern die Aktionen der Glatzköpfe. ,Aus dem Stand in die Fresse getreten wurde einer Punkfrau,‘ so BOSKOPS-Gitarrist Wixer. ,Und sieben Skins zwangen einen Punk, sich auszuziehen‘. Zweimal sah er (,ohnmächtig und voller Hass!‘), wie man bewusstlose Punx aus ihrer eigenen Blutlache quer durch die Halle zog.“

Was hat es mit dem Foto mit dir und dem Bullen auf der Bühne auf sich, das auf dem „F.E.D.I.A.“-Rückcover zu sehen ist?

Es gab damals eine Ausschreibung in ganz Niedersachsen für ein Rock- und Jazz-Festival. Wir haben da auch was hingeschickt, kamen aber natürlich nicht in die engere Auswahl, bei 600 oder 700 Bewerbungen. Also holten wir uns einen 7,5-Tonner, machten ein Flugblatt, riefen die Presse an, trommelten die Leute zusammen und fuhren zum Schützenplatz. Als Gig für umsonst. Na ja, es ist viel zu Bruch gegangen, aber die Bullen brauchten kein Auto, weil die Station direkt um die Ecke lag. Es gab eine Live-Übertragung vom Festival, und Leute meinten, man hätte unsere Musik noch weiter entfernt vom Lkw gehört. Es war halt eine Protestaktion. Und auf dem Flugblatt stand auch: „Überzeugt Euch selbst. Macht Euch ein eigenes Ohr“. Das war ’ne gute Aktion, so was mag ich.

Weird System haben euch ja auf den ersten „Keine Experimente“-Sampler mit draufgenommen ...

Ja, die wollten erst das Lied „Trauma“ von der „Sol 12“-LP, aber da wir mit Frostschutz so einen merkwürdigen Vertrag hatten, haben wir neue Stücke aufgenommen: „Du denkst“ und „Jacutin“. Alles an einem Tag aufgenommen und abgemischt. Und in der Mensa gegessen.

Warum der Wechsel zum Masterplan-Studio?

Das wurde in Berlin alles immer teurer, und Stephan Grujic von MOTTEK, der dort arbeitete, kannten wir sowieso. Ist bei ihm alles etwas rockiger geworden, wahrscheinlich wegen dem Bass. Die „F.E.D.I.A.“-LP haben wir komplett selbst finanziert. Wir hatten einen Bekannten bei SPV und haben die Platten palettenweise in einem kleinen Bully abtransportiert.

Eure „Non Plus Ultra“-Produktion von 1991 klingt ja dann metallischer als die Vorgängeralben ...

Das lag am Schlagzeuger. Und an Stephan von Masterplan, der hat zu der Zeit viel LINKIN PARK-Mucke gehört. Trotzdem steckt in der Scheibe noch sehr viel Punk drin. Hör dir mal den Song „Der“ an: Der Müll sagt dir alles über deren Besitzer. Bei der „Lauschgift“-Aufnahme in Berlin hat mir unser damaliger Schlagzeuger Raffa mit meinen Sound-Ideen erst nicht vertraut. Ich wollte die Drums weiter in den Hintergrund setzen und habe mich mit Harris Johns angelegt, weil ich mehr Gitarren haben wollte. Deshalb hat die Produktion so einen Wumms. Thomas Ziegler von Mülleimer Records meinte, dass „Lauschgift“ unser bestverkauftes Album wäre, ich denke aber, es war „Sol 12“.

Viele verbinden das Image von BOSKOPS noch mit den „Kampftrinker Stimmungshits“-Veröffentlichungen. War das eure Entscheidung, dort mitzuwirken, oder eher die des Labels?

Das war Zieglers Entscheidung. Am Anfang sind wir ja noch gut miteinander klargekommen. Aber dann bei den Samplern hat er, ohne uns zu fragen, einen Song draufgepackt, und du kriegst nur dein Freiexemplar geschickt. Da wussten wir, dass wir dort falsch sind. Und dann gibt der uns noch so beschissene T-Shirts, dem hätte ich am liebsten den Hals umgedreht. Mülleimers Rechte liefen 2001 aus, aber der hat uns ohne zu fragen einfach weiterverkauft. Bands sollten immer ihren gerechten Anteil erhalten.

Wie war euer Kontakt zu ähnlich ausgerichteten Bands, zum Beispiel BLUT + EISEN oder KLISCHEE? Gab es irgendeine Form von Konkurrenzdenken?

Nö, im Gegenteil. Wir haben uns immer gegenseitig unterstützt. Aber manchmal passieren dann so Sachen: Nach einem gemeinsamen Gig vermissten NEUROTIC ARSEHOLES ihre nagelneue Snare. Der Schlagzeuger hatte sich die richtig zusammensparen müssen. Und wo ist die dann aufgetaucht – im Übungsraum von BLUT + EISEN.

Was waren deine musikalischen Vorbilder, als ihr unter dem Namen BLITZKRIEG angefangen habt?

Ich habe schon immer das Härteste gesucht. Ich hatte schon mit elf ein Röhrenradio und einen Plattenspieler mit einem 10-Pfennig-Stück drauf und einer Diamantnadel. Die Platten hab ich mir vom Flohmarkt für drei oder vier Mark besorgt. Es gab aber meist nur ein hartes Stück auf einer Platte. Dann habe ich mir Ende 1977 die erste DAMNED geholt. Das war der Hammer und meine früheren Platten gingen zum Flohmarkt zurück. Mit Gitarrespielen hab ich schon 1971/72 angefangen, ich bin Jahrgang 1960. Sommer 1978 auf dem Altstadtfest haben wir uns dann zusammengefunden.

Wie kam der ausgeprägte Anti-Kommerz-Standpunkt bei BLITZKRIEG zustande?

Das war schon eine frühe Form von D.I.Y. Außerdem hatten wir sowieso kein Geld. Unsere T-Shirts haben wir selbst gemacht. Das macht heutzutage sogar wieder Sinn.

Wer steckte hinter No Nordstadt Records, dem Label der ersten BLITKRIEG-EP?

Das waren wir selber. Weil die ganze Scheiße aus der Nordstadt kam: No Fun Records, ROTZKOTZ, HANS-A-PLAST, BÄRCHEN UND DIE MILCHBUBIS, DER MODERNE MAN ...

Wolltet ihr mit BLITZKRIEG sowieso kein Vinyl herausbringen?

Nö, ich wollte am Anfang auch keine Kassette, gar nichts. Pedder hat sich dann Geld von seinen Eltern geliehen. Die neun Songs der 33rpm-EP kamen dann in Eigenproduktion heraus. Und wir tauschten unter anderem mit NORMAHL.

Warum kam es zur Auflösung von BLITZKRIEG?

Wegen Pedder, dem Intellektuellen. Das passte nicht. Die Energie aus der Gosse war gesprengt. KLISCHEE hat er danach damit auch kaputt gemacht.

War nicht mal ein Album auf Aggressive Rockproduktionen geplant?

Nee. Wir haben drei Stücke aufgenommen, aber es sind nur zwei erschienen. Bärbel hatte versucht, einen eigenen Schlagzeugstil zu entwickeln. Das kam wohl nicht so gut an.

Was ist denn aus Bärbel und Dussel von BLITZKRIEG geworden?

Bärbel: Heroin, nur noch ein Bein, machte Entzug, will nichts mehr von BLITZKRIEG wissen. Dussel: zwei Kinder, zweimal geschieden. Ist Eishockeyfan.

Wie kann man sich die Punk-Szene Ende der Siebziger in Hannover vorstellen?

Da war gar nichts. Du wusstest ja gar nicht, ob irgendwo noch wer anders rumläuft. Eines der ersten größeren Konzerte war 999 und STRANGLERS in der Niedersachsenhalle. Da sind die Engländer mit drei Bussen vorgefahren und wir haben gar nichts mehr geglaubt. Wir haben uns sofort mit den Ordnern in die Flicken gekriegt. Nach dem Konzert ist der Sänger von 999 noch mit einem Ghettoblaster und einer Gitarre rausgekommen und hat auf der Straße Akustikversionen à la „Johnny be good“ gespielt. Das müssen die auch damals in Düsseldorf gemacht haben, denn Campino hat das mal erwähnt. Wenn mal was los war, waren auch alle da. In der Warstraße zum Beispiel, da spielten 39 CLOCKS; da haben sich Leute in Plastik eingewickelt und haben keine Luft mehr gekriegt ... Da gab es eben die Künstlerleute und es gab uns: Energie aus der Gosse. Das erste Punk-Festival in Hannover war glaube ich im Collosseum, mit SCHLEIM aus Braunschweig, die Sängerin war später bei HANS-A-PLAST, KATAPULT aus Berlin und ROTZKOTZ. Jemand hat mir dort eine Gitarre in die Hand gedrückt, ich hatte so ein selbstgemachtes Plastiktüten-Shirt an, und dann gab’s eine Chaos-Session auf dem Boden in Scherben.

Du wolltest mal auswandern und in England eine Bäckerei aufmachen, stimmt das?

Die Ausbildung hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich habe versucht, den Konditor zu Ende zu machen, wurde aber nur verarscht. Anfangen morgens um drei und der Rest macht Party. In England stand das Pfund bei 3,29 Mark. Gepennt hab ich in Asihäusern voller Ratten.

Du hast mal ein Label gehabt, wo NARBENGESICHT herauskamen. Was ist daraus geworden?

Habe noch etwa 1.600 CDs davon, das meiste geht über Japan weg. Die Band war gut, ich habe sehr viel für die gemacht. Dann haben sie sich aufgelöst und ich bin auf den Scheiben sitzengeblieben.

In einem Interview mit Olli Schulz, heutzutage bei der TV-Show „Circus HalliGalli“, erwähnt dieser einen Besuch in eurem Proberaum mit den legendären Pisseimer dort. O-Ton: „Dann hatten die in ihrem Übungsraum, weil die beim Proben so viel Bier gesoffen haben, einen Pisse-Eimer, in den die alle reingepisst haben, weil die zu faul waren, aufs Klo zu gehen. Und erst wenn die Pisse im Eimer am Rand war, hat jemand den Eimer genommen, rausgetragen, und dann ist die Pisse dabei rausgeschwappt. Das fand ich mega-ekelig.“

Der Pisseimer von damals steht nicht mehr dort, wir haben einen neuen. Damals konnte man den gebauten Toiletten nicht trauen, weil es wegen der naheliegenden Ihme oft zu Überflutungen in den Übungsräumen kam. Olli Schulz wollte damals zusammen mit seinen Kumpels mit uns ein Interview für eine Schülerzeitung machen. Dann haben sie erzählt, dass sie schwarz gefahren sind, und ich hab denen noch Geld für ein Ticket gegeben. Damit die Eltern nix erfahren ...

Deine Band-Aktivitäten nach BOSKOPS?

Ich habe dann Bass bei den KYBERNETIX gespielt, hatte genug vom Songs und Texte schreiben, wollte mal Sachen von anderen spielen. Dann noch SWINDLE. Später bei FUCKT war es gut, dass jeder von der Band beim Song und Texte schreiben beteiligt war.

Warum gab es bei BOSKOPS früher so viele angebliche „Abschiedskonzerte“?

Das kam nicht von uns, die Gerüchte haben andere Leute in die Welt gesetzt.

 


Willy, BOSKOPS

Willy, du bist Sänger von BOSKOPS und ebenfalls Gründungsmitglied. Was war der Grund für die Reunion?

Es gab keine Reunion. Wir haben nur gesagt: Vierzig Jahre Glocksee – wollen wir’s machen oder nicht? Dann haben wir uns getroffen und überlegt: Mal sehen, ob meine Stimmbänder halten. Probieren wir’s, sagen aber erst mal noch nichts. Dann haben wir ein wenig geprobt und es hat geklappt.

Wie kamen dann die Folgegigs zustande?

Es gab danach sehr positive Resonanz. Wir wollen aber keine Tournee machen, nur ausgesuchte Gigs. So soll es auch bleiben. Deshalb haben wir dieses Jahr nur drei Auftritte, und was nächstes Jahr ist, wissen wir noch gar nicht.

Warum dann die Booking-Agentur?

Das hat sich so ergeben, durch das Atomsmasher Festival. Wir müssen uns nicht um Gigs kümmern, und Sandra von Billig People Booking macht das echt gut.

Ist ein neues Album geplant?

Nein, definitiv nicht.

Nach dem „Non Plus Ultra“-Album war noch ein neues Album geplant, wurde aber nie veröffentlicht ...

Die aufgenommenen Songs sind auf dem „BRD Punk Terror Vol. 3“-Sampler von Nasty Vinyl gelandet. Dann haben sich BOSKOPS aufgelöst, also gab es nichts weiteres.

Wie kam die HANSON BROTHERS-Connection und euer Beitrag auf dem Eishockey-Sampler „Puck Rock Vol. 2“ zustande?

Ich bin der Meinung, dass das über Ziegler ging, bin mir aber nicht mehr sicher. Es kam die Anfrage, und wir haben den Songtext auch auf Englisch gemacht. Das Stück war mein Ding, weil ich schon jahrelang Eishockeyfan am Pferdeturm bin. „E.C.H.“ heißt nämlich „Eishockey Club Hannover“ und dafür wollte ich schon immer einen Song haben. Er wird ja auch manchmal heute noch gespielt.

In Ute Wieners’ Buch „Zum Glück gab es Punk“ wirst du als brutaler Macho beschrieben. Was ist dein Statement dazu?

Ich kenne das Buch nicht. Habe nur etwas darüber gelesen. Ich erwarte eigentlich auch von Ute Wieners nichts anderes. Sie war eben bei den „Feministinnen“. Ich würde das Buch aber mal gerne lesen, weil’s mich interessiert. Das war die Kornstraßen-Zeit, da war ich Mitte oder Ende zwanzig.

O-Ton Ute Wieners: „Sofort packte er mich an der Kehle, presste mich gegen die Wand und brüllte: ,Los, entschuldige dich, du dreckige Fotze! Oder ich schlag dir den Kopp durch die Wand!‘“

Das habe ich nie gesagt oder gemacht. Aber wenn sie das so meint, ist mir das auch egal. Ich habe früher einen gewissen Ruf gehabt. Und ich stehe auch zu meinen Fehlern, die ich früher gemacht habe. Aber ich gehe mittlerweile auf die Sechzig zu und bin ruhiger geworden. Irgendwann werde ich das Buch mal lesen und meinen Kommentar dazu abgeben. Macho war ich eigentlich nicht, aber vielleicht aggressiver als andere, wenn’s darauf ankam. Bin etwas schneller hochgegangen. Ich bin ihr da jetzt auch nicht böse und habe damit kein Problem.

 


Tilo, BOSKOPS

Tilo, wie bist du zu BOSKOPS gekommen?

Die verschiedenen alten Drummer sind entweder leider tot – Hein und Percy – oder nicht mehr in der Szene und/oder nicht in der Lage/willens, es zu machen – wie Raffa. Ich kenne die Jungs nun auch schon seit gut dreißig Jahren und hatte mich mal mehr oder minder „spaßeshalber“ bereit erklärt, es zu machen, sollte es jemals zu einer Reunion kommen. Was eigentlich nie ernsthaft zur Debatte gestanden hatte. Bis mich dann eines Tages Wixer anrief und fragte, ob das Angebot immer noch stehen würde – die BOSKOPS sollten zum vierzigjährigen Jubiläum des UJZ Glocksee in Hannover spielen. Tja, und da war ich dann „fällig“, haha!

In welchen Bands hast du vor BOSKOPS getrommelt, und was ist aus denen geworden?

Ich habe in den letzten drei Jahrzehnten in recht vielen verschiedenen Bands und Projekten gespielt. Etwa BETA BLOCKER – wir hatten unsere erste „Veröffentlichung“ damals auf einem Knockout-Tape-Sampler –, BIONIC, CHANNEL 3, ANFALL, GPC – prä-MOTTEK und ST-37/Studio –, MOTTEK/Studio, SIMON CHAINSAW/Studio, SIMPLETONES und nun eben BOSKOPS.

Existiert dein Label G-Force Records noch?

Nein, nicht wirklich. Ich habe zwar noch Restbestände meiner alten Veröffentlichungen auf Lager, und einige alte Titel werden via Broken Silence auch immer noch bestmöglich vertrieben, aber neue Veröffentlichungen hat es seit langem nicht mehr gegeben. Mein alter Labelpartner und Hannover-Punk-Legende Jens Gallmeyer hat vor einigen Jahren noch mal selbstständig Veröffentlichungen von FAT BELLY aus Hannover und den HAMBURG RAMÖNES gemacht, aber bis auf den Labelnamen hatte ich da weiter nichts mehr mit zu tun. Das hat Jens alles allein abgewickelt. Ich habe 2013 allerdings über das Sublabel Re-Force Records, das ausschließlich für Reissues gedacht ist, nach langer Zeit noch mal eine „Werkschau“-Doppel-CD von MOTTEK, einer alten Hildesheimer Achtziger-Punk/HC-Band herausgebracht, mit dem Titel „Countdown 1982-2012“.

Björn Fischer

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #114 (Juni/Juli 2014)

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