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Interviews & Artikel

CHURCH OF CONFIDENCE

Creepers, Pomade und Pin-ups

Muss man CHURCH OF CONFIDENCE der Punkrock-Szene noch groß vorstellen? Ich glaube kaum. Trotzdem darf Sänger und Gitarrist Uli das zu Beginn des folgenden Interviews noch einmal tun. Bereits zweimal stand die Band dem Ox Rede und Antwort. Aber ihr neues Album „In Black & White“ steht seit einiger Zeit in den Regalen und weiß die Fans erneut zu begeistern. Ulis Umtriebigkeit neben seiner Band als Club- und Café-Betreiber, Boutiquebesitzer, Tontechniker und Studioboss macht ihn auch einfach zu einem interessanten Gesprächspartner.

Uli, wie ging das alles los?


CHURCH OF CONFIDENCE wurden von mir circa 1994 in Berlin gegründet. 1991 war ich aus dem Süddeutschen nach Berlin umgezogen und hatte damals bereits an die 15 Jahre Musikerfahrung gesammelt. Ich hatte mir nach zwei geplatzten Majordeals vorgenommen, nur noch um der Musik und des Spaßes willen weiter zu machen. Das hieß für mich konkret: kein Lead-Sänger mehr, kein kleinkariertes Karrieredenken, keine Alkohol- oder Drogenopfer und keine Mimosen mehr. Das machte die Sache nicht gerade einfacher, aber nachdem ich dann einen Drummer aus meiner Heimat importiert hatte, spielten wir 1995 in einer Vierer-Besetzung im Café Swing am Nollendorfplatz das erste Konzert. Das, was wir machten, wurde damals weitestgehend belächelt, denn kein Mensch trug Creepers, hatte Pomade im Haar oder gar Pin-ups auf den Gitarren. Das kam alles erst viel später. Zu der Zeit waren die meisten Szene-Bands noch auf dem Seattle-Grunge-Trip und wir lagen voll daneben ...

Wie kamt ihr damals auf den Trichter, unbedingt Rock’n’Roll und Punk verbinden zu wollen? Das waren ja in der Tat lange sehr unterschiedliche Szenen.

Na, die Szene schon, die Musik aber nicht. Da ich aber sogar noch aus der Pre-Punk-Ära komme und die Vorläufer des Punk in England Bands wie DR. FEELGOOD, EDDIE & THE HOT RODS oder THE PIRATES waren, die ja nichts anderes als knallharten Rhythm & Blues machten, lag darin für mich keine Diskrepanz. Ich habe schon immer mehr den musikalischen Faden gesucht, als mir die Haare zu färben und mich volllaufen zu lassen. Was nicht heißt, dass Style nicht immer ein wichtiger Bestandteil meines Lebens gewesen wäre. Letztendlich geht es um Rock’n’Roll. Ein sehr strapazierter Begriff, aber man kann ihn überall finden, wenn man gelernt hat, Ehrliches von Aufgesetztem zu unterscheiden. Und vor allem sich eine eigene Meinung zu bilden, anstatt die der anderen nachzuplappern.

Du sprichst den Style an. Ich finde auch, der erscheint bei CHURCH OF CONFIDENCE stets sehr wichtig, was Plattengestaltung, Outfit etc. angeht. Wie definierst du das für dich persönlich?

Ich denke, manche Leute haben eben Spaß daran, manche nicht. Wenn man sich im echten Leben nicht stylet, dann sollte man das auf der Bühne vielleicht auch nicht machen. Das wirkt dann schnell aufgesetzt. Aber für mich hat das immer dazugehört. Ich schaue mir auch ehrlich gesagt lieber Bands an, die ein gewisses Styling haben, als welche, die einfach irgendwas anziehen. Ob das nun aus der Kleiderkiste, selbstgemacht oder teuer gekauft ist, das ist schlussendlich egal. Hauptsache, es ist irgendwie originell. Punk hieß ja ursprünglich, sich abzusetzen, sowohl optisch als auch musikalisch. Das hat sich dann irgendwann verändert. Es ging dann mehr um Politik, und nicht wie ursprünglich, eigentlich unpolitisch zu sein.

Nun gibt es, ebenfalls gut durchgestylet, seit ein paar Monaten mit „In Black & White“ euer nun sechstes Album. Was ist neu, was ist geblieben, wer ist diesmal dabei?

Bei CHURCH OF CONFIDENCE gab es ja im Laufe der Zeit so viele Besetzungswechsel, dass ich selber die einzige Konstante bin. Das ist schon so etwas wie ein Running Gag. Und wieder einmal gilt die goldene Regel, verwende niemals ein Bandfoto für das Cover, denn siehe da, der Drummer ist schon wieder raus. Eigentlich spielen bei jeder Platte andere Leute mit. Das liegt vor allem daran, dass in einer Stadt wie Berlin die Verlockungen, in mehreren Bands zu spielen, zu groß sind. Ich habe nie daran geglaubt und habe alle Angebote abgelehnt. Schließlich braucht es in jeder Band mindestens einen, der den Karren zieht. Damit habe ich mich aber abgefunden. Die meisten Leute haben heutzutage keine Geduld mehr und keine Lust etwas aufzubauen. Alles muss sofort passieren. Und wenn sich kein Erfolg einstellt, dann probiert man es eben woanders. Das war nie mein Ding. Momentan spielt Süni aus Ungarn den Bass und Beano aus Irland die Drums.

Das klingt ja sehr international. So seid ihr ja auch immer schon live unterwegs gewesen. Was gab es da in den letzten Jahren für Tourneen im Ausland, was ist für die Zukunft geplant?

Viel getourt haben wir in den letzten Jahren nicht wirklich. Das war zum einen den ständigen Besetzungswechseln geschuldet, zum anderen bin ich auch sehr busy mit dem Wild at Heart und dem Tiki Heart. Dazu betreibe ich ja auch noch mein Tonstudio, wo ich ein paar wirklich tolle Bands aufgenommen habe. Damit bin ich auch musikalisch ausgelastet. Jetzt zur neuen Platte allerdings machen wir eine Tournee durch ganz Europa, und dann spielen wir wie jedes Jahr auf dem Rebellion Festival in Blackpool. Da sind wir seit acht Jahren fester Bestandteil des Line-ups. Mighty Sounds in Tschechien ist auch noch im Programm. Allgemein kann man aber schon sagen, dass wir mittlerweile im Ausland fast populärer sind als in Deutschland. Keine Ahnung, woran das liegt.

Wie du bereits sagtest, stehen CHURCH OF CONFIDENCE seit jeher für eine musikalische Schnittmenge aus Punk und Rock’n’Roll. Wie kann man sich in diesem Korsett weiterentwickeln beziehungsweise will man das überhaupt?

Mir geht es weniger darum, das Rad neu zu erfinden, als darum, Songs zu schreiben. Ich versuche, darin mit jeder Platte besser zu werden. Die hohe Kunst ist hier die Vereinfachung. Die simpelsten Songs sind meist die besten. Daran arbeite ich. Sich dabei zu entwickeln, ist ein sehr langsamer Prozess. Einen immensen Unterschied macht es auch, ob eine Band aus finanziellen Gründen nebenher laufen muss oder ob man sich den ganzen Tag der Musik widmen kann. Zum Beispiel haben wir uns auf der neuen Scheibe auch mal an einen Reggae-Song gewagt. Wir sind da relativ offen. In unserem Leben gibt es beileibe nicht nur Punk oder Rock’n’Roll. Das wäre zu langweilig.

Lars "Abel" Gebhardt

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #115 (August/September 2014)

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