Interviews & Artikel : EASTSIDE BOYS :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

EASTSIDE BOYS

Manchmal braucht es einen Tritt

Seit über zwanzig Jahren existieren die EASTSIDE BOYS, die vor langer Zeit vor allem aus beruflichen Gründen nach Berlin gezogen sind. Nach der ersten Single „Der Letzte im Lokal“ von 2001, sowie drei Studioalben und einer Split-CD mit LOUSY im Jahr 2010 haben sie jüngst mit ihrem vierten Album „Irgendwas ist immer“ weit mehr als ein bloßes Ausrufungszeichen gesetzt. Ehrlich, bissig, hymnenhaft und melodiös ist der Punkrock-Mix, den die vier Jungs auf Lager haben. Nun wollen wir „Irgendwas ist immer“ mal etwas genauer unter die Lupe nehmen. Ich sprach mit Sänger und Gitarrist Bert.

Das Allerschönste für mich auf dem Cover eurer neuen LP ist die Abbildung des West-Berliner Funkturmes. War das ein bewusstes Miteinbeziehen des alten Westteils?

Das war eher eine bewusste Einbeziehung von Berlin insgesamt. Und den Fernsehturm hatten wir auf der letzten Scheibe drauf. So was kann man ja immer nehmen.

Habt ihr eigentlich für euch relevante Szene-Lokalitäten im Westteil der Stadt, also über Kreuzberg hinaus?

Ich denke da gar nicht in erster Linie an die Bezirke. Ich gehe immer jeweils in die Clubs, auf die ich Bock habe. Na ja, und in Kreuzberg ist natürlich das SO36 eine feste Adresse. Da spielen wir ja auch häufiger mal. Das Wild at Heart muss genannt werden, da waren wir um 1999 schon, als wir in Berlin unsere erste Single einspielten bei LOIKAEMIE. Also der Laden war schon immer für uns eine echte Institution, schon wegen CHURCH OF CONFIDENCE. Dann den Columbia Club, die Columbia-Halle, nach Neukölln geht’s auch mal, nach Charlottenburg dann eher nicht ...

Die neue Platte „Irgendwas ist immer“ wurde im Studio des legendären Harris Johns produziert, der auch schon mit SLIME, DAILY TERROR oder EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN zu tun hatte. Muss ja ein eindrucksvolles Erlebnis gewesen sein.

Wir hatten schon die letzte Platte „The Boys Are Back In Town“ von 2007 und die Split mit LOUSY bei ihm aufgenommen. Es war also eher eine Rückkehr in eine vertraute Umgebung. Und jeder weiß ja, was er schon alles für tolle Sachen gemacht hat.

Wie viele andere Oi!-Bands kommt ihr ja aus dem Ostteil Berlins. Was das der Ursprung für eure damalige Namensgebung?

Der Ursprung der Namensgebung geht zurück auf das Jahr 1998. Drei von uns aus der Originalbesetzung kommen ja aus der Sächsischen Schweiz und wir haben halt einen Bandnamen gesucht. Ich erinnere mich noch, dass wir in einer Kneipe saßen und einen Haufen Mist durchdiskutierten, bis wir irgendwann darauf kamen, dass wir ja alle ziemlich weit aus dem östlichen Teil der Republik kommen. An Berlin hat damals überhaupt noch niemand gedacht.

Seit wann lebt die Band in Berlin?

Unser Basser war 2003 der erste und Roman unser Gitarrist und ich kamen 2004 nach. Wir sind aber alle der Arbeit wegen hierhergezogen.

Gibt es für euch so etwas wie einen Lokalpatriotismus, oder ist das schon eher ein reiner Bezirkspatriotismus?

Nein, das gibt es nicht in uns, vielleicht früher mal. Wir fühlen uns sehr verbunden mit dem Viertel, wo wir nun alle wohnen, also Berlin-Friedrichshain. Zumal wir ja alle aus kleinen sächsischen Dörfern kommen.

Trotz eindeutiger Aussagen schwingt in den Texten neben Aufbegehren auch etwas Milde mit. Seid ihr inzwischen reflektierter und differenzierter unterwegs?

Das sehe ich auf jeden Fall so. Man muss dazu sagen, dass die Roh-Texte alle von Roman unserem Gitarristen angeschleppt werden. Es war uns schon immer wichtig, möglichst wenig an Plattitüden und Phrasen zu dreschen, auch wenn es eigentlich leichter wäre, damit Anklang zu finden, also mit dem Suhlen in Klischees. Aber wer unsere Platten hört, dem wird bestimmt auffallen, dass wir schon immer ein bisschen hintergründiger waren, dass wir über Themen gesungen haben, die nicht so gängig waren, oder sie aus einem anderen Blickwinkel betrachtet haben beziehungsweise es einfach mal anders ausformuliert haben. Und so ein gewisser Grad an Sarkasmus und Selbstironie schwingt da eigentlich immer mit.

„Es macht Spaß zu widersprechen“ ist ein interessantes Statement. Ist in unserer Gesellschaft die Ehrlichkeit – selbst wenn sie stilvoll rüberkommt – ein Unding geworden?

Einerseits will man ehrlich sein, andererseits will man auch höflich sein. Als Jugendlicher habe ich es voll mit der Ehrlichkeit gehalten. Ich halte das eigentlich immer noch so und ecke damit ziemlich oft an, weil ich die Höflichkeit der Ehrlichkeit opfere, aber oft ziehen die Leute die Bequemlichkeit der Ehrlichkeit vor. Das finde ich schade. Besser wäre es natürlich, wenn man nichts von beidem opfert und höflich und trotzdem ehrlich wäre. Gerade im Punkrock ist das wichtig, weil es nun mal ehrliche Musik sein soll. Leider sieht man aber auch viele abschreckende Beispiele, wo das nicht mehr der Fall ist. Meine Band ist eben mein Hobby und ich muss da keinem in den Hintern kriechen. Ich kann halt ehrlich sein, und wenn ich deswegen nicht erfolgreich mit meiner Musik bin, gehe ich halt mehr arbeiten. Und diesen Vorteil haben Bands, die das professionell betreiben, oder an der Schwelle dazu stehen davon leben wollen, eben nicht, wenn es um den Faktor Ehrlichkeit geht. Einen direkten Vorwurf kann man denen gar nicht machen, aber die persönliche Freiheit haben sie mitunter schon eingebüßt.

Einen Teil eures Erfolges macht sicher das Video zu „Kein Punk in deiner Stadt“ vom neuen Album aus, das schon über 37.000 Klicks auf YouTube hat. Da heißt es: „Jetzt stehst du da und fragst dich, wie so was geschah. Was ist passiert? Der Klub ist platt! Du regst dich auf, doch du gingst nicht mehr gerne aus. Es war nichts nach deinem Geschmack.“ Gab es schon Leute aus der Punk-Szene, die daraufhin sagten:„Okay, wir werden jetzt wieder häufiger zu Konzerten gehen, um uns die Tür nicht selbst vor der Nase zuzuschlagen?“

So direkt nicht, aber viele meinten schon, dass ihnen der Text aus der Seele spricht. Und auch die Umsetzung war gut, das passte einfach alles zusammen und so ist der Songtext bei vielen hängen geblieben. Ich denke, wenn es dadurch ins Bewusstsein der Leute gerückt ist, wieder aktiv was zu machen, anstatt nur rumzumaulen, dann haben wir ja schon etwas dazu beigetragen hinsichtlich stärkerer Szene-Aktivitäten.

An Bands stören mich mitunter zwei Dinge. Zum einen, dass sie nur die jeweils neueste Platte plötzlich toll finden und zum anderen, dass sie sich als dickste Freunde hinstellen, aber ständig ihre Besetzung wechseln. Bei euch gibt es das zum Glück gar nicht ...

Alte Sachen bekommt man natürlich manchmal etwas über und die erste Single würden wir heute wohl etwas anders aufnehmen, aber live spielen wir auch immer noch alte Lieder. Wir verleugnen uns da also nicht. Aber in einer Band zu sein ist auch nicht immer ganz einfach, aber wir sind und bleiben vier Kumpels. Klar, es gab auch bei uns schon schwere Zeiten, aber wenn man dann immer gleich wegrennt und sich jemand anderes sucht, was soll das bringen? Uns gibt es ja schon seit 1993. Wir gründeten die Band, ohne dass wir richtig unsere Instrumente spielen konnten. Dann kamen die Leute aus Dresden zu uns ins Dorf, weil sie mal Punk hören wollten. Unser damaliger Drummer spielte auf einem Keyboard, weil wir uns ein Schlagzeug nicht leisten konnten. Irgendwann hatte er dann eins, fing aber an zu studieren und schied aus. Danach kam Mike ans Drumkit, aber der konnte nicht mit nach Berlin ziehen, so dass wir nun den dritten Drummer haben. Der Rest der Band blieb aber konstant dabei.

Im Song „Meine Generation“ heißt es recht plakativ „Vielleicht kriegen wir die Kurve, und ich hoffe, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.“ Deine letzten Worte für den Punkrock-Spätsommer 2014?

Wir sind erst mal mit dem Release der Platte sehr zufrieden, dann spielen wir kleine Tourneen, erst mit TOXPACK, dann mit VOLXSTURM und mit OXO86 eine Mini Tour. Da freuen wir uns natürlich drauf! Aber ob wir damit großartig berühmt werden, darüber haben wir noch nicht weiter diskutiert.

Wie sieht es bei euch bandintern beim Thema Humor aus?

Das ist ja ganz wichtig! Unser lupenreiner Skinhead Jens darf sich da auch bisweilen was anhören in Form von „Also wie manche rumlaufen: Kurze Haare, Hosenträger, alle so gleich irgendwie ...“ Haha! Wer nicht mehr über sich selbst lachen kann, also nein ...

Markus Franz

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #116 (Oktober/November 2014)

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