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Interviews & Artikel

KASSIERER

Sie waren Spinner, jetzt sind sie seriös

Am 24.01. hat am Theater Dortmund das Stück „Häuptling Abendwind“ Premiere, bis Ende Mai stehen neun weitere Aufführungen auf dem Programm. Für die Musik verantwortlich: DIE KASSIERER. Klar, dass ich dazu ein paar Fragen an Sänger Wolfgang „Wölfi“ Wendland hatte.

Wann warst du zuletzt im Theater?

Ich habe mir „Das goldene Zeitalter“ und „Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs“ angesehen. Im ersten Stück geht es überwiegend um Wiederholungen, unglaublich, was die aus diesem Thema gemacht haben. Das war das erste Mal, dass ich in einem Theater ständig lachen musste. Das andere ist ein Stück, das im Wesentlichen die Arbeitsbedingungen bei Apple-Zulieferern thematisiert. Hier sieht man Andreas Beck, der bei „Häuptling Abendwind“ Regie führen wird, als Hauptdarsteller. Selbst wenn die Hintergründe bei der Produktion zum Beispiel des iPhones schon bekannt sind, ein wirklich lohnender Abend. Davor kann ich mich nur an einen Theaterbesuch im Jahre 2005 erinnern – „Peer Gynt“ in einer Inszenierung von Peter Zadek, dem kulturellen Helden meiner Kindheit.

Dass DIE KASSIERER Kunst sind, weiß man spätestens seit einem Gutachten für die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Jetzt macht ihr noch mehr Kunst, wie also sieht eure Beteiligung an „Häuptling Abendwind“ aus?

Ob wir Kunst sind, weiß ich nicht, ich finde es auch eher suspekt, wenn Leute ihren eigenen kulturellen Wert behaupten. Meistens wollen die dann auch direkt Geld vom Staat. Nachdem wir schon auf unserer letzten Platte musikalisch behaupteten: „Ich war ein Spinner, doch jetzt bin ich seriös“, freue ich mich, dass nun auch öffentlich unter Beweis stellen zu dürfen. Am Anfang stand die Idee des Intendanten Kay Voges, etwas mit uns am Theater Dortmund zu machen und zwar eine Operette. Dann haben wir uns mit Andreas und dem Dramaturgen auf das Stück geeinigt. Wir machen nicht nur die Musik, sondern stehen auch bei jeder Aufführung live auf der Bühne.

Wie kam die Zusammenarbeit mit dem Theater Dortmund und Regisseur Andreas Beck zustande?

Der Kontakt kam über den Bochumer Musiker Tommy Finke zustande, der derzeit viel am Theater in Dortmund macht. Das hat aber weniger damit zu tun, dass es dort KASSIERER-Fans gibt, als damit, dass sich die kreativen Köpfe in der Kulturmetropolregion Ruhrgebiet irgendwann einmal finden.

Das Theater Dortmund hat sich in der letzten Zeit ja wiederholt „Subkultur-affin“ gezeigt, etwa mit Paul Wallfisch von BOTANICA als musikalischem Leiter oder eben durch Stücke von Jörg Buttgereit und Wenzel Storch. Tut sich da was, weg von betulicher Bildungsbürgerlichkeit, hin zu einem Theater, das auch wieder theaterferne Menschen, etwa aus der Punk-Szene, anzieht?

Ach, das Bildungsbürgertum, so mit Zigarre und lateinischen Sinnsprüchen, kommt in einer Zeit, in der mit 68 schon fast alle in Rente gegangen sind, nicht mehr wirklich vor. Ich würde auch den Begriff Subkultur heute anders sehen. Unterhalb des Begriffs Kultur gibt es verschiedene Subkulturen, die aber gleichwertig existieren, wie die einzelnen Kapitel eines Buchs. Meistens sind die aus der Mitte noch am überflüssigsten.

Das Stück hat den Untertitel „Eine Punk-Operette“. Da muss ich an Marika Rökk denken. Wirst du also im schicken Kleidchen, lustige Liedchen trällernd, über die Bühne hüpfen?

Also ich muss bei Marika Rökk eher an dümmliche Schlager denken wie „So tanz ich die Samba, ganz ohne Carràmba, selbst in Riobamba schreit man nur Juhu.“ Aber du hast ja auch nicht die Schellack-Schallplatten-Sammlung von meinem Opa. Punk bringt zwangsläufig eine Operette hervor, weil die Oper schon von eitlen Rockmusikern besetzt ist, die spätestens seit den Siebzigern des letzten Jahrhunderts davon träumen, eine Rock-Oper aufzuführen. Und seit „Hair“ ist das Musical in den Händen der Hippies.

Für die Menschen ohne Internet und Wikipedia: Wer sind Johann Nestroy und Jacques Offenbach? Und kommen die auch zur Premiere?

Das sind gute Kumpel von Mozart und Goethe und soweit ich weiß, kommen alle vier. Und wer kein Internet hat, sollte es mal mit dem Lexikon-Content versuchen.

In der Vorschau ist von einer „indianischen Faschingsburleske“ die Rede. Es geht um eingeborene Kannibalen, die dicke weiße Männer essen wollen. Darf man sich als Veganer und Anti-Rassist das Stück trotzdem anschauen?

Ich denke mal, deine Frage zielt eher auf Political Correctness ab, als dass du wirklich befürchtest, dass es im Stadttheater Dortmund rassistisch zugehen könnte oder Rassismus propagiert werden könnte. Ich bin aber davon überzeugt, dass das Stück korrekter sein wird, als die Neufassung irgendwelcher Pippi Langstrumpf-Bücher. Ob es sich aber für Menschen eignet, die aus gesundheitlichen oder ideologischen Gründen eine Diät halten, kann ich jetzt noch nicht beurteilen.

„Musikalische Leitung: Die Kassierer“ steht auf der Website. Was macht man da so?

Unsere musikalischen Arbeiten werden erwartungsgemäß vielseitig sein. Ich vermute mal, die haben „Musikalische Leitung: Die Kassierer“ geschrieben, weil die Wahrheit zu kompliziert gewesen wäre, denn dann hätte da ja stehen müssen: „Die Musik kommt von den Kassierern, aufgrund ihrer monadisch/anarchistischen Arbeitsweise gibt es keine Leitung.“

Nacktheit und Alkohol sind ein elementarer Teil eurer Live-Shows. Wissen die am Theater das? Und ... müsst oder werdet ihr euch zurückhalten oder ist da die Schlagzeile der Bild-Zeitung schon vorprogrammiert: „Das soll Kunst sein? Warum müssen wir so was mit unseren Steuergeldern bezahlen!“

Der Intendant war bei unserem Konzert in Essen. Man erzählt sich seitdem die Geschichte von dem Punk, der auf ihn zukam und behauptete, er würde aussehen wie Kai Voges, der Intendant aus Dortmund. Auch die anderen Beteiligten wissen spätestens seit unserem Konzert in Dortmund im Oktober Bescheid. Leider ist die Bild-Zeitung auch nicht mehr das, was sie einmal war – spätestens seit im gleichen Verlag der Metal Hammer erscheint. Und wem es nicht passt, dass wir aus Steuergeldern bezahlt werden, der braucht sich nur vorzustellen, dass wir aus den Karteneinnahmen unsere Gage bekommen und der Rest durch Steuergelder finanziert wird. Ich persönlich zahle meine Steuern ja auch nur für Hartz IV empfangende Punx und nicht etwa für die Bundeswehr.

Joachim Hiller

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #117 (Dezember 2014/Januar 2015)

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