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Interviews & Artikel

ENABLER

Das Ende der Welt

Die aus Milwaukee, WI, USA stammenden ENABLER sind ein spannender Neuzugang auf Century Media: Sie veröffentlichten unter anderem 2012 das Album „All Hail The Void“ auf Southern Lord/Phobiact und sind mit dem neuen Longplayer „La Fin Absolue Du Monde“ auf dem Label aus Dortmund gelandet. Was Band-Mastermind Jeffrey Lohrber (Gesang, Gitarre), der die Geschicke von ENABLER mittlerweile alleine bestimmt, hier abliefert, ist crustiger Prügel-Hardcore ohne jeden Anflug von Prolligkeit. Seine „Arbeitszeit“ teilt Jeff derzeit übrigens zwischen ENABLER und TODAY IS THE DAY, wo er vor vielen Jahren schon mal spielte.

La Fin Absolue du Monde“ ist der Titel eines – fiktiven – Films, nach dem der großartige deutsche Schauspieler Udo Kier in einer von John Carpenter gedrehten „Masters of Horror“-Folge namens „Cigarette Burns“ auf der Suche ist. Habe ich korrekt recherchiert?

Ja. Ich bin Fan von John Carpenter und habe „Cigarette Burns“ während eines zwölfstündigen Aufenthalts auf dem Flughafen von Los Angeles geschaut, zu Beginn unserer Australientour. Es hat mich regelrecht umgehauen. Mir gefällt die Vorstellung von etwas Fiktivem, das innerhalb einer Fiktion existiert. Bei John Carpenter gibt es das in „Die Mächte des Wahnsinns“ noch einmal, das ist auch ein Lieblingsfilm von mir.

Bring doch mal etwas Licht in eure verwirrenden Label-Beziehungen. Ihr seid oder wart bei FC Records, Southern Lord, Phobiact, Creator Destructor, Earsplit Compound und Century Media. Hab ich ein Label vergessen?

Stimmt, wir haben viele verschiedene Aufnahmen bei verschiedenen Labels veröffentlicht. Wann immer jemand Interesse daran hatte, etwas von uns herauszubringen, haben wir zugeschlagen. Bei den Labels, die du erwähnt hast, kann ich noch ins Detail gehen: FC hat unsere erste LP sieben Monate, nachdem die Band angefangen hatte, Shows zu spielen, veröffentlicht. Die Band hat für alle Aufnahmen selbst gezahlt und Andy, der später bei uns Schlagzeug gespielt hat, hat die Platte auf seinem Label FC herausgebracht. Southern Lord hat dann unser zweites Album „All Hail The Void“ veröffentlicht, die Vinylversion haben Phobiact in Europa und Creator-Destructor in den Staaten zusammen mit Halo of Flies Records gemacht. Creator-Destructor hat außerdem unsere Compilation-CD „Year One“ herausgebracht, auf der unsere ersten beiden Veröffentlichungen „Eden Sank To Grief“ und „War Begins With You“ enthalten sind, die vorher nur auf Vinyl erhältlich gewesen waren. Sie waren auch an der Veröffentlichung unseres neuen Albums „La Fin Absolue Du Monde“ in den Staaten beteiligt. Wir haben außerdem kürzlich bei Century Media unterschrieben, die jetzt „La Fin Absolue Du Monde“ mit Bonustracks veröffentlichen und unser nächstes Album, das noch in Arbeit ist.

Wie geht ihr die Aufnahmen zu einem Album an? Du hast aktuell mit Shane Hochstetler und Steve Austin bei Aufnahme und Abmischung zusammengearbeitet.

Shane ist ein guter Freund und wir kennen uns schon lange. Er hatte seine Finger bei fast jeder Aufnahme, die wir gemacht haben, im Spiel und kommt außerdem aus Milwaukee, wo ich ziemlich lange gewohnt habe. Shane hat die Platte eigentlich auch abgemischt, während Steve für alles andere verantwortlich war und dabei wirklich gute Arbeit geleistet hat, wie ich finde.

Wo wir schon von Steve Austin sprechen: Du spielst seit 2013 mit Steve in seiner Band TODAY IS THE DAY. Wie habt ihr euch zum ersten Mal getroffen, was fasziniert dich an seiner Musik?

Ich war zum ersten Mal 2005 auf einer TODAY IS THE DAY-Show, als ich 19 war, und bin mit der Band dann durch Europa getourt. Zusätzlich habe ich das Demo für den Song „Axis of Eden“ mit eingespielt und 2008 dann eine Demo Session mit Steve für Songs, die letztendlich auf „Pain Is A Warning“ gelandet sind. Ich habe mich damals in „Temple Of The Morning Star“ und „In The Eyes Of God“ verliebt, und als ich eine Anzeige bei Lambgoat sah, in der stand, dass die Band einen Drummer sucht, habe ich mich sofort gemeldet und Steve Aufnahmen meiner alten Band HARLOTS geschickt. Innerhalb einer Woche nach unserem ersten Telefonat war ich dann auch schon in Massachusetts und habe mit ihm zusammen gejammt. Als er mich letztes Jahr gefragt hat, ob ich wieder mitmachen und ein neues Album schreiben beziehungsweise aufnehmen will, musste ich nicht lange überlegen. Ich wollte mich schon einige Zeit mal wieder hinters Schlagzeug setzen und fühle mich sehr wohl dabei, bei TODAY IS THE DAY zu spielen.

Und wie schaffst du es, beide Bands zeitlich unter einen Hut zu bringen?

Steve und ich haben dasselbe Verständnis davon, was getan werden muss, und sind permanent in Kontakt. Alles muss sorgfältig geplant werden, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Auf dem ENABLER-Facebook-Profil steht „Mitglieder: Jeffrey Lohrber – Gesang, Gitarre“. Was ist aus Amanda Daniels und Ryan Steigerwald geworden, die auf dem Album mitspielen?

Das Leben kommt einem eben manchmal in die Quere und bei Ryan und Amanda sind Sachen passiert, die es ihnen unmöglich gemacht haben, derzeit weiter mit mir zusammen zu spielen. Als ich beschloss, eine Band zu gründen, in der ich die Musik komplett alleine schreibe und auch alle anderen Sachen regele, die eine Band am Laufen halten, hatte ich mich darauf eingelassen, dass allein ich die Band bin, obwohl ich das zu dem Zeitpunkt noch nicht erkannt hatte. Alles, was ich immer tun wollte, war, Songs zu schreiben, die ausdrücken, wer ich bin, und wenn sie irgendjemanden auf positive Art und Weise beeinflussen können, habe ich gewonnen. Damit geht allerdings auch die Verantwortung einher, das alles in Gang zu halten. Bei ENABLER kommen und gehen die Leute, das ist unvermeidlich. Warum sollten sich ENABLER auflösen, nur weil jemand aufhört und etwas anderes mit seinem Leben anfangen möchte? Warum sollte jemand mehr in der Band machen, als das, auf das man sich ursprünglich verständigt hatte? Die aktuellen Band-Mitglieder wissen genau, dass ich auf diesem Schiff namens ENABLER das Sagen habe. Wenn sie dabei sein wollen, ist das großartig, und wenn nicht, müssen sie es nur sagen und das Leben geht weiter. Und es ist für mich nicht absehbar, dass sich das in naher Zukunft ändert.

Wie wichtig ein gut gestaltetes Cover ist, sollte nie unterschätzt werden, nicht einmal in Zeiten von Downloads und Streams. Wie bist du auf Chris Smith als Covergestalter gekommen.

Chris ist ein guter Freund aus Pittsburgh. Wir haben mehrmals zusammen in seiner Band METH QUARRY gespielt. Er hat außerdem ein paar tolle Sachen für unsere Freunde von NEON WARSHIP und BY WAY OF SUNSTORM gemacht. Als wir zum ersten Mal bei ihm zu Besuch waren, war es irgendwie fast surreal. Er lebt über einem alten Beerdigungsinstitut, hat eine exzellente Whiskey-Sammlung und all seine Illustrationen für lokale Clubs hängen gerahmt an seinen Wänden. Er hat außerdem die größte CD-Sammlung von Death Metal und Hardcore aus den Neunzigern, die ich kenne. Als ich mir seine Bilder angesehen habe, wusste ich sofort, dass er für ENABLER der Richtige ist. Er hat echt Talent und ist einer der Besten in diesem Bereich.

Irgendwo hast du mal erwähnt, dass du die folgenden Bands magst. Kannst du jede davon mal kurz beschreiben?

ANTHRAX: Nice fuckin’ life.

FROM ASHES RISE: Waiting for the final goodbye.

INTEGRITY: Seasons in the size of days.

METALLICA: Pulling your strings, justice is done.

ENTOMBED: Wolverine Blues.

EARTH CRISIS: All creation lays at the mercy of madmen.

PROPAGANDHI: Wenn RUSH eine Punkrock-Band wären, wäre das PROPAGANDHI. Eine der besten Bands, die es zur Zeit gibt.

NEUROSIS: Wenn „The doorway“ nach der Hälfte des Songs in diesen bestimmten Groove umschlägt, fängt der Himmel an, zu zerfallen.

SEPULTURA: Under a pale grey sky, we shall arise.

Unter den drei Bonustracks auf der europäischen Version des aktuellen Albums ist auch das CRO-MAGS-Cover „Seekers of the truth“ von „The Age Of Quarrel“. Warum CRO-MAGS, warum dieser Song?

„The Age Of Quarrel“ ist meiner Meinung nach das beste Hardcore-Album überhaupt. Ich liebe es einfach. Wir wurden gebeten, für eine Compilation etwas aus dieser Zeit zu covern. Niemand hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon etwas von CRO-MAGS ausgesucht und für mich hat es am besten gepasst. Das Ziel war es, dass es so klingt, als würden CRO-MAGS von CROWBAR gecovert.

Deine Texte sind ziemlich düster. Kannst du ein paar davon kommentieren? Zuerst „Rain darkness“ ...

Die grundlegende Idee für diesen Song hat sich aus der Überlegung ergeben, dass wir uns in einem ständigen Kriegszustand befinden. Es scheint, als hätten wir immer das Bedürfnis, einen neuen Krieg anzufangen, sobald ein anderer vorbei ist. Wir führen Krieg gegen jeden und alles – Terror, Drogen usw. Ich habe versucht, aus der Perspektive eines Soldaten zu beschreiben, wie es sein muss, sich in den Kampf zu stürzen, ohne selbst genau zu wissen, wofür man überhaupt kämpft.

„Information overload“.

Das ist die Welt, in der wir leben. Ständige Informationen überall, und alles ist nur einen Klick entfernt. Ich habe das Gefühl, das macht unsere Welt letztendlich klüger, aber ist gleichzeitig eine Krücke für unsere Gesellschaft. Was würden wir ohne Computer, Fernsehen, Smartphones und so weiter machen? Ich glaube, wir stehen kurz davor, dass wir eine Generation von Leuten werden, die nicht wissen, wie sie ohne den ganzen Luxus überhaupt überleben sollen.

„Close my eyes“.

Das war der letzte Song, den ich für „La Fin Absolue Du Monde“ geschrieben habe, wie ich finde, der insgesamt stärkste. Als ich ihn geschrieben habe, steckte ich gerade mitten in einer Lebenskrise. Ganz egal, was ich versucht habe, ich habe es einfach nicht richtig hingekriegt. Eine Zeit lang war in meinem Leben alles zum Scheitern verurteilt und ich musste dann die Bruchstücke irgendwie wieder zusammensetzen. Es ist wahrscheinlich einer meiner persönlichsten und liebsten ENABLER-Songs aller Zeiten. Ich glaube aber, dass die Texte irgendwie alle für sich selbst sprechen. Sie sind sehr direkt und man kann sich leicht damit identifizieren. Ich verstecke nichts, aber ich behalte auch einige Erfahrungen, die einen guten Teil der Songs beeinflusst haben, für mich, weil sie zu persönlich sind. Die Musik ist sowohl für mich selbst gedacht als auch für alle anderen. Es schmeichelt mir, wie viele Menschen sich von den Texten und der Musik von ENABLER offenbar angesprochen fühlen.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #117 (Dezember 2014/Januar 2015)

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