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Interviews & Artikel

LAGWAGON

Die Unzerstörbaren

1992 legte mir Fat Mike eine Band ans Herz, für die er, wie er sagte, sein Label Fat Wreck, auf dem zu diesem Zeitpunkt nur zwei NOFX-Platten erschienen waren, ausbauen wolle. LAGWAGON hieß die Formation aus Santa Barbara, CA, das Tape, das mich bald darauf erreichte, begeisterte, und das Erscheinen des Debüts „Duh“ im Oktober 1992 läutete eine goldene Ära ein, den Melodic-Punk-Boom der Mittneunziger. Viele Bands aus jener Zeit sind längst wieder vergessen, LAGWAGON und ihr kreativer Kopf Joey Cape hingegen blieben, auch wenn zwischen „Resolve“ (2005) und dem neuen Album „Hang“ neun Jahre liegen.

Joey, du warst schwer zu erreichen, bist gerade auf Tour. Wo genau?

In Kalamazoo, Michigan. Nicht weit von Detroit, aber es fühlt sich an wie „in the middle of nowhere“.

Siehst du irgendwas von den Städten, in denen du spielst?

Also die romantische Idee, dass man was vom Land sieht, wenn man tourt, stimmt nur bedingt, denn meistens hat man nicht viel Zeit. In Kalamazoo war ich, glaube ich, noch nie, weshalb wir jetzt gleich mal nach downtown fahren. Heute Abend spielen wir in Chicago, das ist nicht weit, da haben wir Zeit für so was. Ob man Gelegenheit hat, was zu sehen, hängt auch davon ab, wie man tourt: ist man mit einem Van unterwegs und es wird abends spät, schläft man länger und muss dann direkt wieder los. Mit einem Nightliner ist es fast noch schwerer, was von einer Stadt zu sehen, du fährst nachts wieder los und bist fast nur im Bus. Mein Vorteil ist, dass ich mit dem Alter immer weniger Schlaf brauche, fünf, sechs Stunden genügen mir meist. Trotzdem besteht Touren meist aus Fahren, Fahren, Fahren, dann kommst du an, machst Soundcheck, man isst was, die Show geht los, und dann ab ins Hotel und wieder ab auf die Straße. Ich toure ehrlich gesagt lieber mit einem Van, da nimmt man die Umgebung eher wahr als mit dem Nightliner. Mit LAGWAGON sind wir immer mit dem Nightliner unterwegs, solo mit dem Van, so wie jetzt gerade.

Fandest du das Touren in den frühen Tagen der Band aufregender, ja, romantischer?

Klar, ich war jung, Anfang zwanzig. Ich musste kaum was essen, brauchte nur wenig Schlaf, und ob ich ein Bett hatte, war mir egal. In diesem Alter kann man alles, du bist unzerstörbar. Unterwegs zu sein, ohne wirkliches Ziel, ohne Verantwortung, ohne Job, das war großartig. Irgendwann mit Mitte dreißig wurde mir dann aber klar, dass sich etwas geändert hatte, ich hatte mir das Knie recht fies verletzt. Da wurde mir das erst mal bewusst, dass ich nicht ewig leben werde. Aber letzten Endes ist das alles eher eine mentale Sache als eine körperliche. Mein einziger Job ist das Touren, was anderes habe ich nie gemacht und kann ich auch nicht. Das ist alles nicht besonders schwer, es ist nur eine Frage, ob es dein Ding ist. Ich habe über die Jahre viele Leute kommen und gehen sehen, und die, die gegangen sind, waren einfach nicht gemacht für diese Lebensweise, die kamen nicht mit der ständigen Veränderung klar. Ich hingegen mag es, wenn das Leben sich ständig verändert. Vielleicht wäre ich in einem anderen Leben Fernfahrer geworden, haha.

Veränderung löst bei vielen Menschen Stress aus.

Ich verstehe, dass ein Leben wie meines für viele andere Menschen schwer zu bewältigen ist. Ganz einfach deshalb, weil man nicht ständig über alles Kontrolle hat. Es kann gut sein, dass ich zu Beginn gar nicht so gut damit umgehen konnte, aber dieses Leben mittlerweile so lange mitmache, dass ich so geworden bin. Ich habe mich trainiert, sozusagen. Die Frage ist für mich eher, wie ich selbst als Vater so wirke ... Ich habe eine zehnjährige Tochter, um die kümmert sich meine Frau, denn ich bin ja viel unterwegs, aber ich bin eben auch oft zu Hause. Mein Job ist es eben zu touren, so verdiene ich Geld für meine Familie, und zum Glück sind meine Touren eher kurz, meist nur so zwei, vielleicht drei Wochen, wobei aber auch mal Ausnahmen mit fünf oder sieben Wochen dabei sind. Meine Tochter kennt ihren Vater nicht anders, für sie ist es normal, dass ich viel unterwegs bin.

Kennst du die Frage von Menschen, die man eher selten trifft, und die dann verwundert anmerken: „Ach, du machst das immer noch?“

Die kommt immer wieder mal. Ich glaube, die meisten Freunde und Bekannte haben kapiert, dass der Satz „Einmal Künstler, immer Künstler“ auf mich zutrifft. Manche denken, dass Künstler Menschen sind, die vor dem Leben davonlaufen, aber die meisten verstehen, dass das etwas mit Leidenschaft zu tun hat, dass man so leben will und muss. Ich wüsste übrigens auch nicht, was ich sonst tun soll, ich habe keine brauchbaren anderen Fähigkeiten. Die meisten Musiker, die ich kenne, sind Künstler, weil sie das tun müssen, weil sie das brauchen, weil sie das wollen. Ich will nicht anmaßend klingen, aber ich brauche die Möglichkeit, mich künstlerisch zu verwirklichen, für mein Seelenheil. Ich muss Songs schreiben, das hat eine kathartische Wirkung auf mich, das ist meine Art von Therapie. Ich habe früher mal zehn Jahre als Maler gearbeitet, Häuser gestrichen, und die ganze Zeit über Songs geschrieben. Die Arbeit hatte eine seltsam meditative Wirkung auf mich, ich konnte mich irgendwie gut auf das Songwriting konzentrieren – vielleicht waren es aber auch die Farbdämpfe, die mich in diesen Zustand versetzten, hahaha. Wenn heute also jemand zu mir sagt, wie erstaunlich ist es, dass ich immer noch das mache, was ich vor zwanzig Jahren anfing, antworte ich nur: „Was soll ich denn sonst machen?“. Ich liebe es! Was gibt es Schöneres, als zum Lebensunterhalt etwas zu tun, was du liebst? Und warum damit aufhören? Ich werde das machen, bis ich nicht mehr kann.

Es gibt ja auch ein paar gute Vorbilder, etwa Charlie Harper oder Lemmy. Die beweisen, dass du locker noch 20, 25 Jahre vor dir hast.

Ich habe vor ein paar Jahren mal in einem Songtext geschrieben, ich stünde mit fünfzig sicher nicht mehr wie Ozzy auf der Bühne. Tja, ich bin wohl ein Lügner, denn in zwei Jahren bin ich fünfzig.

Die Musik von LAGWAGON wurde einst von Menschen um die zwanzig erfunden und gespielt und spiegelte deren Lebensgefühl wider. Für die Ewigkeit war das nicht gedacht, also dafür, dass die jetzt von Typen um die fünfzig gespielt wird ...

Da stimme ich dir absolut zu, das ist hart. Dieser Musikstil ist ein „Spiel“ junger Männer, ja, der Rock’n’Roll ganz allgemein! Zumindest dachte ich das früher, als ich noch jung war. Bei jemandem über dreißig, der immer noch in einer Band spielt, dachte ich mir, was der denn noch will. Aus dem Weg, hier kommt die neue Generation, die neuen Soldaten! Diese Sichtweise hat sich geändert, Bands wie die ROLLING STONES haben die Spielregeln geändert. Ich sage das nicht, weil ich selbst so ein alter Typ bin, der immer noch Musik macht, sondern ich finde es gut, dass es auch für ältere Menschen Künstler, Musiker gibt, zu denen sie einen Bezug haben. Außerdem: in anderen Kunstrichtungen spielt das Alter des Künstlers doch auch keine Rolle, bei Malern oder Schriftstellern etwa. Das gelten die Älteren als weise. Warum sollte es also im Musikbereich anders sein, mal abgesehen davon, dass man tendenziell im Alter etwas steifer ist, auf der Bühne nicht mehr so viel leisten kann wie in jungen Jahren. Ich habe meine Meinung in der Hinsicht aber auch geändert: bis ich 25 war, habe ich nur Punk und Hardcore gehört, bin auf solche Konzerte gegangen, und wenn Typen wie David Bowie oder Peter Gabriel in einer riesigen Halle spielten, interessierte mich das nicht. Solche Vorbehalte habe ich später aufgegeben, ich merkte, wie albern die waren. Willy Nelson etwa ist doch immer noch großartig, oder? Und es gibt noch viele andere gute Beispiele ... mir fallen nur gerade keine ein, hahaha.

Ein Grund für solche Diskussionen ist, dass im Punk und Hardcore schon immer ein gewisser Jugendkult betrieben wurde.

Klar, aber ich denke, das hat sich überlebt, das war stärker in unserer Generation, in den Achtzigern, ein Thema. Da gab es ein starkes Aufbegehren gegen die ältere Generation, aber die Gründe dafür existieren heute nur noch teilweise. Ich finde, heute sind die Menschen, die so alt sind wie wir damals, viel apathischer und desensibilisierter, ich spüre da viel weniger Leidenschaft, ein geringeres Zusammengehörigkeitsgefühl. Damals hatten wir das Gefühl, die Welt besser zu verstehen als unsere Eltern, daraus entstanden Konflikte. Heute scheinen die Leute zufrieden zu sein, solange sie Facebook und ihre Games haben. Ja, ich weiß, auch heute gibt es politisch interessierte und engagierte junge Menschen, aber ich glaube, die sind eine Minderheit. Heutzutage liest doch keiner mehr, außer auf Facebook, was die Freunde alle so machen, und jeder postet irgendwelchen lächerlichen Quatsch. Aber ich will auf keinen Fall arrogant, selbstgefällig und engstirnig klingen. Ich kann heute viel besser als früher nachvollziehen, wie meine Großeltern über bestimmte Dinge gedacht haben. Man scheint heute sehr schnell zu vergessen, was Generationen vor uns gelernt haben, dieselben Dramen und Fehler wiederholen sich, und dabei habe ich das Gefühl, dass die Informationen, welche die Menschen über die Mainstreamkanäle erreichen, heute weniger Wahrheitsgehalt haben als früher. Wir hatten zwar weniger Informationskanäle, aber dafür konnte man diese besser einschätzen.

Was für ein Publikum habt ihr heute? Neue und alte Fans, oder kommen die gleichen Leute wie vor 15, 20 Jahren?

Unser Publikum besteht zum Großteil aus Menschen, die die Band schon eine Weile kennen, aber es kommen auch immer neue, junge nach. Ich finde es faszinierend, wie viele treue Fans wir haben, Menschen, mit denen ich mittlerweile befreundet bin, die ich bei fast jeder Tour treffe, denn ich bin keiner, der sich backstage verkriecht, vielmehr kann man mich nach den Shows immer noch in der Kneipe des Venues treffen – gerade bei meinen Solotouren. Da sind viele Leute dabei, die ich seit zwanzig Jahren kenne. Und ja, der Großteil des Publikums sind ältere Leute. Woran das liegt? Ich glaube, ab einem bestimmten Alter empfindet man es als anstrengend, sich ständig mit all den neuen Bands zu beschäftigen, da beschränkt man sich lieber auf die, die man schon kennt. Wenn ich in Interviews gefragt werde – und das passiert oft –, welches meine aktuellen, neuen Lieblingsbands sind, dann fällt mir oft nichts ein. Ja, irgendwer spielt mir immer irgendwas vor, aber meist bleibt da nicht viel hängen. Und wenn mir eine Band einfällt, merke ich meist, dass es die auch schon seit zwölf Jahren oder so gibt.

Meine Theorie ist, dass es in jüngeren Jahren viel wichtiger ist, irgendwelche Trends mitzumachen, die neuesten Bands zu kennen. Ist man etwas älter, interessiert man sich oft eher für die Vergangenheit, versucht zu ergründen, wo Bands musikalisch herkommen, will deren Ursprünge herausfinden.

Genauso ist es. Und mir gefällt das so. Für jede Stimmung habe ich 500 Platten. Ich habe eine sehr große Vinyl-Sammlung, die mir sehr wichtig ist. Gleichzeitig versuche ich aber durchaus, informiert zu sein, was sich aktuell musikalisch so tut. Ich weiß ja, dass es jede Menge kreativer, junger Menschen gibt, und ich halte auch solches Geschwätz, dass all die neuen Bands nicht so gut seien wie die alten, für Blödsinn. Viele denken so, aber ich lehne das ganz bewusst ab. Ich bin immer wieder von neuen Bands beeindruckt, die mich einfach wegblasen. Wäre ich nicht offen für solche Eindrücke, würde ich die nie kennen lernen. Wenn man älter wird, verfolgt man die Entwicklung verschiedener Genres und Stile, hat sich an Bestimmtes gewöhnt. Und dann kommt irgendwer daher, mischt irgendwelche Stile, die deiner Meinung nach nichts miteinander zu tun haben, gibt dem Ganzen einen neuen Namen, und du wunderst dich, was das soll. Tja, so ist das, das gehört zum Älterwerden dazu. Wichtig ist mir aber, dass eine Band gute Songs hat, das ist, was zählt. Auch heute gibt es noch empfindsame Menschen, die großartige Songs schreiben, mit echten Gefühlen. Und bei einem guten Song ist das Genre egal, wichtig ist nur, dass dich das Lied berührt.

Hat deine Liebe zu guten Songs auch was mit deiner Solokarriere zu tun? Da steht ja viel mehr der Song im Vordergrund, weil weniger Drumherum ist.

Auf jeden Fall! Es ist ein Unterschied, ob du alleinige Kontrolle über einen Song hast, oder ob du den mit einer Band spielst. Du allein bestimmst Tempo und Dynamik, die Tonlage, kannst jederzeit alles ändern. Du kannst den Song bei jedem Auftritt anders gestalten, ihn deiner Gefühlslage anpassen. Wenn man sich da einmal dran gewöhnt hat, will man das nicht mehr missen. Mit einer Band hast du eine ganz andere Dynamik, da ist das Spielen ein gemeinschaftlicher Prozess, bei dem fünf Hirne sich zu einem zusammenschalten. Die Chemie zwischen den Beteiligten muss stimmen, zu jeder Sekunde muss man aufeinander abgestimmt sein. Das macht Spaß, das ist großartig, und ich brauche dieses Erlebnis genauso wie meine Soloauftritte. Beim Solospiel finde ich besonders reizvoll, dass man dann einen Song in seiner simpelsten Version erleben kann, besonders bei einem Klavierspieler, der dazu singt. Dann ist der Song „nackt“, man sieht sein Herz. Ich habe schon immer SIMON & GARFUNKEL geliebt, und die BEATLES, Bob Dylan, und auch andere Folk-Sänger. Das war die Musik, die meine Eltern gehört haben. Ich bin mit Woody Guthrie aufgewachsen, meine Mutter hat ständig seine Platten gespielt.

Du wurdest 1966, zu Hippie-Zeiten, geboren. Hatten deine Eltern etwas mit dieser Subkultur zu tun?

Meine Mutter schon. Meine Eltern haben sich wegen der Frauenbewegung getrennt, vermute ich. Mein Vater war ein katholischer Italo-Amerikaner, der regelmäßig in die Kirche ging, und der hatte mit den neuen Ideen meiner Mutter so seine Schwierigkeiten, glaube ich. Der gesellschaftliche Wandel von den Fünfzigern zu den Sechzigern war so radikal, dass spätestens dann in den Siebzigern viele Familien auseinanderbrachen. Okay, das sind Vermutungen, was meine Eltern betrifft, ich war erst fünf, als sie sich scheiden ließen, ich bekam das nicht so genau mit. Mein Vater war auf jeden Fall alles andere als ein Hippie. Er war Arzt, Wissenschaftler, gläubiger Katholik, durchaus für den Frieden, aber mit der Hippie-Bewegung konnte er nichts anfangen. Er war trotz allem kein Konservativer und meine Eltern waren echt ziemlich cool. Meine Mutter hatte mit Religion nichts am Hut, mit dem Auszug meines Vaters verschwand die aus unserem Leben. Ich wurde ohne Religion und Kirche erzogen, wofür ich dankbar bin.

Kommen wir auf das neue LAGWAGON-Album zu sprechen. Es ist tatsächlich das erste neue Album seit Beginn deiner Solokarriere. Hatte diese Erfahrung Auswirkungen auf seine Entstehung?

Gut möglich, aber wenn ich einen Song für LAGWAGON schreibe, ist es mir sehr wichtig, dass dieser auch wirklich wie ein LAGWAGON-Song klingt. Ich achte auf die Besonderheiten von LAGWAGON sehr, ich würde niemals versuchen, da neue Klänge einzubringen, außer ich wäre mir da absolut sicher. Ich will nicht immer wieder die gleiche Platte machen mit der Band, ich will, dass sie sich weiterentwickelt, aber die Band hat eben ihr Eigenleben, das ich respektieren muss. Deshalb war es über viele Jahre wesentlich einfacher für mich, mit anderen Leuten andere Platten aufzunehmen. Ich brauchte diese „Exkursion“ in meinem Leben als Songwriter, ich brauchte vollkommene Freiheit, ich wollte nicht einer bestimmten Arbeitsweise und einem bestimmten Sound verpflichtet sein. Wenn ich einen Rock’n’Roll-Song schreiben wollte, dann tat ich das für THE PLAYING FAVORITES, und wenn es eher experimentell war, dann war der für BAD ASTRONAUT. Und die Akustikalben waren ja sowieso sehr einfach: Ich schrieb den Song und nahm ihn auf. Meine Stimme, meine Gitarre, mein Song. Manchmal erzielt man die besten Ergebnisse, wenn man nicht x-mal über alles nachdenkt, sondern einfach macht. Aber LAGWAGON sind natürlich all die Jahre in meinem Hinterkopf gewesen, und ab und zu hatte ich die Idee zu einem Song, bei dem ich wusste, dass es ein LAGWAGON-Song ist. Meistens erweist sich diese Einschätzung auch als richtig. Vor ein paar Jahren haben wir ja dieses Boxset veröffentlicht, spielten deswegen wieder Konzerte, und da merkten wir, dass das immer noch funktioniert mit uns, ja sogar besser als je zuvor. Wir waren erwachsen geworden, jeder von uns hatte seine eigene musikalische Identität ausgeprägt, und ich entwickelte ein besseres Gespür dafür, was die anderen mögen. Auf dieser Basis entstand das neue Album, und da lief vieles anders als früher.

Was denn?

Früher kam ich mit fast fertigen Songs an, jeder gab seinen Senf dazu, aber im Grunde wurde das aufgenommen, was ich präsentiert hatte. Diesmal war da viel mehr Zusammenarbeit im Spiel, wir haben über ein Jahr zusammen daran gearbeitet, jeder von uns hat sich stark eingebracht, und die Platte klingt genau so, wie sie klingen sollte. Sollte jemand was zu meckern haben, dass dies oder jenes anders ist: Ach, das sagen die Leute doch immer! Das muss man ignorieren können. Und deshalb sage ich mit allergrößter Überzeugung: Wir sind noch nie glücklicher gewesen mit einer Platte, wir lieben sie. Und nur das ist wichtig, denn wenn wir diese Songs live spielen, tun wir das mit großem Spaß.

 


Diskografie

„Duh“ (1992) • „Trashed“ (1994) • „Hoss“ (1995) • „Double Plaidinum“ (1997) • „Let’s Talk About Feelings“ (1998)

„Blaze“ (2003) • „Resolve“ (2005) • „Hang“ (2014) (alle Fat Wreck)

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #117 (Dezember 2014/Januar 2015)

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