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Interviews & Artikel

SMITH STREET BAND

Songwriting als Therapie

Manchmal dauert es lange, bis eine großartige Band als solche erkannt wird. Im Falle der SMITH STREET BAND schon zu lange. Mit ihrem dritten Album „Throw Me In The River“ werden die Australier nun hoffentlich die große Mehrheit von sich überzeugen können. Die namentliche Parallele zur E STREET BAND kommt nicht von ungefähr, und gepaart mit Frontmann Wil Wagners aufrechtem Charme, Stimmkraft und vertonter Poesie sollte dem Erfolg nichts mehr im Weg stehen. Vor ihrem Konzert im Berliner Cassiopeia lud Wagner in den Tourvan ein, um über das neue Album zu sprechen.

Euer neues Album „Throw Me In The River“ erschien am 31. Oktober. Wo habt ihr es geschrieben? Immerhin seid ihr ja fast die ganze Zeit auf Tour.

Ich habe so ziemlich alle Songs hier hinten im Van geschrieben. Fast alle Songs sind auf Tour entstanden. In den Linernotes des Albums steht unter jedem Songtitel, wo der Song entstanden ist. Wenn ich eine Idee habe, schnappe ich mir einfach mein Handy und schreibe alles auf. Oft probieren wir dann während unseres Soundchecks ein paar Sachen aus. Nach unserer letzten Tour hier hatten wir ungefähr einen Monat Zeit, bevor wir mit dem Aufnahmen begonnen haben. Wir haben dann jeden Tag geprobt, die letzten Sachen geschrieben und Demos aufgenommen. Mittlerweile ist das aber viel schwieriger als früher. Unser Gitarrist lebt jetzt in Großbritannien, da kann man sich nicht mehr einfach so treffen. Meist schreibe ich die Texte und Akkorde, nehme Demos auf und schicke die an die Jungs. Sie schreiben dann ihre Parts und wenn wir uns treffen, ist das Meiste schon fast fertig und jeder hat eine Vorstellung von den Songs.

Im Vergleich zum Vorgänger gibt es ein paar Sachen auf „Throw Me In The River“, die man so noch nicht von euch gehört hat. Was hat sich geändert?

Wir hatten zum ersten Mal einen Produzenten, Jeff Rosenstock von BOMB THE MUSIC INDUSTRY!. Er hat alle Klavier- und Streicherparts auf dem Album geschrieben. Ich wollte diesen Kram schon immer in unserer Musik haben, aber ich wusste einfach nicht wie. Ich kann nicht komponieren. Mit der Gitarre weiß ich, wie ich die Sachen, die ich im Kopf habe, umsetzen kann und Jeff hat sich an seinen Computer gesetzt und genau das komponiert, was ich mir vorgestellt hatte. Wir hatten außerdem viel mehr Zeit. Wir haben uns für das Album sechs Wochen Aufnahmezeit genommen, wohingegen „Don’t Fuck With Our Dreams“ in drei Tagen aufgenommen wurde. Also hatten wir mehr Ruhe, die richtigen Sounds zu finden und Sachen zu überarbeiten.

Seit 2010 habt ihr jedes Jahr etwas veröffentlicht, sei es eine EP oder ein Album. Woher nimmst du die ganzen Ideen für Songs?

Ich schreibe eigentlich die ganze Zeit. Es ist wie eine Therapie für mich, weil ich, ähm ... na ja, ich habe psychische Probleme. Das Schreiben ist sehr hilfreich, besonders auf Tour, weil da alles extremer ist. Kleine Sachen, die einen im Alltag kaum interessieren würden, können dich auf Tour richtig zerfressen. Ich versuche also, mich jeden Tag hinzusetzen und einfach aufzuschreiben, was ich fühle. Mein Plan ist, jeden Tag einen Song zu schreiben. Die sind alle ziemlich schlecht und dann suche ich mir kleine Parts aus und setze sie zu etwas Neuem zusammen. Es ist schwierig, auf Tour kreativ zu sein, weil man immer beschäftigt ist, aber gleichzeitig ist es so inspirierend, an neuen Orten zu sein. Selbst wenn wir total erschöpft vom Touren sind, stecken wir voller Ideen. Außerdem habe ich eine Freundin, die ich nie sehe – das wäre schon mal ein komplettes Album an Texten wert, haha.

Eure Texte sind ein ganz essentieller Teil eurer Musik. Spürt ihr hier in Europa eine Art Sprachbarriere, wenn ihr live spielt?

Ein bisschen schon, ja. Wir sind auf jeden Fall eine Band, die den Fokus sehr auf ihre Lyrics legt. Mit meinem Akzent gibt es aber sogar in den USA manchmal Probleme. Da höre ich dann so Sachen wie: „Ich finde, ihr wart gut, aber ich habe keine Ahnung, was du da gesungen hast“. Hier zu spielen ist schon anders. Aber selbst, wenn die Leute nicht komplett verstehen, was ich sage, spüren sie, glaube ich, um was es geht. Wir haben sogar in China gespielt, wo wirklich keiner Englisch sprechen kann, und selbst dort haben die Leute verstanden, dass ich schreie und schwitze und deswegen wohl ernst meine, was ich singe. Ich hoffe, die Leute können auf diese Weise eine Verbindung zu den Songs aufbauen.

Ich habe gelesen, dass du HipHop-Fan bist. Hat das Einfluss auf dein Songwriting?

Auf jeden Fall! Vor allem auf meine Texte. Ich mag HipHop sehr, da die Musik textgetrieben ist. Ich mag keinen „Club-HipHop“, in dem es nur um Knarren und Sex geht, aber Rapper wie P.O.S. und Aesop Rock schreiben super originelle Texte. Ich liebe es, dass Rapper freestylen können und in einen einzigen Song so viel Text packen können, wie auf einem ganzen Pop-Punk-Album ist. Ehrlich gesagt, beginnen alle unsere Songs in meinem Kopf als Rap-Songs. Dann schreibe ich Gitarrenparts dazu, weil ich nicht rappen kann, haha.

Also wird es kein Rap-Projekt von dir geben? Das wäre doch mal was, wo jetzt alle diesen Singer/Songwriter-Kram machen ...

... und ich mache einfach ein Rap-Album, genau, haha! Nun ja, es gibt einen australischen Rapper namens Joelistics, den ich sehr mag. Ich habe einen Song mit ihm für sein neues Album gemacht. Ich habe den Refrain und eine Strophe gesungen, nicht gerappt oder so. Mit dem würde ich gerne mal eine EP machen, auf der er rappt und ich singe. Die meisten seiner Beats beginnen damit, dass er etwas auf der Gitarre spielt. Er arbeitet also einen HipHop-Song aus einem Rock-Song heraus, deswegen würde ich gerne mit ihm arbeiten. Aber für meine Rapper-Karriere sieht es nicht so gut aus. Ich habe keinen Flow, haha.

Die meisten würden euch wohl als Folk-Punk-Band beschreiben. Fühlt ihr euch wohl mit dieser Einordnung?

Nee, ich denke nicht, dass wir eine Folk-Punk-Band sind. Das hört sich komisch an. Ich möchte einfach nicht unbedingt im Zusammenhang mit „Punk“ genannt werden, denn dann darf man gar nichts mehr machen. Du bezeichnest dich als Punk, kaufst dir einen netten Amp und schon schreien alle „Fucking sellout!“ – und du denkst nur: „Ich will doch bloß gut klingen!“, haha. Deswegen versuche ich, das zu vermeiden. Aber ich denke, unsere Mentalität, die Art, wie wir Dinge tun, ist Punk-beeinflusster als unser Sound: Diese ganze D.I.Y.-Sache und die kleinen Labels, mit denen wir zusammenarbeiten, dass wir all unser Geld ins Touren stecken, das ist vielleicht schon Punk. Ich weiß nicht, wie ich uns beschreiben würde. Wenn es nach mir ginge und wir klingen könnten, wie wir wollten, würden wir nur Symphonien spielen, mit Streichern, Bläsern und all dem ganzen Kram, haha.

Wie sieht die Punk-Szene in Australien aus? Leider bekommt man in Europa fast nichts davon mit, weil kaum eine australische Band mal hier auf Tour geht.

Ja, das stimmt. Aber die Szene ist großartig, das weiß nur keiner außerhalb Australiens. Vor allem aus Brisbane kommen immer sehr viele junge, originelle Punkbands. Es gibt in Australien oft diese zwei Extreme: Entweder hören die Leute nur THE GASLIGHT ANTHEM und HOT WATER MUSIC, all diese amerikanischen Bands eben, und wollen dann nur Bands hören, die genauso klingen; oder es gibt einfach gar keine richtige Szene und daher nur kleine Bands, die unzählige Stile mischen. Ich habe das Gefühl, dass es vor ein paar Jahren viel weniger Bands gab, aber es wird kaum jemand hierher auf Tour kommen, weil das ungefähr 20.000 Dollar kostet. Und weil Australien so ein kleines Land ist, gibt es nicht so viele Orte zum Spielen. Selbst wenn du auf Tour gehst und Locations für 300 bis 400 Leute ausverkaufst, hast du trotzdem nur fünf bis sechs Termine und machst kaum Geld. Viele Bands können sich das einfach nicht leisten.

Wie sehen jetzt eure Pläne aus? Du hast ja bestimmt schon wieder zwanzig Songs in petto ...

Ja, das neue Album ist schon fertig geschrieben. Ich habe ein Soloalbum aufgenommen, ich muss nur noch die Zeit finden, es zu veröffentlichen. Bis in den nächsten Herbst sind wir komplett verplant mit Touren – Europa, Australien und Amerika. Ich würde gerne noch eine Veröffentlichung dazwischen quetschen. Wir können wahrscheinlich nicht jedes Jahr ein Album veröffentlichen, aber vielleicht noch mal so etwas machen wie „Don’t Fuck With Our Dreams“. Das wurde live aufgenommen und ich habe drüber gesungen. So etwas braucht nur ein paar Tage. Wir haben vier Songs von den Albumaufnahmen übrig, also veröffentlichen wir vielleicht eine oder zwei 7“s. Ansonsten touren wir einfach, bis einer von uns auseinanderfällt.

Christina Wenig

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #117 (Dezember 2014/Januar 2015)

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