ROYAL CREAM

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Fünf Jahre später

Aufmerksamen Lesern und Freunden skandinavischer Rockmusik muss man das Duo THE ROYAL CREAM aus Stockholm eigentlich nicht mehr vorstellen, sind sie doch bereits seit Jahren ein Geheimtip – spätestens seitdem THE HELLACOPTERS einen ihrer Songs coverten. Sie veröffentlichen in schöner Unregelmäßigkeit echte Rockperlen. Daher wird es Zeit, den beiden Schweden einmal auf die Pelle zu rücken. Mattias Wärmby stand mir Rede und Antwort.

Mattias, wer spielt zur Zeit bei THE ROYAL CREAM? Auf den letzten Platten wurden nur Kurt und du erwähnt, aber auf den letzten Tourpostern war noch Robert Eriksson, ex-HELLACOPTERS, als Drummer angekündigt und live gab es noch einen Bassisten.


THE ROYAL CREAM bestehen aus Kurt Dräckes und mir, Mattias Wärmby. Wir sind seit etwa 2001 die einzigen festen Mitglieder der Band. Als wir im Jahr 2000 die „Darling, Darling“-Single veröffentlichten, waren wir tatsächlich ein Quartett, aber Kurt und ich dachten, dass wir alleine besser dran wären. Wenn wir Konzerte spielen, fragen wir immer im Freundeskreis herum, wer Zeit und Lust hätte, mit dabei zu sein. José Domingues Lopez von TWOPOINTEIGHT ist ein alter Kumpel von uns und half uns gerne am Bass aus. Und wie du bereits angemerkt hast, hat uns Robert Eriksson die Ehre erwiesen, auf unserer Deutschlandtour im Winter 2014 zu trommeln. Kurt und er haben ja bekanntlich auch auf den ersten THE SEWERGROOVES-Alben gemeinsame Sache gemacht.

Wie ging das einst los mit THE ROYAL CREAM?

Kurt und ich haben uns Mitte der Neunziger kennen gelernt. In den ersten vier oder fünf Jahren spielten wir mit wechselnden Leuten unter verschiedenen Bandnamen. Dennoch glaube ich, dass die musikalische Reise, die später zu THE ROYAL CREAM führen sollte, bereits in dem Augenblick begann, als wir uns das erste Mal trafen. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir künstlerisch zusammenfanden. Wir sind einige Male in musikalische Richtungen abgedriftet, die in Sackgassen mündeten. Als wir dann im Jahr 2000 besagte „Darling, Darling“-7“ aufnahmen, zerbrach das alte Line-up und Kurt und ich beschlossen, als Duo weiterzumachen. 2003 tourten wir als Trio durch Deutschland, nur mit zwei Gitarren und Schlagzeug, veröffentlichten 2005 ein Album und tourten erneut bei euch, nur um 2006 eine weitere EP einzuspielen und schon wieder in Deutschland zu touren. In dieser Zeit spielten wir aber auch permanent in Schweden. 2008 haben THE HELLACOPTERS dann „Darling, darling“ auf ihrem letzten Album gecovert und auch als Single veröffentlicht.

Da habe ich euch auch das erste Mal wahrgenommen, und ich vermute, dass ich nicht der Erste bin, der das sagt.

Du bist nicht der Erste und ganz bestimmt nicht der Letzte, haha. Wir wussten es nicht und waren total überrascht – und fühlten uns außerordentlich geschmeichelt! Aber um ehrlich zu sein, irgendwie muss man doch neue Bands kennen lernen, oder nicht? Wir haben es als sehr schönen Weg empfunden, einem größeren Publikum vorgestellt zu werden. Außerdem war es auch so etwas wie eine Anerkennung unserer Qualität. Die nächste fünf Jahre vergingen einfach so, von denen wissen wir immer noch nicht, wo sie geblieben sind. Wir haben allerdings weiter Songs geschrieben und ein oder zwei Gigs gespielt. Wie dem auch sei. 2013 erwachten wir aus unserem Dornröschenschlaf und fragten uns, was zum Teufel passiert war. Also veröffentlichten wir die „Falling Down“-Single und kurz darauf die „Blackbird“-7“. Jetzt sind wir wieder da und werden definitiv aktiv bleiben.

In einem Interview habe ich gelesen, dass THE ROYAL CREAM eine Zeit lang die Hausband des Debaser-Klubs in Stockholm waren. Nicke Anderssons COLD ETHYL, aus denen dann IMPERIAL STATE ELECTRIC wurden, waren dort 2009 auch eine Weile die Hausband. Was hat es mit diesem Hausband-Ding auf sich und wie wichtig sind die Debaser-Klubs für die Stockholmer Szene?

Unser Beitrag zu diesem Hausband-Ding war eher bescheiden. Es waren einige Abende Mitte der 2000er Jahre im Debaser am Medborgarplatsen. Aber es hat riesigen Spaß gemacht. Wir luden Freunde ein, die mit uns ein paar Lieder gespielt haben. Die Debaser-Klubs sind definitiv sehr wichtig für die Stockholmer Musikszene. Es gibt natürlich jede Menge kleiner Klubs in der Stadt, aber die kommen und gehen, aber das Debaser ist der Motor und die treibende Kraft. Der kleine Klub auf Slussen ist inzwischen geschlossen, dafür gibt es auf Södermalm, der Stockholmer Insel, auf der ich lebe, einen neuen am Hornstulls Strand. Der große Klub am Medborgarplatsen ist aber der wichtigste.

Eine der letzten Singles von euch ist nur erhältlich, wenn man Mitglied im Pitshark Records Single Club ist. Das ist schon eine nette Idee, andererseits ist es für viele sicherlich ganz schön hart, auf einen Schlag 133 Euro auf den Tisch zu legen, auch wenn man im Laufe der Zeit zwölf Platten dafür bekommt.

Das ist tatsächlich ein Problem. Wir werden die Songs dieser Single deshalb wohl auch ins Netz stellen, so dass jeder, der nicht in diesen Single-Club eintreten möchte, sie sich zumindest anhören kann.

Wenn ich mir die letzten beiden Singles anhöre, gewinne ich den Eindruck, dass Kurt die rockigeren Lieder singt, während du eher die Popsongs bevorzugst.

Das ist eher Zufall. Wir planen unsere Lieder nicht in dieser Form. Wir hocken einfach im Proberaum, schreiben Lieder und dann ergibt es sich von alleine, wer welchen Song singt. Da wir aber viel mit Harmonien arbeiten, singen wir beide eigentlich sehr viel. Bei unserem aktuellen Release, einer Splitsingle mit KING MASTINO aus Italien, singe ich die Leadvocals und der Song rockt gehörig!

Ghost Highway Recordings scheint ja eure neue Heimat zu sein.

Wir haben kein festes Label. Pitshark, Big Bongo, mal sehen. Sie haben bislang eine Single herausgebracht. Wie Strummer zu sagen pflegte: „The future is unwritten.“

Welchen Stellenwert haben THE ROYAL CREAM für euch? Bloßes Hobby?

Die Band ist definitiv kein Hobby. Wir leben und atmen Musik. Wir beide. Wir können natürlich nicht davon leben, noch nicht ...