Interviews & Artikel : ALARMSIGNAL :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

ALARMSIGNAL

15 Jahre Hamsterrad

Passend zu der ALARMSIGNAL-Jubiläumstour kam auch die neue Scheibe „Viva Versus“. Von der verruchten Rotz- und Streetpunkband haben die vier aus der Lüneburger Heide sich zu nicht sanfteren, aber saubereren Klängen hin entwickelt. Es gibt sogar Soli und hier und da ist ein Klavier zu hören. Besinnt Sänger Steff sich da etwa zurück zu alten CHRISTCORE-Zeiten? Da muss das Ox mal nachhaken.

Steff, auf „Viva Versus“ entdeckt der Hörer mindestens vier Lieder, in denen du dich als für die Texte Verantwortlicher gegen die Hektik und den stetig wachsenden Druck durch Geld- und Arbeitgeber aber auch Medien und technischen Fortschritt aussprichst.


Ich glaube, die Mehrheit der Menschheit ist dem ganzen Druck nicht mehr gewachsen. Man findet ja an jeder Ecke Menschen, die zusammenbrechen, durchdrehen oder zum Selbstschutz oder aus Dummheit stumpf bei allem mitmachen oder alles fressen, was ihnen vorgesetzt wird. Wir haben nicht resigniert, aber dennoch das Gefühl, dass uns vieles über den Kopf wächst und fertig macht. Die Welt dreht sich immer schneller, wir drehen uns mit ihr und haben die Kontrolle so gut wie komplett aus den Händen gegeben. Kein Wunder also, dass so viele ins Stolpern kommen oder sogar fallen. Auswege aus diesem Hamsterrad gibt es sicherlich, aber die sind oft schmal, schwer zu finden und brauchen Mut. Und sind natürlich individuell, denn jeder Mensch hat sein eigenes Päckchen zu tragen und seine eigene Vorstellung von Glück.

Du beschreibst dich selbst als „spirituellen Menschen“ – gibt dir das gerade in Bezug auf das Hamsterrad Kraft?

Manchmal ja, manchmal nein. Wenn ich mich als spirituell bezeichne, dann auch, weil ich oft auf Ursachenforschung gehe. Warum sind wir hier? Warum sind manche Dinge, wie sie sind? Was ist der Sinn dieses Lebens? Ist das hier unsere einzige Station? Aber nicht, weil ich versuche, diverse Probleme mit Spiritualität zu lösen. Das wäre wohl zu einfach und das machen irgendwelche Sektenheinis oder radikalen Fundamentalisten oder Klugscheißer, die meinen, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben, schon zur Genüge. Auf der anderen Seite kann ich dadurch aber ganz gut meine Akkus aufladen, um nicht völlig an dieser abgefuckten Welt zu zerbrechen und auch um bewusster zu leben. Es ist aber letztendlich ein ziemlich großes Spielfeld, das somit auch ziemlich viele Möglichkeiten bietet, aber auf der anderen Seite leider auch von vielen missbraucht wird, weshalb es kein Wunder ist, dass manchmal schnell die Alarmglocken angehen.

Was kannst du uns über deine Zeit bei CHRISTCORE erzählen?

Rückblickend betrachtet waren es wohl meine wildesten und aufregendsten Jahre. Für alle, die nicht im Bilde sind: CHRISTCORE waren eine musikalisch grottenschlechte Punkband mit Texten über Gott und die Welt – im wahrsten Sinne des Wortes. Einige Experten haben uns später als Vorgänger von KNIGHTS OF THE NEW CRUSADE oder JESUS SKINS betitelt, aber der Schuh wäre dann doch ein wenig zu groß und unpassend. Wir haben überwiegend Ende der Neunziger unser Unwesen getrieben und hatten dort auch unsere Hochphase, wenn man das so nennen kann. Fakt ist, dass wir in dieser Zeit eine Menge Konzerte gespielt haben, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Wir sind sowohl in Kirchen und Gemeindehäusern aufgetreten als auch auf größeren Punk-Festivals und in abgeranzten Punkclubs, da wir tatsächlich Supporter auf beiden Seiten hatten. Allerdings hatten wir auch eine Menge Kritiker auf beiden Seiten und jedes Konzert war ein Erlebnis für sich: fliegende Flaschen, Pöbeleien, Handgreiflichkeiten oder Nazi- sowie Proll-Punk-Stress waren keine Seltenheit. Wir haben damals auch immer gedacht, solange wir die Menschen so aus der Reserve locken können, dass sie in irgendeiner Form ausrasten, sind wir auf dem richtigen Weg. Allerdings sahen uns einige Teile der Christenszene mit ähnlich kritischen Augen, wollten uns mehrmals den Strom abdrehen, beriefen irgendwelche Krisensitzungen vor oder nach unseren Konzerten ein und fanden unser provokantes Auftreten höchst fragwürdig. Man muss dabei erwähnen, dass CHRISTCORE zwar eine ernste Sache waren, aber nicht alle Texte ernst zu nehmen beziehungsweise eins zu eins übersetzbar sind. Wir wollten unsere Zuhörer schon treffen und wachrütteln, aber auch bewusst provozieren, was irgendwann nicht mehr funktioniert hat beziehungsweise auch dahin abdriftete, dass wir von diversen Musikredakteuren mit irgendwelchen falschen Stempeln belegt wurden. Da wurde dann viel gemutmaßt oder auch schon mal irgendwelche Interviews mit uns komplett verfälscht. Vielleicht hatten wir aufgrund unserer Art auch selbst schuld, dass manche Leute uns in Schubladen gesteckt oder unsere Texte nicht gerafft haben, aber irgendwie war es vielleicht auch genau das, was wir vor fast zwei Jahrzehnten wollten: kräftig mit unserem Ding auf die Kacke hauen und dafür alle Register ziehen. Teilweise ist uns das ja auch gelungen.

In „Dieses Dasein“ sprecht ihr euch gegen die Behandlung von Tieren als Ware aus. Gibt’s bei euch weitere unterstützende Aktionen wie zum Beispiel Charity für Organisationen wie Sea Shepherd?

Unsere Unterstützung sieht so aus, dass wir keine Tiere essen, zumindest Dreiviertel der Band. Sea Shepard finden wir super, ich selbst stehe auch auf ALF-Geschichten und begrüße gewaltsame Befreiungsaktionen. Des Weiteren habe ich mit Vandalismus gegen Dinge, die mit der Fleischindustrie zu tun haben, kein großes Problem. Mit ALARMSIGNAL hatten wir auf unseren letzten vier Veröffentlichungen immer einen Tierrechtssong dabei und zu „Gefressen werden“ vom „Alles ist vergänglich“-Album haben wir auch ein Video mit abscheulichen Schlachtungs- und Schächtungsszenen gemacht. Wir wollten den Menschen die bittere Realität ungeschönt vor Augen halten und es hat auch Wirkung gezeigt: Es gab etliche Reaktionen darauf. Es gab Menschen, die uns geschrieben haben, warum wir keine Warnhinweise in die Video-Beschreibung gepackt haben. Denen ist teilweise schlecht geworden oder sie konnten es nicht bis zum Ende ertragen. Dann gab es andere, die danach ihren Fleischkonsum komplett eingestellt haben. Es gab sogar jemanden, der aufgrund des Videos seinen Job als Fleischer gekündigt hat. Wenn uns so was zugetragen wird, freuen wir uns natürlich, dass wir in diese Richtung etwas bewirken konnten. Wir haben bandintern immer gesagt: Wenn wir auch nur eine Person zum Umdenken bewegen können, hat sich die Scheiße schon gelohnt. Wenn es mehr werden, umso besser. Es müssen also nicht immer die großen Organisationen sein, so unterstützenswert sie auch sein mögen. Auch so kleinere Dinge können schon einiges bewegen.

Nach 15 Jahren Bandgeschichte meint ihr es jetzt ernst, oder? Größeres Label, neuer, sauberer und entfalteter Sound, zum Teil durch Klavier ergänzt ...

Na ja, aus Spaß ist tatsächlich in manchen, aber nicht in allen Punkten Ernst geworden, natürlich immer noch mit viel Spaß dabei, aber das war nicht geplant und hat sich alles so ergeben beziehungsweise entwickelt. Wie bei vielen Punkbands war es anfangs „einfach Mucke machen“ aus Langeweile und Zeitvertreib und zugleich, um sich einen weiteren Grund zu schaffen, sich zu treffen und Bier zu trinken. Ich finde, das merkt man auch bei unseren ersten zwei, drei Scheiben, die ich mir nur ungern bis gar nicht mehr anhöre. Wir haben dann irgendwann mitbekommen, dass wir für eine Deutschpunk-Band verhältnismäßig viele Platten verkaufen und damit verbunden gab es auch immer mehr Konzertanfragen. Und wenn man viele Konzerte spielt und mehr probt und überhaupt über viele Jahre zusammenspielt, dann wäre es verwunderlich, wenn da nicht wenigstens eine kleine Weiterentwicklung stattfinden würde. Ich empfinde die Unterschiede von Album zu Album aber nie als gravierende, sondern immer als eine sich im Rahmen bewegende, kleine Schritte.

Und wie kommt das bei euren Fans und Freunden an?

Das ist für uns zweitrangig, wenn natürlich auch nicht unwichtig. Wichtig war uns erst mal, dass wir als Band mit den Songs und der Aufnahme zufrieden sind. Lobeshymnen und Kritik gab es immer und wird es immer geben, und wir können mit beidem umgehen. Wir haben über die 15 Jahre sicherlich auch ein paar ZuhörerInnen verloren, wovon die meisten natürlich einfach diesem Genre entwachsen sind, wobei aber auch vereinzelt Leute gesagt haben, dass sie den älteren, grottigeren Sound besser fanden. Aber es kamen auch so einige neue hinzu. Es ist wie bei jeder Band: Du hast welche, die kommen, und welche, die gehen, oder du hast welche, die gehen den ganzen Weg mit und sind dir treu. Wir können nicht allen gefallen und haben auch nicht den Anspruch, „Everybody’s Darling“ zu sein. Und unsere größten Kritiker sind wir ohnehin selber.

Fabian Schulenkorf

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #120 (Juni/Juli 2015)

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