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Interviews & Artikel

DAMNED

THE DAMNED sind zurück. Das heisst, so richtig weg waren sie ja nie, nur hatte die Band auch mal schlechtere Phasen, die man besser vergessen sollte. Sie waren anno `76 eine der ersten Bands, denen das „Punk“-Etikett aufgeklebt wurde, und mit „Machine Gun Etiquette“ haben sie auch eine der besten Punk-Platten überhaupt aufgenommen. Eine zweite Hochphase erlebte die Band dann in den Achtzigern, als sie mit der Coverversion „Eloise“ einen erneuten Charthit hatte, wobei musikalisch da schon weniger Punk als eher latent bombastischer Goth-Rock angesagt war. Wenn man mal ehrlich ist, folgte dem Erfolgsalbum „Phantasmagoria“ dann nur noch Durchschnittsware, und um so überraschender ist es, dass THE DAMNED jetzt mit „Grave Disorder“ ein rundum gelungenes neues Album veröffentlicht haben. Erschienen auf Nitro Records, wurde die Scheibe von Dave Vanian zusammen mit Captain Sensible an der Gitarre eingespielt, und am Bass findet sich Patricia Morrison, einst bei GUN CLUB und SISTERS OF MERCY und seit einigen Jahren Daves Frau.

Dave, warum bist du noch dabei, nach 25, 30 Jahren?


Weisst du, darüber denke ich nicht nach, ich mache einfach, worauf ich Lust habe, mache einfach weiter. Andere machen eine große Sache draus, dass sie seit 25 Jahren dabei sind, ich nicht. Die Musik ist für mich immer noch interessant, es gibt so viele musikalische Straßen, die ich noch gehen will, da wird es nicht langweilig. Irgendwie ist es für mich heute beinahe interessanter und aufregender Musik zu machen als früher. In den Anfangstagen, habe ich selbst keine Songs geschrieben, heute tue ich das, und es ist ein ständiger Lernprozess: je mehr du lernst, desto mehr Möglichkeiten tun sich für dich auf, und umgekehrt.

Und inwiefern hat sich das auf die Musik von THE DAMNED ausgewirkt?

Ich denke, so können wir unsere Songs viel interessanter gestalten, wir experimentieren mehr. Wobei es bei THE DAMNED schon immer so war, dass jedes Album anders ist. Dabei war das nie eine bewusste Entscheidung, sondern mit neuen Leuten in der Band hast du auch andere Sachen gemacht. Jedes neue Mitglied bringt seinen eigenen Geschmack mit ein, und eine Band ist immer eine Einheit und als solche immer nur so gut wie die Beteiligten.

THE DAMNED hatten in den letzten 25 Jahren ihre Höhen und Tiefen. Mein erster Kontakt mit THE DAMNED war seinerzeit die „Eloise“-Single.

Das war damals einer unserer absoluten Höhepunkte. Wir hatten das Album „Phantasmagoria“ auf einem großen Label raus und alles lief wunderbar. Danach gab´s dann auch mal ein paar Jahre, wo´s weniger gut lief. Sowas ist für eine Band nichts ungewöhnliches, aber es ist ganz schön schwer mit all den Problemen klarzukommen. Nimm nur unser damaliges Label MCA: wir haben miterlebt, wie das Label um uns herum zerfallen ist. Die US-Muttergesellschaft dachte, es wäre Zeit für einen Frühjahrsputz, und plötzlich arbeitete niemand mehr da, den wir noch gekannt hätten. Das fing sehr gut an und endete in einem Alptraum.

Mit dem neuen Album ist der jetzt hoffentlich vorüber. Ich finde, man merkt der Platte auch an, dass die Band noch oder wieder eine Menge Energie hat.

Nicht schlecht für alte Säcke wie uns, he? Aber dieses Album ist auch die Antwort auf die Frage, warum wir immer noch dabei sind. Weil wir immer noch Lust haben auf das, was wir machen! Mir kam die Arbeit an diesem Album so vor, als wäre es die Platte nach dem „Black Album“. Es hat Spaß gemacht wieder im Studio zu arbeiten, gerade auch mit Captain.

Guter Stichpunkt: Wie seid ihr beide denn wieder zusammengekommen, bzw. wie ging es auseinander?

Weisst du, das war kein bestimmter Anlass. Damals lief es nicht gut mit der Band, Captain stieg aus und machte dann solo Karriere. Aber das hatte nichts mit der Band an sich zu tun, sondern mit seinem geldgeilen Manager. Eine Weile lief´s dann für ihn solo ganz gut, er hatte seine eigene Plattenfirma, die irgendwann aber auch nicht mehr doll lief, und wir haben nur ganz sporadisch mal miteinander gesprochen. Ich hatte ja auch meine eigene andere Band, THE PHANTOM CHORDS, und auf einer Tour passierte es dann: wir sollten an einem Abend nacheinander auf der gleichen Bühne spielen. Wir hatten uns da ein paar Jahre lang nicht mehr gesehen. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass wir beide voneinander gedacht hatten, wir wollten nichts mehr zusammen machen. Dann kam die Frage, warum wir´s dann nicht einfach zusammen versuchen, und so kam´s, dass wir wieder zusammen Songs schrieben. Das erste Ergebnis der Zusammenarbeit war ein 30-Sekunden-Song auf dieser Fat Wreck-Compilation mit den superkurzen Liedern. Wir haben den Track bei mir im Schlafzimmer vorproduziert und dann an einem Nachmittag im Studio gemischt. Wir merkten, dass es gut klappt mit uns, und so ging es dann weiter. Witzigerweise war der Typ im Studio Hugh Jones, mit dem wir einst das „Black Album“ aufgenommen hatten und den wir seit 15 Jahren nicht gesehen hatten. Wir machten quasi da weiter, wo wir einst aufgehört hatten, und das war ein positiver Kick.

Welchen Stellenwert hat die Band für euch? War es das schon wieder mit den gemeinsamen Aufnahmen oder werdet ihr auch in dieser Besetzung ausgiebig auf Tour sein?

Letzteres ist der Plan. Wir werden eine ganze Menge Konzerte spielen, unter anderem mehrere in London, wo wir schon seit Jahren nicht mehr aufgetreten sind, und dann geht´s für zwei Monate in die USA. Es wird auch bald eine Europatour geben. Das hängt auch alles davon ab, wie das Album laufen wird und so weiter.

Wie geht ihr mit dem „Nostalgiefaktor“ um? Ich meine, ihr habt ein neues Album raus, in dem euer ganzes Herzblut steckt, aber live werden die Leute wohl vor allem die alten Sachen hören wollen.

Das ist eigentlich kein Problem für uns, denn wir hatten schon immer ganz verschiedene Fans: die einen mögen uns wegen der alten Sachen aus den Siebzigern, andere die aus den Achtzigern und in den USA gibt´s sogar Leute, die unser zweites Album „Music For Pleasure“ mögen, was ich erstaunlich finde, haha. Bei den letzten Konzerten hat sich ausserdem gezeigt, dass ´ne Menge Kids zu den Shows kommen, die uns noch nie gesehen haben, und die kennen sowieso nur einen kleinen Teil unserer Platten oder das, was sie sich im Internet gezogen haben. „Den“ typischen DAMNED-Fan hat es nie gegeben, wir hatten nie ein reines Punk-Publikum, sondern Hardcore-Punks und Gothics und Collegeprofessoren ...

Collegeprofessoren?

Hehe, ja. Wir hatten jahrelang einen Typen als Fan, der war Professor und brachte uns als Geschenk immer Fossilien mit. Er hielt uns für so, ja, wertvoll, dass er uns diese Millionen Jahre alten Versteinerungen schenkte, der Stein gewordene Beweis, wie etwas Millionen Jahre über bestehen bleiben kann. Das war schon damals in den Siebzigern, und der Herr war damals schon über sechzig.

Ist es dir denn wichtig, den Erwartungen der Fans zu entsprechen?

Nein, ich habe mich immer bemüht zu vermeiden, etwas zu sein, das ich nur den Fans zuliebe wäre. Wir machen einfach was wir machen, und wenn das jemandem gefällt, okay.

Bist du ein „Survivor“, ein Überlebender?

Nein, so habe ich mich noch nie gesehen, da habe ich noch nie drüber nachgedacht. Ich mache, was ich mache, weil ich Musik liebe, die unterschiedlichsten Genres. Aber wenn ich drüber nachdenke, dann ist es wohl schon so, dass es eine Band wie die unsere dieser Tage so schwer hat wie nie zuvor. Die Musikszene in den USA und Großbritannien hat sich in einer Weise verändert, dass sie kaum noch etwas damit zu tun hat, wie ich sie bislang kannte: die Leute gehen nicht mehr wie früher auf Konzerte, sie kaufen nicht mehr wie früher Platten. Bei Konzerten taucht kaum jemand auf. Und dabei haben wir noch Glück, denn ich kenne Horrorgeschichten von Bands, zu deren Konzerten kein Schwein kommt - auch Bands, die mit ihren Platten in den Charts sind!

Themenwechsel: Du bist mit Patricia Morrison verheiratet, einer großartigen Musikerin. Und sie spielt jetzt bei THE DAMNED, sie, die bei von mir verehrten Bands wie GUN CLUB oder SISTERS OF MERCY gespielt hat.

Ja, wir haben vor vier Jahren geheiratet. Wir kennen uns schon seit über zwanzig Jahren. Ich fand GUN CLUB auch schon immer eine großartige Band, und es ist eine Schande, dass Jeffrey Lee Pierce, der ja leider vor ein paar Jahren gestorben ist, heute so in Vergessenheit geraten ist. Er hat wirklich sehr gute Songs geschrieben, und ohne ihn gäbe es Nick Cave heute nicht. Naja, heute bin ich mit Patricia verheiratet, was soll ich groß erklären?

Es gibt ja Leute, die behaupten, es könne nicht gutgehen, wenn in einer Band zwei Leute was miteinander haben.

Ja, aber DIE sagen das - na und? Wenn die das nicht hinkriegen und jede Nacht eine andere ficken wollen, ist das deren Problem. Die wollen, dass ihre Frau zuhause sitzt, während sie auf Tour sind. Mir egal, ich mache das, was ich für richtig halte. Und nein, es ist auch nicht stressig, wir arbeiten auf einer sehr professionellen Basis zusammen. Es ging auch nie darum, dass ich darauf bestanden hätte, meine Freundin oder Frau in die Band zu holen. Captain kam damit an, und er hatte auch vorher schon mal mit ihr gearbeitet. Sie passt perfekt zur Band, fand THE DAMNED schon immer gut, und nachdem sich ihre Befürchtung, das Publikum könnte seltsam auf sie reagieren, nicht bewahrheitet hatte, ist sowieso alles in Ordnung.

Spielt ihr denn live auch viel alte Sachen oder eher neue Songs?

Ach, ich spiele auch gerne die alten Sachen, und teils spielen wir sogar Sachen, die wir früher nie gespielt haben, etwa „13th floor“. Es kommt beim Publikum immer gut an, alte Songs hervorzuzaubern. Naja, und an „New rose“ oder „Neat neat neat“ kommen wir eben nicht vorbei.

Musikalisch ist das neue Album eine vielfältige Mischung, die aber letztendlich immer wie THE DAMNED klingt.

Weisst du, wir haben schon Musik gemacht, bevor es den Begriff Punkrock gab. 1976 fragten mich die Leute, was wir für Musik machen, und ich sagte, dass wir in Garagen und alten Kirchen proben, und womöglich sei es deshalb Garage-Rock. Dann wurde der Begriff „Punk“ geprägt, und Punk war vor allem eine Frage der Einstellung, der Attitüde- und das vermisse ich heutzutage. Punk ist zum „Identykit“ verkommen, nicht Malen nach Zahlen, sondern Punk by Numbers. Manche Bands sind gut, viele nicht, und die Leute sollten viel mehr machen, worauf sie Lust haben als zu überlegen, ob wohl irgendwas „punk“ ist oder nicht. Vielleicht ist es unser Vorteil, dass wir uns unsere Attitrüde von damals bewahrt haben, und Punk ist nicht ein Musikstil, sondern die Einstellung, mit der du an deine Musik herangehst: wir könnten auch klassische Musik machen und es wäre immer noch Punk.

Letzte Frage: Was hat´s mit dem Song „Absinth“ auf sich?

Ha, da geht´s um dieses Zeug. Ich habe vier Flaschen davon im Keller. Absinth wird dieser Tage ja ziemlich verkultet, auch weil es früher das Getränk der Dichter und Künstler war. Und dann ist da noch dieser XTC-Ruch: die packen da ja dieses Kraut rein, und der prozentuale Anteil dieses Krautes - Absinth enthält sowieso schon sehr viel Alkohol, und wenn du ihn schnell trinkst ist er sehr gefährlich - bestimmt oberhalb einer bestimmten Grenze, wohl 25%, gibt das eine kurze, halluzinogene Wirkung, du gehst auf einen kurzen Trip. Dummerweise ist der Krautanteil im heute legal verkauften Absinth unter 25%, also da passiert nicht viel, vom Alkohol mal abgesehen. Die Flaschen bei mir im Keller sind natürlich gutes Zeug ...

Joachim Hiller

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #44 (September/Oktober/November 2001)

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