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Interviews & Artikel

OTHER

Eine Chronik des musikalischen Horrors

Wer an Horrorpunk denkt, der denkt vor allem an die MISFITS. Dabei reichen die Wurzeln dieses Genres, das entweder geliebt, belächelt oder mit Unverständnis betrachtet wird, viel weiter zurück, als manch einer denkt. Rod Usher alias Thorsten Wilms ist seit jeher Horror- und Horrorpunk-Fan und gründete 2002 im rheinisch-bergischen Städtchen Leich(!)lingen mit THE OTHER selbst eine Band, die heutzutage als Flaggschiff des Genres in Europa gilt und nach diversen Umbesetzungen gerade ihr sechstes Studioalbum „Fear Itself“ veröffentlichte. Für das Ox hat er sich auf Spurensuche begeben, wer den Horror wann und wie in die Musik brachte. (Frank Weiffen)

Die Anfänge


Screamin’ Jay Hawkins: „I put a spell on you“ (1955) Jay Hawkins war – so sagt es die Geschichte – der erste Künstler, der Rockmusik und ein Horror-Image miteinander kombinierte. Und damit legte er den Grundstein für alle Schock-Rocker, die nach ihm kamen. Horrorpunk mag mit den MISFITS begonnen haben, doch die musikalischen Wurzeln reichen zurück zu „I put a spell on you“.

Bobby Pickett: „Monster mash“ (1962) Doo-wop-Sound trifft auf Dracula, Frankensteins Monster, die Mumie und den Wolf-Man. Bobby Pickett, auch „Boris“ genannt, aufgrund seiner Bewunderung für Schauspieler Boris Karloff, war der erste Musiker, der die damals so angesagten Monster-Mash-up-Filme wie „Frankensteins Haus“ von 1944 in seine Songs einfließen ließ. Bei ihm trieben die klassischen Gruselgestalten ihr Unwesen und so wurden seine Stücke zum Standardsoundtrack für Halloween. THE CRAMPS oder MISFITS bedienten sich später gerne seines Vorbildes.

Screaming Lord Sutch: „Jack the Ripper“ (1963) Wenn man nicht das Original sein kann, dann eben eine gelungene Kopie: Lord Sutch positionierte sich als englischer Jay Hawkins und legte mit „Jack the Ripper“ einen veritablen Hit vor, den er stilecht im Kostüm präsentierte. Dieses erinnerte an das der Hauptfigur des verschollenen Horrorstreifens „London After Midnight“ (1927) und zeigt erneut, dass der Horror immer mehr Teil der Musikszene wurde.

Die entscheidende Wende

Alice Cooper (1968) Vor Alice Cooper war Gruselrock eher ein Spaß für die Halloweenparty. Zwar zeigten sich ältere Menschen von Screamin’ Jay Hawkins und Kollegen schockiert, doch eigentlich ging der ernste Horror erst mit Alice Cooper richtig los. Gleichzeitig wurde auch die Musik härter, die Texte expliziter und die Bühnenshow ausgefeilter. Alice Cooper war der Erste, der eine wirkliche Choreografie auf die Bühne brachte. Er ließ sich köpfen, hängen und in eine Zwangsjacke stecken, er ließ Horror-Ikone Vincent Price als Sprecher agieren. Er behauptete von sich, sein echtes Ich in der Garderobe zu lassen und erst auf der Bühne zu Alice Cooper zu werden. Kurz gesagt: Ohne Alice Cooper hätte es KISS, die MISFITS, Marilyn Manson, GWAR, SLIPKNOT und THE OTHER wohl kaum gegeben.

KISS (1973) Womit wir auch bei KISS sind, bei denen Bassist und Gründer Gene Simmons zu Protokoll gab, dass sie Elemente von Alice Cooper und den NEW YORK DOLLS adaptierten und auf die Spitze trieben. Weniger gruselig, dafür mit viel mehr Sex in den Texten, aber immerhin mit einem Simmons, der Blut und Feuer spuckte und verdammt monströs wirkt in seinem „Demon“-Kostüm. KISS zeigten, was Theatralik und Showmanship bedeuten, und sind die Referenz für jede Band, die danach kam und mehr wollte, als in Jeans und T-Shirt auf der Bühne zu stehen.

Horror und Punkrock

THE CRAMPS und THE DAMNED In den USA und in Großbritannien ging es dann Schlag auf Schlag und die Horror-Vorlagen der Vorgänger wurden in einen alternativen Sound integriert. Bei THE CRAMPS vermischten sich ab 1976 Horror-, Rockabilly-Style und Surf-Look, bei THE DAMNED im selben Jahr klassischer Punk mit späteren Gothic-Einflüssen, die speziell von Dracula-Lookalike Dave Vanian integriert wurden.

THE MISFITS Das änderte sich 1977 mit den MISFITS, den Begründern des Horrorpunks. Glenn Danzig, Jerry Only und Legionen an Drummern und Gitarristen sangen über Monster- und Horrorfilme, klauten die Frisur von Eddy Munster und das Maskottchen einer TV-Serie, den Crimson Ghost, und kreierten ein Image, das zum Wegbereiter für Deathrocker, Goths und Horrorpunks weltweit wurde. Und dazu schufen sie Hymnen für die Ewigkeit. Schade, dass man bei heutigen MISFITS-Konzerten von der einst legendären Band nicht mehr viel mitbekommt, so schlecht ist das Schauspiel, das Jerry Only mittlerweile abliefert.

SAMHAIN und DANZIG Glenn Danzig dagegen verließ die Band und widmete sich obskureren Düstersounds, ab 1981 mit SAMHAIN und später in seiner nach ihm benannten Band DANZIG, die mit „Mother“ einen der größten Hits der Metal-Geschichte fabrizierte.

The Rise of Horrorpunk

So brach die Zeit für andere Bands an, die sich dem Horrorpunk widmeten. Steve Zing – ein Freund von Glenn Danzig und später SAMHAIN-Mitglied – gründete 1981 MOURNING NOISE, die es auf ein paar sehr empfehlenswerte Singles brachten. Auch spielte er bei den von Ex-MISFITS-Gitarrist Bobby Steele gegründeten THE UNDEAD. Heute ist Steve Zing übrigens als Bassist bei DANZIG aktiv, wenn er nicht gerade für einzelne SAMHAIN-Konzerte auf der Bühne steht oder Projekte wie SON OF SAM (mit Davey Havok von AFI) gründet. Erst Mitte der Neunziger – möglicherweise durch die MISFITS-Reunion angeregt– gründeten sich Bands, die nicht direkt von Glenn Danzigs Projekten abstammten, abgesehen von den legendären Kanadiern FORBIDDEN DIMENSION, die schon 1988 den Grusel verbreiteten. Die BRICKBATS legten in den frühen Neunzigern los, die FRANKENSTEIN DRAG QUEENS FROM PLANET 13 vermischten ab 1996 Horror, Punk und Glam und Joey Ramone entdeckte die Horror-Skapunk-Truppe THE INDEPENDENTS. Spätestens zur Jahrtausendwende erlebte Horrorpunk dann seinen Siegeszug rund um die Welt, unter anderem unterstützt von einer Compilation, die erstmals den Genrebegriff verwendete und definierte: „This Is Horrorpunk“ (Fiendforce, 2003).

Die Gegenwart

Und heute? Da ist von Horrorpunk in Europa wenig übrig. Wir, THE OTHER, gelten als das Flaggschiff, das dem Genre längst entwachsen ist. Ansonsten passiert gerade im damaligen Horrorpunk-Mekka Deutschland nicht viel. In den USA gibt es allerdings wieder eine große Szene, größer denn je. Mit zahlreichen neuen Bands, die sich nicht nur auf die MISFITS, sondern auch stark auf BLITZKID, THE OTHER oder CALABRESE beruft.

Thorsten Wilms

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #121 (August/September 2015)

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