Interviews & Artikel : Iggy Pop :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

Iggy Pop

Iggy Pop über sein neues Album „Beat ´em up“, die STOOGES, den Song „Louie Louie“, das Leben als V.I.P. und seinen Cadillac. „I guess you didn´t know who was coming for dinner, do ya?!“ Sprach´s und sprang auf den gedeckten Tisch, hinter dem sich zwei kauende Medienpartner mit ihren vollen Tellern zurückgezogen hatten, um das Iggy-Showcase, während der Dortmunder Visions-Party im Soundgarden zu verpassen. Der Hully Gully-Man ließ keine Gelegenheit aus, zu betonen, wie unangenehm ihm solche Auftritte sind, „weil man vor diesen Medienfotzen keine Rockshow spielen kann!“ - „Ihr seid wohl Weezer-Fans, wie?!“, höhnt The Ig, tritt eine Filmkamera kaputt, und legt eine ungeschlagene Schlechte-Laune-Performance hin, wie ich sie noch nicht einmal von Lou Reed jemals gesehen habe... also herrlich!!!

Am frühen Morgen, der Barde pflegt gegen 8.30 aufzustehen, traf ich ihn wesentlich entspannter am Rhein vor dem Kölner Hyatt.

Dieser Brutalosound von „Beat ´Em Up“ ist anderthalb Jahre nach „Avenue B“ ein krasser Schnitt, obwohl mich schon einiges an die „Instinct“-Phase erinnert. Hattest du den Eindruck, nach deinem Crooner-Album sowas sagen zu müssen wie: Hey, war nur Spaß, ich mache immer noch harte Rockmusik...

Meine Band meinte während der „Avenue B“-Tour: Lass uns möglichst schnell wieder aufnehmen. Und ich sagte: Fuck... na gut, let´s do it! Und dann habe ich eigentlich das ganze letzte Jahr damit verbracht, zu Rockshows zu gehen und neue Songs zu schreiben. Das ist halt mein Leben. Das Album davor war sehr ruhig. Da lebte ich in New York und war unglaublich fertig und traurig. Ich saß die ganze Nacht mit meinen Büchern und einem schwarzen Umhang vor einer Kerze und bin überhaupt nicht mehr rausgegangen. Jetzt ist das vorbei, ich bin nach Miami gezogen, bin besser drauf und fahre oft mit meinem neuen Cadillac durch die Gegend, deswegen wollte ich jetzt auch Musik machen, die so ist wie mein Cadillac - groß und laut. That´s what you get.

Sprichst du von dem Cadillac, den man bei dem Song „Ugliness“ hört?

(Iggy strahlt über´s ganze Gesicht) Es ist der Cadillac auf „Ugliness“, ja, ich starte den Wagen und spiele ein Hupensolo. Es ist ein billiges Auto, es hat mich wirklich fast nichts gekostet, ist aber wunderschön. Ich bin die Attraktion des Tages, wenn ich damit durch Miami fahre. Menschen jeder Altersgruppe und Rasse lieben die Karre. Kinder und Rentner umringen mich, Gangster bremsen neben mir und meinen: „Yo, motherfucker! Your car´s cool, man!“ Deutsche sprechen mich an und fragen: „Oh, was ist das für ein hübscher Wagen? Sowas bekommt man nicht in Deutschland...

Auf der ersten Hälfte der „Avenue B“-Tour hast du ja immer zwei bis drei Akustiknummern gespielt, inmitten von Songs wie „Search & destroy“ und „Raw Power“, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Aber hast du das Gefühl gehabt, dass das Publikum bei deinen Shows damit klarkam, dass sie dich plötzlich auch als Storyteller erleben, der zwischen seinen Songs nachdenkliche Spoken Word-Resümees über seine kaputte Ehe loslässt?

Das kommt drauf an - erstens: Es gibt keine Kompromisse zu schließen, wenn du gute Musik verkaufst, es geht hier nicht um die verschissene Britney Spears, sondern um individuelle Personen mit einer eigenen Geschichte. Du hast in solchen Hallen immer eine Melange aus lauter verschiedenen Charakteren, die alle verschiedene Wahrnehmungen und Erwartungen haben. Aber ich bin der Ansicht, dass ein cooles Individuum im Publikum hundert verbohrte Arschlöcher wert ist, definitiv! Was die Leute dabei gefühlt haben - keine Ahnung -, das müssen sie selber wissen, ich weiß, wie ich mich dabei gefühlt habe. Eine kleine Minderheit mochte es sehr, und hauptsächlich Journalisten reagierten skeptisch, wenn ich mit Gitarre und einem kleinen Spot auf die Bühne kam und auf die Knie ging, um meinen Song zu singen. Was macht er jetzt? Ah, Iggy macht auf Perry Como! Oder Julio Iglesias! Aber dann habe ich „Raw Power“gespielt, und es war doch eine Rock-show, und alles war okay. Und die Mehrheit des Publikums besteht nun mal aus korrupten Huren! So ist es nun mal. Manchmal wurde es total ruhig im Saal, und die Leute hörten wirklich zu. Bei anderen Konzerten gab es eine Geräuschkulisse wie auf einer Cocktailparty, die Leute waren leicht irritiert. Aber keiner hat einen wirklich miesen Kommentar gebracht, ich glaube, die meisten haben es schon gemocht. Den größten Verriss habe ich in Schweden bekommen, die Schweden legen manchmal echt eine dermaßen bescheuerte Art an den Tag... Na ja, ich spielte „Nazi Girlfriend“, ein Song, den ich immer noch sehr mag, und so ein großer blonder Kerl brüllte „How ya doin´, old man?“ und lachte mich an, um zu sehen, wie ich reagierte. Damit habe ich dann auch keine Probleme, weil ich das Alter als etwas sehr Cooles empfinde. Ich bin gerne alt. Das war interessant. Ich konnte da rausgehen und den Leuten, die mich nur das machen lassen wollen, was sie selber auch können, zeigen, wie weit ich gehen kann. Eine verdammt gute Erfahrung! Das ganze Leben über gibt es immer einen gewissen Druck von minderwertigen Leuten, die dich auf eine Sache festlegen wollen!

Ein Song heißt „V.I.P.“ - ich denke, der Text spricht für sich -, aber ich würde gerne wissen, wann du dich das erste Mal als V.I.P. gefühlt hast?

Als ich ein sehr junger talentierter Musiker in Ann Arbor war, kamen immer wieder Leute zu mir und meinten I-G-G-Y?!? Was für ein Name ist das denn??? Dann hieß es: Okay, Iggy Pop, habe ich schon mal von gehört, was macht der eigentlich? Das hat hat sich dann so Mitte der Siebziger geändert, als ich anfing, im Flugzeug zu reisen und sich plötzlich Stewardessen um mich scharten - Ah, Iggy Pop! Wünschen sie noch einen Tee oder einen Kaffee, Sir? Und könnte ich dann noch ein Autogramm haben? - Okay, Baby... Du weißt schon, was ich meine... Man trifft plötzlich auf uniformierte Repräsentanten der straighten Welt, die plötzlich alle deinen Namen kennen. Wenn ich auf Konzerten bin, gehe ich auch nie backstage, sondern nach vorne, weil man nur da die echte Rockshow sieht. Back-stage hängen immer Typen aus dem Business rum, das ganze Who-is-who nervt doch ziemlich, wenn man bedenkt, dass man ja auch keinen Sound hört und keine Lightshow sieht... In den USA haben sie zwei verschiedene Sorten Parkplätze, einen für V.I.P.´s und einen simplen Parkplatz. Irgendein Idiot winkt mich dann immer durch, hey man, get in the V.I.P.! Was soll ich sagen... it´s a funny world!

Worum geht´s in dem Song „Talkin´ Snake“? Für mich klingt das irgendwie nach „ich hab ein Recht auf Traurigkeit“...

Es ist ein trauriger Song. Es geht darum, dass in unserer postchristlichen Welt Gott einfach Geld ist. Die einzige Moral, die man bekommt, kommt von den ganzen Gurus, Vegetariern und Psychoanalytikern, die dir sagen: Was immer dich glücklich macht, es ist okay! Und natürlich ist es nicht okay, die Leute leiden trotzdem. Für jeden glorreichen Moment muss man jede Menge Dreck und Scheiße in Kauf nehmen. Die Schlange ist die aus dem Garten Eden, die sagt: Sei happy, das Leben ist draußen vor der Tür, du brauchst es dir bloß zu nehmen. Es ist halt ´ne menschliche Eigenart, sich an die Dinge zu klammern, die man hat, aber es macht nicht wirklich glücklich. Der Song hat also keine konkrete Aussage, aber ich will einfach über solche Dinge singen.

In dem Spoken Word-Titel „No Shit“ sagst du, dass du eine Balance finden möchtest zwischen Vergnügen und Würde. Wie vereinbarst du das mit deinem Job? Ich meine, du bist ja Teil des Musikbusiness´.

Na ja, ich bin schon ein Teil davon, aber ich denke, die Größe macht es aus, und ich bin nur ein kleiner Part. Ich habe genug Abstand dazu. Du wirst mich nicht auf diesen ganzen Businessparties erleben, ich versuche halt, nicht zu oft und zu viel zu arbeiten und mich von diesen Leuten - du weißt wovon ich rede - fernzuhalten. Ich mache halt nur das Nötigste mit. Aber jeder, der etwas kreiert, ist nun mal Teil des Business - und jeder, der das nicht tut, ist heimatlos. Also, wir sind alle in dieser Situation.

Wie stellst du eigentlich dein Liverepertoire zusammen? Ich muss sagen, dass ich etliche Male enttäuscht war, wenn du in der Stadt warst, vielleicht gerade eine Platte mit interessanten Nummern draußen hattest, und am Ende hast du dann fast die selben Songs wie im Jahr davor gespielt. Nichts gegen diese Songs, aber glaubst du, die Leute würden dich nicht ohne „I Wanna Be Your Dog“ von der Bühne lassen?

In den ersten 15, 20 Jahren meiner Karriere habe ich bevorzugt nur neue Songs gespielt. Selbst, wenn ich ein Album draußen hatte, aber schon wieder neue Stücke geschrieben hatte, kamen Leute, um das neue Album zu hören, und ich sagte: Verpisst euch, ich will diese ganz neuen Songs singen! Das hat die Leute immer frustriert, aber ich wollte mich rasant weiterentwickeln. Das hat sich dann ungefähr 1986/87 geändert. Ich dachte mir, okay, ich habe all diese großartigen Songs von früher. Sie waren keine Hits, und die Leute konnten sie noch nicht mal im Laden kaufen. Und ich dachte, das haben sie nicht verdient, sie sind besser als alles von den meisten anderen, und ich denke nicht, dass ich jemals wieder etwas Vergleichbares schreiben werde. Deswegen spielte ich sie dann wieder, Abend für Abend und stopfte sie den Leuten in den Hals, bis die Synapsen knackten. Ich habe mir also die Besten ausgesucht und spiele sie jetzt immer noch, bis irgendetwas passiert. Und es ist passiert... die Leute kennen die Songs mittlerweile, sie werden an bestimmten Orten gespielt, die STOOGES-Alben sind wiederveröffentlicht worden, und das ist gut. Darüber bin ich jetzt weg. Was ich jetzt mache, ist 50 Prozent alter Stoff, weil die Songs einfach live am Besten kommen - ich habe nur das Kriterium, welcher Song live am meisten rockt. Was klingt gut? Darum geht es. Und natürlich zu einer Hälfte neue Songs, weil ich einfach gerne neue Sachen spiele.

Es sollte ja 1974, nach „Raw Power“ ein viertes STOOGES-Album geben, wozu es nie kam. Was wird mit den ganzen Songs passieren, die ihr 1973-74 aufgenommen habt, und die ja auf Dutzenden von Bootlegs zu hören sind, ich denke an „Johanna“, „Scene Of The Crime“, „I Got Nothing“ und so? Gibt es Pläne, dass du die irgendwann mal remixt, so wie das bei „RawPower“ passiert ist, das ja von Bowie völlig versaut wurde?

Genau genommen ist „Johanna“ schon mal auf einem offiziellen Album erschienen, 1975 auf „Kill City“. Ich kann mir schon vorstellen, das Album noch mal vorzunehmen, gut genug ist es. Dann gibt es noch verlorene STOOGES-Tracks, die ursprünglich für „Raw Power“ bestimmt waren und es dann doch nicht auf das Album geschafft haben, andere waren für „Metallic K.O.“ geschrieben worden, aber wir haben sie nie wirklich aufgenommen. Ich kann mir das alles vorstellen, aber es besitzt für mich keine Priorität. Was mir an diesen Bootlegs gefällt, ist, dass es meinem Stuff eine Dimension gibt, an die ich im Traum nicht gedacht hätte. Die Bootlegger kommen mit Covern raus, du glaubst es gar nicht! Und mit Titeln, die hätte ich mir noch nicht mal selber ausdenken können, da ist dann so ein Grimassenfoto von mir drauf und die Platte heißt „Suckgone Weird“ oder so...

Du magst deine Bootlegs?

Ich liebe sie alle!!! Wenn du jetzt zum Beispiel Bruce Springsteen nimmst... kannst du dir vorstellen, auf einem Bootleg von ihm ein Foto zu sehen, auf dem er sich gerade Pickel ausdrückt? Das wird es niemals geben, weil alles so glatt und durchgestyled ist. Das mag für ihn okay sein, aber meine Geschichte ist im Grunde sehr wild und bewegt, und das sollte schon herauskommen. Aber es gab ein Cover, das mich ein bisschen wütend gemacht hat, es ist das Foto, auf dem mir das Blut über die Brust läuft, ich war halt stoned, vollkommen überdreht... hehe... ich fand das ein bisschen zu heftig. Aber ich komme damit klar, gerade heute, wo alles so gefaked ist.

Mal was ganz anderes: Dein Gitarrist Whitey Kirst ist ja jetzt auch schon über zehn Jahre in deiner Band. Hat er sozusagen die Nachfolge von Ron Asheton und James Williamson angetreten? Wie arbeitet ihr zusammen?

Es gab in meinem Leben zwei große Gitarrenfreundschaften, zunächst mit Ron Asheton und James Williamson bei den STOOGES, jetzt habe ich angefangen, Songs mit Whitey zu schreiben, ich habe auch seinen Bruder als Schlagzeuger. Ich hatte die Asheton-Brüder Ron und Scott, dann hatte ich die Sales-Brüder Tony und Hunt bei „Lust For Life“, und jetzt habe ich die Kirst-Brüder. Also, Whitey ist so ein Typ, der ein Auto reparieren kann. Er ist nicht sehr belesen, aber wenn du in Schwierigkeiten bist, haut er dich raus, so ein Typ eben. Er war schon jahrelang in meiner Liveband Gitarrist, und ich könnte nachts nicht mehr ruhig schlafen, wenn ich ihm keine Chance gegeben hätte. Aber er ist ein guter Gitarrist, ich bin gerne mit ihm zusammen. Wir sind ein gutes Team.

Die Episode mit Mooseman war ja ziemlich kurz. Wie kam er letztes Jahr in die Band und warum ist er im März erschossen worden?

Also, ich plante halt ein Rockalbum im Jahr 2001 zu machen, und mir war ziemlich schnell klar, dass ich das mit den ewigen weißen, langweiligen Jungs nicht machen konnte. Bier, Kippe, yeah yeah, Rock´n´Roll - das reichte mir einfach nicht mehr, ich wollte etwas mehr kulturelle Information. Also dachte ich mir, warum nicht gleich einen echten Schwarzen an Land ziehen? Ich hatte Mooseman immer bewundert, er spielte bei BODY COUNT, Ice T´s Band, eine großartige schwarze Rockband. Ihr erstes Album war fantastisch, das zweite fand ich dann nicht mehr so heiß. Was für ein Name, dachte ich - Mooseman!!! Alles, was ich an Bässen mag, steckt in diesem Namen, und so war er auch, ein Berg von einem Kerl! Ich versuchte, ihn über meine Plattenfirma zu erreichen, aber sie konnten ihn nicht finden. Also beauftragte ich ein paar schwarze Freunde von mir - die fanden ihn ziemlich schnell! Dann war er plötzlich auf meinem Anrufbeantworter: „Hey man, ich weiß nicht, wer du bist, aber hier ist der Mooseman, und ich wollte nur, dass du weißt, ich hab´ zurückgerufen, Motherfucker!“ Puuh, shit, der klang vielleicht sauer! Ich rief nochmal an und sagte: „Ich bin Iggy Pop, würdest du für mich Bass spielen?“ Und er sagte zu, wir trafen uns und sind ziemlich gute Kumpels geworden. Es war auch ´ne gute Erfahrung für meine Band, speziell für Whitey, der ja... wie der Name W-h-i-t-e-y schon vermuten lässt, ein sehr engstirniger Ami ist. Whitey war anfangs sehr skeptisch - Hey, dieser Mooseman, was wird er tun, wird er ´ne Knarre mit zur Probe bringen und uns abknallen?? Ich sagte, mal sehen, vielleicht.... Aber die beiden waren sehr dicke Freunde am Ende der Aufnahmen, und am Tage vor dem Abmischen, haben die beiden zusammen in einer Bar eine dritte Person zusammengeschlagen! Ist das nicht süß?? Und sind beide zusammen vor der Polizei weggerannt, hahaha! Moose war ein absolutes Straßenkind, und er liebte das Ghetto, er liebte South Central. Musikalisch war sein Bass-Spiel das Beste, was uns passieren konnte. Er hatte Riesenhände und eine elegante und kraftvolle Art zu spielen, das hat die Band ziemlich aufgewertet. Man hört es auf dem Album bei drei Songs, „Mask“, „Go For The Throat“und „V.I.P.“, die kommen von seiner Basslinie. Man hört, das ist etwas, was es im weißen Rock´n´Roll nicht gibt. Das ist nicht die Vorstadt, es ist... es ist ein bisschen Afrika. Und ich habe versucht, das mit hartem Rock´n Roll zu kombinieren, ein ziemlicher Clash! Mooses Karriere war in einer Sackgasse seit dem Ende von BODY COUNT, und als ich ihm die fertigen Tapes schickte, war er sehr begeistert und sehr gerührt. Er freute sich total auf die Tour. Und dann eines Tages - er lebte in einer miesen Nachbarschaft in L.A .- schraubte er gerade an einem Auto herum, vor dem Haus seiner Mutter, zwei Männer kamen, und schossen ihn zweimal in den Rücken. Das war´s schon. Ein großer Verlust. Ich habe das ganze Geheule schon hinter mir. Ich tendiere dazu, mich mit Leuten zu umgeben, die immer in irgendeine Scheiße hereingeraten, und von denen quasi eine Gefahr ausgeht. Aber das macht das ganze Rock´n´Roll-Ding ja noch überzeugender. Ein Teil von mir sehnt immer noch die Apokalypse herbei.

Eine schlechte Nachbarschaft hattest du ja nicht, obwohl du im Wohnwagen aufgewachsen bist...

Man nannte uns Trailer Trash, wegen unserer Herkunft. Aber Ann Arbor war anders, eine totale Industriestadt, vergleichbar mit Stuttgart. Die Leute da haben wenig kulturelle Bildung, aber dafür eine unglaubliche Power und Neugierde auf alles mögliche.

Abschliessend noch ein paar klärende Worte zu „Louie Louie“. Der Song hat dich ja schon seit fast vierzig Jahren verfolgt, du spielst ihn immer noch...

Als letzte Nummer, ja. Als wir früher mit unserer Beatcombo in Ann Arbor auf den Tanzveranstaltungen spielten, kamen die ganzen Hinterwäldler in die Stadt und brachten ihre Girls mit. Und alle wollten nur eines: So schnell, wie ´s geht betrunken werden, tanzen und dann Sex haben. Wir mussten diesen Song machmal stundenlang spielen, immer nur diese eine Nummer. Ich habe mir immer wieder neue Strophen dafür ausgedacht, das tue ich heute noch. Deswegen habe ich aber auch eine gewisse Hassliebe zu dem Song entwickelt, aber meistens, wenn ich ihn spiele, habe ich wieder dieses Gefühl von Ann Arbor - diese Mischung aus primitiver Schönheit und einzigartiger Dummheit!

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #44 (September/Oktober/November 2001)

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