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Interviews & Artikel

CAPTAIN PLANET

Dazwischen und von vorne

Kommt tatsächlich bei jeder Band der Punkt, an dem die sie hörenden Menschen aufhören, sie blind abzufeiern? Und was soll das blind abfeiern überhaupt sein? Eine der vielen Fragen, die CAPTAIN PLANET dieser Tage auf „Ein Ende“, ihrem vierten Album, beschäftigen. Das Leben verändert sich und die Stadt Hamburg auch. Da ist zu überlegen, wo und wie man sich als Band einbringen kann. Die wichtige Erkenntnis ist, dass CAPTAIN PLANET keinen Schlusspunkt unter ihre ja nun schon lange Bandgeschichte setzen wollen. Und doch sind Dinge anders, ist diese Platte zumindest ein wenig anders. Gitarrist Benny erzählt, welche Dinge das sind.

Was „Ein Ende“ hat, ist ja offenbar nicht diese Band. Trotzdem hat die Platte irgendwas von Zäsur an sich. Ein komplett anderer Stil beim Cover, im Titel ist nichts was auch nur ansatzweise mit Wasser zu tun hat. War es Zeit für etwas Neues?

Musikalisch jedenfalls würde das der eine oder andere vielleicht bestreiten. Letztendlich ist die letzte Platte vier Jahre her. Und irgendwie bedeutet jede Platte ein Ende. Es geht immer wieder um die Frage, ob wir es als Band schaffen, diesen Haufen zusammenzubringen, um eine Platte zu machen, und die nötige Leidenschaft und Arbeit und Liebe aufzubringen. Von daher ist es ein Zwischenstand. Ob das ein Ende ist, werden wir dann in weiteren vier Jahren sehen.

Wolltet ihr mit dem Plattentitel den Leuten einen kleinen Streich spielen?

Die Idee ist aufgekommen, aber das war uns dann doch zu blöd. Vorher war schon vielen Leuten klar, dass die Platte rauskommt. Man konnte sie vorbestellen und so weiter. Das heißt, wir haben es nicht darauf angelegt, dass es einen Schockeffekt gibt, aber wir fanden es ganz schön, darüber nachzudenken, was es für die Leute bedeuten könnte, wenn es ein Ende wäre. Und für uns selbst war das auch spannend. Wir haben das erste Mal über solche Fragen nachgedacht. Wie das wäre, wenn wir aufhören. Wie lange kann man so was würdevoll weitermachen? Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass man es noch lange machen kann. Die Platte heißt „Ein Ende“, aber von da an geht es weiter.

Und wie habt ihr die Reaktionen der Leute empfunden?

Das Feedback ist überragend, das ist richtig super. Ich habe ja immer ein bisschen Angst davor, was passiert, wenn man so lange keine Platte gemacht hat. Das ist ein bisschen so, als würde man nackt durch die Innenstadt laufen: Wie gefällt euch das, was ihr seht? Ich bin nicht hart gesotten genug, extreme Verrisse zu ertragen. Das würde mich hart treffen. Natürlich wird es Leute geben, die sie doof finden, und bei der vierten Platte wird man nicht mehr mit Samthandschuhen angefasst. Aber das kann ich aushalten.

Verglichen mit „Treibeis“, eurer letzten Platte, klingen die Songs auf „Ein Ende“ doch deutlich weniger brachial, es geht wieder mehr in Richtung schrammelig. Tendierte der Sound von „Treibeis“ im Nachhinein in die falsche Richtung?

Ich finde auch, dass es massiv anders klingt. Aber das heißt nicht, dass am vorherigen Album etwas falsch war. Eine Platte ist ein Zwischenstand. Bei „Treibeis“ war uns wichtig, auf keinen Fall so eine glattgebügelte Scheiße zu machen. Wir wollten eine Platte machen, die nervt. Das war genauso geplant. Und jetzt, bei dieser, wollten wir gern den Raum aufmachen. Das Verspielte sollte mehr zum Klingen kommen. Im Moment bin ich sehr zufrieden. Ich habe das Gefühl, es ist größer geworden, aber nicht zu glatt.

Gibt es einen inhaltlichen oder musikalischen roten Faden in „Ein Ende“?

Das zeigt sich vielleicht später. Wir sind keine Band, die Konzeptalben macht. Komischerweise fügt sich das erst hinterher zu einem Gesamtbild zusammen. Musikalisch bewegen wir uns auf einem kleinen Spielfeld und dadurch fällt es nicht auseinander. Ich habe das Gefühl, dass es schon Themen gibt, die sich durchziehen, und dazu passt auch der Titel. Die Frage danach, wo ich jetzt gerade stehe, was ich zurückgelassen habe, was da noch kommt. Ich glaube, das taucht in Arnes Texten immer wieder auf.

Ihr haltet eure Alben ja gern kurz und knackig. Juckt es euch nie, mal so ein richtig auszurasten und einfach alle Ideen reinzupacken?

Ich glaube, wir sind ziemlich pedantisch, was das Schreiben von Songs angeht. Das mag mancher nicht glauben, weil unser Horizont nunmal so ist, wie er ist. Wir sortieren aber sehr viel aus. Auf der Platte sind auch längere Songs und es ist ungewöhnlich, dass bei uns so Wellen auftauchen. Aber die Länge einer Platte sagt wenig darüber aus, was da eigentlich hineingesteckt wurde. „Ein Ende“ hat nur zehn Songs, weil wir das Gefühl hatten, dass der elfte, „Sommerdom“, ein wenig rausfällt. Darum liegt er jetzt als Bonus-7“ der „Deluxe Edition“ bei, mit einem Siebdruck auf der Rückseite. So hat eine Deluxe-Edition dann auch einen Mehrwert. Oft findet man da Servietten oder Feuerzeuge oder so einen Blödsinn. Wenn eine 7“ dabei ist, und noch andere Sachen, dann zahlst du nicht bloß Geld für etwas, das nicht mehr hergibt.

Als Außenstehender scheint es mir, als hätte sich in den letzten Jahren schon etwas für euch verändert. Ihr spielt in wesentlich größeren Läden, habt live einen weiteren Gitarristen dabei und so weiter. Wie soll es mit CAPTAIN PLANET weitergehen?

Tatsächlich machen wir immer ganz unterschiedliche Sachen. Es stimmt dass immer mehr Leute zu den Konzerten kommen, darauf haben wir es aber nicht angelegt. Wir konnten mal ausprobieren wie es ist, wenn man in einem größeren Laden spielt. Wir machen aber alles. Wir spielen in klitzekleinen Clubs und dann mal wieder was Größeres. Das ist alles okay. Ich persönlich mag es klein und gedrungen. Aber wenn wie in Berlin fast 600 Leute kommen, empfinde ich das auch als beeindruckende Kulisse. Es gibt keine Pläne, wo das hingehen soll. Wir machen das weiterhin in einem für uns passenden Rahmen. Erst spielen wir auf dem Deichbrand-Festival und dann im AJZ Bielefeld.

Es scheint einen neuen Hype um deutschen Punk zu geben. Nehmt ihr das auch wahr? Was bedeutet das für eine Band wie CAPTAIN PLANET?

Das kann ich gar nicht sagen. Vor vier Jahren war das noch jedenfalls nicht so doll. Es hatte so ein bisschen angefangen, da schien eine etwas gesteigerte Wahrnehmung zu sein. Aber tatsächlich habe ich das Gefühl, dass da ganz viel zusammengereimt wird, was gar nicht da ist. Was Bands wie LOVE A, TURBOSTAAT, PASCOW oder MATULA vereint, ist zum einen die Sprache und vielleicht noch der Zugang zu Musik. Aber da etwas zu konstruieren, so dass auch FJØRT und ADAM ANGST noch da reinpassen ... das ist eher eine journalistische Wahrnehmung. Ich will nicht sagen, dass es blöd ist, aber ich glaube, dass das etwas konstruiert wirkt. Es ist wieder üblicher, deutsche Texte zu haben, was es eine Zeit lang ganz wenig gab. Aber ob es da so große Gemeinsamkeiten gibt? Ich würde sagen, die Aufmerksamkeit für Bands im Bereich laute Gitarrenmusik mit deutschen Texten ist größer geworden. Aber ich weiß manchmal nicht, wo da der Zusammenhang ist.

Hast du das Gefühl, dass ihr mit dem Wachsen der Band mehr Kompromisse eingehen müsst, was zum Beispiel D.I.Y.-Ethos angeht?

Wir achten da schon ewig drauf, wie wir das machen. Wenn man sich das mal anguckt, machen wir so gut wie alles selbst. Wir machen auch das Booking selbst, außer bei Festivals, da muss man Connections haben. Aber wir haben auch unsere Platten selbst eingepackt. Wir sind an jedem Prozess beteiligt, sei es das Video oder etwas Handwerkliches wie die Platte verschweißen. Ich denke, wir haben einen kleinen Kontrollwahn, wir mögen ungern Sachen aus der Hand geben. Dafür ist es uns zu kostbar.

Die Gegenwart bietet reichlich Themen auch für politische Songs, vor allem für eine Punkband. „Ein Ende“ ist inhaltlich vor allem von persönlichen Eindrücken, von privatem Geschehen geprägt. Taugt das Politische nicht für die Art, wie ihr Songs schreibt?

Doch auf jeden Fall. Es ist nur anders verpackt. Ein Song wie „Ole und Pia“ ist sogar extrem politisch, den muss man sich nur erst entschlüsseln. Du kannst mal versuchen, den unter der Vorgabe zu hören , dass es um Hamburg geht und das Bestreben, die Stadt als Marke zu etablieren, sich für Olympia zu bewerben und allen Dreck aus der Stadt rauszukehren. Alles, was nicht passt, wird entfernt. Der Song ist eine Liebeserklärung an den Dreck der Stadt. Das ist aktuell hochbrisant in Hamburg. Es werden Leute aus bestimmten Stadtteilen vertrieben und da ist es notwendig, sich Freiräume zu erkämpfen und zu verhindern, dass Spekulanten unsere Viertel kaputtmachen. In den meisten Songs geht es natürlich viel um private Entscheidungen. Arne ist ja Lehrer und vielleicht ist das Belehrende für ihn genug im Alltag vorhanden. Das muss nicht noch in der Musik sein. Es kommt auch darauf an, was man selbst daraus macht.

Bianca Hartmann

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #126 (Juni/Juli 2016)

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