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Interviews & Artikel

IMPERIAL STATE ELECTRIC

Entwaffnend ehrlich

Das letzte Interview mit Nicke Andersson führte ich 2012 anlässlich des zweiten IMPERIAL STATE ELECTRIC-Albums „Pop War“. Jetzt, 2016, erscheint mit „All Through The Night“ bereits Album Nummer 5. Dies und die vielbeachtete THE HELLACOPTERS-Reunion im Sommer waren Anlass, um mal wieder in Schweden anzurufen.

Nicke, ein knappes Jahr nach „Honk Machine“ gibt es bereits wieder ein neues Album von euch.

Ja, aber es hätte bereits im Mai veröffentlicht werden können. Man hat uns gebeten zu warten. Das Management, der Vertrieb, die Booking-Agentur, sie alle haben ein Wörtchen mitzureden, daher die Verzögerung. Wenn es nur nach mir ginge, würden wir zwei Alben pro Jahr veröffentlichen.

Bei eurer Geschwindigkeit ist das nächste Album auch schon fertig, oder?

Eigentlich ja. Wir müssen es nur noch aufnehmen.

Hast du dich beim Albumtitel „All Through The Night“ vom DEF LEPPARD-Debüt „On Through The Night“ inspirieren lassen?

Nein. Ich habe auch keine DEF LEPPARD-Alben in meiner Sammlung, obwohl mir schon von einigen Leuten gesagt wurde, dass die frühen DEF LEPPARD sehr gut seien. Ich habe die Band auch angetestet, aber sie sind für mich einfach mit diesem schrecklichen Achtziger-Hit-Metal belastet, so dass ich sie einfach nicht mögen kann.

Das neue Album versprüht eine Menge Leichtigkeit und klingt sehr verspielt, wie ich finde.

Hmm, ich würde jetzt nicht widersprechen, aber ich finde, dass es sich gar nicht so sehr von „Honk Machine“ unterscheidet, was die Verspieltheit anbelangt.

Bei „Break it down“ hast du wieder mit Linn Segolson zusammengearbeitet.

Genau. Ich wollte ein Duett machen und dachte sofort an sie als Partnerin. Sie hat bereits bei THE SOLUTION mit mir gearbeitet und auch auf den IMPERIAL STATE ELECTRIC-Alben „Reptile Brain“ und „Honk Machine“ ist sie zu hören.

Nehmt ihr ein Album noch klassisch in einem Rutsch auf?

Nein. Wir sind immer abhängig davon, dass alle Zeit haben, gemeinsam ins Studio zu gehen. Wir haben alle Familie, Jobs und sind anderweitig eingebunden, da ist ein längerer Studioaufenthalt, so wie es früher üblich war, nicht mehr zu realisieren. Wir nehmen immer einen Song auf und irgendwann den nächsten.

IMPERIAL STATE ELECTRIC werden ja immer mit THE HELLACOPTERS verglichen. Ist das eine Belastung?

Nein. Es ist eben so, wie es ist. Ich habe fast alle HELLACOPTERS-Songs geschrieben, war Gitarrist und Leadsänger und das ist bei IMPERIAL STATE ELECTRIC das gleiche.

Sind deine anderen Bandmitglieder noch in anderen Bands tätig?

Jein. Dolf ist immer noch bei THE DATSUNS, Tomas war bei SPIRITS und ALONZO & FAS 3, ist dort aber meines Wissens nicht mehr aktiv, und THE OBJECTS haben ihre letzte Show vor drei Jahren oder so gespielt. Aber wer weiß, vielleicht gibt ihnen unsere Version von „Over and over again“ auf dem Album den Anstoß, wieder aktiv zu werden, haha.

Die letzten Alben von euch hast du in den Gutterview Studios aufgenommen, das du mit Fred Estby betrieben hast. Existiert das noch?

Nein, das ganze Equipment steht jetzt in meinem eigenen Studio, dem Honk Palace.

Die letzten Platten hast du selbst produziert. Früher hast du viel mit Tomas Skogsberg oder Chips Kiesbye gearbeitet.

Ich hätte gerne wieder einen externen Produzenten, kann es mir aber nicht leisten, daher übernehme ich diesen Part selber.

Du produzierst aber selber andere Bands?

Ja, das macht Spaß, aber ich nutze dies auch als Einnahmequelle, ganz klar. Ich habe keine andere Ausbildung und kann und will nur Musik machen. Von Rockmusik alleine wird man nicht reich und das Produzieren ist quasi meine tägliche Arbeit, auch wenn ich es gerne mache.

Früher, so heißt es, ging eine Band auf Tour, um ein Album zu promoten. Und heute?

Ich weiß nicht. Ich komme aus der Generation, wo ein Album betourt wurde. Ich spiele schon ganz gerne live, mag aber den kreativen Prozess lieber. Das Schreiben und Aufnehmen von Songs, das ist meine Welt.

Wie stehst du zu Streamingdiensten wie zum Beispiel Spotify?

Die Grundidee ist gut, vermutlich auch bis zu einem bestimmten Grad die Zukunft der Musikindustrie, aber man muss das sehr kritisch betrachten, denn was der einzelne Künstler verdient, ist schlichtweg ein Witz. Das meiste Geld bleibt bei Spotify und den ganz großen Labels hängen. Es ist ja bekannt, dass ich ein großer Vinylfan bin und dennoch kaufe ich ab und an einen Song bei iTunes, wenn ich keine Zeit habe, ihn von Vinyl zu rippen oder ihn nicht auf CD habe. Spotify selbst verwende ich nicht.

Auf eurer Facebook-Seite wird auch Robert Pehrsson als Bandmitglied gelistet. Welche Rolle hat er bei euch?

Echt? Das wusste ich gar nicht, haha. Aber im Ernst, vor einiger Zeit habe ich viel mit ihm gearbeitet und er hat uns ab und an ausgeholfen. Ich sollte den Eintrag wohl mal überarbeiten.

Du hast zusammen mit Kenny ein paar Songs mit MARY’S KIDS aufgenommen. Wie kam es dazu?

Kenny war ein knappes Jahr Bassist bei MARY’S KIDS und als sie eine Single aufnehmen wollten, hatten sie gerade keinen Drummer, also habe ich die Songs für sie eingetrommelt.

Im Internet findet man eine uralte schwedische Werbeanzeige, bei der du und Kenny als Kinder zu sehen seid.

Die kennst du?! Das war so, Kenny und ich kennen uns seit unserer Kindheit. Sein Vater hat für eine Werbeagentur gearbeitet und man wollte eine Kampagne zum Thema „Die Nichtrauchergeneration“ oder so starten und man suchte zwei Kinder dafür. Kennys Vater hat dann einfach ihn und mich genommen, statt über eine Agentur Kindermodels zu buchen.

Lass uns über die HELLACOPTERS-Reunion sprechen. Wie kam es dazu?

Wir haben uns getroffen und viel darüber geredet. Ich hatte große Zweifel, ob es eine gute Idee sein würde, aber wir konnten uns irgendwie einigen und die Bezahlung war auch gut, haha.

Das ist jetzt entwaffnend ehrlich.

Findest du? Wir haben es nicht nur wegen des Geldes getan, ganz klar, aber es war, zumindest für mich, ein wichtiger Teilaspekt, dem Ganzen zuzustimmen. Viele Musiker haben keine Ausbildung, und wenn ein Publikum eine bestimmte Band gerne sehen möchte und die Band tut sich wieder zusammen und bekommt durch ein paar Auftritte, die das Publikum glücklich machen, die Möglichkeit, ihre Rechnungen zu bezahlen, weil sie keine vernünftigen Jobs haben, dann ist das okay. Problematisch finde ich es immer dann, wenn man als Künstler dabei nicht ehrlich ist. Dieses Gequatsche von „Wir lieben uns alle“ und „Wir haben uns vermisst“, man kennt das ja. Als wir zu proben begannen, kamen viele der alten Probleme, die schließlich zum Ende der Band geführt hatten, wieder an die Oberfläche und wir dachten nur „Oh nein, geht das schon wieder los“. Genau das ist auch der Grund, warum THE HELLACOPTERS niemals wieder dauerhaft zusammenfinden werden, was mich anbelangt. Ich habe mit IMPERIAL STATE ELECTRIC viel mehr Spaß, auch wenn sich alles in einem viel kleineren Rahmen bewegt. Meine kreative Ader kann ich bei IMPERIAL STATE ELECTRIC besser ausleben, als dies bei THE HELLACOPTERS je der Fall war. Wir wurden auf dem Sweden Rock Festival wirklich herzlich empfangen und haben auch für einen weiteren Auftritt 2017 zugesagt. Die Show habe ich wirklich genossen.

Auf dem Sweden Rock Festival hast du sowohl mit den HELLACOPTERS als auch mit IMPERIAL STATE ELECTRIC gespielt. Wie war das?

Mit den HELLACOPTERS haben wir natürlich wesentlich mehr Reaktionen bekommen, als mit IMPERIAL STATE ELECTRIC, ganz klar. Was ich sehr schade finde ist, dass es so viele HELLACOPTERS-Fans gibt, die IMPERIAL STATE ELECTRIC nicht einmal kennen. Eine meiner Bedingungen, mit den HELLACOPTERS überhaupt dort zu spielen war daher, dass ich auch mit IMPERIAL STATE ELECTRIC dort auftreten wollte. Da die HELLACOPTERS-Show dort exklusiv sein sollte, war es ein Leichtes, IMPERIAL STATE ELECTRIC unterzubringen.

In Spanien habt ihr auch gespielt.

Ja, das kam ganz kurzfristig zustande. Einen Tag vor dem Sweden Rock Festival wurden wir gefragt, ob wir für PRIMAL SCREAM einspringen könnten, die abgesagt hatten. Wäre die Anfrage zwei Wochen später erfolgt, hätten wir nie in Spanien gespielt.

Zusätzlich habt ihr zwei alte, aber bislang unveröffentlichte Songs aufgenommen und veröffentlicht. Ist da nächstes Jahr noch mehr zu erwarten?

Zumindest keine alten, denn das waren die einzigen, die wir gefunden hatten. Den kürzeren, „Don’t stop now“, hatte ich völlig vergessen. Robert hat ihn auf einer alten Proberaumaufnahme wiedergefunden. Wir hielten es für eine nette Idee, die Reunionshow mit einer neuen EP zu feiern. Wir haben bislang nicht darüber geredet, noch weitere Aufnahmen zu machen, aber ich habe gelernt, niemals mehr nie zu sagen, haha.

Die EP habt ihr in sieben verschiedenen Vinylfarben gemacht, die dann auch noch nur bei verschiedenen Mailordern zu bekommen waren. Da lacht das Sammlerherz.

Haha, das tut mir leid, aber da musst du dich an Dregen wenden, der die Sache organisiert hat. Ich war schon überrascht, dass er sich für so viele Versionen entschieden hat, was ich schon für Abzocke halte. Aber wir sind fünf Leute in der Band und man kann es nicht jedem recht machen.

Wann kommt „Cream Of The Crap Vol. 3“? Genug Material ist ja vorhanden.

Das ist richtig, aber es sind ja noch andere Leute in der Band, die sich darum kümmern könnten, was sie aber nicht tun. Wenn ich es nicht in die Hand nehme, passiert da wohl nichts, aber ich habe einfach keine Zeit dafür. Ich gehe den anderen damit auf die Nerven, haha.

Du musst ja schon hunderte Songs geschrieben und aufgenommen haben. Kannst du alle auf Zuruf spielen?

Vielleicht 5% oder so. Ich muss meine Erinnerung ständig auffrischen, denn ich höre die Alben, an denen ich beteiligt bin, eigentlich nie.

Warum nicht?

Weil ich darauf zu hören bin. Das finde ich immer noch seltsam. So sehr ich das, was wir machen, auch liebe, so bin ich doch auch großer Musikfan und höre lieber die Platten anderer Musiker.

Hast du eigentlich inzwischen einen Facebook-Account?

Ja, aber nur, weil ich sonst keine IMPERIAL STATE ELECTRIC-Facebook-Seite haben könnte. Ich habe genau zwei Freunde, Dolf und Dregen, haha. Für private Dinge nutze ich Facebook nie, und selbst für die Band könnte ich mehr Zeit aufwenden und die Seite öfter updaten.

Ihr postet nie Persönliches. Du hast eben Dregen angesprochen, der ziemlich oft sehr private Dinge preisgibt und, was ich etwas befremdlich finde, regelmäßig Fotos und Videos seines Sohnes veröffentlicht.

Er ist das totale Gegenteil, ich weiß. Es ist nur meine persönliche Meinung, aber ich finde das wirklich sehr seltsam. Es scheint die aktuelle Agenda zu sein, das, was Leute heute so online tun. Ich finde es manchmal wirklich, nun ja, abstoßend. Ich verstehe das nicht und werde es nie tun. Ich weiß oft nicht, was ich posten sollte. Etwa „Heute haben wir wieder nichts Spektakuläres gemacht“ – soll ich so etwas veröffentlichen? Als ich anfing, Musik zu hören, hatten die Musiker und Bands immer etwas Mystisches, weil man kaum etwas über sie wusste. Heute will jeder immer alles sofort wissen, das nervt mich und es ist langweilig. Genau, wir wollen uns das Mystische bewahren, deshalb posten wir so selten etwas.

Abschließend eine Frage zu eurer Rockpalast-Show 2014. Wie kam es dazu?

Sie haben uns gefragt und wir konnten nicht anders als zusagen. Ich meine, der Rockpalast ist legendär. All die großen Bands wie CHEAP TRICK oder THIN LIZZY sind dort aufgetreten und wir fühlten uns wirklich geehrt, als sie uns fragten. Wir haben noch eine Show in Hamburg, glaube ich, dazu gebucht und sind für zwei Auftritte nach Deutschland gefahren.

Hast du noch so etwas wie Lampenfieber?

Nein, aber ich bin vor jedem Auftritt nervös und angespannt, aber bei der Rockpalast-Show war ich nicht nervöser als sonst auch. An die Kameras denke ich dann nicht.

Guntram Pintgen

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #128 (Oktober/November 2016)

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