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Interviews & Artikel

DORKS

Bayern-Punk

Der Name der Burghausener Punkband DIE DORKS geisterte schon länger in der Szene herum, auch durch ihr letztes Album „Duschen auf Staatskosten“, doch so richtig ins Bild rückt sich die seit zehn Jahren agierende Bayern-Punkband erst durch das bei Coretex Records erscheinende neue Album „Urlaub in der BRD“. Es wurde Zeit, die umtriebige wie begabte Sängerin Lizal ans Telefon zu holen.

Lizal, was sagst du zu Leuten, die euch erst beim fünften Album so richtig wahrgenommen haben? Welche Höhepunkte haben die versäumt?

Das ist schwer zu sagen. Ich denke, dass alles, was vor 2012 geschah, ganz nett war. Dann fand sich die jetzige Besetzung zusammen und seitdem geht es, wenn man es so sagen kann, recht professionell zu. Seither haben wir gute Musiker, die auch ihre Instrumente beherrschen. Das ist ja auch immer sehr wichtig, da die richtigen Leute zu finden. Wir hatten lange Zeit Probleme, auch etwa einen guten Bassisten zu bekommen. Jetzt haben wir mittlerweile den Dritten, also einen guten Verschleiß. Der Neue zum Beispiel ist eigentlich Gitarrist, doch wir fanden, dass er gut in die Band passt, und so sagten wir ihm, dass er nun Bass lernen müsse, und deswegen funktioniert das jetzt seit 2012. Seitdem kann man sich uns schon ganz gut anhören, haha. Wir sind ja nun auch zu sechst, weil Donald, der vorher schon die Grafiken machte und mich beim Texten unterstützte, an den Keyboards dazukam.

Was mir bei der neuen Platte auffiel, ist neben der Länge der CD auch die Vielfalt an Wortschöpfungen. Geht dir oder euch das so leicht von der Hand?

Das ist unterschiedlich, manchmal schreibe ich einen Text ganz schnell an einem Tag, wenn ich in der Laune bin. Oder es fällt mir auf der Autobahn eine Strophe ein, wo ich mir denke: Mensch, die passt doch jetzt zu diesem oder jenem Refrain.

Wie fällt denn die Vinylversion aus, fallen einige Songs aufgrund der Länge durchs Raster?

Da haben wir uns wegen der Spielzeit leider für ein paar Songs entscheiden müssen, weil die ja auch mit je vier, fünf Minuten für Punkrock sehr lang sind. Das geht beim Songschreiben eben auch oft so, dass wir noch eine schöne Bridge hier und ein Solo dort einbauen, was die Lieder dann auch so lang macht. Da steht nicht jeder drauf, aber wir machen das ganz gerne.

Hast du Angst, allzu schnell in die Schublade „Deutschpunk“ gesteckt zu werden, so dass potenzielle Hörer, auch aus anderen Szenen, deshalb abwinken könnten?

Ja, das gibt es durchaus. Der Begriff deutscher Punkrock ist ja inzwischen positiv behaftet, aber manche meinen schon, na ja DIE DORKS, ach Deutschpunk, das ist ja bestimmt asi und klingt bestimmt scheiße und das höre ich es mir erst gar nicht an. Aber es haben auch manche schon gesagt, die eher zufällig auf einem Gig von uns waren, das kann man sich ja doch anhören. Dann gibt es auch welche, die aus dem Metal kommen, die sagen: Mensch, ihr habt coole Texte und das fehlt mir im Metal manchmal, dass da eine Aussage drin ist. Mit unserer Ironie, siehe unser aktuelles Cover, kommen einige nicht gleich klar, aber es ist ja auch schön, wenn man das Ganze etwas geheimnisvoll gestaltet.

Ich frage das auch, weil Aussagen wie „ja primitive Völker machen mich so an“ in „Urlaub in der BRD“ oder Songtitel wie „Mein Freund und Sterbehelfer“ Publikum „aus der Mitte der Gesellschaft“ eventuell verschrecken könnten.

Das nehmen wir in Kauf, sonst würden wir diese Texte ja nicht machen, aber ich finde es immer wieder schön, dass auch normale Leute kommen und sagen: „Ich finde es musikalisch so gut, ich muss mir das bis zum Schluss anhören. Und eigentlich hast du mit deinem Text ja recht.“ Das will man ja auch als Punkrocker, denke ich, dass die Leute hellhörig werden, und dass man sie damit auf seine Seite zieht. Du machst es ja nicht nur für deine Szene, du machst es, damit du gesellschaftlich vielleicht irgendwen zum Denken anregst.

Gerade dieses Lied gegen die Polizei, resultiert das aus völlig verhärteten Fronten? Sind das eure Erfahrungen in Bayern, seid ihr quasi auf dem Weg zu amerikanischen Verhältnissen?

Das mit dem „Freund und Sterbehelfer“ ist ja wirklich hier passiert in Burghausen, wo die Polizei einen Kiffer auf offener Straße erschossen hat, weil er ein bisschen Gras verkauft hat und er sich nicht in Gewahrsam nehmen lassen wollte. Der lief halt weg, und anstatt auf die Füße zu zielen, haben sie ihm mitten auf der Straße einen „headshot“ verpasst. Nun ist er tot und seine Mutter, die wir vom Sehen her kennen, klagt eben noch auf ihr Recht. Das ist eine richtig derbe Geschichte. Das hat uns natürlich beschäftigt und wir dachten, wir müssten das in einem Song verarbeiten.

Du warst in deiner Jugend Sängerin volkstümlicher Schlager ... oder möchtest du darüber am liebsten nicht mehr reden?

Nee, ich finde das ja eigentlich witzig, ich meine, du bist ja nicht Punkrocker, seitdem du in die Windeln scheißt, das wirst du einfach mit den eigenen Erfahrungen, die du im Leben eben machst. Ich habe diese volkstümliche Schlagerszene kennen gelernt, und mitbekommen, wie oberflächlich das Ganze ist, da geht es ja viel um Kohle und Schein versus Sein, das war interessant. Ich glaube, das hat mich als Jugendliche doch ein bisschen geprägt, und da war für mich klar, nein, das willst du nicht.

Durch die Medien ging damals eure Zusammenarbeit mit einer volkstümlichen Bläsergruppe beim Song „Mir ham an Hoils“, also „Wir haben einen Hals“. Sind da Fortsetzungen geplant? Für das Spiel mit Provokationen scheint ihr ja geboren zu sein.

Der eine von denen war ja mal im Punk, und dann stellte er fest, na ja, dass es doch nicht so seins ist, aber man versteht sich noch von früher und dann haben wir den Song gemacht. Grundsätzlich haben wir wieder Bock, irgendetwas Krasses zu machen. Das können auch klassische Musiker sein, wenn es irgendwie passt, das zu verbinden, und die Attitüde dann passt und es auch textlich rüberkommt, warum nicht. Es ist interessant, weil es anders ist – und das ist im Grunde ja Punkrock!

Ist der Humor in euren Songs der Schlüssel für den Erfolg, und dass sich die Songs dadurch vom Schwarz-Weiß-Denken abheben?

Ja, klar, ich denke, es ist schon ganz wichtig, dass du unterschwellig immer ein wenig Ironie einbaust und auch immer darauf achtest, dass es nicht zu ernst wird. Es muss sich die Waage halten, dass man nicht mit einem Brett vor dem Kopf durch die Welt läuft. Wir sind ja alle nur Menschen. Das fehlt mir auch ein bisschen in der Szene, dass Ironie verstanden wird, und man bekommt schnell von allen Seiten Feuer, wenn man mal einen Witz bringt.

Diese Kategorisierungen sind manchmal schon heftig. Dieses Ablehnende gegenüber Deutschpunk und Fun-Punk verstehe ich nicht immer ...

Ich finde es albern. Das ist doch gerade das Schöne an einer Band, dass man sagt, die neue Platte klingt jetzt wieder anders als die alte, und da haben sie diese und jene Elemente drin. Ich könnte mir nicht vorstellen, dreißig Jahre nur dasselbe zu machen. Immer dieses Uffta-Uffta. Man muss doch immer mal etwas ausprobieren. So wie nun mit Donald, unserem Keyboarder, das war eher spontan. Er sagte plötzlich: „Na, ich kann ja Keyboard spielen.“ Und wir kannten uns schon vier Jahre. Da meinte ich: „Mensch, und das sagst du mir jetzt, hol dieses Scheißding und wir spielen!“ Jetzt hat er sich so eins zum Umhängen gekauft, sieht ein bisschen irre aus, wie aus den Achtzigern.

Kann man das als Punkband überhaupt, mit Lösungsvorschlägen in Songs aufwarten, oder ist bereits die Erinnerung an Missstände ein hehres Ziel?

Wir denken uns natürlich konkret etwas dabei, wenn wir einen Songtext schreiben, aber es sollte auch so sein, dass er die Hörer inspiriert, dass sie sich selbst etwas rausziehen können und selbst weiterdenken. Es sollte nicht irgendetwas Starres sein, sondern etwas, wo jeder Mensch eine Erkenntnis daraus ziehen kann.

Und wann bitte tretet ihr endlich gemeinsam mit Gerhard Polt auf?

Haha! Das wäre auf jeden Fall sehr geil, weil Gerhard Polt mögen wir sehr gerne, ich war auch mit meinem Bandkollegen bei seinem Auftritt hier in Burghausen, er hat einen klasse Humor. Ich denke mal, das würde vielleicht sogar ganz gut passen. DIE TOTEN HOSEN haben es ja auch schon gemacht. Wäre uns eine Ehre, Wahnsinn, man könnte ja ein Punk-Cabaret daraus machen ...

Markus Franz

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #129 (Dezember16/Januar17 2016)

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RED LONDON

RED LONDON sind Ikonen der britischen Oi!-/ Streetpunk-Szene. Sie gründeten sich 1981 in Sunderland in Nordost-England und sind beeinflusst von frühen Punkbands wie The Clash, Chelsea, The Ruts, Stiff Little Fingers, Angelic Upstarts, und The Ja ... mehr