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Interviews & Artikel

FRANK CARTER & THE RATTLESNAKES

Der schlafende Vulkan

Mit GALLOWS hat Frank Carter Häuser eingerissen, mit PURE LOVE Mädchen mit Sternen-Tattoos zum Tanzen gebracht. Seit zwei Jahren hat der Mann aus dem Speckgürtel von London eine neue Band am Start, FRANK CARTER & THE RATTLESNAKES, deren Debütalbum „Blossom“ 2015 erschien. Bereits beim zu diesem Anlass geführten damaligen Interview rissen wir Frank Carter morgens um acht unsanft aus dem Schlaf. Und auch beim Interview zum zweiten Album „Modern Ruin“ passiert dasselbe, aber der Mann bleibt dennoch immer souverän und freundlich.

Frank, habe ich dich etwa geweckt? Ich wollte mit dir ja über dein neues Album sprechen ...

Na klar, ich habe deinen Anruf erst in einigen Stunden erwartet, aber das passt schon.

„Modern Ruin“ ist ein sehr kraftvolles Album geworden. Ich hätte den Sound aber noch viel wütender erwartet.

Es ist ein sehr wütendes Album, aber die Wut ist viel subtiler als sonst. Die Wut steckt nicht in der Form, sondern im Inhalt. Für mich ging es schon immer darum, mein Publikum herauszufordern. Und ich wollte etwas abliefern, das komplex ist und viel Tiefe besitzt. Musik, die uns als Band erlaubt, so schnell zu wachsen wie möglich. Die Wut ist also noch da, sie ist nicht verschwunden.

Wenn du „Modern Ruin“ mit „Blossom“ vergleichst, wo ist der Unterschied?

Es gibt eine Menge Ähnlichkeiten, aber ich denke der Sound hat sich total verändert. Es hat jetzt mehr Tiefe und ist viel komplexer. Fakt ist, dass wir „Modern Ruin“ geschrieben haben, einen Monat nachdem „Blossom“ veröffentlicht wurde. Wir haben das Album im Januar 2016 aufgenommen. Die Songs sind also schon wieder eine Ewigkeit fertig und es liegen nur sechs Monate zwischen den Aufnahmen von „Blossom“ und „Modern Ruin“. Diese beiden Platten sind also fast in einem Arbeitsgang entstanden. Sie sind so kurz nacheinander entstanden, dass man sie fast als eine Veröffentlichung betrachten müsste.

Und warum kamen die beiden Alben so kurz hintereinander?

Ich musste das einfach machen. Ich hatte gar keine Wahl. Die Musik war da, die Songs waren da. Die mussten einfach raus. Und ich wusste, dass wir sehr beschäftigt sein würden. Es gab später im Jahr nicht mehr viele Gelegenheiten für Studiozeit, um einen Monat lang ein neues Album aufzunehmen. Wir sind ziemlich ausgebucht.

Im Oktober habt ihr eine Europatour gespielt, im November wart ihr in England unterwegs, im Dezember habt ihr ein paar Shows in Australien gespielt, im Januar und Februar 2017 tourt ihr wieder durch Europa zusammen mit BIFFY CLYRO und im März ist dann wieder das Vereinigte Königreich dran. Fast ohne Pausen.

Das ist wirklich ein bisschen viel. Das klingt natürlich verrückt, aber wir sind auch sehr glücklich damit. Es ist eine großartige Gelegenheit. Wir sind für alles dankbar, egal ob es unsere eigene Headliner-Tour ist, oder als Support einer anderen Band. Wir wollen einfach nur, dass die Leute unsere Musik hören können. Also nutzen wir einfach jede Gelegenheit.

Mit der neuen Band hast du auch dein eigenes Label gegründet. Was war der Grund dafür, hatte das auch mit den Erfahrungen von PURE LOVE zu tun?

Wir haben das Label eigentlich ins Leben gerufen, weil wir die Musik von anderen Bands veröffentlichen wollten, die uns gefallen. Aber die Realität zeigte dann: Wir haben unser Label gegründet, damit wir nicht mehr viele Fragen beantworten müssen, wenn wir unsere Musik herausbringen. Wir haben jetzt weniger Diskussionen über Artwork oder Inhalte. Wir wollten einfach volle Freiheit haben. Und der direkte Weg zur Freiheit ist, einfach alles selbst zu machen. Und ja, dieser Schritt war ganz sicher auch eine Reaktion darauf, was mit PURE LOVE passiert ist.

Warum hast du mit PURE LOVE nur ein Album aufgenommen und dann die Band wieder aufgelöst?

Wir sind von unserer Plattenfirma gedroppt worden. Wir hatten ein Management, das nicht wirklich etwas mit uns anfangen konnte. Wir haben in unterschiedlichen Ländern gelebt und es wurde immer schwerer, den Motor am Laufen zu halten. Es war Zeit, die Gitarre an den Nagel zu hängen.

Das heißt, du hast erst mal komplett mit der Musik aufgehört?

Ja, zu diesem Zeitpunkt schon. Ich war völlig desillusioniert, was die Musikindustrie betraf. Und ich dachte, es wäre erst mal wichtig, an meine Familie zu denken, und habe mir wieder einen Job als Tätowierer gesucht. Aber in diesem Jahr habe ich gemerkt, wie sehr ich Musik in meinem Leben brauche.

Dann hast du FRANK CARTER & THE RATTLESNAKES gegründet. Warum hast du die Band nicht einfach nur THE RATTLESNAKES genannt?

In der Vergangenheit war ich immer hinter Bandnamen versteckt, der Fokus war aber schon auf mich gerichtet. Egal, wen du nach GALLOWS oder PURE LOVE fragst: Jeder weiß sofort, dass ich bei diesen Projekten involviert war. Und alle sagen, die Alben dieser Bands, als ich noch dabei war, sind ihre liebsten. Mir ging es also jetzt darum, mich als Musiker besser zu präsentieren. Mir ist wichtig, dass die Leute mich als Künstler wahrnehmen. In meinen ehemaligen Bands hatte ich viel weniger Kontrolle als jetzt. Und ich möchte immer so viel Kontrolle wie möglich haben. Weil ich aber kein Instrument spielen kann, brauche ich immer irgendjemanden, der mir dabei hilft, die Songs zu schreiben. Mein Gitarrist Dean Richardson ist ein totales Genie, deshalb bin ich total glücklich, ihn an Bord zu haben. Du musst dir das also ungefähr so vorstellen: Ich bin Frank Carter und er ist THE RATTLESNAKES.

Als ich dich das erste Mal – damals noch als Frontmann von GALLOWS – wahrgenommen habe, war ich ziemlich eingeschüchtert von diesem wütenden, total tätowierten Mann. Jetzt erlebe ich dich ganz anders.

Natürlich habe ich mich verändert, ich bin jetzt zehn Jahre älter. Aber abseits der Bühne war ich schon immer ein ruhiger Typ. Inzwischen bin ich viel fokussierter und habe schon viel Erfahrung mit der Musikindustrie gesammelt. Und ich habe inzwischen viel mehr Respekt vor meiner Arbeit und meinen Fans. Bei GALLOWS war ich noch fast ein Kind und mit der Jugend ist eine gewisse Arroganz verbunden. Das habe ich inzwischen hinter mir gelassen. Du kannst einfach nicht mehr rumlaufen und die ganze Zeit Leute anbrüllen, irgendwann wird man eingebuchtet. Diese Facette von mir kannst du nur noch auf der Bühne erleben.

Du bist Vater geworden. Hat das auch zum Veränderungsprozess beigetragen?

Das hat natürlich noch mal alles verändert. Und zwar zum Besseren! Es ist harte Arbeit, Vater zu sein, aber gleichzeitig auch das großartigste Gefühl der ganzen Welt. Ich habe dadurch eine völlig neue Sicht auf die Welt bekommen. Ich mache mir natürlich viele Gedanken über Sachen, die meine Tochter durchleben muss. Ich bin mir mehr über Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen bewusst. Und es gibt mir gleichzeitig auch neue, wunderschöne Dinge, über die ich singen kann.

Als ich den Albumtitel „Modern Ruin“ gelesen habe, musste ich an den Brexit denken. Wie denkst du darüber?

Ich bin unglaublich enttäuscht. Es stellt in meinen Augen einen vielfachen Schritt zurück dar. Es ist eine mittelalterliche Art des Denkens. Und die Entscheidung wurde von einem Teil unserer Bevölkerung herbeigeführt, der viel älter ist als ich. Sie haben eine Wahl für zukünftige Generationen getroffen, deren Folgen sie selbst nicht mehr erleben werden. Sie wollten also ihr Leben verändern, aber viele dieser Leute werden sterben, bevor die Veränderungen eintreten werden. Es ist also eine Art Fluch der alten Leute.

Als du noch mit GALLOWS unterwegs warst, hat auch dein Bruder Steph in der Band gespielt, er hat sie inzwischen ebenfalls verlassen. Hast du jemals überlegt, wieder mit ihm gemeinsam Musik zu machen?

Ich denke die ganze Zeit darüber nach. Ich würde liebend gerne eines Tages wieder mit ihm Musik machen. Wenn ich in der Weihnachtszeit ein paar Tage zu Hause bin, arbeiten wir wahrscheinlich an ein paar Songs für seine neue Band GHOSTRIDERS IN THE SKY.

Und hast du dir jemals eine neue Platte von GALLOWS angehört, nachdem du ausgestiegen bist?

Nein, warum sollte ich? Ich bin stolz auf die Platten, die ich mit GALLOWS aufgenommen habe. Ich mochte die Musik nicht, die sie dann machen wollten, also habe ich die Band verlassen. Für mich ist es eine andere Band, obwohl sie noch den gleichen Namen hat. Für die Musik von GALLOWS interessiere ich mich nicht mehr.

Wolfram Hanke

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #130 (Februar/März 2017)

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