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Interviews & Artikel

MENZINGERS

Die Liebe in Zeiten der politischen Cholera

Epitaph hat sich in letzter Zeit mit seiner Metalcore-lastigen Ausrichtung und der Veröffentlichung von Bands, deren Musik gefühlt nur aus dem Gekreische präpubertärer Mädels und aufgeblasenem Synthesizersound besteht, nicht unbedingt nur Freunde bei LiebhaberInnen des gediegenen Punkrocks gemacht. Ein bisschen Gunst konnte das Label mit der Veröffentlichung der neuen DESCENDENTS-Platte schon zurückgewinnen, das gerade erschienene „After The Party“ der MENZINGERS aus Philadelphia sollte nun allerdings auch die restlichen KritikerInnen zum Schweigen bringen können. Es ist bereits das fünfte der gerade mal zehnjährigen Bandkarriere. Wir sprachen mit Gitarrist und Sänger Tom May.

Tom, die erste Zeile auf „After The Party“ lautet: „Everything is terrible“. Auch wenn der Song „20’s (Telling lies)“ gar nicht so schwermütig klingt wie viele eurer anderen Stücke, scheinen Nostalgie und Pessimismus doch wiederkehrende Motive bei euren Veröffentlichungen zu sein. Wird alles wirklich so schrecklich mit dem Alter?

Nein, natürlich ist nicht alles so schrecklich. Wir benutzen Aussagen wie diese und andere als Übertreibung und rhetorische Mittel – es ist eine Hyperbel. Jetzt, da wir älter sind, ist sogar einiges besser auf die eine oder andere Weise. Wir fühlen uns wohler in unserer Haut, und das, was uns das Leben gelehrt hat, hat uns viele neue Perspektiven eröffnet und uns unseren Weg gezeigt.

Eure Songs sind oft durch persönliche Innenansichten geprägt. Funktionieren sie für euch wie eine Therapie?

Das tun sie tatsächlich. Mehr noch hoffe ich aber, dass sie diese therapierende Wirkung auch für andere haben. Die Fähigkeit, Emotionen und Situationen mit denen anderer zu vergleichen, ist ein grundlegender Teil der menschlichen Sozialisation. Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Perspektiven, die es uns ermöglichen, unsere Gedanken und Gefühle zu sortieren. Wenn du dich mit anderen Menschen verbunden fühlst, egal ob ihr den gleichen Standpunkt vertretet oder nicht, kannst du dabei auch viel über dich selbst erfahren.

Bei Liedern wie „Charlie’s army“ oder auch „My friend Kyle“ vom 2014er Album „Rented World“ arbeitet ihr viel mit Namen. Sind Titel wie diese inspiriert durch Leute, die ihr kennt?

Einige Namen verweisen auf Leute, die wir kennen. Andere sind nur Personifikationen von Gedanken oder narrative Mittel. Durch die Verkörperung von Charakterzügen und Archetypen werden Geschichten stets kraftvoller. Es ist wie in der Literatur oder in Märchen, Archetypen werden eingesetzt, um die unterschiedlichsten Dinge zu repräsentieren, oft auch mit einem Augenzwinkern.

Was denkst du, ist der größte Unterschied zwischen deinem und Gregs Songwriting?

Ich glaube, ich tendiere dazu, um einiges abstrakter zu schreiben, während Greg die Fähigkeit hat, auf wunderschöne Weise literarische Geschichten zu erzählen. Allerdings gilt das für uns beide nicht immer.

Politische Themen sind eher schwer zu finden in euren Songs. In Zeiten politischer Unruhe wie heute, kommt mir das ungewöhnlich vor. Trump ist gewählter Präsident der USA, die politische Rechte kommt in Europa zu immer mehr Macht und im Mittleren Osten und an vielen anderen Orten der Welt herrschen Kriegszustände. Hat man da als Band, die immer mehr Publikum erreicht, nicht das Verlangen, sich zu positionieren?

Ich finde nicht, dass politische Inhalte bei uns kaum zu finden sind. Unser erstes Album ist hauptsächlich politisch und bis heute schreiben wir politische Songs. Mir scheint es auch, als wäre die politischen Unruhe damals viel stärker gewesen. Der Status quo hat sich in kürzester Zeit von populistischem Desinteresse und verborgener Herrschaft zu einer weltweiten Explosion von Nationalismus und Militarismus gewandelt. Wir mussten beobachten, wie Freunde und Familie in den Krieg geschickt wurden, wie neue Gesetze unsere bürgerlichen Freiheiten eingeschränkt haben und wie die kollektive Psyche der USA sich massiv geändert hat. Ich denke schon, dass es Wahrheiten gibt, die wir mit der Welt teilen sollten, durch Worte und Taten. Gleichzeitig gibt es in der Musikwelt aber auch massig aufgeblasene Selbstdarsteller. Es gibt Musiker, die einfach nicht viel wissen und trotzdem viel reden. Obwohl ich denke, dass wir gut informiert sind, was viele politische Themen angeht, und uns auch leidenschaftlich damit beschäftigen, sind wir trotzdem immer noch keine Politiker, Wirtschaftswissenschaftler oder Akademiker, sondern nur Musiker.

Befürchtet ihr, dass die überwiegende Emotionalität eurer Lieder dazu beitragen könnte, dass sich bei euren HörerInnen eine Art Eskapismus vor beispielsweise Problemen der sozialen Ungleichheit verstärkt?

Nein, das denke ich nicht. Unsere Lieder zu hören ist nicht mehr Flucht vor solchen Problemen, als es zum Beispiel das Essen einer Schüssel Nudeln, Fußball spielen oder eigentlich alles andere, was man tun könnte, wäre. Das würde ja implizieren, dass sich die Aushandlung eigener Lebenserfahrung, der Umgang mit Tragödien und die Beschäftigung mit sozialer Ungleichheit irgendwie ausschließen, wo sie eigentlich eng miteinander verknüpft sind. Es gibt viele Wege, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, und du kannst die Welt nicht verändern, wenn du nicht vorher dich selbst änderst. Wir hoffen, dass unsere Musik und unsere Konzerte den Menschen dabei unterstützen, mit sich selbst und ihren Problemen umzugehen. Sie soll auch dabei helfen, dass die Menschen einen Draht zueinander finden, denn das alleine ist die Basis von Liebe und Freundlichkeit, und wenn man das weiterdenkt, ebenfalls von sozialer Gleichheit und individueller Freiheit.

Du und Greg waren vor den MENZINGERS beide in Ska-Bands aktiv. Wie seid ihr dazu gekommen, jetzt diesen hochemotionalen und hymnischen Punkrock zu spielen?

Für uns und eigentlich überall in den USA und Großbritannien waren Punkrock und karibische Musik schon immer so was wie Stiefgeschwister. Als wir aufgewachsen sind waren das zum Beispiel Bands wie THE CLASH.

„After The Party“ ist nun das dritte Album, das ihr auf Epitaph veröffentlicht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass heutzutage sowohl Bands wie auch Plattenfirmen völlig austauschbar geworden sind. Gibt euch diese Beständigkeit die Möglichkeit, die Band zu sein, die ihr sein wollt?

Ja, unsere Beziehung zu Epitaph hat es uns auf jeden Fall ermöglicht, gute Arbeit zu leisten, wenn es darum geht, die Musik zu machen, die wir machen wollen. Sie waren uns eine große Hilfe bei unserem Werdegang. Wir kennen viele Bands die große Probleme mit ihren Labels hatten, mit so was hatten wir nie was zu tun. Epitaph hat uns viel Anlass dazu gegeben, an das Gute im Menschen zu glauben.

Als ich das erste Mal „Lookers“, eure erste Singleauskoppelung von „After The Party“ gehört habe, dachte ich: Das könnte auch im Radio laufen. Was würdet ihr davon halten?

„Lookers“ im Radio zu hören – das wäre fantastisch!

Im Musikvideo zu „Bad catholics“ beweist ihr euch auch als Band mit einem großartigen Sinn für Humor, nicht zu vergessen auch der Clip zu „I don’t wanna be an asshole anymore“. Wie viel davon ist wirklich euch zu verdanken?

Beim „Asshole“-Video waren wir tatsächlich nicht so stark am Produktionsprozess beteiligt. Whitey, der Regisseur, hatte sich das Ganze ausgedacht und es perfekt umgesetzt. Wir lieben das Video! Bei „Bad catholics“ haben wir uns das Konzept und einige Details ausgedacht. Viele der Statisten sind Freunde oder Familienmitglieder von uns. Der Regisseur Kevin Haus hat großartige Arbeit dabei geleistet, die Idee zu konkretisieren und am Ende alles zusammenzuführen.

Als ich euch das erste Mal live gesehen habe, war das in einem kleinen Keller in Frankfurt am Main vor schätzungsweise vierzig Leuten. Vermisst ihr das Spielen von Shows dieser Größenordnung?

Solche Shows spielen wir nicht mehr, in Europa sind sie manchmal schon noch kleiner, aber niemals so klein. Obwohl Shows dieser Größenordnung eine sehr intime und persönliche Atmosphäre besitzen, vermisse ich sie nicht wirklich. Das hat viel damit zu tun, dass wir viel Wert auf unseren Sound legen und die meisten kleinen Läden diesen nicht so gut bereitstellen können.

Gibt es eine Sache, von der ihr wollt, dass die Leute sie über „After The Party“ wissen?

Eigentlich nur, dass sie wissen, wie das Album klingt, nachdem man es vielleicht ein paar Dutzend Male gehört hat.

Sophie Brakemeier

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #131 (April/Mai 2017)

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