Interviews & Artikel : TURBOSTAAT :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

TURBOSTAAT

Keine einfache Aufgabe... Ich seh die Jungs schon schmunzeln... Zwei Stunden Gelaber während und nach dem Frühstück. Mit Kuh-Gemuhe und Vogelzwitschern auf ´nem scheiss billigen Diktiergerät... Und das geht dann in etwa so:

TURBOSTAAT, so heisst die neue Speerspitze deutscher Punkmucke. Tja. TURBOSTAAT lässt sich aber auch irgendwie nicht ohne ein bisschen pathetische Heldenpreisung beschreiben, also verdreht nicht gleich die Augen, ihr Penner! Die Jungs so grossartig wie die Labels, die da Schiffen & Rookie Rec. heissen, wie das Cover der Platte, die da "Flamingo" heisst. Vielleicht kennt auch noch wer die Bands, die vorher mit den jetzigen TURBOSTAAT-Leutchen bevölkert waren: UNABOMBER, EXIL und ZACK AHOI. Supernette, eben echte Menschen, mit Überzeugungen und der dazugehörigen Offenheit. Stets bereit, sich eine Sache von zwei Seiten anzukucken und zu beleuchten. Mit schönen Bildern in den Texten, die vieles sagen, nichts verraten und somit neugierig und nachdenklich machen. Much more P.C. als ich das sein will und kann, kommen die fünf Küstenmenschen aus Husum und Umgebung jedoch ohne Zeigefinger und Parolen aus. Ehrlich und entspannt. Der gemeine Küstenbewohner aus dem Klischeebuch, bloss in Punkrockisch eben. Was so positiv gemeint ist, wie nur eben geht! Ein entspanntes Gespräch wie gesagt, bei dem morgens, nach dem Konzert im Homburger AJZ auch Labelcheffe Olaf anwesend war. Es wurde viel und angeregt geredet und so spar ich mir noch mehr einleitendes Bla-Bla...

Test... Ich bin Punk und ich bin frei... (alle stimmen ein...), eins – zwo...
Yes. Dann einmal kurz vorstellen: Name und Auftrag bitte.


Marten: Ja hallo. Ich bin der Marten und ich spiel Gitarre und mein Auftrag ist, mich selbst glücklich zu machen.
Tobi: Hallooo. Ich bin Tobi und ich spiel Bass.
Roli: Ich bin der Roli, Gitarre.
Peter: Da reinsprechen, ja? Ähm, Peter, Schlagwerk.
Jan: Warte, mach ma Stop. Also so rum, ja? (alles lacht) Also ich bin der Jan und versuch immer mal so´n bisschen zu singen.

Wie lange seit ihr denn jetzt schon so unterwegs? Ihr scheint mir ja noch ganz entspannt zu sein...

Roli: Also gegründet haben wir uns im Januar ´99. Wir kamen alle eigentlich aus Husum, sind dann aber abgewandert nach Flensburg. Da gab´s halt auch immer ´ne Menge Leute, die so aus diesem Punkding kamen. Allerdings sind von denen die meisten auch weggegangen. Also dachten wir uns, eben die, die noch übrig waren: Da machen wir jetzt einfach das beste draus. Die hauen wir alle in eine Band und dann... tja, dann geht´s los!

Ich meinte eigentlich bloss, wie lange ihr momentan schon auf Tour seid... Aber sehr aufschlussreich. Und diese Band, das war dann so ´ne Allstarcombo der Daheimgebliebenen? Denn ihr habt´s ja letztlich ganz gut getroffen. Die Leute sind alle begeistert, dass mal wieder was brauchbares Deutschsprachiges gemacht wurde, nach dem ganzen Rock´n´Roll-Hype, England- und Ami-Streetpunk ist und wird irgenwie schon auch grösser und dann kommt ihr, glücklicherweise, mit sowas an...

Roli: Na ja, eigentlich können wir sowieso nix anderes machen als unser Ding. Weil wir es einfach nicht könnten. Wir könnten, denke ich, gar nicht hingehen und sagen: Wir spielen jetzt Rock´n´Roll, oder Emo oder wie das alles heisst... Das was wir spielen, ist das einzige was wir spielen können. Jeder andere Versuch würde einfach scheisse klingen. Jo. (Achselzucken) Die Frage hat sich nie jemand gestellt..
Peter: Meint: Wir haben uns zu keinem Zeitpunkt vorgenommen, so zu klingen, wie wir jetzt klingen. Haben kein Konzept. Fänd ich auch Scheisse, so läuft das einfach nicht.
Roli: Ja also, man wird ja, oder besser wir sind ja schon irgendwie von diesen sogenannten "Hamburger-Bands" sozialisiert, gar keine Frage. Man lässt halt schon mit einfliessen, womit man mehr oder weniger aufgewachsen ist. Aber dann ist es auch so, dass der Jan singt wie er singt, der kann da ja nicht gross was für...
Jan: ...Moment... (Schenkelklopf!)
Roli: ...ja und dann klingt das halt eben so... Und bevor du fragst: wir singen deutsch, weil, keine Ahnung!
Jan: Kann denn eigentlich jemand von uns englisch?
Marten: Also irgendwie nicht wirklich...

Ich hab mich gestern schon gewundert: Ihr habt euch ja scheinbar schon noch sehr lieb, obwohl ihr ja jetzt schon ´ne ganze Weile zusammen in dem Bus zusammengepfercht rumhängt...

Roli: Stimmt. Es kippt nicht um, sag ich mal...
Marten: Also ich bin auch sehr positiv überrascht.
Roli: Man mag sich ja auch von Haus aus irgendwie schon gerne, man findet dann auch in der Situation, auf relativ engem Raum über ´ne gewisse Zeit zusammen zu sein ´ne Lösung.

Also ihr hängt auch so recht oft und gerne miteinander rum...

Roli: Jaaa... Also wir haben schon zu Hause noch getrennte Betten...
Peter: Wir haben da zu Hause vor allem den Speicher in Husum, wo ich auch oft Konzerte gemacht habe und noch mache, und da kommt man denn schon zusammen und trifft sich.

Wenn ihr seit 1999 existiert, verwundert es doch, dass ihr erst jetzt zu Potte gekommen seid und mal ´nen Tonträger machen wolltet bzw. gemacht habt...

Roli: Ja wir haben schon relativ früh angefangen. Der Marten hat dann im Proberaum mit ´nem 8-Spur-Gerät Aufnahmen gemacht, auf Tapes, die der Peter im Speicher abgezwackt hat, also so Demos von Blues und Folk und Rockbands die wir damit überspielt haben, zum verschicken eben... Also in erster Linie haben wir die allerdings für uns selbst gemacht und die Restlichen haben wir dann immer für ´ne Mark bei Konzerten verkauft. Die fanden dann eigentlich auch reissenden Absatz. Hey! Fliege auf´m Mikro!

Hau ab, du Penner...! (Scheuch...)

Roli: Wir haben dann irgendwann mal ´n Cover dafür gebastelt und letztendlich gingen auch so an die 500 Stück davon weg. Dadurch haben wir dann die Produktion gestoppt, weil klar war, wir müssen jetzt doch irgendwann mal ´ne Platte machen. Später ging´s dann ab ins Studio und dann kam die Geschichte mit dem Olaf zustande, mit Schiffen.

Da gab´s doch aber auch noch was mit den Leuten von FREE YOURSELF und deren Label Buena Ventura Notes, die wollten doch auch mal die Platte mit euch machen.

Peter: Hey, du bist aber mal verdächtig gut informiert...

Tja, die Welt ist klein... und der gemeine Saarländer wird arg unterschätzt. Aber wie kam´s denn letztendlich, das mit Schiffen?

Peter: Olaf hat da eigentlich gar nicht den Anstoss gegeben. Eigentlich lief das über den Jürgen von Rookie Rec. Mit dem bzw. mit seiner Band KICK JONESES haben wir in Neumünster gespielt. Es hat ihm wohl gut gefallen und er kam auf uns zu. Der Olaf hatte uns auch mal angesprochen, nachdem wir mal im Hamburger Raum gespielt haben. Dann kam aber ´ne ganze Zeit lang nix mehr, sowohl von Olaf als auch vom Jürgen. Damals kam dann halt die FREE YOURSELF-Connection, also dass die was machen wollten. Wir haben dann auch überlegt, ob wir das machen sollen, dann kam allerdings das ganze wieder zu der ursprünglichen Kiste zurück, nachdem der Jürgen wohl den Olaf kontaktet hat und sagte, hey, komm, lass uns das mal machen. Passte uns auch irgendwie ganz gut, weil wir Olaf einfach auch gut kennen. Die Nähe dann auch, Hamburg – Husum... es passte halt.
Roli: Milto und die Jungs sind auch klasse, keine Frage. Die hätten sich da auch echt reingehängt, bin ich mir sicher. Aber eben die Nähe und es passte alles... Ich kann mich da nur wiederholen. Tat uns auch echt leid letzen Endes, aber so geht´s halt manchmal. Ich meine, Schiffen iss ja auch irgendwie, ich sag mal einfach ein Qualitätslabel und dann durch den Vertrieb von Flight13 und durch Schiffen eben auch Indigo, ist das schon ´ne Traumkonstellation.
Peter: Die Flight13-Connection kommt auch durch den Jürgen. Also Schiffen und Rookie Rec. haben´s produziert, Flight macht bloss, weil der Jürgen auch dort arbeitet, den Vertrieb.

Im Moment geht ja doch ziemlich was, äh, an der Küste. Wir hatten z.B. vor kurzem erst die CREETINS als auch MR. BURNS hier. Zwar andere Musik, aber doch Punk und auch aus dem hohen Norden.

Marten: Klar, was willste da oben auch sonst machen, als in ´ner Punkband zu spielen. Es ist einem eben langweilig, und dann..."

(Gelächter)

Klar. Es ist einem langweilig, ergo fängt man an, Punkmucke zu spielen und schon hat man als gelangweiltes Dorfkind ´nen Auftrag, oder wie?

Peter: (lacht) Ja neee... So unromantisch nu auch wieder nicht. Aber bei uns da oben gab´s immer Bands die zu anderen Bands wurden, neue Leute kommen dazu. Egal wo, Flensburg, Husum, sogar Eggernförde. Da geht und ging schon immer was... Das iss nicht erst seit kurzem so, das meinst du nur.

Wer schreibt denn, bzw. besser: schreibt bei euch einer die Songs? Habt ihr den grossen Banddiktator oder wird drauf los geschossen, nach dem Motto "Ich hab da ´n nettes Riff oder ´ne Idee für einen Text."?

Roli: Also beim Stichwort Banddiktator, hehe, ich denke da sollte Marten genannt werden.
Tobi: Also das entsteht schon alles im Proberaum, so nach und nach. Aber Marten ist der, der am Häufigsten mit Ideen ankommt. So mit Texten, oder irgendwelchen Fragmenten und darauf baut sich meistens alles auf.
Peter: Ja, es gibt schon jeder seinen Senf dazu, wir sind sicher nicht nur Erfüllungsgehilfen. Doch doch. Wenn Marten ´nen guten Tach hat, dürfen wir schon noch was mit einbringen... (lacht)

Wo haste die Texte her Marten?

Marten: Ja, äh, aus der Zeitung... (Gelächter)

Deshalb ist also eher depressiv und Mundwinkel runter gross?

Marten: Also ich weiss nicht, das Leben ist ja auch nicht immer bloss ´n Schneckenschubsen oder so... Ich kuck aber auch zugegebenermaßen mehr auf die Seiten im Leben, die mich _rgern. Ich bin eigentlich schon mehr so´n Nörgelhannes. Deswegen. Aber es sind meiner Ansicht nach auch total viele positive Sachen da drauf. Aber ich höre das echt oft. "Ach wie ist die so depressiv". Man könne sich die Platte fast nicht anhören bzw. antun. Alles was davor war, war dabei noch viel depressiver und viel schlimmer. Mittlerweile sind wir eigentlich endlich mal eine total positive Band. Positiv und auch kämpferisch. Liegt halt immer gerade daran, was mir so im Leben über den Weg läuft.

Zu dem Gefühl, das ihr nachgesagt bekommt, fällt mir dann auch der ewige Namedropping-Contest mit DACKELBLUT und MUFF POTTER ein. Nervt das, will man seine Eigenständigkeit nachgesagt bekommen oder findet man´s eher cool, da einem besagte Kapellen selber gut gefallen?

Marten: Mir ist das scheissegal. (lacht) Ist o.k., wenn die Leute diese Vergleiche brauchen oder sie ihnen helfen, dann sollen sie sie eben bringen. Natürlich, wenn man mit DACKELBLUT verglichen wird ist das für mich schon schmeichelhafter als mit 4PROMILLE verglichen zu werden. Ich selber seh diese Vergleiche bedingt nur so... Mir isses aber echt egal.

Dann klingelt irgendein Handy, verdammte schöne neue Welt, das Wiesent oder Hochlandrind oder Mufflon oder weiss der Geier was, 30 Meter weiter im Gehege röhrt wie Sau und mit dem Stichwort 4 PROMILLE beginnt eine angenehm offene Diskussion über P.C., Plattensammeln, Homosexualität, unpolitisch sein, E-Bay, Prinzipien haben, Toleranz, den Fettgehalt von Fleischwurst und den Sinn des Lebens. Wie von den Jungs erwartet, bin ich: a) nicht in der Lage, die folgende sehr lustige Stunde Bandmaterial textlich umzusetzen, und b) in der mich daraus rettenden Situation, von Cheffe ´ne Zeichenzahlbegrenzung zu haben.

Einzige Möglichkeit wäre, wir machen demnächst mal ´nen "Urlaub auffm Bauernhof: Mit TURBOSTAAT ´nen Talk am Start"- Beileger für´s Ox. Ansonsten 2x Superdanke dafür, dass ihr so seid wie ihr seid, bleibt so schön und bis dann.

Jörkk Mechenbier

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #45 (Dezember 2001/Januar/Februar 2002)

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