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Interviews & Artikel

CREEPSHOW

Der Tod vor der Haustür

Vier Jahre haben THE CREEPSHOW ihre Fans auf ein neues Album warten lassen. Jetzt ist „Death At Your Door“ da – und vereint einmal mehr die Stärken dieser kanadischen Band: Songs mit morbidem Anstrich und klasse Melodien gepaart mit Reminiszenzen an den Horror-Teil der Popkultur. Sängerin Kendalyn „Kenda“ Legaspi und Keyboarder Kristian „The Reverend McGinty“ Rowles erklärten uns, was sie so lange aufgehalten hat.

Death At My Door“, der Titel eures neuen Albums, passt scheinbar perfekt zum aktuellen Zustand der Welt: Terror, Attentate, ein unsäglicher US-Präsident, egomanische nordkoreanische und türkische Staatsführer, das Aufkeimen rechten Gedankenguts in den USA und Europa ... War das so auch beabsichtigt?

Ginty: Nein, eigentlich nicht, auch wenn das ein perfektes Timing gewesen wäre. Die Mehrzahl der Songs handelt von persönlichen Problemen, nicht von gesellschaftlichen. Vom Tod vor unserer eigenen Tür, im Kleinen also, nicht in dieser von dir angesprochenen großen Dimension. Die einzige Ausnahme ist „New kings“. Dieses Stück ist tatsächlich eines unserer wenigen politischen Lieder, das dieses Thema anschneidet.

Kenda: Eigentlich schade, dass das mit dem Titel nicht so gedacht war, haha. Das finde ich nämlich großartig und nun, wo du das gesagt hast, wünschte ich mir irgendwie, dass es genau darum gehen würde. Aber Ginty hat recht: Es geht wirklich darum, Kämpfe gegen sich selbst, gegen seine Vergangenheit und die Dinge zu führen, die man gerade durchmacht. Es sind Songs über den Versuch, die richtigen Entscheidungen zu treffen, die sich aber wie falsche anfühlen. Und falsche Entscheidungen – die können, metaphorisch gesehen, das Ende, den Tod bedeuten.

Ist „Death At My Door“ also so etwas wie ein Konzeptalbum?

Ginty: Nein, ich würde es nicht als Konzeptalbum bezeichnen. Wir haben noch nie ein richtiges Konzeptalbum gemacht – auch wenn alle unsere Alben definitiv ein bestimmtes, übergeordnetes Thema haben. Das ist wichtig und wir versuchen es immer zu schaffen, dass alle Songs einer Platte zu einem bestimmten Gefühl, zu einem besonderen Thema passen. Wenn das nicht so wäre, dann käme am Ende ein Album heraus, das sich wie ein zufälliges Durcheinander von Tönen oder Botschaften anfühlt und anhört.

Euer Vorgängeralbum „Life After Death“ wurde vor vier Jahren veröffentlicht. Ihr habt noch nie so viel Zeit zwischen zwei Platten verstreichen lassen. Was war der Grund dafür?

Ginty:[/b] Es lag daran, dass wir, mal wieder, zu viele Termine hatten. Sowohl private als auch berufliche. Es ist nun mal schwer Nein zu sagen, wenn man Shows spielen will und kann. Auch wenn diese Unfähigkeit zum Ablehnen eben bedeutet, dass wir eine neue Platte immer wieder aufschieben müssen.

Kenda: Wir waren einfach zu viel mit Touren und unseren anderen Jobs beschäftigt. Es ist eben schwierig, alle Bandmitglieder unter einen Hut zu bringen. Die Distanzen sind doch sehr groß: Einige wohnen in Toronto, einige sechs Autostunden entfernt in Montreal und ich in Hamilton.

Wie schreibt man da neue Musik?

Kenda: Jeder entwirft für sich Songskizzen und schickt sie den anderen per E-Mail, Sprachaufzeichnung und sonstigen Errungenschaften der modernen Technik zu. Und wenn wir auf Tour sind, diskutieren wir diese Ideen dann und arbeiteten gemeinsam daran. Es hat vielleicht eine Weile gedauert, aber wir haben viel Herzblut in diese Sache gesteckt und das hört man.

Ginty: Letztendlich haben wir „Death At Your Door“ sogar so schnell fertig gehabt wie kein anderes Album zuvor. Aufgrund des engen Terminplans mussten wir die Songs nämlich vor der Tour fertig haben, um sie hinterher nur noch final zu bearbeiten. Das bedeutete einerseits zwar, dass wir weniger Zeit im Studio hatten als sonst. Das verschaffte uns aber auch die Möglichkeit, die Songs über einen längeren Zeitraum hinweg schon einmal im Kopf durchgehen zu können. Wir waren am Ende besser vorbereitet.

Dann lasst uns mal auf ein paar dieser Songs eingehen. In „’Til death do us part“ geht es offensichtlich um Gewalt und Misshandlung im Kreise der Familie. Das ist harter Tobak.

Ginty: Ja. Denn genau darum geht es auch. Wie gesagt: Wir haben auf dieser Platte versucht, Probleme anzusprechen, die entweder wir selbst oder unsere Freunde durchlebt haben. Der Hintergrund ist ein realer. Und ich hoffe, die Leute da draußen können sich mit diesen Texten identifizieren – oder dank ihnen zumindest eventuelle Probleme ihrer eigenen Freunde besser verstehen.

Kenda: Das Wunderbare am Musikerdasein ist nun mal der Umstand, dass man nicht nur Songs schreiben kann, um sich selbst mit ihnen zu helfen, sondern auch, dass man mit seinen Songs die Stimme für andere erheben und für andere da sein kann. Darum geht es auf diesem Album: Sich mit jedem Menschen identifizieren zu können und Menschen wissen zu lassen, dass sie nicht allein sind.

„One foot in the grave“ könnte ein Lied über Süchtige sein. Ist es einer besonderen Person gewidmet?

Ginty: Also, wenn es einer bestimmten Person gewidmet wäre, dann könnte ich dir beim besten Willen nicht sagen, auf wen von uns allen das am besten zutreffen würde, haha. Aber im Ernst: Darum geht es zwar, aber der Song ist allgemein gehalten. Im Laufe der Jahre während unserer Touren haben wir zog Leute getroffen, auf die das, was Kenda da singt, zutrifft. Es geht also allgemein darum, wie Menschen ihr Leben gestalten und welche Entscheidungen – richtig oder falsch – sie treffen.

Als Musiker, der zur Horrorpunk- beziehungsweise Psychobilly-Szene zählt, kennt man sich mit Horror als Teil der Popkultur zwangsläufig gut aus. Welches sind eure Lieblingsfilme oder Lieblingsserien des Genres?

Ginty: In der Reihenfolge abnehmender Großartigkeit sind das bei mir: „Re-Animator“, die „Freitag der 13.“-Serie – bis auf den achten Teil – und der erste „Creepshow“-Film von Romero. Auf gar keinen Fall der zweite!

Kenda: Bei mir sind das „Nightmare On Elm Street“, „Freitag der 13.“ – und jeder gute Horrorfilm-Klassiker. „Die Dämonischen“ zum Beispiel. Oder „Psycho“. Überhaupt alle Filme von Alfred Hitchcock!

Würdet ihr es eigentlich wagen, eine Show abzublasen oder zu verkürzen, wenn ihr, sagen wir, die Chance hättet, die letzte Episode der letzten Staffel von „The Walking Dead“ exklusiv und vor allen anderen sehen zu können?

Ginty: Nein, niemals, haha! Keine Frage: Wir alle lieben „The Walking Dead“. Aber noch mehr lieben wir es, Konzerte zu geben.

Kenda: Auch ich sage: Nein! Wir würden keine Shows absagen. Für nichts und niemand. Wir würden dann eben notgedrungen warten, bis die Tour vorbei ist. Oder bis wir die Folge im Tourbus schauen könnten.

Was denkt ihr: Was ist der Grund dafür, dass die Horrorpunk-Szene als relativ kleine Szene nach wie vor derart lebendig ist?

Ginty: Ich denke, es ist wie mit vielen anderen Szenen und Subkulturen auch: Die Menschen, die ihr angehören, kümmern sich um sie und sind extrem leidenschaftlich dabei. Egal, ob es nun Konzertveranstalter sind, die ihre Lieblingsbands gerne buchen, oder die Fans, die so großzügig sind, diese Bands im Zweifelsfalle sogar bei sich zu Hause wohnen zu lassen – überall existiert diese große Zuneigung, Liebe und Empathie für die Szene und ihre Mitglieder. Und ich denke, das ist letztendlich genau das, was die Leute auch immer wieder anzieht und in die Clubs treibt. Diese Stimmung, diesen Zusammenhalt, den bekommt man nicht durch Popmusik- oder DJ-Stars vermittelt.

Was ist eigentlich mit eurem deutschen Gitarristen Daniel Flamm? Im Booklet zu „Death At Your Door“ wird er zwar als Beteiligter an dem ein oder anderen Song erwähnt, nicht aber als Bandmitglied?

Ginty: Zu seinem eigenen Glück ist Daniel einerseits einer der erfolgreichsten Songwriter in Deutschland. Andererseits macht in das unglücklicherweise für uns zu einem sehr, sehr beschäftigten Menschen. Zu beschäftigt eben, um regelmäßig mit uns unterwegs zu sein. Aber: Wir haben es ja immerhin geschafft, dass er noch ein weiteres Gitarrensolo für uns spielte, bevor das Album fertig war. Im Song „New kings“. Und das Wichtigste überhaupt: Er ist immer noch unser Freund und wir lieben ihn! Gitarre spielt für Daniel nun Chuck Coles, der uns auch bei den Nordamerikatourneen in den letzten drei Jahren begleitet hat. Wir kennen ihn schon ewig. Also passt es auch mit ihm perfekt.

Frank Weiffen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #134 (Oktober/November 2017)

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