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Interviews & Artikel

MELVINS

Alpträume, Klanglandschaften und Glitzerdrums

Die MELVINS können auch nach über drei Jahrzehnten ereignisreicher Bandgeschichte noch immer überraschen. Aktuell am Start: „A Walk With Love And Death“, das erste Doppelalbum der Bandgeschichte, unterteilt in „Death“ und „Love“. Während „Death“ ein richtiges MELVINS-Album ist, handelt es sich bei „Love“ um den Soundtrack zu einem Kurzfilm von Jesse Nieminen, zu dem es bisher aber nur einen Trailer gibt. Parallel dazu erschien mit „The Fickle Finger Of Fate“ auch das erste Full-Length-Solo-Album von Drummer Dale Crover. Wir hakten bei Dale nach.

Dale, die meisten kennen dich ausschließlich als Drummer, tatsächlich aber versuchst du dich immer gerne an anderen Instrumenten. Was hast du für „A Walk With Love And Death“ ausgetüftelt?

Tja, Drummer wollen immer was anderes als Schlagzeug spielen, schon irgendwie witzig, haha ... Allerdings habe ich auf diesem Album tatsächlich nicht wirklich viele andere Instrumente gespielt. Dieses Mal habe ich eher mit diversen Drumsounds herumprobiert. Ich habe mit verschiedenen Stimmungen experimentiert, verschiedenen Mute-Arten, verschiedenen Mikrofon-Settings und solchen Geschichten. Und das macht dieses Album im Vergleich zu den bisherigen in Sachen Schlagzeug auf jeden Fall zu etwas Besonderem. Ich spiele eine Menge unterschiedlicher Stile, teilweise habe ich auch gar keine Sticks verwendet, sondern nur diese Nylonschlagzeugbesen, die geben den Drums einen ganz anderen Sound.

Was allerdings nicht der einzige Punkt ist, der das Album zu etwas Speziellem macht.

Ja, das stimmt. Das Album besteht ja aus zwei Discs, eine mit Songs im tendenziell eher herkömmlichen Sinne und eine mit einer Art Filmsoundtrack, wobei der Score hier allerdings vor dem Film entstanden ist. Tatsächlich ist der Film noch immer nicht ganz fertig. Und diese zweite Disc ist auf jeden Fall wesentlich experimenteller, wir haben dafür viele Field Recordings verwendeten, haben mit Klangteppichen gearbeitet und anderen Dingen, die nicht notwendigerweise etwas mit klassischen Instrumenten zu tun haben, aus denen man aber eine irgendwie abgedrehte Klanglandschaft zusammenbasteln kann.

Klassisches Frickeln also. Bist du selbst Sammler von Musik-Equipment im weiteren und engeren Sinne?

Ja, ein bisschen schon. In den letzten zwanzig, dreißig Jahren hat sich da tatsächlich so manches angehäuft. Jetzt haben wir auch ein eigenes Aufnahmestudio plus meinen gesammelten Kram, massig Verstärker, viele Gitarren, Drums, Percussion und haufenweise Effektpedale, die sich während meiner Reisen durch die Welt so angesammelt haben, haha. Und die sind jetzt alle im Studio. Außerdem ist unser Haus-und-Hof-Tontechniker Toshi Kasai auch ein großer Musikequipment-Sammler und hat allen erdenklichen verrückten Kram. Er besitzt wirklich abgedrehte Instrumente, zum Beispiel dieses elektronische Harpsichord, das man auf einer unserer Platten hören kann, und endlos viele verschiedene Keyboards. Also haben wir eine ganze Menge Dinge, mit denen wir in unserem Studio herumspielen können. Bei manchen Songs könnte ich dir im Nachhinein nicht mal mehr sagen, was wir benutzt haben, weil es einfach eine Mischung aus allem Möglichen ist.

Das jüngste Exemplar deiner Sammlung?

Tja, was habe ich mir in letzter Zeit zugelegt? Weißt du, ich muss mich echt zurückhalten und mich zusammenreißen, damit ich nicht ständig neue Dinge in Musikläden kaufe. Zumindest keine Sachen, die ich nicht brauche, haha. Und das ist echt verdammt schwer, weil ich normalerweise, sobald ich etwas Cooles sehe, sofort zugreife. Aber ja, ich habe da ein paar schicke Drumsets, die ich mir vor kurzem zugelegt habe. Und ich brenne wirklich schon darauf, sie zu zeigen. Besonders das Drumset, das ich im Herbst mit nach Europa nehmen werde. Ein champagner-pinkfarbenes Drumset. Und nein, ich scheue mich nicht davor, ein pinkes Drumset zu spielen. Außerdem glitzert es ...

Siehst du dich selbst als Multi-Instrumentalist?

Ich sehe mich eher als Drummer, der gerne auch mal in anderen Instrumentenrevieren herumwildert, haha. Ich habe mir zum Beispiel einiges auf dem Piano beigebracht. Tatsächlich habe ich auf diesem Album wohl einige der ersten Pianoparts eingespielt, die ich selbst geschrieben habe, also das ist neu. Ich kann an vielen anderen Instrumenten ein bisschen was faken, aber die Drums sind und bleiben auf jeden Fall mein Hauptinstrument.

Wahrscheinlich hast du auch eine Menge deiner Spielsachen auf deinem bald erscheinenden ersten Solo-Album „The Fickle Finger Of Fate“ verwendet.

Oh ja, das habe ich. Die Hälfte der Platte besteht aus recht ungewöhnlichen Drumloops, die ich auf einem Cocktail-Drumkit eingespielt habe, das ist ein portables kleines Set, das du eigentlich fast überall aufbauen kannst. Das habe ich viel benutzt. Die Hälfte des Albums besteht aus diesen bizarren Drumbits, die andere Hälfte eher aus normalen Songs, die ich überwiegend auf der Gitarre geschrieben habe. Manche auch auf dem Bass, aber überwiegend auf der Gitarre. Der Aufnahmeprozess war ein ganz anderer als sonst, weil ja nur ich am Start war. Ich habe also mit den Gitarrenaufnahmen angefangen und dann die Drums eingespielt und drübergelegt. Und später erst den Rest. Das ist vielleicht eine komische Art, das durchzuziehen, andere Leute machen das mit Sicherheit auch nicht so. Aber es unterscheidet sich einfach wesentlich davon, etwas mit einer ganzen Band im Studio aufzunehmen. Seit ein paar Jahren mache ich schon gelegentlich Solo-Sachen, ein paar 7“s zum Beispiel. Mit QUI habe ich 2015 eine Split-7“ herausgebracht, „Big Uns/Shame On You“, dann die „United Fruit“-Single, erschienen 2014 auf Amphetamine Reptile, und 2016 die „Skin“-10“ auf Joyful Noise. Letztere ist eine handgefertigte 10“-Platte, die mit sechs Spindellöchern versehen ist und je nachdem, in welches Loch du diese Platte einsetzt, gibt es einen bestimmten Groove, den du ausschließlich über dieses Loch erzeugen kannst. Ganz schön verrückte Sache, das kann man nicht wirklich beschreiben, auf YouTube gibt es aber extra ein Anleitungsvideo dazu. Nach diesen Aufnahmen habe ich mich dann dazu entschlossen, ein komplettes eigenes Album herauszubringen.

Wer war außer dir noch an deiner Solo-Platte beteiligt?

Eigentlich fast ausschließlich ich und Toshi Kasai. Er hat die Keyboards eingespielt und war auch Co-Autor der Songs. Er hat viel Arbeit reingesteckt. Außerdem hat Steve McDonald von REDD KROSS, der seit anderthalb Jahren ja auch MELVINS-Bassist ist, bei ein paar Tracks mitgespielt. Er spielt diesen Höfner-Bass und hat dadurch eine Art Paul McCartney-Sound reingebracht, das hatte ich mir so gewünscht. Dann habe ich meinen Freund Dan Southwick, der seit über zwanzig Jahren bei ALTAMONT spielt, dazu bewegen können, den Bass-Part auf einigen Songs zu übernehmen und er hat außerdem auch ein paar Tracks co-geschrieben. Toshis Ehefrau hat ein bisschen gesungen, meine Tochter ein wenig Violine und Percussion gespielt und gesungen. Sie ist jetzt elf und taucht langsam nach und nach auch in die Musikwelt ein, sie hat ein wirklich gutes Ohr dafür.

Das dürfte insgesamt in jedem Fall weit weniger herausfordernd für den Hörer sein, als der „Love“-Teil des MELVINS-Albums. Wie würdest du diese zweite Disc beschreiben?

Sie ist sehr alptraumhaft, du solltest sie dir eher nicht allein im Dunkeln zu Gemüte führen. Sie ist herausfordernd, kann dich aber an einen anderen Ort tragen. Wo dieser Ort ist, weiß ich nicht, haha!

Wie seid ihr an „Love“ herangegangen, hattet ihr schon ein paar Spielereien in der Tasche und habt dann spontan entschieden, dass daraus ein Soundtrack werden soll?

Nein, wir hatten schon eine Idee, was wir machen wollten. Klar, einige Sachen, die wir verwendet haben, wurden vor einer langen Zeit aufgenommen, aber wir wussten damals schon, dass wir ein schräges Klanglandschaftsalbum aufnehmen wollten. Und jetzt haben wir das Ganze eben erst zusammengesetzt.

Im Vergleich zu „Love“ wirkt „Death“ fast zahm, weniger noisig, melodischer ...

Eigentlich sind die „Death“-Songs überwiegend schon recht düster. Aber das stimmt schon, „Love is really dark“, haha, und das gefällt mir.

Und ihr hattet auf „Death“ auch einige Gäste.

Das stimmt, ein paar. Joey Santiago zum Beispiel, den PIXIES-Gitarristen. Das klingt in Zusammenhang mit den MELVINS vielleicht komisch, aber er ist ein Freund von Buzz und der hat ihn dazu überredet, vorbeizukommen und ein bisschen Gitarre zu spielen, haha. Er war großartig, hat wirklich einen guten Job gemacht. Tom Hazelmyer von Amphetamine Reptile spielt ein paar Gitarrenparts, es sind tatsächlich einige Gäste dabei, aber die Mehrheit stammt schon vom Bandkern, Buzz, Steve und mir.

Ihr selbst seid ja auch an etlichen anderen Projekten beteiligt, du spielst beispielsweise bei CRYSTAL FAIRY, tourst mit REDD KROSS und FANTÔMAS. Ist das dein Weg, die Sache für dich selbst auch nach all den Jahren noch interessant zu halten?

Ich hatte einfach ein wenig Freizeit und diese Typen suchten nach einem Drummer. Aber meist führt schon allein die Tatsache, dass du Schlagzeuger bist, zwangsläufig zur Zusammenarbeit mit anderen Bands. Die meisten Schlagzeuger, die ich kenne, spielen in mehreren Bands. Also wenn du ein Instrument lernen willst, ist Schlagzeug eine gute Wahl, weil du immer Arbeit bekommst. Aber mal abgesehen davon sind REDD KROSS zum Beispiel eine Band, die ich schon sehr lange mag, ich habe sie das erste Mal vor dreißig Jahren live gesehen und fand sie wirklich großartig. Ich kann noch immer nicht glauben, dass ich jetzt selbst Teil dieser Band bin. Und wir werden sie mit den MELVINS nach Europa bringen, sie werden auch mit uns in Deutschland auftreten. Also werden Steve und ich jede Nacht Doppeljobs haben, das wird großartig!

Ist dir auch schon mal passiert, dass du mit einem von dir eigentlich geschätzten Musiker zusammengearbeitet hast und dann enttäuscht warst?

Wenn du meinst, dass derjenige anders war als erwartet, ja. Das ist schon ein paarmal passiert. Musiker gehören einfach zu den verschrobensten, schrulligsten Menschen der Welt. Natürlich gab es da schon mal Leute, bei denen die Zusammenarbeit frustrierend ausgefallen ist, weil sie eine etwas seltsame Attitüde an den Tag gelegt haben. Aber dann gab es umgekehrt auch viele, mit denen es hervorragend funktioniert hat und mit viel Spaß verbunden war, und mit denen wir dann auch noch später gerne weiter zusammengearbeitet haben. Gerade wenn es um Bassisten geht. Es gab Zeiten, in denen wir keinen offiziellen Bassisten haben wollten, weswegen wir abwechselnd unter anderem mit Steve, Jeff Pinkus, Jared Warren von BIG BUSINESS und Trevor Dunn zusammengearbeitet haben. Ich denke, alle diese Bassisten werden zu irgendeinem Zeitpunkt auch noch mal mit uns zusammenarbeiten, aber gerade jetzt ist unser Hauptbassist Steve McDonald.

Und jeder dieser Bassisten bringt ja irgendwie seinen eigenen Stil ein. Also ist das vielleicht auch ein Kniff, um die Sache frisch zu halten und die MELVINS stilistisch ein bisschen zu verändern, oder?

Sicherlich. Jeder geht ein wenig anders an die Sache heran, also auch an unsere Songs. Wenn wir mit jemandem zusammenarbeiten, schreiben wir nicht zu sehr vor, was er zu tun oder zu lassen hat. Wir wollen, dass er es auf seine Art spielt, so, wie er bestimmte Songs spielen will. Ja, das hält die Sache frisch. Aber überwiegend wollen wir das einfach ohne Pause am Laufen halten. Wir wollen keine Pause und mögen das, was wir tun. Wir machen gerne Platten. Nimm jedes Jahr eine Platte auf, geh auf Tour, mach etwas Neues. Wir müssten das nicht wirklich, aber wir wollen das.

Was würde dann passieren, wenn du – warum auch immer – dein Haus nicht mehr verlassen könntest?

Manchmal, wenn ich lange auf Tour war, komme ich nach Hause und will überhaupt nirgendwo mehr hingehen. Also würde das wohl in Ordnung gehen. Außerdem kommen immer viele Leute vorbei, mit denen ich in meinem Studio Musik machen kann. Aber gerade jetzt würde das nicht funktionieren, weil wir auf eine gigantische Welttournee gehen wollen. Die startet am 5. Juli und wird bis Mitte November dauern. Und im Oktober sind wir in Europa. Wir werden den Globus einmal komplett umrunden.

Klingt hart.

Ja, wenn du so etwas machst, solltest du im Vorfeld nicht großartig darüber nachdenken. Einfach rausgehen und loslegen!

Anke Kalau

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #134 (Oktober/November 2017)

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