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Interviews & Artikel

GIFT

Post-Suburban Modernists

Post-Punk-Ursuppe im Mod-Revival. Powerpop-Bräter, Tony Wilson als adretter Gentleman mit begehbarer Garderobe, die Höhe des Kragens macht den Unterschied aus. Was auf den ersten Blick als nicht stimmiges Puzzle mit 3.000 Teilen erscheinen mag, setzt sich im Falle von THE GIFT aus Nantes zu einem grandios stimmigen Gesamtwerk zusammen, das in seiner seiner ungewöhnlichen Herangehensweise die Pole JOY DIVISION und THE JAM, CURE und CHORDS nonchalant im Glory-Boys-Rahmen verbindet und die Kappen deines Plattendrehers schmelzen lässt. Julien, Sänger und Gitarrist, steht mir geduldig Rede und Antwort.

Julien, wie seid ihr mit THE GIFT auf die ungewöhnliche, in eurem Fall allerdings hervorragend funktionierende Idee gekommen, etwas so Gegensätzliches wie unterkühlte Post-Punk-Verzweiflung mit dem jugendlich-sorglosen Übermut des 79er Mod Revivals und früher UK-Powerpop-Bands zu kombinieren?


Die Songs sind letztendlich das Ergebnis der großen Bandbreite an Bands, die ich gehört und mit denen ich mich beschäftigt habe, während ich die Songs schrieb, was von FRUSTRATION, THE RIFLES und natürlich THE JAM auf der einen Seite bis hin zu GIRLS NAMES, MOTORAMA, ROYAL HEADACHE oder Morrissey auf der anderen Seite reicht. Darüber hinaus wollte ich unbedingt, dass sich THE GIFT deutlich von meiner anderen Band THE HEADLINERS unterscheiden, welche auf der letzten Platte einen großen und deutlichen Schritt hin zum Powerpop unternommen haben. Die Idee war, eine melancholische, vom urbanen Trübsinn verdorbene Atmosphäre zu schaffen, wofür sich Akkorde in Moll natürlich besonders anbieten, weil sie diesen speziellen düsteren Unterton entwickeln. Die Songs auf dem Album, die wie „Blank stare“ noch stärker von Powerpop beeinflusst sind, zählen tatsächlich zu den ältesten Songs von uns, die ich ganz am Anfang geschrieben habe.

Einige Stücke von THE JAM, die du ja auch gerade erwähnt hast, hatten durchaus ebenfalls diese Atmosphäre, „The butterfly collector“ oder „Strange town“ beispielsweise, wenngleich der Ausblick hier zuversichtlicher ausfällt. Wolltet ihr bewusst mehr Gewicht auf das Gegenteil legen, die Atmosphäre pessimistischer ausfallen lassen?

Nein, zumindest war das nicht meine ursprüngliche Intention, obwohl ich sicher manchmal dazu neige, meine pessimistische und zynische Seite über den verbleibenden Rest zu stellen. Melancholie muss aus meiner Sicht allerdings auch nicht unbedingt etwas Schlechtes sein, ganz im Gegenteil, in ihr kann man auch viel Schönheit finden. Sieh dir zum Beispiel die typische Architektur in unseren Vorstädten an, welche zwar alles andere als schön ist, die aber dennoch als Inspiration für Poesie dienen kann, weil es möglich ist, aus ihr Spannung zu beziehen.

Wie kann man aus deiner Sicht mit diesen beiden Seiten, die sich ja dann gegenseitig bedingen und ergänzen, umgehen, ohne wahnsinnig zu werden, ohne verloren zu gehen?

Ich denke, dass jeder schon einmal Depressionen erlebt oder unter Neurosen gelitten hat, denn die sogenannte moderne Welt, in der wir leben, produziert diese Gefühle ja. Musik ist für mich an dieser Stelle ein Ventil, um diesen Situationen zu entkommen und sie loszuwerden. Ein künstlerischer Weg, um sich damit auseinanderzusetzen und unsere Vorstellungen auszudrücken. Glücklicherweise schaffe ich es so, den Glauben nicht zu verlieren und mich auf die Dinge zu konzentrieren, die wirklich von Bedeutung sind: Meine Tochter, meine Frau, meine Freunde und natürlich der FC Nantes. An positiven Dingen wie diesen musst du festhalten, wenn du nicht völlig durchdrehen willst.

Anstatt sich mit solchen Themen zu beschäftigen, wird häufig lieber auf die Klischees und Traditionen der jeweiligen Subkultur gesetzt. Welche Rolle spielt das für euch?

Musik soll bewirken, dass du dich dabei wohlfühlst, und mir persönlich ist es egal, ob jemand nun über verlorene Liebe, seine Vespa oder Klamotten singt, denn jeder hat seine eigene Sichtweise und andere Prioritäten. Außerdem ist es natürlich auch wesentlich schwerer, gute Texte zu schreiben, wenn beispielsweise Englisch nicht deine Muttersprache ist. Unterschiedliche Stile zu mischen und die Klischees einmal beiseite zu stellen, halte ich trotzdem für eine wichtige Sache. Eine Tradition zu haben, zu wissen woher man kommt, und eine gemeinsame Sprache zu sprechen, ist enorm wichtig und wir sollten stolz auf die Subkultur sein, in der wir aufgewachsen sind und die uns geprägt hat. Bestimmte Diskussionen, wie die Frage, ob Lars Frederiksen nun das Recht hat, plötzlich ein Skinhead zu sein, halte ich allerdings für absolut lächerlich und überflüssig. Auch wenn jeder natürlich das Recht auf seine eigene Meinung zu solchen Dingen hat, sollten sich manche Leute aus der Punk-Szene vielleicht nicht wie die Ayatollahs aufführen, weil sie denken, sie hätten die alleinige Wahrheit gepachtet. Ich teile da lieber die Meinung und Vorstellung von John Lydon, der immer nur das getan hat, was er wollte, sowohl in seinem privaten Leben als auch in seinen Bands, denn schlussendlich bedeutet Punk vor allem, sein Leben nicht nach den Regeln anderer, sondern nach den eigenen und mit voller künstlerischer Freiheit zu leben.

Dirk Klotzbach

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #136 (Februar/März 2018)

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