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Interviews & Artikel

BLACKWATER

Aufgeben ist keine Option

Technisch versierten Black/Death-Metal mit klaren Absagen an Vaterland, Nation und Gesamtscheiße ohne Plattitüden musikalischer oder inhaltlicher Art gefällig? Dann bitte mal dringend das letztjährige Album „Weltgeist Corrupted“ des Kieler Abrisskommandos BLACKWATER auschecken. Gesprächspartner für dieses Interview ist Sänger Fabian.

Fabian, kannst du mal einen kurzen Abriss der Bandgeschichte geben und das Zustandekommen der derzeitigen Besetzung erklären? Wieso gab es so viele Line-up-Wechsel?


2008 hatten wir das erste Line-up zusammen, 2012 haben wir die EP „Founded On The Shambles“ veröffentlicht. Fünf Jahre später ist nun „Weltgeist Corrupted“ erschienen. Persönliche als auch musikalische Differenzen sowie veränderte Lebensumstände einzelner Mitglieder führten zu der Vielzahl von Besetzungswechseln. Aus den Anfangstagen bin nur noch ich am Start. Die Gitarrenfraktion mit Flo und Ozzy ist seit mehreren Jahren stabil, gleiches gilt für die Drums, die nun schon längere Zeit von Rico bearbeitet werden. Nach Roberts Ausstieg ist jetzt Till am Bass dabei.

Musstet ihr schon Leute ablehnen, weil sie technisch nicht fit genug waren, um bei BLACKWATER zu spielen?

Klar haben wir schon Leute abgelehnt, weil sie entweder nicht fit genug an ihren Instrumenten waren und/oder menschlich nicht passten. Beide Aspekte müssen bei uns zu gleichen Teilen stimmen – wäre sonst ja auch paradox, wer will sich schon in seiner Freizeit den Stress antun und zusammen mit musikalischen oder menschlichen Gurken in einer Band spielen?

Wie sieht euer musikalischer Background aus? Von Texten, Videos und Auftreten her würde ich euch als smarte Hardcore-Punk-Band einstufen, ihr spielt allerdings straight-up Tech-Black/Death Metal ...

Unsere musikalischen Wurzeln sind sehr unterschiedlich und reichen von Groove Metal über alle Formen von extremen Metal bis hin zu HipHop. Wir sind keine Szenetypen, das ist uns zu engstirnig. Und ja, da hast du sicherlich recht, für konservative Metaller mögen wir zu sehr Hardcore und für einige Hardcore-Fans zu viel Metal sein – wir sitzen sozusagen zwischen den Stühlen. Bezüglich der Texte nur so viel: Ja, mag sein, dass sie Hardcore-lastig sind – zumindest greifen sie viele Dinge auf, die unseren Umgang mit uns selbst thematisieren. Schön, wenn sich die eine oder andere Person damit beschäftigt.

Ich kam auf die Frage mit dem Background, weil euch gerade diese Mischung so interessant macht. Würdest du mir zustimmen, dass im Black/Death-Metal-Bereich überproportional viele Deppen und politisch verwirrte Menschen herumlaufen?

Sagen wir es mal so: Im Gegensatz zu Hardcore/Punk oder anderen Musikrichtungen beziehungsweise Subkulturen, die in ihren Ursprüngen politisch motiviert sind, ist extremer Metal, also Death und Black Metal, ja nicht wirklich politisch verwurzelt, sondern war oder ist eher Zeichen einer „allgemeinen“ Rebellion, die zu erheblichen Teilen von reiner Provokation lebt. Vielleicht fallen dadurch die Deppen und verwirrten Menschen mehr auf. Ansonsten ist es wohl, so wie in fast jeder anderen Musikrichtung auch, ein Querschnitt der Gesellschaft inklusive der erwähnten Idioten als auch Nicht-Idioten.

Diskutiert ihr die Themen der Texte innerhalb der Band?

Ja, das tun wir. Alle geben ihren Senf dazu, wobei wir Texter – Flo, ehemals Robert, ich – uns am detailliertesten darüber austauschen.

Bekommt ihr auch negative Reaktionen auf Textzeilen wie „Deppen und Schweine / Unreflektierter Mob / Der deutsche Stammtisch / Halt die Fresse!“?

Bisher noch nicht. Falls wir mal mit negativen Reaktionen diesbezüglich konfrontiert werden sollten, dann ist es eben so. Wir haben uns mit diesem Song klar gegen völkische Tendenzen, Nationalstolz und faschistische Ressentiments positioniert.

Engagiert ihr euch außerhalb der Band in irgendeiner Weise politisch? Für wie wichtig stuft ihr ein solches Engagement in der gegenwärtigen Situation ein?

Neben der Band engagieren wir uns nicht aktiv, wir machen jedoch auch sonst keinen Hehl daraus, was wir für richtig und was für falsch halten. Eine begründete, klare Positionierung, verbunden mit einer argumentativen Widerlegung von dämlichen, weil schlichtweg falschen oder diskriminierenden Ansichten halten wir für sinnvoll. Jedoch sei angemerkt, dass es nicht immer möglich ist, Menschen durch gehaltvolle Argumente zu überzeugen – das ist dann ein Kampf gegen Windmühlen. Aber Aufgeben ist trotzdem keine Option. Was Engagement betrifft, es ist zwar nicht gerade imagefördernd als Frontmann einer Extreme-Metal-Band so etwas zu sagen, aber ich tu’s trotzdem: Alles, was dazu führt, dass wir respektvoller, toleranter und weniger arglistig miteinander umgehen, sollte als wertvoll und wichtig betrachtet werden.

Wie ist das Feedback auf „Weltgeist Corrupted“ bislang? Wie zufrieden seid ihr mit dem Album?

Der Großteil der Reaktionen ist sehr positiv. Natürlich gibt’s da aber auch Nichtgefallen oder totale Ablehnung. Zur Zeit der Aufnahme war es das Maximum, was wir rausholen konnten. Retrospektiv betrachtet hätte man natürlich hier und da noch etwas optimieren können.

Euer Drummer sieht ja in den Videos immer ziemlich entspannt aus. Geht ihr vom technischen Aspekt her auch mal an eure Grenzen beziehungsweise darüber hinaus oder war das Einspielen von „Weltgeist Corrupted“ ein Spaziergang?

Frag mich nicht, wie er das macht, aber ich habe auch immer das Gefühl, dass es für Rico kein großes Thema ist, 45 Minuten bei 260 bpm durchzublasten. Das Aufnehmen war definitiv kein Spaziergang. Oliver Carell von Blast Beat Productions kennt jetzt alle unsere dunklen Geheimnisse und kann mit Sicherheit ein Lied von unserem spielerischen Dilettantismus singen! Klar gingen wir in unseren Anfangstagen über unsere eigenen technischen Grenzen hinaus und haben teilweise Songs geschrieben, die wir gefühlt jahrelang üben mussten, um sie halbwegs spielen zu können. Mittlerweile ist das aber nicht mehr so. Um es zusammenzufassen: In puncto Songwriting gehen wir nicht über unsere technischen Fähigkeiten hinaus, live aber durchaus mal über die Grenzen unsere Kondition. Verschleiß muss eben sein.

Was sind eure mittel- und langfristigen Ziele mit der Band?

Wir wollen weiterhin Musik schreiben, mit der wir zu 100% zufrieden sind und die wir dann hoffentlich in nicht so langen Abständen veröffentlichen können. Daher fangen wir auch gerade mit neuem Material an, in der Hoffnung zeiteffizienter zu arbeiten. Wenn dann noch schöne Gigs dazukommen, umso besser.

Wird es mit fortschreitendem Alter – wie alt seid ihr eigentlich, verdammt? – für euch leichter oder schwerer, eure Ziele mit der Band umzusetzen? Stichwort: neue Lebensumstände und Verpflichtungen. Stichwort: Entkoppelung von der Szene.

Es wird definitiv schwieriger durch die von dir genannten Faktoren. Ein Vorteil haben wir allerdings: Wir waren wohl nie Bestandteil einer Szene, sondern haben bisher immer unser eigenes Ding gemacht, daher können wir uns von genannter Szene gar nicht entkoppeln und einfach weitermachen. Und was das Alter betrifft: Wir bewegen uns alle zwischen 25 und 35 Jahren.

Setzt du dir da eigentlich eine Grenze, indem du sagst, mit 38, 40 oder 45 kann ich nicht mehr headbangend auf der Bühne stehen, oder gibt es in der extremen Musik – wie ich vermute und im Gegensatz zum Jugendfetisch der Punk/Hardcore-Szene – tatsächlich so etwas wie ein „Altern in Würde“?

Ich setze mir selbst keine Grenze. Man könnte natürlich sagen, dass man es noch tut, solange es sich gut anfühlt und man die Nerven dafür hat, aber so einfach ist es nicht! Ich finde kaum etwas so peinlich, wie alte Daddys oder Muttis, die mit zunehmenden Alter nach erfolgreichem Copingprozess der Midlife-Crisis noch mal meinen, jetzt richtig losrocken zu müssen – spießig bis ins Mark, aber am Wochenende noch mal den vermeintlichen Rocker raushängen lassen ... Kurzum: Authentizität ist für mich entscheidend, Jugendfetische interessieren mich nicht, allerdings werde ich das mit Sicherheit nicht ewig machen.

Wie wär’s zum Abschluss noch mit eurer aktuellen Top-Five-Liste?

Fabian:
NIGHTMARER „Cacophony Of Terror“, BATUSHKA „Litourgiya“, ALTARAGE „Endinghent“, WATAIN „Trident Wolf Eclipse“, PORTAL „ION“.

Till: ANCST alles, AUDIO88 & YASSIN „Die Herrengedecke“, ABSOLUTUM „I“, ALCEST „Kodama“, DAWN RAY’D „The Unlawful Assembly“.

Daniel von der Ohe

Daniel von der Ohe

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #137 (April/Mai 2018)

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