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Interviews & Artikel

COSMIC PSYCHOS

Leckere Großmaulsuppe

1982 wurde die Band im australischen Melbourne gegründet, und was Knorpelfische in der Tierwelt sind – lebende Fossilien –, sind die COSMIC PSYCHOS in der Musikwelt. In Kürze erscheint auf Subway Records aus Wuppertal ihr zehntes Album „Loudmouth Soup“, und auch wenn von der Ur-Besetzung nur noch Sänger und Gitarrist Ross Knight dabei ist, hat sich am brachialen, simplen Punkrock-Sound des Aussie-Trios doch nichts geändert seit damals. Ich unterhielt mich mit Ross über Bulldozer, Bier und Landwirtschaft. Ach ja, stattfinden musste dieses Interview via Telefon. Geplant war Skype, aber Ross’ Frau hatte Spätschicht und vergessen, ihrem Mann den Computer einzuschalten ... Man kann eben nicht alles können.

Ross, mein Tag fängt gerade an, deiner ist schon vorbei. Was hast du heute gemacht auf deiner Farm?


Die Sonne ist gerade untergegangen, es sind angenehme 25 Grad, und ich hatte einen guten Tag, habe mit dem Bulldozer gearbeitet und die Vögel aus meinen Weinreben verscheucht, denn bald beginnt die Ernte. Das war’s auch schon, ein ganz normaler Tag auf der Farm.

Was für Weinreben baust du an?

Ich habe mit dem Weinbau in den frühen Neunzigern begonnen. Ich mache selbst keinen Wein, ich baue nur die Trauben an, und es war damals eine kluge Entscheidung, auf Diversifizierung zu setzen, denn damals war mit Rinderzucht kein Geld mehr zu verdienen. Weinbau ist sehr arbeitsintensiv und viel Geld ist damit auch nicht zu machen, aber immerhin ist Wein ein schöner Anblick. Wenn hier im Sommer alles braun und trocken ist, schaue ich über meine grünen Weinreben. Ich habe ungefähr 10.000 Rebstöcke, und ... Hauptsache, ich habe was zu tun. Und um auf deine Frage zu kommen: Ich baue Shiraz, Merlot, Sémillon und Riesling an.

Zum Weintrinker hat dich das aber bislang nicht gemacht, oder?

Nein, das mache ich nur aus wirtschaftlichen Gründen. Drei oder vier Jahre, nachdem ich mit dem Weinbau begonnen hatte, stellte mir die Kellerei, die mir die Trauben abkauft, eine ganze Ladung Flaschen vor die Tür, und ich dachte mir, wenn ich die Reben schon gepflanzt und die Trauben geerntet habe, kann ich das Zeug auch trinken. Na, ich habe wohl zu viel erwischt, ich kann mich an drei Tage meines Lebens nicht mehr erinnern, also ließ ich den Wein gleich wieder bleiben und blieb beim Bier. Okay, hin und wieder weiß ich ein Gläschen Wein auch zu schätzen, aber letztlich bin ich ein Bier-Mann, durch und durch.

Auf dem Cover des 1989er Albums „Go The Hack“ ist dein Bulldozer zu sehen, auf den Bandfotos zum neuen Album auch, ebenso im Video zu „Feeling average“. Das hat ja fast schon was von einem Fetisch. Warum immer dieser Bulldozer?

Ich liebe meinen Bulldozer! Jeder kleine Junge spielt doch im Sandkasten gerne mit einem Bulldozer, träumt davon mal so ein Ding zu fahren. Und ich bin im Herzen eben immer noch dieser kleine Junge. Wenn ich auf dem Bulldozer sitze, ist das Zeit, die nur mir gehört, und das ist gut. Ich bin gern allein und arbeite sehr abgelegen auf dem Land, meilenweit von den nächsten Menschen entfernt und ohne Handy-Empfang. Der Klang des Motors, die ständigen Vibrationen, die sind ein gutes Gefühl. Das ist für mich die optimale Umgebung, um mir neue Lieder für die Band auszudenken. Und so liebe ich es einfach Bulldozer zu fahren.

Ist der Bulldozer auf dem aktuellen Foto derselbe wie auf „Go The Hack“?

Den von „Go The Hack“ habe ich mittlerweile verkauft, aber den aktuellen, der auch in der COSMIC PSYCHOS-Doku zu sehen ist, den habe ich seit rund 20 Jahren. Das ist meine Liebling, der „lebt“ auf der Farm. Ich habe aber auch noch ein paar andere, moderne Bulldozer, aber die haben für meinen Geschmack zu viel Technik, auch wenn sie bequemer sind. Den vom Foto aber werde ich für immer behalten. Es ist ein Caterpillar 955L aus einer Zeit, als Bulldozer, genauso wie Traktoren, noch einfach gebaut waren. Keine Computer, nur eine Anzeige für Temperatur und Tank, mehr ist da nicht. Ein simples und langsames Gerät, aber es ist angenehm, damit zu arbeiten.

Kannst du so was auch selbst reparieren?

Genau das ist mein Argument für die alten Maschinen. Ich bin kein Genie, was Reparaturen betrifft: Some people are born to fix things, some people are born to fuck things – ich bin der Typ, der alles kaputt kriegt, haha. Und deshalb mag ich den alten Bulldozer, mit einem Hammer und ein paar Schraubenschlüsseln kommt man da schon recht weit. Genauso halte ich es mit meinem Auto. Mein alter Pick-up ist simpel, hat schon 600.000 Kilometer runter, aber da kann ich auch mal was selber machen. Ich bin glücklich damit, in der Vergangenheit zu leben – mein Mobiltelefon taugt auch nur zum Telefonieren oder SMS schreiben. Empfang habe ich hier draußen ja sowieso kaum.

Dennoch heißt es ja, dass moderne Technik mit GPS und Dronen und Computern die Arbeit von Bauern erleichtern könne und viele Chancen biete.

Das ist ganz schön erstaunlich, was da mittlerweile geht, und ich habe Freunde, die mit so was arbeiten – Maschinen, die exakt bestimmen, wie tief die Samen in die Erde gesteckt werden und all so was. Und moderne Bulldozer haben auch GPS und all so was. Da kannst du dann quasi jeden reinsetzen, um den zu fahren, denn alles wird von einem verdammte Satelliten gesteuert oder so. Ich nutze so was aber nicht, ich verlasse mich auf mein Augenmaß und mein Gefühl. Mein Punkt ist: Was machen wir, wenn all die Satelliten vom Himmel fallen? Dann sind wir alle aufgeschmissen! Dann bin ich der Einzige, der seine Arbeit noch mit seinen Händen verrichten kann. Ich bin einfach nicht gerne abhängig von Dingen, die ich nicht sehen kann. Klar, ich sehe die Vorteile und Fortschritte für Farmer. Aber ich muss auch fragen: Müssen wir uns immer weiterentwickeln? Können wir nicht einfach glücklich sein, wie es ist?

Eine perfekte Überleitung zu eurer Musik, über die man genau das sagen kann: Warum sollte sich ein Band weiterentwickeln, wenn alles gut ist, wie es ist? Erfreulicherweise habt ihr mir mit dem neuen Album musikalische Weiterentwicklung einmal mehr erspart.

Danke! Und wahrscheinlich haben sich meine musikalischen Fähigkeiten über die Jahre nicht mal verbessert. Ich habe bei Null angefangen, und wahrscheinlich bin ich heute unter Null. Was ich kann, habe ich mir selbst beigebracht. Ich kann nur eine Art von Musik. Von klein auf habe ich aber Bands gemocht, die ihren eigenen Stil hatten. Wenn du einen AC/DC-Song hörst, weißt du einfach sofort, mit wem du es zu tun hast, genau wie bei MOTÖRHEAD oder RAMONES. Ich vergleiche uns nicht mit denen, aber vielleicht haben wir ja auch so einen eigenen Sound geschaffen. Ich mag die Einfachheit von solcher Musik, und dass diese Bands sich entschlossen hatten, ihr eigenes Ding zu machen und daran festzuhalten. Und bei mir war das auch weniger eine bewusste Entscheidung, sondern wurde durch meine musikalischen Fähigkeiten bestimmt. Ich bin glücklich damit und schaffe es irgendwie, mit den immer gleichen Akkorden auch mal neue Songs zu machen.

Ist das eine Generationenfrage? Junge Musiker scheinen oft zu glauben, ihre Musik sei umso besser, je mehr Technik und Effekte sie einsetzen.

Ich finde, damit kann man sich in sich selbst verlieren. Ich habe meinen Wah Wah-Effekt und meinen Fuzz-Pedal, ich habe also nichts gegen Effekte, aber man sollte sich nie zu viel Gedanken um so was machen. Ansonsten soll jeder machen, was er will – stell dir einen halben Kilometer Pedale hin, wenn du meinst, du brauchst das. Mir reicht ein Fuzz-Pedal und ein Sixpack Bier.

Womit wir bei eurem wundervollen Video zu „Feeling average“ wären ... Jüngere Menschen, die das gesehen haben, fragten sich nach dem Anschauen, warum Typen im Alter ihrer Eltern so was tun ...

Hahahaha! Das ist das Schöne an den COSMIC PSYCHOS: Wenn ich morgens aufwache, glaube ich immer noch, ich sei zwischen 17 und 21 – bis ich dann mein Gesicht im Spiegel sehe und merke, wie verdammt alt ich bin. Im Herzen bin ich jung geblieben, und nur weil du alt bist, musst du dich ja nicht so verhalten. Abgesehen davon bin ich auch Vater und liebe meine Kinder und muss unglücklicherweise manchmal auch richtig vernünftig sein. Es kommt schon mal vor, dass bei einem Konzert von einem jungen Besucher der Satz kommt, ich sei ja älter als sein Vater. Ich frage dann, was sein Vater denn so treibt. Heißt es dann „Eigentlich nichts“, sage ich, der solle seinen Arsch hochkriegen und irgendwas machen. Diese Band macht mir einfach Spaß und es ist mir egal, was irgendwer darüber denkt.

Worum geht es in „Feeling average“? Und wie fühlt man sich „durchschnittlich“?

Nicht gut. Verkatert. Das sagen wir immer so, und ich habe das in meinem Leben doch schon ein paar Male erlebt ... Und jeder, der hin und wieder mal einen Drink genießt, kennt das, wenn man dann am nächsten Morgen aufwacht und sich eher so „durchschnittlich“ fühlt, hahaha. Das ist dann auch immer meine Antwort an so einem Morgen: „Ross, wie geht’s?“ „Ooooh, a bit average ...“ Besser wird es dann meist gegen Nachmittag wieder, wenn man sich das erste Bier aufmacht. Und ich dachte mir, mit dieser ständig wiederholten Zeile „I’m feeling average“ kann man einen netten Song daraus machen, den sich Menschen, die sich gerade „average“ fühlen, vorsingen können – und vielleicht fühlen sich dann etwas besser.

„100 cans of beer“ heißt der Opener. Gib zu, das ist eine Übertreibung, niemand kann 100 Dosen Bier trinken.

Na klar kann man das! Okay, es ist eine kleine Übertreibung, aber zu behaupten, in den nächsten 50 Jahren würden Menschen auf dem Mars landen, ist doch auch eine! Aber um genau zu sein lautet der Text: „A hundred cans of beer at my feet / You known it has been a good week.“ Also in einer Woche kann man das schaffen, oder?

Hm, ich weiß nicht so recht ... Mit Bier kann ich mich nicht mehr betrinken, vor allem nicht mit der ganzen „Fernsehbier“-Pisse, die man in den Clubs bekommt. Da fühle ich mich schon am gleichen Abend „average“.

You gotta chose your poison. Man muss sein „Gift“ gut wählen, das stimmt. Gesundheitlich ist bei mir alles in Ordnung – Leber, Niere, Blutdruck –, aber ich habe mich mittlerweile für ein kohlenhydratreduziertes Bier entschieden, das bläht mich nicht so auf. Allerdings schmeckt es auch nicht besonders ... Ich freue mich immer auf das Bier in Europa, ihr habt so eine gute Auswahl, gerade auch in Deutschland – das schmeckt überall verschieden, das mag ich. Ich bevorzuge das Bier kleiner Brauereien. Und mein Typ: Zu Bier auch immer viel Wasser trinken, das verhindert, dass du dehydrierst. Und dann geht es dir auch am nächsten Tag gut.

Trinkst du tagsüber, während der Arbeit, auch Bier? Oder nur zum Feierabend?

Nein. Ich arbeite mit meinem Bulldozer ja auch für andere – hebe ein Wasserbecken aus oder baue einen Damm und all so was. Und wenn mich jemand für meine Arbeit bezahlt, muss ich gute Arbeit leisten und trinke nichts. Erst auf dem Weg nach Hause. Außerdem mache ich ja auch noch viel Sport, bin immer noch Gewichtheber. Und ich spiele Fußball. Das Laufen habe ich aber aufgegeben, bis auf ein bisschen Jogging. Nach zwei Stunden Sport trinke ich dann vier Stunden, hahaha. Ying und Yang! Ansonsten habe ich jedes Wochenende meine zwei Jungs, die während der Woche bei der Mutter sind, und da trinke ich nichts. Dafür gibt’s auch schon mal Bier zum Frühstück, wenn ich mal ein Wochenende „frei“ habe und mit den Jungs und der Band unterwegs bin. Wenn ich nicht arbeiten muss, ist ein Bier am Morgen das Beste!

Die 2013 erschienene Band-Doku „Blokes You Can Trust“ wird jetzt auch neu aufgelegt. Wie aktuell ist die noch, was hat sich seitdem verändert?

Eigentlich kaum etwas. Und: Es war nicht unser Film, sondern der von Matt Weston. Er hatte die Idee, weil er die COSMIC PSYCHOS liebt, er machte eine interessante Geschichte daraus, das ist alles. Der Film endet mit der Frage, ob ich es wohl schaffen würde, meine Farm zu behalten, wegen finanzieller Probleme. So wirklich geändert hat sich an der Situation nichts: ich arbeite, ich kümmere mich um meine Jungs, und ich hänge an der Farm und versuche sie zu halten. Die Doku schafft es zu vermitteln, wieviel Spaß wir drei mit der Band haben, und das trifft immer noch zu.

Wo siehst du dich in zehn Jahren? Du bist dann 66, da gehen viele in Rente. In einem kleinen Apartment in Melbourne, in der Nähe von all den Kneipen?

Wenn es nach mir geht, bleibe ich für immer auf der Farm. Ich gehe auch nur in Kneipen, wenn ich mit der Band unterwegs bin. Dann schaue ich mir auch andere Bands an, ob nun in Australien, Europa oder den USA. Abgesehen davon liebe ich mein Leben hier auf der Farm, meine Auffahrt ist zwei Kilometer lang, und wenn jemand zu Besuch kommt, sehe ich das Minuten vorher. Ich liebe die Ruhe hier. Und ich hoffe, dass mein Körper und mein Hirn mitmacht und ich auch mit 66 noch arbeiten und mit der Band losziehen kann. Keith Richards ist da ein gutes Vorbild, der Kerl ist unglaublich. Und solange jemand Spaß daran hat, deine Band zu sehen, macht man eben weiter.

Wie sieht es mit einer weiteren Europatour aus?

Wir planen für Oktober. Ich muss immer schauen, dass es dann eine ruhige Zeit auf der Farm ist, wo nicht wirklich was zu tun ist. Im Oktober ist der Winter gerade so vorbei, es ist noch nicht heiß, und so haue ich vorher richtig rein und kann mir dann erlauben wegzufahren. Und ich habe auch ein paar Freunde, die sich für mich um ein paar Sachen kümmern können und die wissen, wie wichtig mir die Band ist, und dass ich ab und zu einfach losziehen muss.

Euer neues Album „Loudmouth Soup“ hat ein hübsches Cover, vier Bierdosen im Stil der Campbell-Suppendosen-Bilder von Andy Warhol. Wer hat das gemacht?

Der Hintergrund ist die alte australische Bezeichnung „Großmaulsuppe“ für Bier. Denn wie du ja vielleicht weißt, tendieren manche Menschen dazu, nach dem Genuss von ein paar Bieren etwas lauter zu werden, zu übertreiben, sich selbst in ungeschickte Situationen zu bringen. Und wenn man jung ist und nach der Devise lebt „eating is cheating“ – „Zwei Bier sind auch ein Schnitzel“ –, dann antwortet man auf die Frage, ob man was essen wolle, auch gerne mal mit „Nee, ich nehm’ lieber noch etwas Großmaulsuppe“. And the next day you’re feeling a bit average. Das Cover greift einfach diesen Begriff auf, und Ben Brown malte es für uns.

Aufgenommen habt ihr das Album auf deiner Farm, eure langjährige niederländische Tourmischerin Silvia Vermeulen flog dafür nach Australien. Wie kamt ihr überhaupt zusammen?

Wir lernten Silvia Anfang der Neunziger kennen, da war sie in Europa unsere Tourmanagerin und Mischerin. Nach drei, vier Tagen mit uns hielt sie es nicht mehr aus, die konnte nicht verstehen, wie wir ticken. Ich weiß noch, wie fassungslos sie war, als unser Tourvan in Spanien mitten auf einer belebten Kreuzung liegen blieb und wir einfach ausstiegen und zwischen den ganzen Autos hindurch auf ein Bier in die nächste Kneipe gingen. Sie fragte uns, was eigentlich los sei mit uns, und wir meinten nur, das sei doch alles halb so schlimm und wir könnten ja erst mal ein Bier trinken. Wir haben die echt halb in den Wahnsinn getrieben. Nach und nach lernte sie uns besser kennen und stellte fest, dass wir keine üblen Typen sind, sondern ganz nette, verantwortungsbewusste Jungs. Die musste eben erst mal unseren Humor verstehen lernen – übrigens sind wir immer sehr respektvoll mit ihr umgegangen. Und seitdem arbeiten wir zusammen. Silvia hat in Utrecht ihr eigenes Studio, und wir überlegten dort aufzunehmen, dachten uns dann aber, dass da zu viel Ablenkung ist, abgesehen davon, dass wir ja alle hätten rüberfliegen müssen. Und so schlugen wir vor, dass sie zu uns kommt und wir das bei mir im Haus aufnehmen, genug Platz ist da. Und so wandelten wir im Juni 2017 das ganze Haus vorübergehend in ein Tonstudio um.

Ihr strahlt schon irgendwie so einen gewissen rauhen, männlichen Charme aus, ihr werdet bisweilen diesem speziellen australischen „Yob Rock“-Genre zugerechnet – Männerhumor, Bier, etc. Lernt man euch persönlich kennen, merkt man schnell, dass ihr mit irgendwelchem Macho-Scheiß nichts am Hut habt, dass ihr die ganzen Klischees eher ironisch verarbeitet. Werdet ihr einfach oft missverstanden?

Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Wir sind letztlich nur eine Parodie von all dem. Was wir singen und sagen, ist ironisch gemeint, und wenn ein paar Songs mal wütend wirken, dann ist das auch eher sanft gemeint, nie wüst und böse. Wir machen uns eben über alles lustig. Manchen Menschen wollen das aber missverstehen und sind dann ganz überrascht, wenn wir gar nicht so sind, wie sie sich uns vorgestellt hatten. Und sowieso, wenn du mal ein paar von diesen Macho-Bands getroffen hast, merkst du auch schnell, dass das nur ein paar Weicheier sind. Wir sind einfach nur ehrlich, und wenn du zu unseren Konzerten kommst, kannst du etwas Druck ablassen, dich entspannen. Missverstanden wurden wir wirklich von Anfang an, aber das ändert nichts daran, dass ich gerne in dieser Band bin. Und wenn ein Musikkritiker irgendwas blödes schreibt, kratzt mich das nicht. Ich werde diese Band in zehn Jahren noch machen, den wird man vergessen haben.

Joachim Hiller

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #137 (April/Mai 2018)

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