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Interviews & Artikel

GUERILLA POUBELLE

En marche? Am Arsch!

Die Pariser Band gehört zu den Veteranen der Punk-Szene unseres Nachbarlands, und im Gegensatz zu vielen anderen frankophonen Bands sind GUERILLA POUBELLE auch international gut vernetzt, spielten bereits in den USA und Japan und immer wieder auch in Deutschland. Mit „La Nausée“ erschien kürzlich in Kooperation mit Red Scare Records aus den USA das vierte Album der 2003 gegründeten Formation um Sänger und Gitarrist Till, der auch das Label und den Mailorder Guerilla Asso betreibt. Es ist eine der ersten Punk-Platten, die auf den Wahlsieg von Macron in Frankreich reagiert, mit „En marche“ verkünden sie deutlich, was sie als linke Punks von der neoliberal angehauchten „Revolution“ des jungen Präsidenten halten.

Bitte stell dich vor.


Ich bin Till, ich mache das Label Guerilla Asso und darüber hinaus singe ich und spiele Gitarre bei GUERILLA POUBELLE. Die Band existiert seit 2003, so dass wir dieses Jahr 15 Jahre alt werden, wir haben fast tausend Shows gespielt. Wir sind eine dreiköpfige D.I.Y.-Punkband mit Sitz in Paris, Frankreich. Paul spielt Schlagzeug und Antho Bass. Wir schreiben und singen auf Französisch. Guerilla Asso ist unser Label hier in Frankreich, zuerst war es aber eine Plattform um selbstorganisierte Shows in Paris zu veranstalten. Später begannen wir es zu nutzen, um unsere Platten zu veröffentlichen. Mit dem Erfolg von GUERILLA POUBELLE in Frankreich haben wir das Geld verdient, um uns ziemlich schnell in ein traditionelles Label zu verwandeln und befreundeten Bands zu helfen, auch deren Platten herauszubringen.

Da viele Leute mit der französischen Punk-Geschichte nicht vertraut sind, verrate uns bitte, welche Bands und Alben man sich anhören sollte, um eine Vorstellung von eurem musikalischen Hintergrund zu bekommen.

Wir sind Teil der französischen Newschool-Punk-Szene von Anfang der 2000er Jahre, die den französischen Gesang der alten Schule der Achtziger Jahre und ihren radikalen, rauhen Punk-Sound mit dem „Skatepunk“ der Neunziger Jahre vermischt, wo auf Englisch gesungen wird, wie RANCID, NOFX, BAD RELIGION, solche Sachen ... Vorher existierten diese beiden Stile in Frankreich eher nebeneinander, ziemlich lahm, oder? Hier sind ein paar Bands, bei denen man mal reinhören kann, um eine Idee vom traditionellen französischen Punkrock zu bekommen, der auch GUERILLA POUBELLE prägt. BERURIER NOIR sind die größte Punkband, die wir in Frankreich hatten, sie haben die Szene in den Achtziger Jahren verändert, sie haben hier die D.I.Y-Alternative-Punk-Szene mit einem positiven politischen Standpunkt und radikalen Positionen im Musikgeschäft aufgebaut. Ihre Musik war rauh, nur eine Beatbox und eine Gitarre, mit eingängigen Slogans. Auch wenn ihr Sound keinen wirklichen Einfluss auf unsere Musik hat, so sind ihr D.I.Y-Geist und ihre radikalen Standpunkte doch eine wahre Inspiration für uns. LES CADAVRES sind ein weitaus größerer Einfluss für uns, es ist eine meiner absoluten Lieblingsbands! Die Texte sind dunkler und verzweifelter, mit Bezügen zu Literatur und Kunst im Allgemeinen, wesentlich subtiler als die meisten Punkbands zu dieser Zeit. Ich lernte Gitarre spielen zu ihren Platten. ZABRISKIE POINT wurden gegründet in den späten Neunziger Jahren, sind sie eine der ersten Bands, die diesen „amerikanischen“ Punk-Sound und den sehr typischen französischen Gesang mischen. Sie haben den Weg für jüngere Bands wie uns geebnet, diese neue Generation, die in den Neunziger Jahren aufgewachsen ist und BERURIER NOIR genauso oft gehört haben wie GREEN DAY. Abschließend möchte ich unsere Freunde JUSTINE nennen, eine Band, die zur gleichen Zeit wie wir entstand, mit den gleichen Einflüssen und dem gleichen Willen, diese Grenze zwischen den Punk-Szenen zu durchbrechen. Wir tourten viel mit ihnen und beeinflussten uns gegenseitig sehr stark. Ihr zweites Album „Accident n°7“ ist ein Meisterwerk!

Kannst du uns etwas über die aktuelle Pariser Punk-Szene erzählen? Welche Bands empfiehlst du, welche Clubs, wo kann man Platten kaufen?

Tatsächlich habe ich einen kleinen Leitfaden als PDF zusammengestellt mit coolen Sachen zum Anschauen, Plattenläden, Bars, veganes Essen und mehr. Bei Interesse schickt eine kurze Mail an die Band, ich lasse es euch gerne zukommen. Unsere Kumpel TRAVERSE haben zum Beispiel gerade ein tolles neues Album veröffentlicht, ihr solltet es euch mal anhören. Weitere geile Pariser Bands sind YOUTH AVOIDERS, UNION JACK, BREAKOUT, LA FRACTION, STYGMATE, MALADROIT oder VALLEY

Euer neues Album „La nausée“ erscheint auch auf dem US-Label Red Scare Records. Wie ist diese Verbindung zustande gekommen? Habt ihr schon mal in den USA gespielt?

Ja, wir waren ein paar Mal in den USA auf Tour und haben auch drei Mal beim The Fest in Gainesville gespielt. Eigentlich wollte ich schon für unser letztes Album „Amor Fati“ ein Label in den USA finden, aber ich war zu faul und habe mich auch gescheut, irgendjemanden zu fragen. Wobei wir schon vor zehn Jahren eine 7“ auf Asian Man Records veröffentlicht haben. Aber in den letzten Jahren haben wir viel mit unseren amerikanischen Freunden ARMS ALOFT getourt, in den USA und in Europa, ich habe auch ihr Album gemeinsam mit Red Scare veröffentlicht. Sie sagten, ich solle Toby von Red Scare einfach mal wegen dem neuen Album von GUERILLA POUBELLE fragen ... Und es hat geklappt! Wir hatten immer ein gutes Feedback auch von dem nicht französisch sprechenden Publikum. Als ich mit einer anderen Band in den USA unterwegs war, in der wir auf Englisch singen, wurde ich sogar oft gefragt, warum wir keine französischen Texte haben. Es ist immer sinnvoll, wenn man in seiner Muttersprache singt. Und ich denke, auch wenn man die Worte nicht versteht, kann man die Intention unserer Musik bei unseren Live-Shows spüren. Bei „La nausée“ gibt es zu jedem Song Linernotes auf Englisch, so dass jeder etwas über den Kontext erfahren kann. Das kommt ziemlich gut an, sogar bei französischen Fans, die sich freuen, etwas mehr über die Texte zu lesen!

Ihr wart schon immer eine politische Band, also bin ich neugierig, was eure Meinung ist über „Saint Macron“, den neu gewählten Staatspräsidenten, und seine Bewegung, die Frankreich komplett umkrempeln soll ...

Fuck that shit! Nein ernsthaft, es ist nur neoliberale Scheiße, sie zerstören den „code du travail“ und worauf wir zusteuern, ist eine „Uberisierung“ der Arbeitsverhältnisse. Auch die Rechte von Geflüchteten stehen zu Disposition, genau wie der öffentliche Dienst ... es ist irgendwie beängstigend.

Dann erzähl uns doch bitte mehr über den Hintergrund einiger deiner Songs. Fangen wir an mit „En marche!“.

Hier geht es um Macrons Politik. „En Marche“ ist der Name seiner neuen Bewegung, der übersetzt „laufen“ im Sinne von „Auf geht’s“ bedeutet, aber auch mit „beschäftigt“ übersetzt werden kann. Dieses Lied ist ein Ausblick und eine Warnung davor, was mit dieser Politik auf uns zukommt ...

Und „Identité rigide“?

Hier geht es um Geschlechterstereotypen und wie die Gesellschaft uns damit unter Druck setzt. Als ein weißer Cis-Gender-Kerl war es heikel, ein Lied darüber zu schreiben. Ich habe versucht, all die Privilegien, die es impliziert, zu bedenken und vor diesem Hintergrund darüber zu sprechen, wie es alle Schichten unserer Gesellschaft erstickt und dass wir uns nicht davor verschließen sollten.

Zuletzt noch „L’amour est un chien de l’enfer“.

Der Titel ist eine Anspielung auf den Gedichtband von Bukowski. Das Lied handelt vom Ende einer Beziehung, herbeigeführt durch Gleichgültigkeit, Ressentiment und zu viel Alkohol. Ich weiß nicht, ob es sich um einen Zufall handelt, aber diese drei Songs spiegeln perfekt die Hauptaspekte meines Schreibens wider: die Politik, dann die persönliche Position in der Entwicklung der Gesellschaft und schließlich der totale Selbsthass.

Und was ist die Geschichte hinter eurem Coverartwork? Es sieht aus wie ein altes Ölbild mit einer Schäferin.

Es ist ein Bild von Jean-François Millet aus dem 19. Jahrhundert. Lustige Geschichte, ein Poster dieses wunderschönen Gemäldes hing im Badezimmer des Landhauses, wo wir das Album aufgenommen haben. Wir haben es jedes Mal angeschaut, wenn wir pinkeln gingen. Nach ein paar Tagen haben wir darüber gesprochen und fanden, dass es ein großartiges Cover für das Album abgeben wird!

Wann seid ihr mal wieder in Deutschland?

Im April sind wir eine Woche in Deutschland und Österreich unterwegs. Das ist immer klasse, wir freuen uns schon darauf!

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #137 (April/Mai 2018)

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