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Interviews & Artikel

HERBÄRDS

Punkrock als Selbsttherapie

Durch den „Stuttgart brennt vor Langeweile“-Sampler, der im letzten Jahr als Doppel-LP erschienen ist, bin ich wieder auf die HERBÄRDS gestoßen. Mit dem Gründungsjahr 1982 gelten sie als eine der ersten deutschen Oi!-Bands überhaupt. Ihren Sänger Tek habe ich 1998 im Tübinger Epplehaus mit seiner damaligen Band AHAB gesehen, die mich nachhaltig beeindruckt hatte. Düsterer Punkrock mit New-Wave-Einschlag und einem Sänger, der damals mit einem Gehstock auf der Bühne stand. Als ich mitbekam, dass Tek letztes Jahr seine alte Band HERBÄRDS nach 17 Jahren Pause wieder aktiviert hat, nahm ich mit ihm Kontakt auf. Und der Mann hat einiges aus seinem bewegten Leben zu erzählen.

Eigentlich kannte ich dich als Sänger erst mal nur von der Band AHAB. Was war das für ein Projekt und was ist daraus geworden?


Ich hatte 1987 einen schweren Motorradunfall. Dabei verlor ich mein linkes Bein und mein linker Arm wurde zertrümmert, den ich auch heute noch nur sehr eingeschränkt benutzen kann. Danach fiel ich in ein tiefes schwarzes Loch, weil von einem Moment auf den anderen nichts mehr so war wie vorher. Ich zog mich sehr zurück. Pedder von DAILY TERROR war einer der wenigen, zu denen ich Kontakt hielt. Ihn hatte ich irgendwann auf einem Konzert kennen gelernt. Wir schrieben uns über Jahre Briefe, denn auch er hat viel durchlebt und konnte mich gut verstehen. Er brachte mich dazu, für seine „Tollschock“-Sampler ein paar HERBÄRDS-Songs aufzunehmen und musikalisch wieder aktiv zu werden. Mitte der Neunziger beschloss ich, eine düstere Punkband namens AHAB als Therapie für mich zu gründen. Denn düster sah es in mir aus. Und als Einbeiniger war es naheliegend, die Band AHAB zu nennen, also nach dem Kapitän aus der „Moby Dick“-Verfilmung mit Gregory Peck. Zumal das auch mein Lieblingsfilm ist. Die Idee war, durch diese Art Musik mein Schicksal anzupacken und in den Griff zu bekommen. In den Texten, die ich dafür schrieb, geht es ja viel um Tod und Verlust, was ich hautnah erlebt hatte. Ich konnte mir damals kaum vorstellen, trotz meiner Behinderung wieder auf einer Bühne zu stehen. Mein Gedanke war: Wenn ich das hinkriege, habe ich es für mich geschafft, mit den Unfallfolgen umzugehen und zu leben. Mein Plan gelang zum Glück. Heute geht’s mir gut, ich habe viel Freude am Leben. Wir spielten etwa 15 Konzerte mit AHAB, unter anderem mit FLIEHENDE STÜRME. Übrigens habe ich Intro und Outro für die AHAB-CD mit Derek von Krogh, dem Keyboarder und Produzenten von Nena, gebastelt. Ich habe mir bei den Proben, Konzerten und Aufnahmen von AHAB jedenfalls den ganzen Frust von der Seele geschrien. Das war sehr befreiend.

Ende der Neunziger erschien auch eine CD unter dem Namen DIE DREI RÖHREN, „Wir leben immer noch“, auf der du zusammen mit Hannes von K.G.B. und Pedder von DAILY TERROR deutschsprachige Songs aus den Achtzigern gecovert hast.

Das war sozusagen das Gegenstück zu AHAB – das positive Ergebnis meiner persönlichen Musiktherapie, haha. Ich bin an einem Sonntagmorgen verkatert aufgewacht, habe das Radio angemacht und: die drei Tenöre sangen. Ich dachte mir: drei Punksänger wären mir jetzt lieber! Mit dieser Grundidee bin ich zu meinem Freund Hannes von K.G.B. gegangen. Er war begeistert. Der dritte Mann war mit Pedder von DAILY TERROR schnell gefunden. Wir beschränkten uns auf Coversongs aus der NDW-Zeit. Interessanterweise überschnitten sich gleich einige unserer Vorschläge wie „Asi mit Niwoh“ von der ZELTINGER BAND, „Paul ist tot“ von den FEHLFARBEN oder „99 Luftballons“ von Nena. Die Songs probten und spielten wir mit den Musikern von K.G.B. ein. Wir hatten sehr viel Spaß dabei. Roman Schönsee, Ex-Bassist von PYOGENESIS, hat die CD produziert.

Wie ging es mit DIE DREI RÖHREN weiter?

Es blieb leider nur ein Studioprojekt, auf das ich allerdings sehr stolz bin. Und das fängt schon mit dem Cover von Peter Puck, ganz zu schweigen von den 14 völlig unterschiedlichen, tollen Songs. Ich halte die CD nach wie vor für absolut zeitlos. Sie wäre es wert, wenigstens als Vinyl noch mal aufgelegt zu werden.

Ich habe die HERBÄRDS wieder wahrgenommen durch den „Stuttgart brennt vor Langeweile“-Sampler, der letztes Jahr herauskam und auf dem ihr mit einem Song vertreten seid. War das der Auslöser für die Reaktivierung der Band?

Ja, richtig. Simon Steiner, einer der Macher hinter dem Sampler und der dazugehörigen Ausstellung samt Buchveröffentlichung „Wie der Punk nach Stuttgart kam & wo er hinging“, hatte mich vor rund zwei Jahren angerufen und mir von seiner Idee erzählt. Wir trafen uns für eines der ersten Interviews für das Buch. Das ganze Projekt über Punk in Stuttgart sollte auch durch Live-Auftritte unterstützt werden. Ich startete einen Rundruf bei meinen HERBÄRDS-Bandkollegen von der zuletzt aktiven Besetzung. Allen gefiel die Idee sofort gut, und wir fanden mit Steffen einen weiteren Gitarristen. Das Konzert im Kunstverein Stuttgart lief super. Es hat riesigen Spaß gemacht, so dass wir beschlossen haben,weiterzumachen. Auf die nun anstehenden Konzerte freuen wir uns sehr.

Ich finde es klasse, dass mit diesem Projekt überhaupt auch mal Stuttgarts Punkrock-Underground-Szene dokumentiert wird.

Ja, auf jeden Fall, das sehe ich auch so. Ich finde es generell gut, auch über Städte zu berichten, die sonst nicht so im Fokus stehen. Und auf dem Sampler sind tolle Sachen dabei. Barny und Simon haben viel Zeit investiert und gute Arbeit geleistet mit viel Herzblut. Für mich ist der Sampler wie eine Zeitreise mit vielen Erinnerungen in die sogenannte „gute alte Zeit“. Zumal ich das Glück und die Ehre habe, gleich zweimal vertreten zu sein. Einmal als Schlagzeuger von TRIEBTÄTER und als Sänger der HERBÄRDS.

Wie kam es damals zur Gründung der HERBÄRDS?

Die HERBÄRDS gingen aus der Oi!-Punk Band TOTAL KAPUTT hervor, die unser Gitarrist Oimel bereits 1979 gegründet hatte. Jörn spielte schon eine Weile mit, als Moppel und ich dann 1982 dazukamen. Durch die große Umbesetzung hielten wir es für angebracht, den Bandnamen zu ändern. Das war die Geburtsstunde der HERBÄRDS. Kurz danach bekamen wir das Angebot, eine LP aufzunehmen. Wir spielten unser Debüt „Eu Se Bois“ an einem Tag live im Studio ein. Heute sind schon Proberaumaufnahmen oft soundmäßig besser. Aber ich finde, die Platte spiegelt die damalige Zeit sehr gut wider. Wir nahmen das Ganze nicht so ernst. Hauptsache, machen und dabei Spaß haben, ohne großen Schnickschnack. Gespielt haben wir viel mit NORMAHL, meist in regionalen Jugendhäusern. Mit den Leuten von NORMAHL hingen wir auch so öfter rum. Ein Highlight war damals die „Stuttgarter Untergangs-Sound-Tour“ durch Süddeutschland mit NORMAHL, TOTAL KAPUTT und TRIEBTÄTER.

Die letzte HERBÄRDS-CD „Wir sind zurück“ kam 2000 raus, warum die lange Pause?

Wir haben die Band damals nach der Platte bald wieder auf Eis gelegt. Es war schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen. Der zeitliche Aufwand war einfach zu groß, und wir hatten berufliche und private Verpflichtungen, die wichtiger waren. Die beiden damals noch neuen Mitglieder neben mir und Oimel, Macke und Rolf, haben danach weiter nebenher in kleinerem Rahmen in Bands gespielt. Oimel hatte immer ein bis zwei Bands am Start und ist nun seit einigen Jahren mit den NITROGODS europaweit unterwegs. Ich habe mich damals auf mein musikalisches Altenteil zurückgezogen. Von der warmen Ofenbank aus habe ich mir einen ruhigen bandlosen Lenz gemacht, haha. Umso mehr macht es mir jetzt Spaß, wieder zu proben und live zu spielen. Ich bin allerdings noch ein wenig eingerostet.

Was habt ihr mit den HERBÄRDS jetzt vor?

Wir wollen es eher entspannt angehen lassen und ab und an live spielen. Wie oft, wird sich zeigen. Am liebsten auf Festivals. Hinfahren, spielen und den Abend mit anderen Bands genießen. Dafür suchen wir noch einen Booker, der uns dabei unterstützt. Denn aller Anfang ist schwer nach so langer Zeit. Ein Aufruf an eure Leser: Wenn ihr was für uns wisst, schreibt uns einfach an. Eine neue Platte ist im Moment nicht geplant. Aber reizvoll wäre es natürlich. Neue Texte hätte ich jedenfalls auch schon vorbereitet.

Hannes Baral

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #137 (April/Mai 2018)

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