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Interviews & Artikel

MR. IRISH BASTARD

Rachelust und Coverversionen

Geht es um punkrockigen Irish Folk, fällt nicht nur hierzulande der Name MR. IRISH BASTARD, sobald jemand die bekanntesten Combos und umtriebigsten Protagonisten des Genres aufzuzählen beginnt. Die Band aus Münster, die sich einst um ihren irischstämmigen Sänger und Namensgeber scharte, hat sich zweifelsohne einen Platz in der Spitzengruppe der Kleeblatt- und Guinness-Interpreten erspielt. Und nun liegt mit „The Desire For Revenge“ das siebte Album im zwölften Jahr vor. Erstmals und erst jetzt dabei: eine Fiddle. Wie das sein kann, und inwiefern Rachedurst einfach zum Menschsein dazugehört, erklärt Mr. Irish Bastard himself aka Chris im Interview.

Chris, euer neues Album heißt „The Desire For Revenge“. Wann hattest du zuletzt den Drang, Rache zu üben – und an wem?


Ohne eine konkrete Situation benennen zu können: Die Rache und die Lust danach kommt ja in vielen verschiedenen Schattierungen vor. Ich glaube, das ist ein Urinstinkt, von dem sich keiner von uns so richtig freisprechen kann. Ich kann mir richtig gut vorstellen, wie ein Steinzeitmensch auf den anderen zugeht und sagt: „Ach, übrigens ...“ Und ihm dann überraschend eins mit dem Knüppel überzieht. Sind wir Menschen heutzutage weiter? Wahrscheinlich nicht ...

Auf eurer neuen Platte hört man zum ersten Mal eine Geige. Wie habt ihr es als Band im Irish Folkpunk eigentlich so lange – zwölf Jahre! – ohne dieses für das Genre derart unverzichtbare Instrument ausgehalten?

Das ist tatsächlich eine gute Frage. Ich denke, es waren zum Teil praktische Gründe. Quasi so, als ob man zu einer Party eingeladen wird und fragt, ob man auch noch seine elf Kumpels mitbringen kann. Dann wird es zu voll. Aber vielleicht ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt. Es ist ein tolles Instrument. Und eine Geige geht irgendwie emotional direkt ans Herz.

Viele andere Bands veröffentlichen dieser Tage Alben, die vor Sozial- und Politkritik nur so strotzen. Ihr singt von den „Pirates of the Irish Sea“, sagt „We are the drunks“ und erklärt eurem Gegenüber wenig charmant „I only like you when I’m drunk“. Ist das Feiern vielleicht ein unverzichtbarer Bestandteil des Lebens in Zeiten von AfD, rechter Hetze, Trump, Brexit, hart an der Lächerlichkeit geführten Regierungsverhandlungen und unsicheren Renten?

Du hast natürlich recht: Die Realität ist aktuell trüb. Aber ich bin ein „Das Glas ist halbvoll“-Typ und denke, man muss nicht zwangsläufig Wasser in sein halbvolles Glas füllen, um es wieder ganz voll zu machen. Nein: Neben dem ganzen Chaos und den Verwerfungen gibt es ja auch viel Gutes und Schönes auf der Welt, über das man sich freuen kann. Und zwar auch, ohne sich die aktuelle Lage voller Blindheit schönzureden – was man nicht tun sollte. Das Gute hat eine längere Zeitachse, eine längere Dauer als das Böse. So gesehen werden die Dinge immer besser. Betrachten wir die Situation heute im kosmischen Zeitstrahl einfach als „temporary low“, als vorübergehendes Tief. Es gibt Menschen, die schrilles und dämliches Zeug von sich geben, weil sie wissen, dass ihnen die Schlagzeilen damit sicher sind. Das hat Methode. Und das ist eben die Gegenwart, in der wir gerade leben. Und wir als Band, als Menschen, haben dazu ganz einfach ein Gegenangebot: Wir feiern das Leben. Auf dem neuen Album. Und bei den Konzerten.

Wie würdest du „The Desire For Revenge“ innerhalb eurer Bandbiografie einordnen und charakterisieren?

Ich finde, das Album ist eine logische Entwicklung und eine Fortsetzung dessen, was wir bislang gemacht haben. Anders gesagt: Es hält Neues bereit, siehe auch die Geige. Und das ist so, weil ich mich nicht sonderlich um Genregrenzen kümmere. Das Wichtigste, finde ich jedenfalls als Songwriter, ist doch, die Songs zu schreiben, die gerade für mich relevant sind. Wenn ich damit beginne, mich selber zu zensieren nach dem Motto „Ist das hier vielleicht zu sehr Schema X oder geht jenes eventuell zu sehr in Richtung Y“, einfach weil ich glaube, es passt nicht in ein irgendwie definiertes Raster, dann bin ich verraten und verkauft. Der Song, den ich jetzt in diesem Augenblick mache, ist immer der Beste, den ich jemals geschrieben habe.

Ihr liebt Irish Folk. Ich liebe Irish Folk. Zig andere Menschen lieben Irish Folk. Und gerade deshalb interessiert mich: Wie behauptet man sich heutzutage als Band in einem Genre, an dem sich mitunter – das ist zumindest mein Eindruck – wirklich inflationär abgearbeitet wird?

Ich glaube, die Herausforderung ist immer, etwas Neues zu schaffen. Eine neue textliche Idee. Eine gute Geschichten, die man erzählt. Einen neuen musikalischen Impuls. Eine neue Verbindung von musikalischen Gegenpolen. Wir passen meiner Meinung nach auch nur bedingt in dieses Genre. Das reine Punkrock-Ding ist doch auch ein großer Teil unserer Identität. Wir haben schon Konzerte gespielt, bei denen vor uns eine begabte Band alle Traditionals aus Irland gespielt hat und frenetisch abgefeiert wurde – und das Publikum uns mit unserem Geballer danach nur mit offenem Mund angestarrt hat, bevor die Ersten ihre Jacke von der Garderobe geholt haben, haha. Je näher die Stühle an der Bühne stehen, desto böser ist das Erwachen. So abgedroschen das klingen mag: Wir machen einfach das, was sich für uns gut anfühlt – und fahren gut damit.

Im vergangenen Jahr wurde mit Shane MacGowan ein Künstler sechzig Jahre alt, der den aktuellen Irish Folk wie kaum ein Zweiter geprägt hat. Ihr hattet auch schon persönlich mit ihm zu tun, oder?

Ja, wir hatten die Ehre, mit den POGUES zu spielen. Und du kannst dir ja sicherlich vorstellen, wie wir uns gefreut haben und wie ehrfürchtig wir waren – wie Ostern, Weihnachten und Einschulung, alles an einem Tag, haha! Du versuchst natürlich in so einer Situation, so lange professionelle Nonchalance auszustrahlen, wie du kannst. Aber im Endeffekt stehst du dann doch neben ihm und fragst total dämlich nach einem Foto, haha. Zu der Zeit ging es Shane auch ganz gut. Er war ganz da und völlig entspannt. Er ist schlicht ein großer Künstler – nicht ohne seine persönliche Tragik.

Du darfst es hier und heute gerne neidvoll zugeben: Welchen Song von Shane MacGowan hättest du selbst gerne geschrieben?

Ich kenne keinen Song von ihm, den ich nicht gerne geschrieben hätte. Ich meine, schau dir mal die Lyrik in den Texten an! Diese Poesie, gepaart mit diesen dunklen Geschichten. Dieser einzigartige Stil, der Generationen beeinflusst hat und Scharen von Menschen rund um den Globus in die Arme von Tin-Whistle-, Banjo- und Bouzouki-Verkäufern getrieben hat ... Wenn man seine Songs hört, stellt man die eigene Gitarre sofort in den Ständer und denkt sich dabei leise: Okay, ich probiere es dann morgen noch einmal ...

Weg von Shane MacGowan zu einem anderen großen Namen: Wie seid ihr in Sachen Cover auf dem neuen Album ausgerechnet auf Cyndi Lauper und ihr „Time after time“ gekommen?

Haha, das ist wie bei jeder anderen schlechten Idee: Die ist irgendwann nicht mehr totzukriegen. Da muss man dann durch. Je abstruser die Idee, desto interessanter finden wir die natürlich. Als sie aufkam, habe ich als Sänger, der nicht gerade eine hohe Stimme hat, gedacht: Okay, Cyndi Lauper ... Zieht euch warm an! Das könnte jetzt interessant werden!

Ihr seid dem Thema Coversongs ja traditionell ziemlich zugetan – neben Cyndi Lauper habt ihr euch auch schon THE CURE oder Ricky Martin versucht. Doch welchen Künstler oder welchen Song würdet ihr definitiv und unumstößlich niemals covern?

Ich glaube, der gesamte Bereich des mongolischen Obertongesangs ist einigermaßen sicher vor uns, haha. Es sei denn, Ricky Martin macht was in dieser Richtung ... Dann garantiere ich für gar nichts!

Und was ist das gruseligste Cover, das du kennst?

Oh, diesbezüglich liefert YouTube natürlich jede Menge Futter ... Zwei Sachen von unbekannten Interpreten fallen mir da spontan ein: eine unfassbar schiefe Version von „Final countdown“. Und die, bei der ein Musiker derart schlecht spielt, dass ihm der Rest der Band jeweils einen Schlag in den Nacken gibt. Aber um fair zu sein: Das sind ja alles musikalischen Anfänge. Das kennt jeder. In meiner ersten Band, in meinen ganz frühen Tagen, sagte der Schlagzeuger mal zu mir, ich solle mich doch bitte schön an den Takt halten.

Wie lautete deine Antwort?

„Ich brauche keinen Takt! Ich mach das so!“ So viel dazu, haha.

Frank Weiffen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #137 (April/Mai 2018)

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