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Interviews & Artikel

PARKWAY DRIVE

Abschied von Downstroke-Gewittern

„Downstroke“, das ist das Wort, mit dem die meisten Menschen die Musik der Australier PARKWAY DRIVE in Verbindung bringen. Schließlich gelten PARKWAY DRIVE angesichts von Millionen verkaufter Tonträger als erfolgreichste Metalcore-Band des Planeten. Aber wer sich das neue Album „Reverence“ anhört, der wird sich von Downstroke-Gewittern auf der Gitarre verabschieden müssen. Denn PARKWAY DRIVE haben eine Platte aufgenommen, die schonungslos persönlich von Trauer handelt. Frontmann Winston McCall, eigentlich die Blaupause eines Sunnyboys aus dem Surferparadies Byron Bay, legt denn auch im Interview ein Stück seiner Seele frei.

Winston, wir sitzen heute in einem Hotel-Tagungsraum mit dem Namen „Lehrerzimmer“. Was sind deine Erinnerungen, wenn du an das Wort „Lehrerzimmer“ denkst?


Ich habe in allen Zimmern, in denen Lehrer waren, versagt, haha. Mir war der Blick aus dem Fenster in Richtung Strand immer wichtiger als alles Andere.

Warum ich auf die Schulzeit zu sprechen komme: Du bist – davon zeugen bislang alle eure Alben – eine Person mit großem Bewusstsein für politische und gesellschaftliche Zusammenhänge. Warst du das schon damals, als Schüler – oder wurdest du erst später, als Erwachsener, als Künstler, dazu?

Ich war schon immer so. Da meine Eltern Menschen mit einem Blick für gesellschaftliche Probleme waren, wurde auch mir das früh mitgegeben. Meine Mutter ist eine Krankenschwester, hat in diesem Beruf viel mit Menschen zu tun und erlebt entsprechend viele Dinge. Und mein Vater war selbst Künstler. Entsprechend haben mir beide immer schon erklärt, was um uns herum passiert und wie das einzuordnen ist.

Euer letztes Album von 2015 hieß „Ire“, „Zorn“, und war ein verbaler Rundumschlag gegen alles, was damals politisch und gesellschaftlich falsch lief. Geändert hat sich seitdem nichts. Es wurde sogar noch schlimmer. Also hätte „Ire“ auch gut zum neuen Album gepasst. Stattdessen habt ihr diese Platte „Reverence“, „Ehrfurcht“, genannt. Und Politik spielt darauf – in einer Zeit, in der jeder Protestplatten aufnimmt – nur noch eine untergeordnete Rolle.

Du hast recht: „Zorn“ passt hundertprozentig zu dem, was derzeit vorgeht. Die vergangenen Jahre waren aus Sicht der Menschheit und der Menschlichkeit verrückt und krank. Trotzdem haben wir auf „Reverence“ nun weniger politische und dafür mehr persönliche Songs gepackt. Düstere, dunkle, traurige Songs über das, was seitdem in unserem Leben geschehen ist.

Was ist denn seitdem geschehen?

Es gab viele tragische Momente. Es passierten Dinge, die sehr tief gingen und uns tief trafen. Und während „Ire“ stellenweise auch optimistisch klang, war klar, dass so etwas auf „Reverence“ unmöglich sein würde. Sowohl textlich als auch musikalisch. Es musste softer und ruhiger werden. Weil genau das zur gefühlten Düsternis passt.

Die Traurigkeit auf „Reverence“ ist tatsächlich greifbar. Und sie kulminiert im letzten Song der Platte, „The colours of leaving“. In dem geht es offensichtlich um einen viel zu früh verstorbenen Menschen. Und in dem fällt auch erstmals der Titel der Platte – in der letzten Zeile. Ungewöhnlich ...

Ja. Aber es war ohnehin eine seltsame Sache mit dem Titel. Wir hatten lange keinen Namen für das Album. Irgendwann fuhr ich aus dem Studio nach Hause, die Songs waren im Prinzip so gut wie fertig, und hatte plötzlich diese eine letzte Zeile im Kopf: „And as the colour leaves the sky we’re left in reverence of the frailty of it all.“ Es sollte den Hörern am Ende all dieser Düsternis dann doch etwas Schönes mit auf den Weg geben. Egal wie dunkel es ist, dein Leben ist sehr, sehr kurz und es gibt Menschen, die gar nichts Helles mehr sehen. Weil sie tot sind. Du aber lebst – und kannst diese Welt besser machen, solange du darin lebst.

Für mich war dieses letzte Stück ein Schlag in die Magengrube.

Das soll es auch sein ... Denn als wir „Ire“ gerade rausgebracht hatten und auf Tour waren, starb auf einmal ein sehr enges Familienmitglied nach kurzer Krankheit an Krebs. Das war schrecklich. Eben stehst du noch auf der Bühne und hast den Spaß deines Lebens. Und auf einmal bekommst du diese Textnachricht auf deinem Handy und denkst nur noch: „Verdammt! Wie kann das sein? Und ich bin noch nicht einmal zuhause, wo ich jetzt sein sollte. Stattdessen spiele ich Shows am anderen Ende der Welt!“ Da fällt dir dann plötzlich auf, dass es jederzeit vorbei sein kann. Und dass es Dinge gibt, die man nicht wiedergutmachen kann. Für die es keine zweite Chance gibt. Und das war erst der Beginn einer Zeit, in der so etwas häufiger geschah. Da brach plötzlich eine Zeit an, in der es nur um Trauer ging –immer und immer und immer wieder. Das kannten wir bisher nicht und es änderte alles. Die Leute denken ja immer: „Da ist Winston. Der bestgelaunte Typ überhaupt auf der Bühne! Und er singt Songs der Hoffnung und der Lebensfreude wie „Vice grip“!“ Und das ist ja auch echt. Das ist authentisch. So bin ich ja auch. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Winston auf der Bühne und dem Winston abseits der Bühne. Aber: Gerade weil ich immer ehrlich sein will, musste „Reverence“ so werden, wie es nun ist.

Kann es sein, dass man dich in „The colour of leaving“ sogar beim Singen weinen hört?

So ist es. Ich habe wirklich alles reingelegt in dieses Stück. Ich konnte nicht anders. Wir haben für diesen Song auch keine Vorproduktion gemacht. Das hätte nicht funktioniert. Wie auch? Für mich war es noch nie zuvor derart hart gewesen, etwas aufzunehmen. Es war wirklich schrecklich – auch wenn es ja ein wunderschöner Song ist. Und ich kann das Stück bis heute nicht mehr hören oder singen, ohne gleich wieder so extrem berührt zu werden. Ihn ans Ende der Platte zu setzen und aus ihm den Albumtitel abzuleiten, war das einzig Richtige.

Wann hattest du zuletzt Ehrfurcht vor etwas?

Zuletzt hatte ich Probleme mit meinem linken Ohr und musste operiert werden. Und es war klar: Wenn bei dieser Operation ein bestimmter Nerv getroffen würde, was durchaus hätte passieren können, dann wäre ich taub auf Lebenszeit. Ein paar Stunden vor der OP habe ich mich also rausgesetzt ins Freie und den Vögeln, dem Ozean und dem Wind gelauscht. Mit der Maßgabe: „Höre all dem jetzt ganz genau zu! Es könnte das letzte Mal in deinem Leben sein!“ Über so etwas denkt man ja normalerweise nicht nach. Erst in so einer Situation wird einem das bewusst. Und dann fühlt man eben Ehrfurcht vor der Welt, der Natur, vor dem Leben. Man merkt: Alles zählt, alles ist wichtig. Und man muss sich das immer wieder klarmachen.

Fassen wir mal zusammen: „Reverence“ ist ein Wendepunkt in eurer Bandhistorie. Thematisch. Und musikalisch. Auf den soften, manchmal fast sinfonische Sound wird manch ein Fan, der sich vielleicht weniger um Inhalte kümmert, schimpfen ...

Ja, es ist vieles anders und neu auf der Platte. Und wir sind gespannt, wie die Leute darauf reagieren werden. Es wird für viele Fans definitiv eine Menge „Was zur Hölle ist das denn?“-Momente geben. Aber ich arbeite nun mal nicht bei McDonalds. Ich muss nicht immer und immer wieder das Gleiche machen. Ich meine: Verdammt, wir sind Musiker! Wir sind eine Band! Wir haben uns natürlich einmal gegründet, um die Leute zum Moshen zu bringen. So beginnt es ja immer und das sollte auch so sein. Aber: Eine Band ist ja nicht nur ein Album oder ein Song. Wir suchen Abenteuer und Veränderung! Und wir können nicht Songs wie die auf „Reverence“ aufnehmen und darüber nachdenken, wo und wann wir mal wieder so einen typischen PARKWAY DRIVE-Moment einbauen könnten. Jede Platte ist letztlich ein Einblick in das, was zu einer bestimmten Zeit passiert ist und dich beschäftigt. Und wenn du das, was du fühlst, den Menschen erzählst, dann musst du das auf eine ehrliche Art und Weise tun und darfst nicht nur in der Vergangenheit leben.

Aber das Gefühl, als Fan von einer Band enttäuscht zu werden, kennst du doch sicherlich auch, oder?

Natürlich. Ich habe das schon bei vielen Bands gehabt. „Die alten Sachen waren viel besser!“ Aber so ist es nun einmal: Du hörst als Fan eine Platte, die dich packt – und wirst diese auf ewig mit einem bestimmten Moment verbinden, einem sehr persönlichen Moment. Und dieser Moment lässt sich niemals wiederholen. Dieser Gedanke ist zum Scheitern verurteilt. Der Versuch einer Wiederholung wäre ein Betrug. Und auf uns bezogen heißt das: Es gibt Wichtigeres als den nächsten verdammten Downstroke, haha!

Frank Weiffen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #137 (April/Mai 2018)

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