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Interviews & Artikel

SENSES FAIL

Erwachsenenprobleme

Dass James „Buddy“ Nielsen mit SENSES FAIL noch mal ein Album aufnehmen würde, das wirklich jemanden interessiert, hätte mehr als 14 Jahre nach „Let It Enfold You“ wahrscheinlich niemand gedacht. Aber gerade weil Nielsen nun endlich wieder so klingt wie zu Beginn der Bandgeschichte, dabei jegliche Nostalgie direkt über Bord wirft und einfach so tut, als wäre zwischenzeitlich nichts gewesen, ist „If There Is Light, It Will Find You“ so gut. In seinem Leben war zwar immer viel los. Dieses Mal hat der Sänger jedoch die Perspektive gewechselt: Er kann helfen. Schließlich ist in den letzten Jahren doch sehr viel passiert.

James, du hast mit SENSES FAIL mittlerweile sieben Alben veröffentlicht und bist das einzige verbliebene Gründungsmitglied. Du musst doch total erschöpft sein, nachdem du fast im Alleingang Songs geschrieben und sie dann aufgenommen hast. Wie fühlt es sich an, nun immer wieder über die Dinge zu sprechen, die du auf „If There Is Light, It Will Find You“ verarbeitet hast?


Mittlerweile fühlt es sich eigentlich ganz okay an. Es stimmt schon, dass ich einiges durchgemacht habe, was auch in den zwölf Songs der Platte thematisiert wird. Mit ein bisschen Abstand kann ich aber sagen, dass ich sehr glücklich mit dem Ergebnis bin und dass ich mich darauf freue, es den Menschen zu präsentieren.

Im Gegensatz zu Platten wie „Renacer“ von 2013 hört sich das neue Album zumindest musikalisch wieder viel optimistischer, etwas verspielter, aber vor allem nach den frühen SENSES FAIL an, die mit „Let It Enfold You“ eine Platte veröffentlich haben, die wohl für immer mit dem Emo der 2000er Jahre verbunden sein wird. Inhaltlich verarbeitest du jedoch sehr traurige persönliche Ereignisse, wie den Beinahetod deiner Frau während der Geburt eures Kindes. Wie passt das alles zusammen?

Die Idee hinter dieser musikalischen Entwicklung war, dass wir uns endlich wieder so anhören wollten, wie wir zu Beginn von SENSES FAIL klangen. Für mich schien es wie das Ende einer Reise, auf der ich viel gelernt und dennoch gemerkt habe, dass ich das, was ich brauche, eigentlich schon von Beginn an hatte. Es fühlte sich gut und richtig an. Dazu kommt, wie schon erwähnt, dass ich mittlerweile quasi das einzige offizielle Mitglied von SENSES FAIL bin und somit zu 100% meine Ideen und Vorstellungen verwirklichen konnte, ohne dabei einen Kompromiss eingehen zu müssen. Um ehrlich zu sein, fühle ich mich in diesem Emo-, Screamo- oder Wie-immer-du-es-nennen-möchtest-Genre auch sehr wohl.

Im Gegensatz zu typischen Emo-Veröffentlichungen äußerst du dich, in „Gold jacket, green jacket...“, sehr sozialkritisch. Hätte es den Song und die Lyrics auch gegeben, wenn du nicht in Nordamerika leben würdest?

Auf jeden Fall! In „Gold jacket, green jacket...“ kommentiere ich ein Problem, das auf dem American Dream basiert. Es ist die kritische Sichtweise eines Menschen, der durch sein fortgeschrittenes Alter eine andere Perspektive auf viele Dinge gewonnen hat, die eine große Rolle in Amerika spielen. Konsum und Verschwendung ohne Rücksicht auf Umwelt oder Mitmenschen sind ein fester Bestandteil unseres täglichen Lebens. Davon profitieren nur sehr wenige. Diese haben jedoch so einen großen Einfluss, dass es sehr schwer wird, etwas daran zu ändern. Vor allem da unser Bildungssystem stellenweise gar nicht mehr objektiv ist, sondern von einer kleinen reichen Schicht bestimmt wird, die darauf bedacht ist, sich selbst Exklusivität zu verschaffen, und die anderen lieber dumm hält. Denn so sind sie später einfacher zu manipulieren. Schau dir doch die ganzen Trump-Wähler an. Das sind zum Teil verarmte und leichtgläubige Individuen, die demjenigen hinterherlaufen, der ihnen eine bessere Zukunft verspricht. Dazu kommt, dass viele Amerikaner glauben, dass sie global isoliert sind. Vielen gefällt das, da sie sich nicht als Teil eines großen Ganzen sehen müssen.

In „New Jersey makes, the world takes“ sprichst du das ziemlich aktuelle Thema Drogen- und Alkoholmissbrauch an. Viele SENSES FAIL-Songs handeln davon, wie du selbst mit dessen Folgen zu kämpfen hattest. Warum, denkst du, steigt die Zahl der Menschen, die zu Betäubungsmitteln greifen, immer weiter an?

Viele Leute können die Probleme, denen sie sich täglich stellen müssen, nicht einfach so bewältigen. Es ist sehr deprimierend zu sehen, wozu Menschen fähig sind und wie wenig man daran eigentlich ändern kann. Das ist nüchtern nur schwer auszuhalten. Wir haben alle sehr viele persönliche Probleme zu verarbeiten und manchmal gewähren Drogen und Alkohol wenigstens eine kurze Auszeit von dieser verdammten Realität. Auf die Dauer aber richten sie auf jeden Fall nur Schaden an und können verständnisvolle Freude oder Familienangehörige nicht ersetzen.

Der Song „First breath, last breath“ handelt vom Beinahetod deiner Frau während der Geburt eures Kindes. Hat dir deine Musik dabei geholfen, das zu verarbeiten? Inwieweit hat dieser furchtbar traurige Moment deine Sicht aufs Leben verändert?

Der Moment der Geburt war sehr schwierig. Auf der einen Seite waren wir alle sehr aufgeregt und haben uns auf unsere Tochter gefreut. Dass meine Frau dabei fast ihr Leben verloren hätte, hat im Nachhinein auch dafür gesorgt, dass ich mir immer noch Gedanken über unsere Sterblichkeit mache. Ich schätze so viele Momente nun anders ein und messe Dingen eine größere Bedeutung bei, die ich vorher vielleicht links liegen ließ. Vor allem aber werde ich mich darum kümmern, dass es meiner Tochter gut geht und dass sie sich auf ihr Leben freuen kann.

Sebastian Wahle

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #137 (April/Mai 2018)

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