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Interviews & Artikel

SURVIVAL GUIDE

Musik als Überlebensstrategie

Außergewöhnliche Stimmen lassen sich nicht auf einen Stil reduzieren. Sie übernehmen die Führung in einem Song, ohne ihn zu dominieren. Das ist die Kunst, die sie vom Mittelmaß unterscheidet. Die gebürtige Kalifornierin und Wahltexanerin Emily Whitehurst hat so eine Stimme. Ende der Neunziger Jahre markierte ihre Band TSUNAMI BOMB zusammen mit TILT und den DISTILLERS die Blaupause des amerikanischen female-fronted (Pop-)Punkrock. Nach deren Auflösung bescherte sie der Welt mit ACTION DESIGN angewaveten Powerpop inklusive des Überhits ,,Landmines“. Seit gut fünf Jahren gibt es nun SURVIVAL GUIDE. Als Duo gestartet, produziert Emily mittlerweile als Soloprojekt eine Mischung aus Indie- und Electropop und tourt in Eigenregie durch die Clubs. Wie Musik zur eigenen Überlebensstrategie wird, erklärt sie mitten in der Fertigstellung ihres neuen Albums.

Emily, was hat dich im letzten Jahr von Kalifornien nach Texas verschlagen?


Mehrere Gründe: der Job meines Mannes, die Lebenshaltungskosten und die Möglichkeit, einen Großteil meiner Zeit mit Musik zu verbringen.

Tsunami – Action – Survival: Deine Bandnamen wirken immer entspannter. Spiegelt das deine veränderte Einstellung zur Musik wider?

Diese Entwicklung war mir bisher nicht bewusst, ergibt aber Sinn. Als Matt, ex-TSUNAMI BOMB, und ich mit ACTION DESIGN anfingen, suchten wir einen starken und positiven Namen. Als ich dann mit Jaycen, ex-ACTION DESIGN, mit SURVIVAL GUIDE weitermachte, ging es in erster Linie darum, zu zweit überhaupt musikalisch aktiv zu bleiben. Die Bandnamen sind also wirklich eher ein Sinnbild meiner Einstellung und nicht des Musikstils. Wobei die Haltung schon ähnlich geblieben ist, was meine Texte betrifft, trotz aller musikalischen Unterschiede meiner Bands. Textlich interessiert mich, wie Leute ticken und was sie beeinflusst. Gesanglich sind mir Melodien sehr wichtig, da bin ich pedantisch.



Du und deine Brüder, ihr seid alle musikalisch aktiv. Haben eure Eltern das gefördert und unterstützt?

Sie haben unsere Kreativität insgesamt gefördert, nicht speziell die Musik. Mit vier Kindern hatten sie wohl nicht die Zeit, um sich selbst kreativ auszuleben. Mein Vater spielt aber mehrere Instrumente. Als ich auf dem College anfing, in Bands zu spielen, war meine Mutter wegen der Schulnoten nicht begeistert. Das war mir aber egal. Meine Tante hatte den größeren Einfluss. Sie ist Musikerin und beriet uns beim Instrumentekauf. Prä-Internet Zeit in einer Kleinstadt! Wir hatten Hilfe bitter nötig. Vor meiner ersten eigenen Band durfte ich bei den Proben meines älteren Bruders zwischendurch Coversongs singen. Ich liebte schon damals GREEN DAY und Pop-Punk.

Wieso wolltest du bei der TSUNAMI BOMB-Reunion 2015 nicht mitmachen?

Aus mehreren Gründen: die Musik und die Texte schienen mir so weit weg zu sein. Es fühlte sich seltsam an, das wieder aufleben zu lassen. Wenn TSUNAMI BOMB sich nie aufgelöst hätten, gäbe es für mich diese Distanz zu den Songs wahrscheinlich nicht. So fühlt es sich zu sehr nach Vergangenheit an, inhaltlich und kreativ. Ich schreibe und komponiere ständig, schaue lieber nach vorne als zurück. Außerdem fühlte sich das Line-up nicht gut für mich an. Wir hatten über die Jahre hinweg mehrere Besetzungswechsel. Ich wüsste auch nicht genau, wen ich mir aus den ganzen Line-ups gewünscht hätte für eine Reunion, aber die derzeitige Konstellation hat mich nicht überzeugt.

Warum haben sich ACTION DESIGN 2011 aufgelöst?

Es gab kleinere Spannungen in der Band, nichts Ernstes, einfach Tour- und Arbeitsstress. Unserem Drummer Jake war das zu viel und er stieg aus. Es fühlte sich falsch für uns an, ihn zu ersetzen. Die Chemie zwischen uns vier Musikern stimmte ja und eine Veränderung hätte das kaputt gemacht. Matt war danach auch etwas ausgebrannt, also machten Jaycen und ich dann als SURVIVAL GUIDE weiter. Jaycen hatte vorher auch schon bei PIPEDOWN gespielt. ACTION DESIGN waren sozusagen das poppige Bindeglied zwischen unserer Punkrock Vergangenheit und der New Wave/Synthie-Zukunft von SURVIVAL GUIDE. Musikalisch stand die Tür uns damit weit offen.

Jaycen stieg dann vor einiger Zeit bei SURVIVAL GUIDE wieder aus. Warum hast du alleine weitergemacht?

Es hat sich niemand als Ersatz angeboten. Und live konnte ich die Gitarrentracks wie die Drums programmieren. Jaycens Ausstieg war auch fließend, er spielte noch hier und da Shows mit mir und ich habe bis zuletzt gehofft, dass er doch dabei bleibt. Die ersten Male ganz allein auf der Bühne waren hart, aber anders ging es nicht. Einige meiner Freunde unterstützen mich live manchmal, aber keiner fest. Falls es sich ergibt, kann ich mir einen neuen festen Partner gut vorstellen. So lange mache ich das eben allein. Solo zu touren ist nicht mein Ding. Ich habe keinen Booker, sondern organisiere das alleine, was ziemlich schwierig ist. Einige kleine Touren habe ich mit LUNGS AND LIMBS gemacht. Eine tolle Band und sehr angenehme Leute. Jetzt schreibe ich gerade Material für das neue Album, zum ersten Mal auch komplett alleine. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt.

SURVIVAL GUIDE ist also buchstäblich eine Überlebenshilfe für dich, um nicht aufzuhören?

Stimmt! Jetzt sogar mehr als vorher. Ich mache quasi alles wieder zum ersten Mal, das kann man schon mit einem Überlebenstraining vergleichen, haha. Je älter du wirst, desto weniger Zeit haben deine Freunde für kreative Freiräume. Durch Musik fühle ich mich lebendig, also bleibe ich dabei, solange es geht.

Die Videos von SURVIVAL GUIDE haben ein ausgeprägtes Storytelling. Spielt das Visuelle für dich heute eine größere Rolle?

Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Aber du hast recht! Insbesondere seit ich das alleine mache, scheint es wichtiger zu sein. Das ist vermutlich die befreiende Seite an einem Soloprojekt. Man kann leichter Entscheidungen treffen und umsetzen.

Die Clips von ,,Way to go“ und ,,One to one“ zeigen beide die Protagonistin, also dich, bei der Arbeit und auf der Bühne. Ist die Kunst Realitätsflucht für dich?

Auf jeden Fall! Performen ist für mich die Flucht schlechthin. Ich liebe es aufzutreten! Und zu reisen! Mit Musik zu touren ist die perfekte Kombination für mich. Nichts kann das ersetzen, auch Urlaub nicht. Das konstante Touren in den Neunzigern hat mich zum Nomaden gemacht. Es ist so weit weg vom Alltag und man erlebt trotzdem so viel Authentisches, Greifbares.

Deine letzten Releases kamen auf Side With Us Records heraus. Wie kam es dazu?

Die Betreiberin Leslie kenne ich seit ACTION DESIGN-Zeiten. Sie wollte damals schon etwas von uns veröffentlichen, das hat aber leider nicht funktioniert. Wir blieben freundschaftlich in Kontakt und als es mit SURVIVAL GUIDE losging, kam sie auf uns zu. So wie Leslie sollte jeder Labelbetreiber sein: ein echter Fan, der die Welt einfach nur mit guter Musik bereichern will.

Du hast eine Crowdfunding-Aktion via Patreon gestartet. Siehst du darin einen zukünftigen adäquaten Ersatz für physische Tonträger?

Für mich definitiv nicht. Ich liebe Vinyl und bringe es so oft wie möglich auch selber heraus. Teile meiner letzten CD waren handgemacht und das gefiel den Leuten sehr. Digitale Veröffentlichungen kann man schnell und zwischendurch konsumieren, aber die Wertschätzung für Musik steckt im physischen Datenträger. Mein Patreon bietet auch keine kompletten Alben, das ist eher ein Fan-Ding, über das ich Live Chats mache oder Demos und Coversongs verbreite. Nur zum Spaß.

Auf deiner Facebook-Seite nennst du ,,Freien Willen, Kaffee und Keller“ als deine Einflüsse. Klingt wie die Hauptzutaten für Punkrock und D.I.Y.

Mein freier Wille und Kaffee haben mich immer schon angetrieben. Sie sind jeden Tag Teil meines Lebens. Und nach dem D.I.Y.-Prinzip habe ich auch schon immer gearbeitet. Von daher stimmt das. Was den Keller betrifft, haben Jaycen und ich in seinem Keller alles geschrieben, geprobt und aufgenommen ... Wahrscheinlich ist es jetzt Zeit, meine Facebook-Seite zu aktualisieren, haha.

Daniel Schubert

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #137 (April/Mai 2018)

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ARRESTED DENIAL wurden Ende 2009 in Hamburg gegründet. Soweit man Vergleiche bemühen möchte, lässt sich die Zielgerade irgendwo zwischen Bands wie den SWINGIN' UTTERS, RANCID und den BOUNCING SOULS verorten. Jedoch blickt man ganz gerne mal über den ... mehr