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Interviews & Artikel

TERROR

Voll ins Schwarze

Unglaublich, aber dies ist bereits das neunte Interview mit TERROR im Ox. Die veröffentlichten zuletzt 2017 die EP „The Walls Will Fall“. Wir schnappten uns auf der Persistance-Tour im Januar Gitarrist Martin Stewart für ein kurzes Interview.

Martin, in knapp einer halben Stunde geht es auf die Bühne zur vorletzten Show der diesjährigen Persistence Tour. Wie lief es bislang?


Es war immer unfassbar gut besucht. Vor allem in Tschechien ging es richtig ab. Da sind die Leute noch nicht so „satt“ wie anderswo. Wenn man in London, Brüssel, Paris oder Berlin spielt, wo jeden Tag irgendwas Tolles stattfindet, sind die Leute anders drauf, als wenn nur einmal im Jahr ein paar international bekannte Hardcore-Bands in deiner Stadt sind. Dann geht erstens jeder hin und zweitens auch jeder ab. Wir hatten in Brünn in Tschechien einen Moshpit, der ging bis hinter das Mischpult, und das befand sich schon im letzten Hallendrittel. So was kennt man sonst eher von Festivals.

Apropos Berlin. Man könnte meinen, dass ihr längst in einer der von dir genannten europäischen Städte zu Hause seid, so oft, wie ihr hier spielt. Gib es zu, ihr lebt eigentlich gar nicht mehr in Los Angeles ...

Haha! Das wäre gut, dann hätten wir nicht immer so mit dem Jetlag zu kämpfen. Leider stimmt das nicht, obwohl wir schon einen Großteil des Jahres hier in Europa unterwegs sind. Aber hier ist doch auch die Szene! So was wie die Persistence- oder die Rebellion-Tour gibt es nur hier, wo fünf bis acht richtig geile Bands zusammen auf Reisen sind und alles in Schutt und Asche legen. Wir haben aktuell in acht Locations gespielt, von denen sechs komplett ausverkauft waren. Das wünscht man sich doch. Aber Scott hat tatsächlich mal einige Zeit in Amsterdam gelebt, was für die Shows hier wirklich von Vorteil war. Alles andere wurde jedoch sehr kompliziert, da er teilweise sehr lange Anreisewege hatte.

Wo lebst du, wie oft bist du überhaupt dort? Euer Tourkalender ist bis zum Anschlag gefüllt.

Wir touren ungefähr acht, neun Monate im Jahr, das ist schon deutlich weniger als noch vor einigen Jahren, wo wir gefühlt Jahre hintereinander on the road waren. Meine Heimatstadt ist Beverly Hills. Ich habe dort ein kleines Appartement, nicht weit vom Walk of Fame entfernt. Sind wir länger unterwegs, vermiete ich einen Teil davon zeitweise.

Über Beverly Hills hab ich gelesen, es sei eine der am schnellsten wachsenden Städte in Kalifornien. Kann man sich da überhaupt noch eine Wohnung leisten, wenn die Gentrifizierung zuschlägt?

Das ist richtig. Nicht nur die Filmindustrie boomt, sondern auch viele Computer- und Grafikfirmen sind zur Zeit schwer aktiv dort. Die Gegend, in der ich schon seit ich denken kann lebe, war vorher eher ein Problemviertel. Trotz der Nähe zum Walk of Fame. Viele Leute denken, dass es da überall piekfein zugeht und so. Aber weit gefehlt, dort, wo ich lebe, gibt es immer noch Ecken auf dieser weltberühmten Straße, wo offen gedealt wird oder Touristen schnell Gefahr laufen, ausgeraubt werden. Aber insgesamt ist es, was Kriminalität und Drogen angeht, schon deutlich besser geworden, weil die Mieten und die Lebenshaltungskosten so extrem in die Höhe geschossen sind. Nur deshalb kann ich da untervermieten. Noch vor einigen Jahren wäre niemand freiwillig dort eingezogen. Trotzdem gibt es immer noch sehr viele Dinge, die die Stadtverwaltung besser machen muss. Es mangelt an sozialen Projekten, es gibt kaum Bildungsangebote oder so was, um die Kids von der Straße zu holen.

Wirkt sich diese Kostensteigerung auch auf die Club- und Musikszene aus?

Definitiv, denn viele Clubs sind heute Bürogebäude oder Coffeeshops. Schau dir mal das Video „Neverending“ von DEATH BY STEREO an, da sind einige ehemalige Läden zu sehen, die es schon lange nicht mehr gibt. Viele Bands müssen schon nach Los Angeles reinfahren, um noch in kleineren Clubs spielen zu können. Das ist immer eine irre Fahrerei, und man braucht auch einen Bulli, um alles zu transportieren. Klar hat man noch die großen Dinger wie das Troubadour oder das Whisky a Go Go, aber um da zu spielen, musst du schon einen Namen haben. Auch Proberäume sind rar, vor allem weil dein Equipment ja sicher sein muss. Viele Bands haben daher in Containerparks geprobt, aber auch da sind die Kosten unglaublich nach oben geschossen.

Was machst du, wenn du mal nicht auf Tour bist? Hast du neben TERROR noch einen „richtigen“ Job?

Klar habe ich einen Job. Obwohl das nicht selbstverständlich ist. Ich habe sogar studiert, einen großen Teil der Aufgaben dafür habe ich irgendwie on the road erledigt. Das geht ja heute ziemlich gut mit den digitalen Vernetzungen. Ich habe einen Bachelor in Grafikdesign gemacht und arbeite für eine kleine Firma, deren Chef früher viele Konzerte im Raum L.A. organisiert hat. Da er da schon gesehen hat, wie wir uns den Arsch aufreißen, hat er mich direkt nach meinem Abschluss eingestellt.

Donald Trump hat mit einer sehr konfusen Idee auf die Amokläufe an amerikanischen Schulen reagiert, indem er Lehrern das Tragen von Waffen im Unterricht empfahl. Ich musste direkt an euer Video zu „You’re caught“ denken, in dem ihr auf verschiedene Weise aufmüpfige Schüler ausschaltet, eine Klasse fällt dabei gezielten Pistolenschüssen ihres Lehrers zum Opfer.

Politik ist für mich in Interviews eigentlich ein No-Go, aber hier kann ich dir nur zustimmen, das ist schon sehr schräg. Stell dir doch mal vor, als Lehrer ziehe ich aus irgendeinem Grund vor der Klasse eine Knarre und ballere wild in der Gegend herum. Da muss man schon eine gescheite Ausbildung haben, um nicht gleich fünf Unbeteiligte mitzunehmen. So etwas vorzuschlagen tut schon richtig weh. Aber dass wir mit dem Video so ins Schwarze treffen würden, hätte keiner von uns gedacht.

Benjamin Korf

Benjamin Korf

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #137 (April/Mai 2018)

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