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Interviews & Artikel

TINY MOVING PARTS

The lucky ones

Da ist es also: das sechste Album von TINY MOVING PARTS, das so plötzlich auf der Bildfläche erschienen ist und doch von so vielen sehnlichst erwartet wurde. Jeder, der die Brüder Matthew und Billy Chevalier zusammen mit ihrem Cousin Dylan Mattheisen, Sänger und Gitarrist der Band, einmal live erlebt hat, weiß um die musikalischen Fähigkeiten der drei, die gerne zugeben, dass sie eine Midwest-Emo-Band sind. Nach ihrem letzten Album „Celebrate“ erblicken auf „Swell“ nun zehn neue, sehr persönlich Songs das Licht der Welt. Dass Mattheisen dabei nicht immer zum Lachen zumute war und warum man trotzdem immer das Beste aus allem machen soll, erklärt er gutgelaunt im Interview.

Ihr seid im Moment die Band der Stunde, auf die sich gefühlt jeder einigen kann. Eure Konzerte sind pure Energieexplosionen und eure Platten werden allerorts in den höchsten Tönen gelobt. Wie kommt es dann, dass in den Texten von „Swell“ so gar nicht alles eitel Sonnenschein ist, sondern eher das Gegenteil?


Im Grunde handeln viele Songs auf „Swell“ davon, dass wir versuchen sollten, mit einer positiven Grundeinstellung an viele Dinge heranzugehen. In „Applause“ zum Beispiel, geht es darum, selbst in einer beschissenen Situation an schöne Dinge zu denken. Egal, was auch um uns herum passiert, sollten wir unsere eigene Lage immer aus einer bestimmten Perspektive heraus betrachten. Natürlich gibt es unendlich viele Dinge, die uns irgendwie runterziehen können – aber die meisten davon sind verglichen mit dem, was andere durchmachen müssen, manchmal gar nicht so schlimm.

Trotzdem sind viele Situationen oder Geschichten, wie zum Beispiel in „Warm hand splash“ eher traurig. Wie schafft ihr es, am Ende dennoch optimistisch zu bleiben?

Musik ist mit die persönlichste Art sich auszudrücken, die ich mir vorstellen kann. In Kombination mit einem bestimmten Text liefert man ja quasi so etwas wie den Soundtrack zu einer Gegebenheit. Grundsätzlich mag ich es, wenn man einen Song nicht direkt beim ersten Hören verstehen kann. Durch Lyrics, die ein bisschen offener formuliert sind, entsteht ein gewisser Interpretationsspielraum, den jeder mit seinen Vorstellungen und Emotionen füllen kann. Im Song „Warm hand splash“ geht es, bildlich gesprochen, um so etwas wie ein Stück Müll auf dem Grund eines Wunschbrunnens. Die Idee dahinter ist, dass wir alle gerne Teil von etwas Schönem und Persönlichem sein wollen, es aber nicht immer schaffen. In erster Linie hängt das natürlich auch mit den Menschen zusammen, die wir beeindrucken wollen oder zumindest gerne um uns hätten. Manchmal erreichen wir einfach nicht direkt unser Ziel. Bisweilen ist das Gefühl, es wenigstens versucht zu haben, auch schon gut genug. Ich verwende das als Analogie zu den Menschen in meinem Leben, die ich gerne in meiner Nähe hätte, und zu jenen, die nur für einen kurzen Moment bleiben können.

Man hätte meinen können, dass ihr allen Grund zum Feiern habt, nachdem ihr auf euer letztes Album „Celebrate“ so positive Reaktionen erhalten habt. Eure Konzerte sind, zumindest in Deutschland, meistens ausverkauft. Wie habt ihr es geschafft, bei der ganzen Euphorie, die um eure Band herrscht, nicht von den Erwartungen erdrückt zu werden?

Für uns drei hat sich von Anfang an eigentlich alles ganz natürlich entwickelt ... Versuch doch mal die Bands aufzuzählen, die zu 100% aus Mitgliedern einer Familie bestehen. Wir kennen uns quasi unser ganzes Leben, haben früher zusammen Mist gebaut und wissen, was wir aneinander haben. Keiner von uns ist je mit der Idee um die Ecke gekommen, dass wir mit TINY MOVING PARTS irgendwann mal Rockstars werden müssen. Wir wollten nur zusammen gute und authentische Musik machen. Egal, ob es jemandem gefällt oder ob es sich irgendwie verkauft. Ich würde auch sagen, dass das eine unserer Stärken ist, da wir dadurch immer auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Ich kann dir gar nicht sagen, wie viel Spaß mit das ganze Rumgereise und die Konzerte machen. Ich kann meine Zeit mit Musikmachen und unglaublich vielen tollen Leuten verbringen. Etwas Besseres kann ich mir gar nicht vorstellen.

Aber du stimmst mir schon zu, wenn ich behaupte, dass „Swell“ eine düsterere Grundstimmung als „Celebrate“ hat, oder?

Ja, das ist schon richtig. Wobei es auch da immer auf die Perspektive ankommt, aus der du es betrachtest. Schließlich kann ein vermeintlich eher trauriger Song auch immer eine Art Aufbruchsstimmung beinhalten. Wir müssen uns täglich allen möglichen Situationen stellen. Sich da seinem Schicksal zu ergeben, macht überhaupt keinen Sinn.

Animieren dich solche Situationen immer gleich dazu, dass du einen Song darüber schreiben möchtest? Schließlich ist eure Musik zwar eine Mischung aus einerseits poppigen, aber auch ziemlich vertrackten Gitarrenriffs, die ihr ein Post-Hardcore-Gewand packt. Mit den vielen wilden Ausbrüchen klingt das stellenweise auch ein bisschen schizophren.

Grundsätzlich schreiben wir erst die Musik und im Anschluss dann die Texte. Das läuft meist so ab, dass ich ein Gitarrenriff oder manchmal auch einen Teil eines Songs bei mir im Schlafzimmer entwickle und dann direkt am Computer auch die Drums programmiere. Um ehrlich zu sein, bin ich, was das Programmieren angeht, überhaupt nicht gut. Für eine ungefähre Idee sollte es aber immer reichen. Am darauffolgenden Tag nehme ich meine Ideen dann mit zur Probe, um sie Matt und Billy vorzustellen. Erst dann wird aus den Fragmenten ein richtiger TINY MOVING PARTS-Song. Der kann dann auch mal ganz anders klingen als die Grundidee, die ich bei mir zu Hause hatte. Parallel dazu arbeite ich viel mit Wörtern und Formulierungen, die in meinem Kopf rumgeistern. Wenn die Musik fertig ist, schreibe ich einen Text dazu und wir beschäftigen uns mit den nächsten Ideen für weitere neue Songs.

Habt ihr es euch in den zehn Jahren, die ihr mit TINY MOVING PARTS nun unterwegs seid, jemals vorgenommen, so etwas wie den schnellsten und kompliziertesten Song zu schreiben, zu dem ihr als Musiker fähig seid? Quasi eine große Herausforderung, um an eure eigenen Grenzen zu stoßen?

Hehe, das versuchen wir eigentlich mit jedem Song, den wir schreiben. Es muss sich vom ersten Ton an verdammt gut anhören und anfühlen. Auch im Kontext einer Platte sollten die einzelnen Lieder gut funktionieren. Vor allem aber soll es auch all den anderen Leuten etwas bedeuten, die an der Produktion beteiligt sind.

In „Smooth it out“ singst du: „In every silence there’s a static.“ Da ihr eine Band seid, in deren Songs immer eine Menge passiert, sind Momente der Ruhe ja eher rar gesät.

Diese Songzeile bezieht sich ganz konkret auf eine Form von Seelenfrieden oder innerer Ruhe, die man manchmal verspürt. Was mich betrifft, habe ich gemerkt, dass ich irgendwie immer rastlos bin und nicht wirklich vollständig zur Ruhe kommen kann oder es gar unbedingt möchte. Selbst wenn ich mir sage, dass eigentlich alles gut ist und es keinen Grund gibt, sich Sorgen über etwas zu machen, ist da dieses Rauschen, das dafür sorgt, dass ich wieder anfange, mir Gedanken über irgendwas zu machen. Ist wirklich alles okay? Ich denke, dass jeder so etwas schon mal erlebt hat und seine eigenen Mechanismen entwickelt hat, um damit umzugehen und schlussendlich glücklich zu sein.

Lass uns über eure großartigen Musikvideos sprechen. Im Video zu „Headache“ vom Album „Celebrate“ habt ihr euch bei den Dingen filmen lassen, die ihr machen würdet, wenn ihr nur noch 24 Stunden zu leben hättet. Auch die Videos zu „Applause“ und „Caution“ sind durch und durch sympathisch. Welche Bedeutung haben Single-Veröffentlichungen und damit auch Musikvideos für euch?

Das Video zu „Headache“ hat wirklich unglaublich viel Spaß gemacht. Schließlich hatten wir die Chance, Fallschirmspringen zu gehen und wirklich viel zu trinken, haha. Es zeigt aber auch diesen typischen Kontrast zwischen einer eigentlich tragischen Situation und einer optimistischen und positiven Art damit umzugehen. Wir haben das Glück, sehr viele talentierte Freunde zu haben, die sich mit Musikvideos sehr gut auskennen und fantastische Ideen haben. Die Schauspieler, welche eine ältere Version von uns in „Caution“ spielen, sind unglaublich gut und haben das Video zu etwas Besonderem gemacht. Dave, der Hausmeister, der mich in dem Video darstellt, hat vor kurzem sogar auf einem unserer Konzerte vorbeigeschaut und uns bei dem Song auf der Bühne unterstützt. Das war total toll. Aber um auf die Frage zurückzukommen, eigentlich hat eine Single für uns nicht die gleiche Bedeutung wie ein ganzes Album. Wie gerade schon erwähnt, schreiben wir Songs, die den Anspruch haben, im Kontext eines Albums zu funktionieren und nicht umgekehrt.

Lass uns etwas über euren Hintergrund und die Einordnung eurer Musik in ein bestimmtes Genre sprechen. Auf euren T-Shirts macht ihr ganz klar deutlich, dass ihr aus dem Mittleren Westen von Amerika kommt. Genau aus derselben Gegend, aus der der ursprüngliche Midwest-Emo stammt, zu dem Bands wie PROMISE RING, THE GET UP KIDS oder auch BRAID gezählt werden. Bei Wikipedia werdet ihr zudem als „Emo-Revival-Band“ bezeichnet. Was hältst du davon?

Um ehrlich zu sein, geben wir nicht viel darauf, wer uns in welches Genre einordnet. Ich kann aber definitiv verstehen, warum manche uns in dieser Kategorie sehen. Wir spielen Open Tunings und machen sehr emotionale Musik, ähnlich wie zum Beispiel AMERICAN FOOTBALL, nur einen Tick schneller. Aber im Ernst, heutzutage hat man als Hörer doch die Chance, sich ganz schnell selbst einen Eindruck von einer Band zu verschaffen, da braucht es solche Schubladen doch eigentlich gar nicht mehr. Es hätte uns auf jeden Fall schlimmer treffen können, als als Emo-Revival-Band eingestuft zu werden.

Politisch hat der Mittlere Westen in Amerika in der letzten Zeit immer wieder eine größere Rolle gespielt ...

Wir kommen aus einer kleinen Stadt in Minnesota und wir leben sehr gerne dort. Schon weil man hier alle vier Jahreszeiten erleben kann, im Winter wird es unglaublich kalt und im Sommer ist es angenehm warm. Es ist unsere Heimat. All die Menschen, die wir kennen, unsere Familien und Freunde, machen es zu unserem Zuhause.

Wie reagiert ihr darauf, wenn Leute auf euch zukommen und sagen, dass ihr sie dazu inspiriert habt, selbst Musik zu machen oder eine Band zu gründen?

Zeig mir einen Musiker, der sich dadurch nicht total geschmeichelt fühlt! Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich 15 Jahre alt war und THE FALL OF TROY so unglaublich toll fand, dass ich genauso Gitarre spielen wollte wie Thomas Erak. Nach einem Konzert zum Album „Doppelgänger“ war ich super motiviert, an meinen Skills zu arbeiten. Jetzt sind wir für ein paar Menschen vielleicht so eine Band. Ich finde die Möglichkeit echt cool.

„Swell“ ist nun euer sechstes Album. Wann ist euch bewusst geworden, dass die Leute neue Songs von euch hören wollen und sogar bereit sind, weite Strecken zu fahren, um euch live zu sehen?

Es gab im Januar 2013 nach der Veröffentlichung von „This Couch Is Long & Full Of Friendship“ einen Moment, in dem wir gemerkt haben, dass die Leute anders mit unserer Musik umgehen. Bevor wir damals auf eine selbst organisierte Tour durch Amerika gegangen sind, haben wir die Songs bei Bandcamp hochgeladen. Irgendwann, relativ am Anfang der Tour, haben wir festgestellt, dass die Leute vor allem die neuen Songs direkt mitgesungen haben, obwohl sie ja noch nicht zu lange zu hören waren. Vorher waren wir schon total glücklich, wenn nur mal einer mitgesungen hat. Da ist uns erstmals bewusst geworden, dass wir so was wie eine Fanbase haben. Und, ganz unter uns, das ist genau das, was wir uns seit der Gründung der Band immer gewünscht haben.

Sebastian Wahle

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #137 (April/Mai 2018)

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