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Interviews & Artikel

TOXIC REASONS

"Proud of the places where we’re from."

Warum werden manche alten Punk- und Hardcore-Bands bis in die Gegenwart kultisch verehrt und sind präsent, wohingegen andere fast völlig in Vergessenheit gerieten, obwohl sie einst zu ihrer Hochzeit genauso bekannt waren? Ein solcher Fall sind die 1979 in Dayton, Ohio gegründeten TOXIC REASONS, die mit den Alben „Independence“ (1982), „Kill By Remote Control“ (1984), „Within These Walls“ (1984), „Bullets For You“ (1986), „Dedication 1979-1988“ (1988), „Anything For Money“ (1989),

„In The House Of God“ (1993) und „No Peace In Our Time“ (1994) eine beachtliche Diskografie aufweisen und immer einen guten Stand in der internationalen Hardcore-Szene hatten, gerade auch in Deutschland. Wer das Glück hatte, TOXIC REASONS in den Achtzigern und bis in die Neunziger live zu erleben, hat eine exzellente, sympathische Band in Erinnerung, die mehr als ein

Jahrzehnt lang die Fahne in Sachen bissigen US-Hardcore-Punks hoch hielt. Seit geraumer Zeit ist die Band nun wieder aktiv, diesen Sommer schafft sie es sogar wieder nach Europa. Ein guter Grund, Drummer J.J. Pearson zu interviewen.

J.J., TOXIC REASONS werden unter anderem beim Rebellion Festival 2018 im britischen Blackpool spielen sowie beim Back To Future-Festival in Deutschland. Wie seid ihr wieder zusammengekommen?


Ich glaube, es war Tufty, der die Idee hatte, nochmal als TOXIC REASONS eine Show zu spielen, und zwar in der Besetzung Ed Pittman, Rob Lucjack, Bruce Stuckey, Tufty und mir, also wie 1982, als die „Independence“-LP rauskam, obwohl Tufty auf diesem Album nicht zu hören ist. Er stieß erst während der Aufnahmen zu uns, weil unser Bassist Greg Stout die Band verlassen hatte. Wir waren mit Tufty befreundet und es schien, als würde sich seine bisherige Band ZERO BOYS auflösen, also schloss er sich uns an. Rob entschied dann doch, dass er nicht spielen wollte, und so kamen wir auf die Idee, wenigstens eine Show mit Ed, Tufty, Bruce und mir zu machen und dabei das komplette Album „Independence“ zu spielen. Wir hatten so viel Spaß beim Üben für die Show, dass wir uns überlegt haben, warum wir nicht noch ein paar weitere spielen sollten. Unsere Zeitplanung machte es aber leider unmöglich, so dass es keine weiteren Auftritte mehr in dieser Besetzung gab.

Wer wird in Europa als TOXIC REASONS auf der Bühne stehen?

Bruce, Tufty und ich als Kern-Line-up. Wir hatten schon bei vielen Gelegenheiten geplant, wieder mehr Shows zu spielen. Wir hatten zwar Spaß beim Spielen von „Independence“, aber wir wollten die vielen Jahre, Alben und Tourneen, die wir drei gespielt hatten, auch nicht ignorieren.

Werdet ihr künftig wieder öfter in Europa zu sehen sein?

Das erweist sich als schwierig, denn wir alle, Bruce, Tufty und ich, sind in unserem wirklichen Leben ziemlich beschäftigt. Bruce und Tufty haben ihre Bars Radio Radio und La Revolucion in Indianapolis und bin als Lastwagenfahrer unterwegs.

Was erwartet ihr euch von den Auftritten in Europa?

Die Rückkehr nach Europa ist für uns drei sehr aufregend. Wir kommen natürlich auch, um Konzerte zu spielen, aber vor allem, um unsere alten Freunde, die wir im Laufe der Jahre gewonnen haben, wiederzusehen. Man kann zwar über die sozialen Medien Kontakt halten, aber wir wollen uns mit all unseren Freunden da draußen auch treffen.

Wird es TOXIC REASONS nur für eine begrenzte Zeit wieder geben oder auch längerfristig?

Wir haben wirklich keinen Masterplan. Wir wollen nur etwas Spaß haben und sehen, wohin es führt.

Und habt ihr auch vor, neue Songs aufzunehmen?

Massimilliano Giorgini, ein alter Freund und der Produzent unseres letzten Albums „No Peace In Our Time“, ebenfalls Mitglied von RATTAIL GRENADIER und SQUIRT GUN, hat uns in sein Sonic Iguana-Studio eingeladen, um dort neues Material aufzunehmen. Stay tuned!

Wie steht es mit Neuauflagen eurer alten Platten?

Wir waren über die ganzen Jahre nie besonders aufmerksam, wenn es darum ging, den Überblick über unser Material zu behalten. Viele der frühen Alben wurden spontan und mit einem überschaubaren Budget aufgenommen, was bedeutet: Wir haben die Bänder mit dem Master nie gekauft, sondern nur gemietet, also existieren die meisten der frühen Originalbänder nicht mehr. Wenn irgendetwas von dem alten Zeug wiederveröffentlicht werden soll, müssten wir eine makellose Kopie des Vinyls finden und das überspielen. Wenn es jemanden gibt, der diese Aufgabe in Angriff nehmen möchte, dann sind wir für Gespräche offen.

Ich erinnere mich, dass ihr 1986 in Großbritannien wart, wo ihr auch eine Radiosession aufgenommen habt. Was kannst du darüber erzählen?

Im Jahr 1986 spielten wir im 100 Club, und so ein Typ fing ein Gespräch mit Tufty an, in dem er Neuigkeiten über Tuftys Heimatfußballmannschaft „Liverpoop“ mit ihm austauschte. Jedenfalls stellte sich heraus, dass der Kerl niemand anderer als John Peel war. Er lud uns ein, in die BBC-Studios zu kommen, um eine seiner berühmten John Peel Sessions aufzunehmen. Das war einer der stolzesten Momente meiner Karriere. Abgesehen von der Radiosendung glaube ich nicht, dass die Aufnahmen jemals veröffentlicht wurden.

Welche Erinnerungen hast du an eure Konzerte in England 1986?

Ich habe einige Erinnerungen, die so deutlich sind, als sei es gestern passiert, und andere, an die ich mich nicht erinnern kann, ob sie auf der Tour ’84, ’86, ’88, ’93 oder ’95 passiert sind. TOXIC REASONS haben ja ’91 eine Tournee ohne mich gemacht. Eine der coolsten Erinnerungen war der Gig im 100 Club. Charlie Harper war da, ebenso wie ein paar Leute von GBH. Das war auch der Abend, an dem wir John Peel trafen. Eine meiner schönsten Erinnerungen war auf unsere ersten Tournee 1984. Wir waren fast am Verhungern. Ein Freund von Tuftys Schwager, Ronnie Jenkins, R.I.P., verschaffte Bruce und mir einen Job, bei dem wir Lkws entladen mussten, es waren Säcke mit Walnüssen, Erdnüssen und Reis. Die Walnusssäcke waren der Favorit, sie waren nicht so schwer, die mit Erdnüssen waren ätzend und die mit Reis ein wahrer Rückenbrecher. Von dem Sackleinen bekamen wir Verbrennungen und Ausschläge auf Armen, Gesicht und Brust. Gegen halb zehn bekamen wir einen Becher Tee und am Ende des Zehn-Stunden-Tages zehn Pfund bar. Die gingen drauf für Chip-Butty-Sandwiches, und dann eine oder zwei Pints Brown and Bitter, und ich hatte noch Geld über für eine Zehner-Schachtel Kippen ... tolle Tage. Wir haben sogar einige Songs mit Nick und dem Gitarristen von PETER AND THE TEST TUBE BABIES aufgenommen. Nick hat uns auch mit dem Ranting-Poeten Ginger John the Doomsday Commando zusammengebracht. Er tourte mit uns durch ganz England und Schottland. Ein Riesenspaß. Oh, und nicht zu vergessen, wie ich mit einem Kerl, der bei uns den Roadie machte, auf Gitarrenjagd war. Wir gingen zu irgendeiner Wohnung, um dort nach einer Gitarre zu sehen, und niemand anderes als Captain Sensible öffnete die Tür. Ich war platt! Er lud uns auf eine Suppe ein. Wir hingen den ganzen Nachmittag in seinem Heimstudio herum und bastelten an Gitarren herum, dann luden wir ihn zu unserer Show in Brighton ein, organisiert von Peter von PETER & THE TEST TUBE BABIES. Der Captain kam zur Show und spielte ein paar Songs mit uns. Es war verdammt brillant!

Was waren die Gründe für eure Auflösung im Jahre 1995?

Bruce, Tufty und ich sind ja mehr als nur reine Bandkollegen, eher Brüder. Aber irgendwann waren wir nur noch genervt von einander. Wir kommen jetzt wieder gut miteinander aus, aber damals ... Kurz vor unserer ’95er Europatour versuchte sich Century Media, die amerikanische Sektion des deutschen Metal-Labels, im Punkrock und sie boten uns an, unsere erste LP „Independence“ erneut und auch unser neuestes Album, „No Peace In Our Time“, zu veröffentlichen. Sie hatten den gleichen Deal auch mit THE BUSINESS gemacht. So trat Century Media mit dem Angebot an uns heran, eine US-Tour zu machen, da waren die Europa-Dates schon gebucht. Wir sollten der Opener sein, THE BUSINESS als Zweite spielen und danach noch eine Band, an die ich mich nicht mehr erinnern kann, sie waren wahrscheinlich auf Century Media. Und in jeder Stadt der Tour sollte es ein Radiointerview und Interviews mit lokalen Musikmagazinen geben. Bruce und ich waren dazu bereit – wir waren nie wirklich durch die Staaten getourt und hatten auch seit 1986 keine Platte mehr veröffentlicht. Tufty andererseits hatte gerade sein Geschäft eröffnet, Future Shock, so ein Laden für Punkrock-Kleidung, Schuhe und Schnickschnack, und es fing gerade an zu laufen, so dass er nicht daran interessiert war, mit uns für wenig bis gar kein Geld durch die USA zu gondeln, nur für die Chance, dass es uns auf die nächste Stufe des Tourens durch die Staaten heben könnte. Wir hatten eine ziemlich gute Fangemeinde in Europa, aber in den Staaten? Bruce und ich haben uns gedacht, dass wir nicht die Zeit investieren sollten, eine größere Fanbase in den USA aufzubauen, anstatt eine weitere, bereits gebuchte Tour in Europa zu spielen. Da hätten wir gleich aufhören können. Tufty war in dieser Hinsicht ein wenig engstirnig, so dass wir danach für ein paar Jahre fertig miteinander waren. Aber wie gesagt, wir sind jetzt wieder im Reinen.

In der Zwischenzeit ist viel passiert, nehme ich an. Habt ihr Jungs in den letzten Jahrzehnten weiter in Bands gespielt? Und was habt ihr gemacht, um im wirklichen Leben über die Runden zu kommen?

Gleich nachdem wir aufgehört haben zu touren, bin ich Hals über Kopf ins Restaurantgeschäft eingestiegen. Ich hatte während der ganzen Zeit parallel zum Musikmachen immer in der Gastronomie gearbeitet, aber jetzt wechselte ich ins Management. Etwa zehn Jahre später habe ich dann mein eigenes Restaurant eröffnet. Schließlich hatte ich drei erfolgreiche Cafés. Ich hatte eines in Indianapolis, das fast sofort nach der Eröffnung wieder geschlossen wurde, und das mich ein wenig in den Wahnsinn trieb. Also verkaufte ich meine kleinen Geschäfte und erwarb dann ein Restaurant in Kanada. Es war auf einer wunderschönen Insel namens Saltspring Island, auf der ich die meiste Zeit meiner Kindheit verbracht habe. Leider hatte ich meine Hausaufgaben nicht gemacht und nicht wirklich genug Geld, um es ordentlich zu finanzieren, so dass ich kaum ein Jahr durchgehalten und prompt alles verloren habe. Ich nahm es als Lernerfahrung, packte alles in meinen Van und kehrte zurück nach Indianapolis. Seit drei Jahren bin ich jetzt Lkw-Fahrer. 2008 gelang es mir, mein Soloalbum „JJ Pearson, Only One Reason“ aufzunehmen, und es gab eine kleine US- und Europatour. Das war ein Spaß. Bruce ging auch ins Restaurantgeschäft und spielte in ein paar Bands, wie THE GIGGIES und CARNISOUR. Er ist jetzt der Chefkoch von Tuftys Café La Revolucion. Tufty ist der Klügste von uns allen. Mit seinem Laden Future Shock hatte er zunächst einen sehr erfolgreichen Lauf. Jetzt besitzt er einen der coolsten Nachtclubs in Indianapolis namens Radio Radio und das Restaurant & Tiki-Bar La Revolucion. Tufty hat mit seiner alten Band ZERO BOYS im Laufe der Jahre einige Shows gespielt und er hat eine Band mit Danny von SLOPPY SECONDS, sie heißen BIGGER THAN ELVIS und spielen Elvis-Songs der Rockabilly-Ära und andere alte Rock’n’Roll-Nummern. Ich war auch für eine kurze Zeit mit dabei. TOXIC REASONS haben im Laufe der Jahre einige „Reunion“-Konzerte gespielt, das war aber nichts Ernstes, sondern es ging nur darum, mit den alten Kumpels Spaß zu haben. Nach der letzten Show haben wir aber beschlossen, vielleicht ein paar neue Songs aufzunehmen, ein paar alte aufzupolieren und einige Gigs außerhalb unserer Heimatstadt zu spielen, uns vielleicht aus Spaß an einer kleinen Europatour zu versuchen und zu sehen, wohin uns das bringt. Bruce, Tufty und ich – wir sind einfach Freunde für Leben, wie Brüder, und ich bin mir sicher, dass wir auch in Zukunft etwas zusammen machen werden, sei es geschäftlich, musikalisch oder einfach nur aus Spaß.

TOXIC REASONS waren eine der ersten amerikanischen Bands, die Anfang der Achtziger Jahre nach Europa und auch nach Deutschland gekommen sind, und hier auch eine große Fangemeinde hatten. Was sind deine prägendsten Erinnerungen an diese Zeit?

Der erste Eindruck, den ich von den europäischen Punks bekommen habe, war auf unserer ersten Tour 1984. Ich sah, wie engagiert die Kids waren. Punks standen ja eigentlich in Opposition zu denjenigen, die einem einen Platz für Auftritte boten, also Jugendzentren, Squats und AJZs. Wenn man dem durchschnittlichen deutschen Punk begegnete, konnte man erkennen, dass er es meinte mit dieser Lebensweise. Es war nicht nur eine Modeerscheinung oder ein Trend, es war ein richtiger Lebensstil, dem sie sich verschrieben hatten. Der denkwürdigste Teil dieser Touren war aber die Großzügigkeit, die ich erlebt habe ... all die Menschen, die uns Essen, einen Platz zum Schlafen, Kleidung gaben, unsere Touren buchten und für uns ganz umsonst oder für kleines Geld Werbung machten. Jetzt, da ich älter bin und ich ein Zuhause habe und wenn auch über nicht viel, aber ein bisschen Geld verfüge, versuche ich, der Kultur des D.I.Y.-Netzwerks etwas zurückzugeben. Wenn irgendeine Band einen Platz zum Übernachten braucht, biete ich mein Haus an und versuche, ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie so willkommen sind, wie es all die Leute taten, als ich jung, hungrig war und auf der Straße lebte ... Ich glaube, ich habe verstanden, was ein richtiger Punkrocker ist!

Wie ging es eigentlich 1979 mit TOXIC REASONS los?

Das Original-Line-up bestand aus Ed Pittman am Mikro, Joel Agne an der Gitarre, Bruce Stuckey am Bass und Mark Patterson an den Drums. Angeblich hat es sich damals so ereignet: Ed ging mit einem Zwölfer-Pack Strohs-Bier die Straße entlang und hörte, wie irgendwo die SEX PISTOLS liefen, also klopfte er an die Tür und lud sich selbst ein. Dort traf er auf Joel und Bruce, sie freundeten sich an und beschlossen, eine Band zu gründen. Bruce und Joel spielten bereits zusammen in einer Rockband, die, glaube ich, EXODUS hieß. Eines Tages hörten sie „Holidays in the sun“ von den Pistols und der Teil „I got a reason, reason, reason“ erregte Eds Aufmerksamkeit und er kam darüber auf TOXIC REASONS, da ein Bandname richtig schön „giftig“ sein müsse.

TOXIC REASONS stammen ursprünglich aus Dayton, Ohio. Aber du bist Kanadier, wie bist du zur Band gestoßen?

Ich komme eigentlich aus Vancouver, Kanada. Die Band stammt zwar ursprünglich aus Dayton, aber sie waren in Kanada auf Tournee und spielten in Vancouver mit D.O.A. und DEAD KENNEDYS. Nach ihrer Show kam es zwischen Ed, dem ursprünglichen Sänger von TOXIC REASONS, und Mark Patterson, dem damaligen Drummer, zu einer Schlägerei, und Mark stieg in Folge aus. Sie übernachteten bei Dave Gregg von D.O.A., für die ich einige Jobs als Roadie erledigt hatte, und entweder Dave oder Joe Shithead schlug vor, dass sie es mal mit mir probieren sollten. Wir jammten zweimal im D.O.A.-Übungsraum im Punkerhaus Gore Manor, wo Dave lebte, dann spielten wir eine Show im Smilin’ Buddha und ich wurde engagiert, vier Shows mit ihnen an der Westküste zu spielen. Die erste Show war zusammen mit HÜSKER DÜ und DEAD KENNEDYS in San Francisco, die zweite mit T.S.O.L. und CHANNEL 3 in L.A., dann ging es zurück nach Frisco, um mit BLACK FLAG zu spielen und am nächsten Abend mit FLIPPER. Ich wurde süchtig danach. Ich fragte, ob ich in der Band bleiben könne und Ed Pittman nannte mich dann „JJ Kill“ – mein richtiger Name ist ja Jimmy-Joe.

Wie bist du mit Punkrock das erste Mal in Berührung gekommen?

Meine erste Punkrock-Erfahrung machte ich mit D.O.A. im klassischen Trio-Line-up mit Joe Shithead, Randy Rampage und Chuck Biscuits. Sie haben mich damals fast zu Tode erschreckt, so beeindruckend waren sie. Ich wusste, dass ich in einer Band wie dieser spielen muss. Ich hatte einen Freund, Cam Patterson, der ein paar der Jungs von der berüchtigten, sehr jungen Vancouver-Punkband NO EXIT kannte. Er sagte, sie bräuchten einen Schlagzeuger. Kurz zuvor hatten sie mit Hilfe von Dave Gregg auf eigene Faust ein Album veröffentlicht – Kanadas erstes Punk-Album. Es war sehr schlecht aufgenommen, denn sie hatten nur ein sehr kleines Budget dafür. Es hat eine Live-Seite und eine Studio-Seite. Jetzt ist es ein Sammlerstück und ein paar tausend Dollar wert, wie ich gehört habe. NO EXIT waren mein Einstieg in den Punkrock. Ich spielte aber auch bei BLUDGEONED PIGS, ihr Schlagzeuger vor mir war Ron Reyes von BLACK FLAG. Ich fing auch an, als Roadie für lokale Bands zu arbeiten, meistens für die Drummer. Für Zippy Pinhead von DILS, LOS POPULAROS, Dimwit von POINTED STICKS, SUBHUMANS, D.O.A. und meinen Überhelden Chuck Biscuits ...

Wie würdest du deinen Stil beschreiben, und wer hat dich beeinflusst?

Ich war stark von den RAMONES beeinflusst, weil ich ein großer Fan von Fifties Rock’n’Roll war, und sie erinnerten mich einfach an eine wirklich raue Fünfziger-Jahre-Rock’n’Roll-Band. Mein größter Einfluss waren definitiv D.O.A. Sie machten keinen Nonsens, sie spielen, bis du blutest und kotzt, und sie stehen zu ihrem Wort, tun das Richtige, blasen deinen Verstand weg. Eben Rock’n’Roll!

Das klassische TOXIC REASONS-Logo zeigt eine Fahne, die aus den Flaggen der USA, Großbritannien und Kanada zusammengesetzt ist ... Wie seid ihr auf diese Idee gekommen? Was symbolisiert es für euch?

Das Logo wurde von einem unserer Manager entworfen, Kent Coffey. Zuerst dachten wir nur, dass es cool aussieht, also haben wir es benutzt. Später, auf der Europatour 1993, verwendete unser Tourmanager das Flaggenlogo auf dem Tourposter. Aber bei vielen Shows wurde die Flagge aus dem Plakat herausgeschnitten. Uns wurde gesagt: „Ihr ignoranten Amerikaner, das ist zu nationalistisch. Das wird zu viele Skinheads anziehen.“ Das hat mich irritiert, denn auf jedem unserer Alben waren auf der Rückseite die Texte abgedruckt, und es war offensichtlich, dass wir keine Nationalisten waren. Es war aber Thema vieler hitziger Diskussionen. Ich schrieb einen Song darüber mit dem Titel „Plant a seed“, der sich auf „No Peace In Our Time“-LP befindet. Eine Textzeile lautet: „Proud of the places where we’re from. Not of the minds of men who govern them“. Das bedeutet einfach, dass Bruce aus den Staaten kommt, Tufty aus England und ich aus Kanada. Zusammen sind wir TOXIC REASONS.

Und wie oft wart ihr in den USA unterwegs? Bist du nicht nach einer Tour nach San Francisco gezogen?

Wir waren in der Anfangszeit, von 1981 bis 1988, fast zehn Monate im Jahr auf Tour. Wir gaben 1982 bis 1984 San Francisco als Zuhause an, aber wir lebten nur in unserem Van. 1984 war eigentlich der Plan, nach England zu ziehen und uns auf das Spielen in Europa zu konzentrieren. England war ein hartes Pflaster, aber der Kontinent nahm uns mit offenen Armen auf, so dass wir beschlossen, die meiste Zeit auf der Straße zu verbringen. Wir kehrten nur nach Indianapolis zurück, um Platten aufzunehmen, Kraft zu tanken und uns neu sortieren für den nächsten Angriff.

Letzte Worte?

Ich muss sagen, wenn ich jetzt zurückblicke auf meine Jahre in der Musikszene und auf die ganzen Touren, bin ich sehr stolz auf diese Zeit. Ich denke, wir waren ehrenwerte Kerle und haben unser Bestes getan, um zu unserem Wort zu stehen.

 


Diskografie

„War Hero“ (7“, Banit, 1980) • „Ghost Town“ (7“, Risky, 1981) • „Independence“ (LP, Risky, 1982) • „God Bless America“ (7“, T-Reason, 1984) • „Kill By Remote Control“ (LP, Sixth International, 1984) • „Within These Walls“ (LP, Treason, 1985) • „Bullets For You“ (LP, Alternative Tentacles, 1986) • „Dedication 1979-1988“ (LP, Funhouse/Steamhammer, 1988) • „Nobody Tells Us“ (7“, Selfless, 1990) • „Anything For Money“ (LP, Hellhound, 1989) • „Toxic Reasons/Zero Boys“ (Split 7“, Selfless, 1992) • „In The House Of God“ (CD, Bitzcore, 1993) • „No Peace In Our Time“ CD, Bitzcore, 1994) • „Live Berkeley Square December 1981“ (LP, Beer City, 2014)

 


Timeline

1979


Bruce Stuckey (Bass, Gesang), Joel Agne (Gitarre, Gesang), Ed Pittman (Lead-Gesang) und Mark Patterson (Schlagzeug) gründen die Band in Dayton, Ohio.

1980

Joel Agne verläßt die Band und wird durch Greg Stout am Bass ersetzt, während Stuckey zur Lead-Gitarre wechselt. Die erste Single „War Hero“ erscheint auf Banit.

1981

Die zweite 7“-EP „Ghost Town“ wird von DEAD KENNEDYS-Gitarrist East Bay Ray in San Francisco produziert und erscheint auf Risky. Nach ihrem Konzert in Vancouver mit D.O.A. und DEAD KENNEDYS kommt es zwischen Sänger Ed und Schlagzeuger Mark zu einer Schlägerei. Mark verlässt die Band und wird durch J.J. Pearson ersetzt. Rob „Snot“ Lucjak wird zweiter Gitarrist.

1982

Die Debüt-LP „Independence“ erscheint auf Risky. Die Band zieht nach San Francisco, dem Sitz von Risky. Ed Pittman verlässt die Band. David „Tufty“ Clough stößt als Bassist dazu. Die Band beginnt intensiv zu touren. In dieser Zeit entsteht das Logo, das die amerikanische, kanadische und britische Flagge zeigt. Das Symbol repräsentiert nicht nur ihre trinationalen Wurzeln – Pearson stammt aus Kanada, Clough und Lucjak aus England und Stuckey aus den USA –, sondern symbolisiert auch die Vielfalt ihres Sounds, der schnellen Hardcore-Punk mit melodischen Gitarrenlinien und Elementen aus Punk-Reggae vermischt.

1984

Die „God Bless America“-7“ erscheint auf T-Reason und die „Kill By Remote Control“ LP auf Sixth International. TOXIC REASONS gehen zum ersten Mal auf Europa-Tour.

1985

Die „With These Walls“-LP wird auf Treason veröffentlicht.

1986

Die „Bullets For You“-LP erscheint auf Alternative Tentacles. TOXIC REASONS touren erneut durch Europa.

1988

Funhouse/Steamhammer in Deutschland veröffentlicht die „Dedication 1979 – 1988“-LP. Die Band spielt wieder in Europa.

1989

Die „Anything For Money“-LP erscheint auf dem Berliner Label Hellhound.

1990/1991/1992

„Nobody Tells Us“-7“ auf Selfless (1990), 1991 geht die Band geht erneut auf Tour, dieses Mal ohne J.J., 1992 erscheint die TOXIC REASONS/ZERO BOYS-Split-7“ auf Selfless.

1993

Das Hamburger Label Bitzcore veröffentlicht die „In The House Of God“-CD. Die nächste Europatour steht an.

1994

Mit der „No Peace In Our Time“-CD, ebenfalls auf Bitzcore, erscheint die erste Punk-Rock-CD-ROM für Mac und Windows. Dazu gehören kurze Videos, eine Geschichte der Bandgeschichte, wie sie Stuckey erzählt, und ein Karaoke-Wettbewerb mit dem Song „White noise“.

1995

„No Peace In Our Time“ wird von Century Media auch in den USA veröffentlicht. Eine geplante USA Tour mit BUSINESS findet nicht statt. Nach ihrer Europatour lösen sich TOXIC REASONS auf. Mehrere Songs von „No Peace In Our Time“ werden im Kurzfilm „The Waiter“ verwendet.

2014/2015

Beer City veröffentlicht die „Live Berkeley Square December 1981“-LP sowie mit „Essential Independence“ eine umfassende Werkschau.

2018

TOXIC REASONS kehren zurück nach Europa.

Übersetzung: Triebi Instabil

Helge Schreiber

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #137 (April/Mai 2018)

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