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Interviews & Artikel

PENNYWISE

Oldschool-Vibes

Das letzte Jahrzehnt kann man für PENNYWISE durchaus als turbulent bezeichnen. Die Melodic-Punk-Pioniere aus Hermosa Beach, Kalifornien mussten 2009 den Abgang von Sänger Jim Lindberg verkraften. Er wurde durch IGNITE-Frontmann Zoli Téglás ersetzt – zunächst als Übergangslösung, dann als Dauerzustand. 2012 bekam Zoli dann Rückenprobleme, stieg aus – und Lindberg kam zurück. Vor vier Jahren erschien „Yesterdays“, ein neues Album mit alten Songs von PENNYWISE-Bassist Jason Thirsk, der 1996 an den Folgen einer Schussverletzung starb – ein Projekt mit vielen schmerzhaften Erinnerungen für alle Beteiligten. Das neue Album „Never Gonna Die“ ist das erste „normale“ PENNYWISE-Album in der Stammbesetzung seit über zehn Jahren, erklärt Gitarrist Fletcher Dragge.

Fletcher, „Yesterdays“ war sicher ein sehr emotionales Projekt für euch, ist „Never Gonna Die“ wieder ein erster Schritt in Richtung Normalität?


So kann man es ausdrücken. Die Arbeit an „Yesterdays“ war sehr aufwühlend für uns, weil wir uns wieder intensiv mit Jason beschäftigt haben, in Form seiner Songs auf den Demotapes, auf denen er selbst gesungen hat. Sich diese Aufnahmen anzuhören, war definitiv eine sehr schmerzhafte Angelegenheit. Wir haben lange um Ideen gerungen und an Songparts gefeilt. Technisch gesehen war „Never Gonna Die“ viel schwieriger umzusetzen als „Yesterdays“. Die Ansichten von vier Jungs unter einen Hut zu bekommen, in einen Song zusammenzuführen und am Ende alle glücklich zu machen, das ist harte Arbeit. Damit sind wir zurück im PENNYWISE-Tagesgeschäft.

Ist der Tod von Jason immer noch wie eine offene Wunde für PENNYWISE?

Ich würde es nicht als offene Wunde bezeichnen, aber das kann uns immer noch jeden Tag unvermutet hart treffen. Manchmal, wenn ich auf der Bühne bin und wir spielen „Bro hymn“, schießt mir Gedanke durch den Kopf, wie wir vor 25 Jahren mit ihm in diesem Club gespielt haben. Das trifft mich dann so heftig, dass ich auf der Bühne in Tränen ausbreche. Dieser Song und das Gefühl, dass er für immer weg ist. Es ist also immer da, aber meistens sind es gute, positive Erinnerungen an die Zeit mit ihm, gemeinsam auf der Bühne zu stehen und danach zusammen ein paar Bier zu trinken. Ich lächle mehr, wenn ich an Jason denke, als dass ich traurig werde.

„Never Gonna Die“ ist das erste reguläre PENNYWISE-Album seit mehr als zehn Jahren mit Jim am Mikro. Ihr habt schon Anfang 2016 angefangen, daran zu arbeiten. Jetzt, mehr als zwei Jahre später, kommt es raus. Warum hat das so lange gedauert?

Wir wollten einfach ein möglichst gutes Album herausbringen. Und wenn man viele Shows spielt und Verpflichtungen abseits der Band hat, ist es einfach ein längerer Prozess. Wir hatten jede Menge Songs und haben viele Demos aufgenommen. Und ruckzuck hatten wir 17 oder 18 Tracks zusammen, aber irgendeiner war immer dagegen. Ein Song musste also wirklich perfekt sein, um es aufs Album zu schaffen. Es gab eine Menge Versuche und viele Fehlschläge. Was aber passiert ist: Wir haben jetzt ein Album, das allen gleichermaßen wichtig ist. Wir haben die Interessen aller berücksichtigt und nicht das Ego von einem in der Band befriedigt. Und dieser Prozess hat einfach Zeit gekostet. Wir sind zum ersten Mal nach einer langen Zeit wieder zusammengekommen und haben versucht, möglichst gut miteinander umzugehen, nicht so aggressiv und wütend. Aber wir haben es geschafft und etwas abgeliefert, das die Leute mögen werden, hoffe ich zumindest.

„Never Gonna Die“ ist sehr schnell und klingt sehr catchy. Woher kommt der Oldschool-Vibe, der durch die Songs weht?

Ich möchte immer nur Oldschool-Alben aufnehmen. Die ersten beiden Alben von Bands sind für mich immer die besten. Sie sind schwer zu übertreffen. Du bist jung und frisch, du machst dir keinen Kopf, du schreibst Songs aus Spaß und hast keinen Druck von Radio oder Plattenfirma. Es ist schwer, dieses Gefühl wieder zurückzuholen. Fünfe gerade sein zu lassen und nicht zu versuchen, einen großartigen Song zu schreiben, sondern es einfach zu machen. Ich denke, uns hat die lange Zeit ohne einander auch gutgetan und uns geholfen, wieder Spaß zu haben. Außerdem interessiert sich doch heute sowieso niemand für neue Alben, jeder will immer nur die alten Songs hören. Am besten versetzt du dich also in einen Zustand, als ob es deine erste Platte wäre. Das war meine Herangehensweise. Als ob es keine Plattenfirma, kein Radio, nicht mal Fans gäbe. Deshalb sind zumindest in den Songs, die ich geschrieben habe, definitiv ein paar Oldschool-Vibes. Und als Jim sich das Mikro geschnappt und dazu gesungen hat, dachte ich: Oh mein Gott, das klingt wie von „Full Circle“ oder „Unknown Road“. Wir versuchen immer zu klingen wie auf einer alten PENNYWISE-Platte, und ich denke, „Never Gonna Die“ ist bis jetzt der erfolgreichste Versuch.

Es sind auch mehr politische Songs als sonst bei PENNYWISE zu finden. Wie kommt das?

Dafür ist natürlich Donald Trump verantwortlich. Wir leben in einem Land, das weit davon entfernt ist, perfekt zu sein. Aber aus irgendeinem Grund denkt man hier bei uns, es sei perfekt; Amerika sei die großartigste Nation auf der Welt. Dabei ist Amerika sicher nicht das großartigste Land auf der Welt. Es gibt viele gute Dinge bei uns. Ich bin aber auch viel in Europa gereist. Ich war in Deutschland, der Schweiz, Holland oder Finnland, das erst kürzlich zum glücklichsten Land auf der Welt gekürt wurde, und auch in Sachen Erziehung ist es Nummer eins. Die Amerikaner werden mit Bullshit aus den Medien gefüttert und sind total hirngewaschen. Sie verstehen nicht, was hier abgeht. Die Reichen und die Mächtigen machen die Gesetze, wählen den Präsidenten und den Kongress. Viele Menschen bei uns sind so saublöd, dass sie eine Schlagzeile lesen und sie für die Wahrheit halten. Sie prüfen es auch nicht nach, weil sie gerade die Kardashians oder irgendeinen anderen dummen Scheiß schauen. Oder sie müssen gerade ein Videospiel zocken, auf Facebook gehen oder auf QVC online shoppen. So werden sie immer von der Realität abgelenkt. Und die besteht aus einer Politik, die vor allem den Interessen der Reichen entgegenkommt. Wir müssen also aufwachen, deshalb schreiben wir Songs darüber und reden über diese Themen. Wir sind wirklich angepisst, weil wir uns in Amerika immer weiter rückwärts bewegen und nicht vorwärts. Jedes andere Land schaut auf Amerika und lacht sich kaputt über uns. Donald Trump ist Präsident geworden? Das kann doch nicht sein. Das ist wirklich peinlich. Und deshalb gibt es auf dem neuen PENNYWISE-Album mehr politische Songs als sonst.

Was steckt zum Beispiel hinter dem Song „Can’t be ignored“?

Dieser Text stammt von Jim und er beschreibt den Weg, auf dem wir uns befinden. Die Reichen können einfach nicht genug kriegen. Sie wollen einfach immer mehr. Kannst du dir vorstellen, ein Mensch zu sein, der so viel Geld hat, dass er eine Villa mit 25 beschissenen Schlafzimmern hat? Nur für dich und deine Frau und ein paar Angestellte? Das ist völlig wahnsinnig. Die meisten dieser Räume wirst du niemals betreten. Sie stehen auf diesem riesigen Grundstück einfach leer. Und auf den Straßen sterben die Obdachlosen an Hunger oder erfrieren im Winter. Und diese ganzen Geldsäcke bekommen trotzdem den Hals nicht voll. Mehr Macht, mehr Kontrolle. Das ist das Problem in unserer Welt: die Gier. Das kann man nicht ignorieren. Tiere führen ein einfaches Leben: Sie fressen Gras, hängen mit ihren Freunden herum oder ziehen durch die Wälder. So waren die Menschen vor Jahrtausenden auch. Wir sind jagen gegangen, haben Früchte und Beeren gesammelt und Lagerfeuer gemacht. Es war ein einfaches Leben und jetzt kommt man nur mit drei Handys und 15 Mercedes-Benz und 30 Hektar großen Privatgrundstücken aus. Die Welt verschlingt sich gerade selbst und keiner realisiert, dass wir alle zu Sklaven des Konsums geworden sind. Wir sind programmiert durch TV-Spots und Zeitschriften. Alles, was du siehst, befiehlt dir: Kauf! Kauf! Kauf! Du gehst also jeden Tag acht Stunden zur Arbeit, sparst dein Geld und gehst dann zu Ikea und kaufst irgendeinen Scheiß, den du nicht brauchst, und stopfst dein Haus damit voll. Ein Esszimmer für 20.000 Dollar? Kein Problem. Oder eine Rolex für 25.000. Wofür brauchst du eine beschissene Uhr für 25.000 Dollar? Eine Timex für 25 Dollar tut es auch. Sie zeigen beide die Zeit an und es macht dich nicht wichtiger, nur weil du eine Rolex am Handgelenk hast. Das macht dich nur zu einem Dreckskerl! Es lässt dich nur glauben, dass du besser bist als andere Menschen. Es bringt dich dazu, auf arme und obdachlose Menschen auf der Straße herabzuschauen. Wir sind darauf programmiert: Mehr ist besser! Reicher ist besser! Das lese ich aus diesem Song.

Du klingst ziemlich frustriert. Dabei waren PENNYWISE immer für ihre positive Ausstrahlung bekannt. Und es gibt ja auch Songs wie „Goodbye bad times“ oder „We set fire“ auf dem Album. Wie geht das zusammen?

Wir haben PENNYWISE als sehr positive Band gestartet. Wir waren Anfang zwanzig, versuchten, immer Spaß zu haben, und haben uns immer viel mit Freundschaft beschäftigt. Vor allem, wenn Kumpels von uns an einer Überdosis gestorben sind. In Songs wie „Rules“, „Come out fighting“ oder „Wouldn’t it be nice“ haben wir auch eine Utopie gezeichnet, in der Leute aufeinander aufpassen. Solche Vorstellungen haben uns geholfen, uns als junge Erwachsene zu entwickeln. Aber wir leben hier, jetzt und heute. Ich bezahle eine Menge Steuern in Amerika, für ein beschissenes Schulsystem. Und ich finanziere ein beschissenes Sozialsystem mit, in dem meine Mutter kaum über die Runden kommt. Ich habe jetzt einfach mehr Einblick in das Leben eines Erwachsenen in Amerika und das nervt mich brutal. Auf der anderen Seite müssen wir einfach positiv bleiben und deshalb wird es immer Songs wie „Keep moving on“ geben. Es muss immer weitergehen, egal, was das Leben uns bringt. Ob Trauer, Tragödie oder nur ein gebrochenes Bein. Du musst immer dafür kämpfen, woran du glaubst. Für mich steht das persönliche Glück ganz klar an erster Stelle. Du musst einen Weg finden, mit all den Problemen auf der Welt umzugehen und trotzdem in deinem Inneren glücklich und zufrieden zu bleiben. Natürlich musst du dich auch um deine Mitmenschen kümmern, aber ein innerer Frieden ist enorm wichtig. PENNYWISE mögen also schreien und wütend sein, und sich über Donald Trump aufregen, aber dann trinken wir wieder gemeinsam Bier und Rum, lächeln uns zu und haben Spaß. Es geht darum, eine Balance zu finden. Und darum gibt es auch von beidem etwas – aufbauende Stücke neben den politischen.

Wie ist der Albumtitel, „Never Gonna Die“ gemeint, wer soll nie sterben?

In diesem Song geht es darum, was wir als Kinder gelernt haben. Hass ist anerzogen, eine Einstellung, die nicht von innen kommt. Wenn du auf einer einsamen Insel aufwächst und du hast ein schwarzes, ein mexikanisches und ein weißes Kind und niemand ist da, der dir erklärt, dass du Vorurteile gegen irgendjemanden haben sollst, werdet ihr alle gut miteinander auskommen. Unsere Eltern, unsere Gesellschaft und unsere Geschichte haben uns beigebracht zu hassen, lehrten uns Rassismus und Intoleranz gegenüber Schwulen und Lesben. Und deswegen gibt es immer wieder Probleme. In dem Song geht es um die Vorurteile, die wir als Kinder beigebracht bekommen. Deshalb werden diese Probleme nie verschwinden. Mein Vater hat immer gesagt: Ich mag keine Mexikaner. Und jetzt bezeichnet Donald Trump Mexikaner offen als Vergewaltiger und Drogendealer. Und das merken sich die Kinder, die das im Fernsehen verfolgen. Deshalb sagt der Song: Wenn wir nichts dagegen tun, wird dieses Denken nie aussterben. Es wird immer weitergehen, wie in den letzten Jahrhunderten auch. Und das wollen wir nicht hinnehmen.

Was ist für dich der Unterschied zwischen PENNYWISE mit Jim Lindberg und PENNYWISE mit Zoli Téglás?

PENNYWISE haben sich in den frühen Jahren immer wieder verändert, aber die Stammbesetzung besteht aus vier Jungs, die aus derselben Stadt kommen, in die gleiche Schule gegangen sind und die gleichen Freunden hatten. Das ist eine brüderliche Verbindung in dieser Kleinstadt, die schwer zu beschreiben ist. Wir haben viel Zeit damit verbracht, zu skaten, zu surfen, Bier zu trinken und Partys zu feiern. In dieser Zeit ist eine tiefe Freundschaft entstanden. Und als Jim uns verlassen hat, haben wir einfach ohne ihn weitergemacht. Zoli ist ein guter Sänger, er hat eine starke Stimme, aber er hatte einfach nie dieses PENNYWISE-Feeling. So wie wir gemeinsam mit Bands wie BLACK FLAG, DESCENDENTS oder ADOLESCENTS aufgewachsen sind. Er hat seinen Job gut gemacht, es hat sich aber nie wie mit Jim angefühlt. Er hatte immer eine andere Agenda. Er war mehr ein Geschäftsmann. Und bei PENNYWISE ging es nie ums Geschäft, uns ging es immer darum, Freunde zu sein und Party zu machen. Natürlich hat es bei PENNYWISE auch immer Streitereien und Spannungen gegeben. Ich erinnere mich immer an eine Situation, als Zoli, der nie Bier getrunken hat, sagte: „Hey, ich zahle doch nicht das ganze Bier mit, dass ihr euren Freunden ausgebt! Ihr gebt 500 Dollar am Abend für Bier aus. Daran beteilige ich mich nicht.“ Und ich sagte nur: „Fuck You! Natürlich zahlst du auch dafür!“ Darum geht es doch bei PENNYWISE, wir geben eine Party für unsere Freunde und du bist Teil dieser Veranstaltung, deshalb bezahlst du auch mit. Er hatte einfach eine andere Einstellung. Der große Unterschied zwischen den beiden ist also die Attitüde. Wie Jim über Politik oder Freundschaft denkt, das ist PENNYWISE. Zoli war nicht aus dem gleichen Holz geschnitzt. Und jetzt fühlt es sich einfach wieder an wie PENNYWISE. So muss es sein.

Wie kam es dazu, dass Jim nach drei Jahren Unterbrechung wieder zurückgekommen ist? Wer hatte die Idee?

Das war wahrscheinlich meine Idee. Zoli war ein großartiger Sänger, aber Randy und ich haben in dieser Zeit alle Songs und Texte geschrieben. Er hat die Band also nicht besonders intensiv geprägt. Ich möchte Zoli jetzt nicht schlechtmachen, er hat die Band einfach mehr wie ein Business gesehen und wollte sie nach seinen Vorstellungen verändern. Er ist der Anführer von IGNITE und ich habe zu ihm gesagt: „Du wirst PENNYWISE nicht ändern. Wir werden gewisse Dinge immer so machen, wie wir sie eben tun. Du wirst nicht einfach Crewmitglieder feuern. Sie mögen sich betrinken und Sachen kaputtmachen, aber wir geben ihnen noch eine Chance.“ Wir sind eine Familie und Zoli hat die Band nie gesehen wie eine Familie, mehr wie ein Geschäft. Für mich hat sich das nicht mehr gut angefühlt. Ich mag Zoli, er ist ein netter Typ, er bringt mich zum Lachen und wir hatten eine gute Zeit, aber auf der anderen Seite gab es auch diese negativen Aspekte. Deshalb habe ich Jim angerufen und gefragt, ob wir mal wieder ein Bier trinken wollen. Das hatten wir schon einige Jahre lang nicht mehr gemacht, wir sind einfach getrennte Wege gegangen. Dann haben wir uns ausgesprochen und irgendwann habe ich gesagt: „Wenn dir danach ist, wieder bei PENNYWISE einzusteigen, bin ich auf deiner Seite. Du gehörst zu PENNYWISE, Zoli nicht.“ Und er sagte: „Oh, das ist ein verrückter Gedanke! Das bedeutet eine Menge Arbeit.“ Aber es ist passiert und die Fans sind glücklich darüber, dass Jim wieder da ist. Mit seiner Stimme sind sie aufgewachsen, er ist der echte Sänger von PENNYWISE. Und das neue Album bringt das Feeling zurück, das sie schon seit zehn Jahren vermissen.

Als Jim PENNYWISE verlassen hat, gründete er mit THE BLACK PACIFIC gleich eine neue Band. Und vor zwei Jahren hat er mit seinem Projekt WRATHS ein erstes Album veröffentlicht. Was passiert jetzt mit diesen Bands?

THE BLACK PACIFIC hat Jim damals gegründet, um weiter Frontmann einer Punkband zu sein. Das ist einfach seine Leidenschaft. Diese Band existiert nicht mehr. WRATHS ist ein Ventil für ihn, um Spaß zu haben und Oldschool-Punkrock-Songs im Stil von BLACK FLAG zu spielen. Sie spielen hin und wieder in ein paar lokalen Clubs. Wenn du in einer Band wie PENNYWISE bist, bedeutet das eine Menge Arbeit und Druck. Touren, Interviews und so weiter. Und WRATHS bedeutet für ihn nicht diesen Druck. Sich mit Freunden treffen, kleine Konzerte spielen, einmal die Woche proben. Das ist ein Spaßprojekt für ihn. Ich selbst schreibe Songs für CHAOS DELIVERY MACHINE, eine Punkrock-Band mit Jasons kleinem Bruder an den Drums, ich spiele Bass. Ich spreche immer davon, neue Seitenprojekte zu starten, weil ich gerne Songs schreibe und viele Arten von Musik mag. Aber ich bin immer so beschäftigt mit PENNYWISE, dass meistens nichts daraus wird. Aber irgendwann wird das bestimmt klappen, weil hier schon eine Menge Songs herumliegen.

Ganz nebenbei betreibst du ja auch noch ein eigenes Studio und mit Viking Funeral Records auch noch ein eigenes Label. Wie schaffst du das?

Bei Viking Funeral war zuletzt nicht viel los. Wir hatten einen Partner, mit dem die Zusammenarbeit nicht so gut funktioniert hat, deshalb haben wir die Arbeit mit dem Label erst mal zurückgestellt. Und das Studio ist ein Ort, wo wir vor allem unsere Demos produzieren. Wir bieten damit aber auch vielen befreundeten Bands einen Raum, in dem sie preiswert aufnehmen können. Wir wollen dadurch kein Geld verdienen, es ist mehr eine Art Dienstleistung für die Community, um lokale Bands zu unterstützen. Und ich liebe es, Platten von anderen zu produzieren und junge, aufstrebende Bands zu fördern. Außerdem habe ich noch einen Tattoo-Shop in Hermosa Beach namens Third Street Tattoo, das ist ein weiteres zeitraubendes Hobby. Und dazu betreibe ich noch ein Restaurant mit Live-Musik. Erst kürzlich haben DESCENDENTS dort gespielt. Es ist ein Ort, an dem ich verrückte Partys mit all meinen Freunden feiere. Es ist also immer viel los, aber auf PENNYWISE liegt aktuell der Fokus.

Wolfram Hanke

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #138 (Juni/Juli 2018)

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