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Interviews & Artikel

AGGRESSIVE

Welche Aggression?

Natürlich gibt es eine ganze Reihe an deutschen Hardcore-Bands, Namen wie PUNISHABLE ACT, RAWSIDE, COR, ANTICOPS oder AMEN 81 kommen mir da schnell in den Sinn. Leider fehlt mir bei dieser Musikrichtung oft einfach das melodiöse Moment. Nun gibt es seit 2013 im Ruhrpott das Quintett AGGRESSIVE, das genau dieses Element bisweilen im Gitarrenkoffer hat. Der damit erbrachte Beweis, dass Hardcore ja aus dem Punk entstanden ist, dazu ein starker Oi!-Skinheadkult und fertig ist eine gute Band. Jetzt kommt nach ihrem starkem Debüt „Split Blood“ (2014) das Nachfolgealbum „Stick Together“ auf Contra Records. Frontmann Daniel ist gerade zurück vom Urlaub am Ammersee, als ich ihn zum Gespräch bitte.

Daniel, im Titelsong des neuen Albums „Stick together“ singst du: „Zusammenhalt macht stark, wer nur an sich selbst denkt, geht über Leichen und trägt den Kult zu Grab“. Bei manchem Festival-Line-up im Oi!-Bereich überlege ich dann, wie viele davon wohl rechts sind. Wie geht ihr damit um?


Die Strophe stammt von Sebi von STOMPER 98. Er singt neben David von THE UPSET und Markus 7 als Gast auf dem Album und hat die Zeilen verfasst ... Der Song „Stick together“ beschreibt den Zerfall der Skinhead-Szene im Allgemeinen. Alte Werte und Traditionen, die diesen Kult ausgemacht haben, werden durch neue ersetzt. In vielerlei Hinsicht stören mich da einige Aspekte. Zum Beispiel dass die Arbeiterschicht, aus der dieser Kult entstanden ist, heutzutage von vielen nur noch belächelt wird. Durch schwindende Gewaltbereitschaft und zunehmende Professionalität und Qualität der Produkte hat der Skinhead-Kult in den letzten Jahren wieder einiges von seinem bösen Image verloren und an Attraktivität gewonnen. Das ist zum einen nicht unbedingt verkehrt, zieht aber nun auch eine Menge Normalos, Studierte und Szenefremde an. Viele von ihnen versuchen nun, die Szene zu ihrem eigenem Zweck umzugestalten und schauen von oben auf den ursprünglichen, weniger gebildeten, rauhen Arbeiter herab, der den schwindenden Kern der Subkultur bildet. Und darauf und auf verwandte Themen will ich mit Songs wie „Stick together“ oder „Chain reaction“ vom ersten Album aufmerksam machen. Zum politischem Aspekt: AGGRESSIVE verstehen sich als Band, die auf gar keinen Fall extreme Politik und Musik vermischen will. Wir sehen uns nicht als Sprachrohr für irgendwelche Ideologien, so wie es manch andere Band tut. Wir sind Jungs, von denen sicherlich jeder für sich eine politische Meinung hat, wir lassen diese aber im Rahmen der Band außen vor. Das heißt aber nicht, dass wir blind und taub sind. Politische Extremisten und Faschisten haben auf unseren Konzerten nichts verloren, ob sie nun der weißen Rasse oder der RASH-Bewegung frönen. Kriegen wir mit, dass so jemand so dumm ist und unser Konzert besucht, kann es durchaus vorkommen, dass derjenige einsehen muss, doch tatsächlich für nichts als Ärger bezahlt zu haben.

Auf dem Cover der neuen Scheibe greifen die Bürger zu den Waffen gegen die Obrigkeit. Wie kamt ihr auf die Idee, das zu verwenden, und von wem stammt es?

Wir haben lange überlegt, was für ein Cover wir für „Stick Together“ nehmen sollen. Es gab mehrere Auswahlmöglichkeiten, aber keine wollte bei der ganzen Band so richtig zünden. Wir wollten natürlich etwas, das zum Albumtitel passt. Also möglichst eine Menschenmasse, die sich auflehnt oder rebelliert und im Zusammenhalt ihre Ziele verfolgt. Plötzlich kam David mit dem Bild um die Ecke. Es hat allen gefallen, wir haben es ein wenig verändert und dann als Cover hergenommen. Woher er es hatte, weiß ich nicht genau.

Im Musikclip „Home“ gab es einen schönen Bezug zum Ruhrgebiet. Ihr singt aber nun klar gegen „Black red gold“, weil man hier in Deutschland nur tun solle, was man uns aufträgt. Ist das Skinhead-Sein für euch eine Art von Parallelwelt, die ihr euch geschaffen habt?

Bei „Home“ geht es um den Wert von Familie und Freunden und dass sich jeder glücklich schätzen kann, wenn er einen Platz auf der Welt hat, an dem er sicher und geborgen ist. Also ein ordentliches Zuhause. Das hat nicht jeder auf der Welt und ich bin froh, dass ich all dies habe. Eine liebende Familie und gute und treue Freunde sind in einer Welt voller häuslicher Gewalt, Missgunst und Neid ein Segen ... Hinzu kommt selbstverständlich auch der Bezug zum Ruhrpott. Ich liebe es, hier zu leben. Schauen wir in so manches andere Land, in denen sogar teilweise das öffentliche Abspielen von Musik oder das Singen in der Öffentlichkeit unter Strafe steht, geht es uns eigentlich gar nicht so schlecht ... Was uns zu „Black red gold bringt“, in diesem Song geht es um die Ausübung der Demokratie und die Raffgier sowie die Vergewaltigung des Volkes durch die Reichen und Mächtigen in diesem Land. Der Grundgedanke einer Demokratie ist hervorragend. Das Volk wählt seine Oberhäupter, die stellvertretend als Kollektiv-Hirn und -Hand der Bevölkerung das Land regieren. So weit, so gut. Doch zeige mir nur eine einzige Demokratie, in der es wirklich so ist. Meiner Meinung nach hapert es schon allein an der Einstellung der sogenannten Politiker. Es geht dort nicht mehr um das Wohl des jeweiligen Landes, sondern nur darum, wer die dicksten Eier hat, wie man seine persönlichen Ziele am wirkungsvollsten durchsetzt und wie man möglichst noch mehr Macht und noch mehr Geld und Einfluss anhäufen kann. In einer Demokratie sollte die Regierung dem Volk dienen und nicht das Volk der Regierung.

Wie ist dein Bezug zu New York und den dortigen Hardcore-Helden? Ist das dort vielleicht eine völlig andere Herangehensweise und es ist im Grunde wichtiger, sich hier vor Ort zu positionieren?

Ich höre schon seit meiner frühesten Jugend Hardcore. Vor allem Bands der Ostküste. Mit MADBALL bin ich quasi aufgewachsen. Natürlich ist das Leben in den USA ein anderes als unseres in Europa. Die Jungs hatten und haben andere Probleme, andere Lebensstile und auch andere Geschichten als wir. Trotzdem vereint uns die Musik. Ich finde es albern zu versuchen, irgendwas zu kopieren, was vielleicht in den Staaten authentisch ist, hier aber überhaupt nicht ins Lebensbild passt. Wenn man schon in einer Hardcore-Band spielt, sollte man auch das vertreten, was man wirklich erlebt hat, wie man diese Szene wirklich aufnimmt und lebt und nicht so tun, als ob man sich jeden Tag mit seiner 9-mm-Pistole von Block zu Block kämpfen muss, wie es wohl einige der Brooklyn Boys in den Achtzigern machen mussten. Das ist Bullshit und passt nicht in die Welt, in der wir hier leben. Wenn du es wirklich erlebt hast, kannst du es auch raushängen lassen. Sei authentisch. Egal, ob du in Moskau, Bremen oder NY aufgewachsen bist. Es ist egal, wo du bist, aber nicht wer du bist.

SLAPSHOT machen ja mit ihrer Straight-Edge-Haltung auf der neuen Scheibe konsequent weiter und missbilligen das Trinken von Bier. Ist das für Menschen aus dem Ruhrpott prinzipiell eher schwer verständlich? Grenzt diese Haltung nicht aus und spaltet vielleicht sogar die Szene?

Straight Edge ist ja fast so alt wie der Hardcore selbst. Jeder hat eben so seine Vorlieben. Problematisch wird es nur immer dann, wenn einige versuchen, ihre Ansicht als die einzig richtige zu positionieren, und alles andere radikal bekämpfen. Da ist es ähnlich wie bei der Politik: Extremismus ist dumm und kann nur zerstören und deshalb bin ich davon absolut kein Freund. Andererseits ist das Thema Straight Edge nicht so brisant und ich mache mir da keine Sorgen. Es wird immer Menschen mit unterschiedlichen Ansichten geben. Und das ist auch gut so. Straight Edge hat es nicht geschafft, diese Szene zu spalten, und wird es auch weiterhin nicht tun, dafür ist das ganze Thema viel zu unwichtig.

Wie erdet ihr euch, um nicht zu übertreiben mit der Aggression?

Welche Aggression? Wir sind eine Hippieband und verbreiten nur Liebe und Glückseligkeit ... Nee, im Ernst, natürlich ist es die Musik, das klassische Ventil, das uns am Boden hält. Wir sind ja keine Amokläufer oder Psychopathen, nur weil wir, wie viele andere Bands auch, das Maul aufmachen. Wir sind alle sehr überlegt und bodenständig.

Und was versöhnt euch noch am ehesten mit „Black red gold“?

Mit den Farben haben wir relativ wenig am Hut. Genauso wie mit dem, was dahintersteckt. Im gleichnamigen Song hört man ja auch eindeutig, dass ich von deren Farben rede und nicht von den meinen. Trotzdem sind wir ein Teil der schwarz-rot-goldenen Struktur und leben darin. Mit allen Freiheiten und allen Schikanen, die dieses Land und diese Regierung mit sich bringen. Ich hasse es nicht, in so einem Land zu leben, ich liebe es aber auch nicht abgöttisch.

Markus Franz

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #139 (August/September 2018)

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