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Interviews & Artikel

ASTPAI

Ein unbezahltes Vollzeitprojekt

Tatsächlich schon seit 17 Jahren sind ASTPAI aus Wiener Neustadt aktiv, international gut vernetzt und gefühlt ständig in Sachen energetisch-melodiösen Punkrocks unterwegs, in Europa wie auch den USA. Im Juni erschien auf Shield Recordings aus den Niederlanden ihr sechstes Album „True Capacity“ und ich nahm das zum Anlass zu ergründen, wie Sänger Zock reflektiert, was er und seine Bandkollegen da tun.

Zock, du lässt dich im Presseinfo zu eurem neuen Album mit diesen Worten zitieren: „Zu realisieren, dass man glücklich genug war, sein halbes Leben damit zu verbringen, an den Dingen zu arbeiten, die man am meisten liebt, ist ein ziemlich überwältigendes Gefühl“. Kannst du das konkretisieren?


Es wird uns mit jedem Lebensjahr bewusster, was für ein unglaubliches Privileg es ist, immer noch das zu tun, was wir die letzten 17 Jahre tun durften. In den Jahren, in denen wir hundert und mehr Konzerte runtergespult haben, hatten wir ständig nur nach vorne geschaut, waren ständig nur damit beschäftigt, dem Stillstand zu entgehen – in meinem Fall fast schon krampfhaft. Erst nachdem wir 2015 etwas Zeit zum Durchatmen hatten, kam auch der Abstand zum Stress der Jahre davor und die Erkenntnis, dass, obwohl wir sehr hart an der Band gearbeitet haben, es alles andere als selbstverständlich ist, überhaupt die Möglichkeit dazu bekommen zu haben.

Unsereins hält es für normal, ein ausgefülltes Leben zu haben, in dessen Zentrum die Musik steht. Vergessen wir manchmal nicht, dass wir damit die Ausnahme sind und vielen Menschen so ein Lebensmittelpunkt fehlt?

Ich glaube, dass man das oft sehr schnell falsch einschätzt: Nur weil wir als Band viel herumkommen, Konzerte spielen und einer Kulturform nachgehen, die nun mal eine Performer-Publikum-Dynamik mit sich bringt – was für manche Außenstehende oft der springende Punkt ist zu glauben, dass wir berühmt oder sogar wohlhabend sind –, heißt das nicht, dass unser Leben erfüllter ist als das anderer Leute. Ich selbst höre mir viel lieber Geschichten von Leuten an, die einem Vollzeitberuf nachgehen, Teil einer beständigen Gemeinde oder Community sind, als die tausendste Tourstory von Band X zu hören oder selbst welche zu erzählen. Im Banddasein steckt unterwegs oft mehr Routine, als manche sich das vorstellen. Davon auszugehen, dass anderen Leuten ein Lebensmittelpunkt fehlt, nur weil sie sich nicht öffentlich künstlerisch-kreativ platzieren oder vermarkten, klingt für mich etwas herablassend. Dennoch ist mir natürlich auch klar, dass es genug Leute gibt, die einfach nicht die Möglichkeit haben, den Dingen nachzugehen, die sie gern als Teil ihres Lebens betrachten würden. Da kommen wir wieder zurück zum Stichwort Privileg: Diese Erkenntnis ist eben sehr überwältigend – sowohl im Positiven als auch im Negativen.

Ist ASTPAI für euch eigentlich eine Art Hobby oder schon so halbprofessionell? Sprich: Was macht ihr sonst so?

Die Band war immer schon ein unbezahltes Vollzeitprojekt. Kein bezahlter Job hat jemals so viel unserer Zeit und Hirnkapazität in Anspruch genommen wie diese Band. Um möglich zu machen, was man als außenstehende Person so über Social Media und bei Konzerten mitbekommt, müssen wir alle beinahe Vollzeit zur Arbeit gehen. Das alles verlangt ein hohes Ausmaß an Organisation und Verständnis seitens unserer Arbeitgeber. Manche von uns jobben in der Serviceindustrie, andere betreuen Menschen in erschwerten Lebenssituationen, andere wiederum touren als Licht- oder Tontechniker. Die meisten von uns arbeiten in zwei oder drei Jobs. Das ist der Rock’n’Roll-Glamour, der sich durch Soziale Medien gut verschleiern lässt.

Wie würdest du definieren, was dir dieses Punk- und Musikding gibt, welche Werte und Ideen du daran warum für essentiell hältst? Gerade in Zeiten, da überall Populisten in den Vordergrund rücken, kommt man sich mit seinen „Punkwerten“ fast schon konservativ vor.

Musik zu machen ist das einzige, das mich über lange Sicht psychisch stabilisiert, weshalb man schon sagen kann, dass es in erster Linie um Selbsttherapie und Selbstverwirklichung geht. Zu den „Punkwerten“ sei gesagt, dass es, obwohl wir alle im Teenageralter mit den How-to-Basics des politischen Punk-ABC ausgestattet wurden, immer wieder Neues zu lernen gibt. Die einseitige und exklusive Punk-Szene, in der wir aufgewachsen sind, unterscheidet sich stark von dem, was ich heute als aktive Punk-Szene beschreiben würde. Was für uns ein – beinahe ausschließlicher – Boysclub der weißen Mittelschicht war, hat heute im tatsächlichen DIY-Umfeld endlich ein viel breitgefächteres Erscheinungsbild, vor allem was Gender, Herkunft und sozialen Hintergrund angeht. Speziell in den letzten Jahren haben sich immer mehr bislang unterrepräsentierte Communities ihren Platz in der sonst einseitig dominierten Punk-Szene genommen und ihre eigene Geschichte eingefügt – und das ist schließlich Punk as fuck! Wer immer noch herumheult, weil die festgefahrenen Strukturen vergangener Punk-Jahrzehnte endlich aufgebrochen werden, muss einsehen, dass er/sie konservativer eingestellt ist, als ihm/ihr womöglich lieb ist.

Hast du eine Idee, in welche Richtung dein Leben ohne dieses Musikding gelaufen wäre? Ein glücklicher Bankkaufmann, engagierter Sozialpädagoge oder begeisterter Tischler?

Tatsächlich: Keine Ahnung! Die letzte Leidenschaft, an die ich mich vor dem Musikerdasein erinnern kann, war ferngesteuerte Autos zu bauen und damit Rennen zu fahren – damals war ich 14 Jahre alt. Man kann mit Sicherheit behaupten, dass das niemals zu einer Karriere geführt hätte. Kurz danach kam dann die erste Gitarre beziehungsweise das erste Schlagzeug und seitdem hatte ich nichts anderes mehr im Sinn. Meine Jobs – abseits der Serviceindustrie – haben fast alle etwas mit Musik zu tun und ich hoffe auch, dass mir das auch weiterhin erhalten bleibt. Die anderen drei Bandmitglieder hätten aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer anderen Interessen wohl mehr Aussicht auf andere Karrierepfade.

ASTPAI sind als Band fast volljährig, nämlich 17. Da steht man als junger Erwachsener an der Grenze zum „Ernst des Lebens“. Geht es für ASTPAI jetzt also erst richtig los oder habt ihr das Beste schon erlebt?

Wir haben vor ein paar Jahren bewusst die Handbremse angezogen, ein wenig pausiert und seitdem nur langsam wieder Tempo aufgenommen. Wir sehen das mit dem Drang, möglichst produktiv zu sein, mittlerweile etwas gelassener, was lustigerweise zu mehr Interesse an der Band führt, da wir nicht immer und überall verfügbar sind. Zu sagen, dass wir das Beste schon erlebt hätten, wäre natürlich vermessen und tatsächlich empfinde ich das auch überhaupt nicht so. Das Beste liegt immer vor uns und man weiß nie, was das alles sein kann und wird. So habe ich das zumindest immer betrachtet.

Mit „True Capacity“ ist eben euer neues Album erschienen, J Robbins hat es abgemischt. Wie kam das?

J Robbins hat das Album abgemischt – aufgenommen und produziert hat es wie fast immer Tom Zwanzger im S.T.R.E.S.S. Studio, Graz. Mit J zu arbeiten war für uns extrem spannend und aufregend. Wir haben uns aufgrund seiner bisherigen Produktionen, vor allem aber aufgrund deren musikalischer Vielfalt für ihn entschieden und konnten es nicht erwarten zu hören, was er aus unseren Songs machen würde. Ich haben J letztes Jahr via Mail kontaktiert, nachdem er gerade die LP der befreundeten SWAIN aus Berlin aufgenommen und produziert hatte, und es hat von Anfang an geklickt.

Warum ein Album? Viele Bands zweifeln heute daran, machen nur noch Video-Singles.

Wir sind alle immer noch Fans des Albumkonzepts – ich kann mich mit der Single-Entwicklung noch nicht ganz anfreunden, da ich es weitaus mehr genieße, ein gesamtes neues Album einer Band zu hören, als ein dreiminütiges Einzelwerk. Das hat für mich so etwas Unvollständiges an sich, das mich irgendwie nicht befriedigt, ja fast nervt.

Und wie geht’s jetzt weiter? Tour, Festivals, neue Platte ... einfach immer weiter?

Wir haben natürlich einige Shows zum Release des Albums geplant, werden einige bekannte Regionen abklappern und hoffentlich auch endlich wieder Zeit finden, Orte zu besuchen, die wir in den letzten Jahren eher versäumt haben, wie zum Beispiel in Osteuropa, Südosteuropa. Natürlich wäre es auch spannend, mal ganz neue Länder und Kontinente zu betouren, aber da warten wir einfach mal ab, was so auf uns zukommt. Es darf fast alles und muss nichts.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #139 (August/September 2018)

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