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Interviews & Artikel

DEECRACKS

Touring is never boring

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen. So wie die DEECRACKS, die seit ihrer Gründung vor 15 Jahren viele Länder mit ihrem frischen, eingängigen RAMONES-Core beglückt haben und inzwischen auf über 800 Konzerte auf vier Kontinenten zurückblicken können. Wir erwischen das österreichische Trio in Köln, wo sie ihr großartiges neues Album „Sonic Delusions“ präsentierten. Frontmann Matt, Drummer Mike und Bassist Paul geben im Interview Einblicke in die Freuden und Leiden eines ausgedehnten Tourlebens.

Euer neues Album ist bei Pirates Press erschienen, dem renommierten Label für Oi!-Streetpunk aus San Francisco. Ist euch der Weggang vom bisherigen Label Monster Zero schwer gefallen?

Mike:
Eigentlich nicht, wir waren vorher neun Jahre auf dem Label und haben alles rausgeholt, was rauszuholen war. Es war einfach an der Zeit, den nächsten Schritt zu tun. Wir halten ja weiterhin die Monster Zero-Flagge hoch, unsere alten Sachen gibt es da nach wie vor. Und bei der Release-Show für unser neues Album waren zahlreiche befreundete Monster Zero-Bands mit dabei.

Ihr sagt selbst, dass ihr schon auf über 800 Konzerte weltweit kommt. Habt ihr noch den Überblick, so dass ihr genau wisst, wann die eintausendste Show über die Bühne geht?

Mike:
Leider nein. Wir haben nur eine ungefähre Ahnung, aber die exakte Zahl kennen wir nicht. Wir schätzen, dass wir aktuell irgendwo zwischen 840 und 850 Shows liegen.

Eure Touren haben euch schon in viele Länder geführt. Wo war es am schönsten und wo am gefährlichsten?

Mike:
Am gefährlichsten war es definitiv in Mexiko. Ich bin dort ausgeraubt und beschossen worden. Das war wahrscheinlich der gefährlichste Moment auf Tour. Ich persönlich fand es in Japan am schönsten.

Paul: Mir hat unser Israel-Trip unlängst sehr gut gefallen, gerade Tel Aviv war eine richtig tolle Erfahrung.

Israel ist für relativ strenge Grenzkontrollen bekannt. Welche Erfahrungen habt ihr da gemacht?

Matt:
Scharfe Kontrollen bei der Ein- und Ausreise sind wir so ja nicht gewohnt. Wir brauchen zur Einreise zwar kein spezifisches Künstler-Visum, aber die Kontrollen haben wirklich elendig lang gedauert, bestimmt jeweils zwei Stunden.

Mike: Wir hatten zwei Shows in Tel Aviv und Haifa. Voll entspannte Leute, lustig und gut drauf. Man hat auch nicht viel Militär gesehen.

Matt: Tel Aviv ist eine wirklich jugendliche Stadt, das Konzert dort war mit 200 Leuten super besucht. In Europa gibt es kaum noch Jugendliche im Publikum. Ganz anders in Tel Aviv, der Großteil des Publikums waren tatsächlich Kids unter 17 Jahren, die bei der Show voll abgegangen sind. Und die zweite Show in Haifa fand in einem echten Punkrock-Schuppen statt, eine Garage, da hingen Plakate vom Ruhrpott Rodeo und SLIME, es gab eine zusammengebastelte Bühne, das war schon cool.

Habt ihr euch vor der Israeltour auch Gedanken gemacht zur BDS-Kampagne – „Boycott, Divestment and Sanctions“ –, die Israel beispielsweise durch einen Boykott von Touren auch kulturell gezielt isolieren will?

Matt:
Nicht wirklich. Ich halte das auch für den falschen Ansatz. Es gibt viele junge Leute, die wollen Musik wie die von uns hören und die sind dann total happy, wenn wir dort spielen. Ich glaube, dass ein Boykott die falschen Leute treffen würde. Es gibt ja auch eine ganze Menge Leute in Israel, die mit der politischen Situation unzufrieden sind.

Für euch gilt als Band in den USA ein Einreiseverbot. Ist das für eine Punkband in Zeiten von Trump nicht sogar eine Auszeichnung?

Paul:
Passiert ist das ja noch in der Amtszeit von Obama. Und mich betrifft das auch gar nicht, ich war damals nicht mit dabei. Ich könnte ja dann auch alleine auftreten, mit Pappkameraden und Kassettenrecorder und dann wird gut abgesteppt.

Mike: Paul als DEECRACKS-Ambassador. Und wir programmieren dann so Hologramm-Geschichten, wie sie es jetzt mit Prince oder Elvis machen.

Ihr seid weltweit unterwegs und konntet dort die Gastfreundschaft genießen. Tut euch da die aktuelle Entwicklung in Österreich mit dem Rechtspopulismus und dem Skandal um das Burschenschafts-Liedgut nicht in der Seele weh?

Matt:
Dieses Burschenschafts-Ding ist nichts Neues. Jeder, der Burschenschaften kennt, weiß auch, dass die eigentlich alle rechts stehen. Wir finden das nicht gut, und man muss ganz klar sagen, der Großteil der Österreicher findet das auch nicht gut. Idioten gibt es leider überall und dieser Rechtspopulismus kommt ja momentan anscheinend von überall her. Gerade vor der Israeltour haben wir uns schon Gedanken gemacht, dass wir auf diese Scheiße dort bestimmt angesprochen werden, aber da hat in Israel niemand nach gefragt.

Gibt es etwas, auf das ihr euch freut, wenn ihr nach längerer Tour wieder nach Österreich zurückkommt?

Matt:
Logisch. Aber das hat weniger mit Österreich zu tun als mit der Tatsache, dass man wieder nach Hause kommt.

Mike: Im eigenen Bett zu schlafen, auf das eigene Klo zu gehen, das ist schon fein. Aber ich freue mich dann auch genauso, dann wieder auf Tour zu gehen.

Paul: Knödel. Tiroler essen Knödel.

Apropos Essen. Was war das Ekligste, was ihr mal auf Tour essen musstet?

Matt:
China war dahingehend, nun, nennen wir es mal interessant. Wir haben die Einstellung, dass wir auf Tour einheimische Speisen essen. Das muss jetzt nicht traditionell sein, aber es sollte schon landestypisch sein.

Mike: Das ist teilweise viel besser als erwartet, teilweise aber auch viel ekliger. In China ist es schon von Vorteil, wenn man Hühnerfüße mag. Das Verrückteste, was ich gegessen habe, waren Hühnerknie am Spieß. Ich wusste noch nicht mal, dass Hühner Knie haben.

Matt: Bei mir waren das Ekligste Tofuwürfel in einer riesigen Schale mit eiskaltem Entenblut. Aber auch in den USA gibt es unheimlich viel Bullshit zu essen. Dann isst man fast schon besser Hühnerknie als so einen Plastikmüll.

Paul: Ich habe negative Erfahrungen in Mexiko gemacht. Getrocknete Shrimps von der Tankstelle, das hat geschmeckt wie ungewaschener Mensch unterm Arm. Und sogar die Mexikaner haben mich deswegen ausgelacht.

Ihr seid rund um die Welt getourt, habt mit großen Bands die Bühne geteilt. Wenn man euch das prognostiziert hätte, als ihr vor 15 Jahren gestartet seid, was hättet ihr da gedacht?

Mike:
Als wir begonnen haben, hatten wir die Frage, ob wir es schaffen, mal in Wien zu spielen. Und jetzt waren wir schon in Tokio, Mexico City und New York, eigentlich absurd. Andererseits auch cool, denn wir haben kontinuierlich hart dafür gearbeitet, geschenkt wurde uns nichts. Wir wollten auch immer vermeiden, dass wir als Band irgendwelchen Leuten in den Arsch kriechen oder uns irgendwie einheiraten, damit es funktioniert.

Das intensive Touren geht doch bestimmt an die Substanz. Wie lange könnt ihr das noch mitmachen?

Mike:
Drei Tage noch, dann sind wir wieder zu Hause, haha. Auf Tour gehen wir an unsere Grenzen.

Gibt es beim Merch-Verkauf Unterschiede von Land zu Land, was gut läuft und was nicht?

Mike:
Ganz klar, in Japan gehen mehr CDs, in Europa geht mehr Vinyl. Und in China haben wir total wenig Merch verkauft. Da kamen zwar ordentlich Leute zu den Konzerten, die haben das aber eher wie einen Kinobesuch absolviert. Die sind erst kurz vor dem Konzert gekommen und waren direkt nach dem Konzert sofort alle wieder weg.

Matt: Man muss auch berücksichtigen, dass wir unsere Merch-Preise immer an das jeweilige Land anpassen. Wenn die Leute in Mexiko unbedingt ein Shirt haben wollten, aber nur 50 Cent in der Tasche hatten, haben sie trotzdem das Shirt bekommen.

Welche Band hat euch auf gemeinsamen Touren am meisten beeindruckt?

Matt:
Die KINGONS aus Japan. Die waren den ganzen Tag über voll fertig und müde und sind dann abends auf der Bühne komplett ausgezuckt.

Mike: Die waren echt irre. Die haben uns immer gefragt, wann am nächsten Tag Abreise ist. Dann haben wir gesagt, um zehn Uhr geht’s los. Wir haben die Nacht schwer Party gemacht, haben um zehn Uhr natürlich noch gepennt und die Burschen saßen um Punkt zehn Uhr im Tourvan, frisch geduscht und frisiert, haha. Die totale Disziplin.

Axel M. Gundlach

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #139 (August/September 2018)

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