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Interviews & Artikel

HANS-A-PLAST

Vorbei ist vorbei!

Die 1978 in Hannover gegründeten HANS-A-PLAST wurden in der Besetzung Jens Meyer (gt), Micha Polten (gt), Renate Baumgart (bs), Bettina Schröder (dr) und Annette Benjamin (voc) mit vom britischen Punk inspirierten Sound und klaren Aussagen schnell zu einer der erfolgreichsten deutschen Punkbands. Gerade ihre feministischen Texte sprachen auch Leute außerhalb der Punk-Szene an. 1983 lösten sich HANS-A-PLAST auf. Nachdem die erste LP nun vom Hamburger Label Colturschock neu aufgelegt wurd, nutzte ich die Gelegenheit, Schlagzeugerin Bettina Schröder einige Fragen zu stellen.

Bettina, wie bist du damals auf Punk aufmerksam geworden?


Das war Ende der Siebziger. Vor allem aus England kamen die Sachen, da standen wir voll drauf!

Was bedeutete Punk damals für dich?

Punk bedeutet für mich, sich gegen Autoritäten zu stellen, den eigenen Kopf zu benutzen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und auch gestalten können zu können. Und das gilt auch auch unbedingt für heute noch! Leider bemerke ich in meinem Umfeld viele, gerade auch junge Menschen, die nichts wagen und sich nichts zu sagen trauen – traurig!

Gab es von deiner Seite aus von Anfang an die Idee, Musik zu machen?

Ja, ich hatte immer schon eine Affinität zum Musikmachen. Dabei ging es mir immer darum, eigene Sachen zu machen, nicht etwas Fertiges nachzuspielen.

Wer hatte die Idee zu eurem Namen? Und was bedeutet er für dich?

Da haben wir ein langes Brainstorming gemacht: Er ist alltäglich, aber auch etwas Besonderes.

Was waren eure Einflüsse?

Bands wie CLASH, SEX PISTOLS, RAMONES und diverse damals bekannte kleinere Punkbands wie WAYNE COUNTY & HIS ELECTRIC CHAIRS oder THE BOYS ...

Wer hat Texte wie „Für ’ne Frau“ oder „Hau ab, du stinkst“ geschrieben, die ja für die damalige Zeit schon ein Alleinstellungsmerkmal hatten?

Die Texte haben wir Mädels geschrieben, vor allem unsere Bassistin Renate und ich.

Ein anderer Song heißt „Polizeiknüppel“. Welche Erfahrungen habt ihr selbst mit der Polizei gemacht? Und wie habt ihr selbst den Deutschen Herbst erlebt?

Nun ja, zu der Zeit war die Polizei als Bedrohung omnipräsent. Als wir zu einer Demo fuhren, wurden wir von jungen Polizisten mit Maschinengewehren im Anschlag kontrolliert. Man hatte Angst, dass sie aus Nervosität einfach mal losballern. Die haben damals voll Stress gemacht. Und eigentlich ging es um nichts.

Hast du das Gefühl, dass eure Texte immer noch aktuell sind? Songs wie „Rock’n Roll Freitag“ oder „Lederhosenhosentyp“ werden auch heute noch von diversen Punkbands zumindest live gecovert.

Ja, zum großen Teil sind unserer Texte immer noch aktuell. Und es fühlt sich gut an, dass man doch was zu sagen hatte. Es ist doch toll, wenn man etwas geschrieben hat, was auch nach dreißig, vierzig Jahren noch Leute anspricht.

Gibt es Texte oder Songs, die du so heute nicht mehr schreiben oder auch spielen würdest?

Ja, zum Beispiel „Rank Xerox“, denn diese Kopierer gibt es nicht mehr. Und „Polizeiknüppel“. Heute tun mir die Polizisten eher leid, sie müssen für alles herhalten und werden angegriffen, obwohl sie ja heutzutage sehr deeskalierend arbeiten. Arme Schweine! Allerdings kann ich weiter nichts dazu sagen, da ich mich nicht in konfrontative Situationen mit Polizisten begebe.

Wie sah die Punk-Szene in den späten Siebzigern in Hannover aus?

Es gab viele Punks, die Szene war sehr vielfältig und lebendig, es gab große Freiheiten. Aber es gab auch schon die rigiden Leute, die meinten, bestimmen zu können, was „echter“ Punk ist und was nicht, was man machen darf und was nicht. Das Gegenteil von Freiheit! Fand ich damals schon scheiße – und heute immer noch.

Die Kommerzvorwürfe kamen auch schnell. So haben KONDENSATORS, BLITZKRIEG und FUCKS ihre Teilnahme am zweiten No Fun Festival im März 1980 abgesagt. Wie habt ihr das damals empfunden?

Voll bekloppt! Es war ja schon Kommerz, wenn man ein Instrument und eine Anlage hatte! Das brauchte man doch, damit die Songs überhaupt gespielt werden konnten. So etwas Dämliches, das als Kommerz zu bezeichnen, weil man so was eben kaufen muss, damit man überhaupt seine Musik machen kann.

Exzessiver Alkohol- und Drogenkonsum, gab es den bei euch, in eurer Szene?

Ja doch, schon. Es wurde schon sehr viel gesoffen. Bei einem Auftritt hat zum Beispiel unser Gitarrist sein Plektrum verloren und nicht wiedergefunden, weil er zu breit war.

Welche Aktionen, Peinlichkeiten, Konzerte sind dir in besonderer Erinnerung geblieben?

Es gab ein Konzert in Zürich, wo sich die Zuschauer die Unterarme aufgeritzt hatten und es geil fanden, dass es blutete. Und dann fuhr der eine Typ mit Papis Porsche weg. Echt crazy!

Habt ihr oft in anderen Städten oder auch im Ausland gespielt. Wie wurden die Konzerte in einer Zeit ohne Internet organisiert?

Ja, wir waren in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. Und es gab damals tatsächlich schon Telefon! Und man konnte am Telefon auch schon Termine absprechen! Und die konnte man dann über Plakate und Presse verbreiten.

Das erste Album von 1979 erschien bei Lava Records aus Hannover ...

Wir haben die LP damals im Studio Tonkooperative aufgenommen. Dort haben wir erfahren, dass man ein Label braucht, um Platten zu veröffentlichen. Und die Tonko hatte dieses Lava-Label. Kurze Zeit später haben wir dann unser eigenes Label No Fun gegründet, weil wir einfach unser Ding machen wollten und kein Interesse daran hatten, dass andere an unserer Musik mitverdienen wollen, nur weil sie unsere Platten verkaufen. Wir haben uns gesagt, das können wir doch selber! Und das haben wir dann auch gemacht, selbst verpackt und verschickt.

Wie habt ihr die Chaostage der frühen Achtziger Jahre in Hannover wahrgenommen?

Das war schon nach unserer Zeit. Mein Eindruck war aber, dass es nur noch um Zerstörung ging.

Im Rückblick: Wie war es für dich, in den Siebzigern in einer Punkband gespielt zu haben?

Super, da bin ich heute noch stolz drauf!

Bist du heute noch musikalisch aktiv?

Ja, ich schreibe immer noch Songs und stehe damit auf der Bühne.

Wie sieht es mit deinen früheren Bandkollegen aus? Machen die noch Musik, habt ihr noch Kontakt? Käme eine Reunion für dich in Frage?

Außer mir macht keiner mehr Musik. Eine Reunion?! Auf keinen Fall. Vorbei ist vorbei!

Beim Höhnie Records Festival trat im Juni eine Band mit der Originalsängerin Annette auf. Hat das etwas mit euch zu tun?

Danke für den Hinweis, davon hatte ich noch nichts gehört. Nein, es gibt keinerlei Absprachen mit uns. Es sind nicht die Original-HANS-A-PLAST und die Band darf sich auch nicht so nennen.

Bedeutete das Ende von HANS-A-PLAST auch das „Ende“ von Punk für dich?

Nein, Punk ist eine Lebenseinstellung!

Wie beurteilst du im Nachhinein die Neue Deutsche Welle?

Sie war ganz lustig, teilweise sehr fantasievoll. Letztendlich wurde aber jeder Scheiß kommerziell ausgeschlachtet.

Heute wird der Status von Musikerinnen stark diskutiert. Wie männlich/machistisch oder emanzipatorisch hast du die damalige Szene erlebt?

Damals haben sich viele Frauen vorgewagt, das war ja auch das Gute am Punk: Jeder konnte einfach machen! Heute beschränkt sich die Rolle der Frauen in der Musikbranche wieder sehr stark auf die des „Sexobjekts“. Es gibt auch viele Sängerinnen, aber Frauen, die Instrumente spielen, sieht man im Rockbereich im weitesten Sinne fast gar nicht. Sehr schade, dass sich die Frauen wieder darauf beschränken.

 


Diskografie

I (LP, Lava, 1979) • I (LP, No Fun, 1980) • II (LP, No Fun, 1981) • Sex Sex Sex (7“, No Fun, 1981) • Ausradiert (LP, No Fun, 1983) • Best Of (CD, Compilation, No Fun, 1988) • Best Of (CD, Compilation, Indigo, 1993) • I (LP, Rerelease, Re-Force, 2005), (CD, Rerelease, Indigo, 2005) • II (LP, Rerelease, Re-Force, 2006), (CD, Rerelease, Indigo, 2006), Ausradiert (CD, Indigo, 2005) • I (LP, Colturschock, 1979/2018)

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #139 (August/September 2018)

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