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Interviews & Artikel

HARTE WORTE

Eine zweite Chance

Wer ein Album bei einem Label wie KB Records veröffentlicht, das von der Band KRAWALLBRÜDER betrieben wird, muss damit rechnen, im wahrsten Sinne des Wortes stigmatisiert zu werden. Ähnlich erging es auch der Ruhrpott-Combo HARTE WORTE. Doch Sunny Bastards Records hatte den Mut, diese Band, die sich eindeutig dem Punkrock verschrieben hat, zu signen. „Retro in Via“ hieß ihre erste Veröffentlichung dort und sie überzeugte mich auf Anhieb. Auf dem nun erscheinenden Nachfolger „So wie ihr uns kennt!?“ zeigen sie sich als eine Band, die zielsicher, wenn auch im „Pottcore“-Stil etwas sehr heftig daherkommend, eigene Gedankenbilder entwirft, und das gibt es eben nicht so oft. Zeit für ein Gespräch mit dem sehr umgänglichen Sänger Marco.

Marco, bei eurer Band fangen wir quasi fast bei null an, darum sage bitte; wann, wo und warum haben sich HARTE WORTE dereinst als Band gefunden, und wer ist alles Teil davon?


HARTE WORTE wurde 2008 von meinem Bruder Thiemo und mir gegründet. Zu diesem Zeitpunkt sind wir viel auf Punkrock-Konzerte gegangen. Besonders unsere Nachbarn aus Wanne-Eickel, BRIGADE S, hatten es uns angetan. Und irgendwann dachten wir: Das können wir auch! Am Schlagzeug wurden wir lange von Marco Keinhörster begleitet. 2015 wurde er von Fetzo ersetzt. Der Bass war immer ein kleiner Fluch, da gab es viele Wechsel. Mario Dahlmanns hat dann vor vier Jahren am Bass überzeugt. Wir behalten uns aber vor, immer einen passenden Ersatz an dieser Position in petto zu haben. Somit wird Ronny „Ron“ Kiesewetter in Zukunft auch am Bass zu hören sein. Außerdem arbeiten wir eng mit Thomas von DAS WEISSE RAUSCHEN und Marcel von EMSCHERKURVE 77 zusammen. Sie helfen uns bei den Aufnahmen und sind immer mal wieder mit einem Gitarrensolo vertreten.

Eure erste LP „Hassgesang“ habt ihr ja auf KB Records veröffentlicht, einem Label, das durch seine Bandauswahl nicht überall wohlgelitten ist. Wie seht ihr den Deal im Nachhinein?

Das stimmt, unser erstes Album wurde von KB Records veröffentlicht. Uns war damals gar nicht bewusst, welche Auswirkung das auf die Band haben würde. Wir waren eher froh, überhaupt ein Label gefunden zu haben. Erst als das Kind in den Brunnen gefallen war, wurde uns klar, dass dies ein Fehler war. Wir wollten damals Musik machen. Vom Thema Politik waren wir eher genervt. Ich habe damals nicht erkannt, dass unpolitische Musik für manche eine Antihaltung gegen politische Korrektheit bedeutet. Und genau das wollten wir nie. Unsere Musik war immer politisch korrekt. Im Nachhinein kann ich nur jeder jungen Band den Tipp geben, nicht gleich jeden Deal zu unterschreiben. Eine Band zu „bereinigen“ ist sehr schwer. An dieser Stelle muss ich Sunny und Chris auch einfach mal Danke sagen. Wir sind ja nicht die einzige Band, mit der Sunny Bastards dieses Wagnis eingegangen ist.

Eurer neuen Scheibe „So wie ihr uns kennt!?“ liegt in der Vinylversion sowie in der Special-Edition-Box eine CD mit alten Songs von euch bei, die auch auf besagtem Debüt zu hören waren. Ich finde dies erstaunlich. Soll das zeigen, dass ihr dennoch zu allem steht, was ihr gemacht habt?

Das stimmt nicht so ganz. Die Aufnahmen vom Debüt sind nicht auf der CD. Einige Songs als Proberaum- beziehungsweise Demoversion schon. Eigentlich hätte man nach dem Debüt den Bandnamen an den Nagel hängen können. Bloß hatten HARTE WORTE schon eine gewisse Größe erreicht, und es gibt auch einige Beispiele, die gezeigt haben, dass es dennoch weitergeht. Ich habe mich zum Beispiel sehr gefreut, BERLINER WEISSE auf dem Ruhrpott Rodeo letztes Jahr anzutreffen. Das wäre vor zehn Jahren auch nicht möglich gewesen. Um auf deine Frage zurückzukommen: Ja, natürlich stehen wir zu allem, was wir von Beginn an taten. Da gibt es nichts zu verheimlichen. Natürlich gibt es Songs, die uns musikalisch auch etwas peinlich sind. Aber hey, wir machen Punkrock, da darf man das. Wir haben es vom Rumpel-Oi! aus dem Keller bis in die Top 100 der deutschen Albumcharts geschafft. Das kann ruhig jeder hören. Dazu kommt, dass wir nie in einem Studio waren. Diese Aufnahmen, so wie die für „Retro in Via“ und auch das neue Album sind von uns völlig alleine produziert worden. Ich bin ein großer Fan von den heutigen Möglichkeiten der digitalen Aufnahme, und wie man gerade an der Demo CD und dem neuen Album hören kann, ist das eigentlich auch eher eine Entwicklung, die uns stolz macht.

Als ich mit Sammy von den BROILERS für das „New Rose PunkRockRadio“ einmal diskutierte, was denn überhaupt Deutschrock sei, meinte er: „Ja, früher hat man wohl selbst Peter Maffay dazu gezählt.“ Und ich denke, das stimmt. Was hat es deiner Meinung nach mit diesem Modewort auf sich? Ist das ein Tummelplatz für politisch Unbeflissene , die einen auf hart machen?

Haha, da hat Sammy recht. Das hat ja auch schon Friedemann von COR in einem Song angesprochen. Nun, wenn ich das Modewort „Deutschrock“ höre, denke ich nicht an Westernhagen oder Maffay. Obwohl sie selbstverständlich in diese Kategorie fallen. Ich glaube, das Problem des heutigen Deutschrock ist die fehlende politische Aussage. Textlich befinden sich fast alle Bands in einem neutralen Rahmen. Da wird das Feindbild nicht ausgesprochen. Da wird nur gesagt „die Bösen“. So kann sich jeder damit identifizieren. Gegen Rechts zu wettern heißt auch, Fanverluste in Kauf zu nehmen. Außerdem finde ich, dass sich mittlerweile viele Bands gleich anhören. Der Sound ist einheitlich glatt. Ich weiß persönlich auch nicht, ab wann deutschsprachige Rockmusik zum Deutschrock zählt. Das muss jeder für sich entscheiden. Mein Original ist Klaus Lage, haha, und da kommt keiner so schnell dran.

Endgültig ins Herz geschlossen hatte ich euch mit so Songs wie „Punkrock Allianz“ von der letzten LP. Ist dieses enge Zusammengehörigkeitsgefühl etwas, das man im Ruhrgebiet besonders pflegt?

Wat soll ich dazu sagen? Ja sia, hömma, dat iss Ruhrpott. Wir ham et nich schön, aber wat willste anderes machen, als dat zusammen auszusitzen.

„Geliebt, gehasst“ mit der Sängerin von DAS WEISSE RAUSCHEN ist für mich so etwas wie die Hymne der neuen LP. Wie ging das arbeitstechnisch vonstatten, brachten sie und du den jeweils eigenen Text beispielsweise gleich selbst mit?

Der Text ist von mir. Wir habe den Song mit Thomas Wißner von DWR zusammen geschrieben und gezielt Diana von Anfang an in der Planung gehabt. Kein typischer HARTE WORTE-Song, aber so was muss es auch geben. Ich finde ihn super und den Vorwurf „Mainstream“ grinse ich weg.

„Grundsätzlich dagegen“ ist sehr pointiert vorgetragen, ein richtig knackiger Song. Doch die Zeile „gegen jegliche Partei“ macht mich nachdenklich. Wir sind ja alle keine zwanzig mehr, aber wäre es nicht sinnvoller, in eine Partei – auch wenn man diese nicht gerade liebt – einzutreten und sich dort selbst direkt zu positionieren?

Sinnvoller?! Na ja, es stimmt schon, wir sind alle keine zwanzig mehr. Träumerisch die Welt zu verbessern, das Thema ist tatsächlich durch. Aber ich für meinen Teil ziehe ein „Hinterfragen“ immer noch vor. Ich bin auch nicht mehr bei den sozialen Netzwerken vertreten. Dieses blinde mediengeformte Gelaber meiner Mitmenschen finde ich zum Kotzen. Wir leben seit siebzig Jahren kriegsfrei. Dafür bin ich als Vater sehr dankbar. Dennoch würde ich mir in vielen Bereichen eine bessere Lösung wünschen. Grundsätzlich fehlt es mir am freien Denken mehr als zuvor in unserer Gesellschaft und wenn ich als Musiker Songs schreibe, bin ich immer noch gerne der Punker, der träumerisch die Welt verbessern möchte.

Zum Abschluss möchte ich eine beinahe verstummte Debatte wieder zum Leben erwecken. „Old glory – it’s time for you to go“, sang einmal die Combo HARDSELL dazu. Stichwort Reunions und Co.: Brauchen wir wirklich über Sechzigjährige auf der Bühne, die von früher singen?

Das kannst du mich noch mal in zwanzig Jahren fragen, haha. Ich finde einige Reunions völlig überflüssig, da genau dieser alte Glanz plötzlich weg ist. Andere wiederum finde ich super. Axl Rose kam ja dieses Jahr mal wieder rum. Ich war damals zwölf und zu jung für ein GUNS ’N’ ROSES-Konzert.

Markus Franz

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #139 (August/September 2018)

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