HEATHEN APOSTLES

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Miniaturdramen aus Blut, Leidenschaft und Horror

Sie haben eine düstere Version des Gershwin-Klassikers „Summertime“ und eine noch düsterere des ECHO & THE BUNNYMEN-Songs „Killing moon“ aufgenommen. Ihre Sängerin Mather Louth hat mit dem Helsinki-Vampir Jyrki 69 im Duett gesungen und mit dem Titel ihrer beiden „Bloodgrass“-EPs haben die drei HEATHEN APOSTLES aus Los Angeles jetzt quasi ein neues Genre erfunden, eine Art Dark-Alternative-Country/Gothic-Americana/Doom-Bluegrass-Sound. Eine Schublade, in die auch Bands wie WOVENHAND, 16 HORSEPOWER und GUN CLUB passen. Die Songs sind Miniaturdramen aus Blut, Leidenschaft und Horror. Dass Gitarrist Chopper Franklin früher bei MAU MAUS und THE CRAMPS spielte, macht das Ganze noch spannender. Im Herbst sind HEATHEN APOSTLES auf Europatour, neun Termine in Deutschland stehen schon fest, darunter einer beim Wacken Open Air.

Seit wann gibt es die Band eigentlich, wer ist dabei?

Chopper:
Wir spielen seit 2013 zusammen. Unser Debüt „Boot Hill Hymnal“ nahmen wir noch vor unserem ersten Live-Auftritt auf, unser erstes Video „The reckoning“ entstand ebenfalls vorher. Wir dachten, dass unser Stil – Gothic Americana – vielleicht ein wenig zu abgedreht für einige Leute wäre, also war es gut, dass wir schon etwas veröffentlicht hatten, bevor wir anfingen, live zu spielen.

Mather: Es waren fünf wunderbare Jahre, in denen wir musikalisch und persönlich zusammengewachsen sind.

Chopper: Drei Leute bilden den harten Kern von HEATHEN APOSTLES: ich, Mather Louth und Thomas Lorioux. Manchmal spielt auch Luis Mascaro Geige für uns, außerdem verpflichten wir immer wieder verschiedene andere Musiker*innen, je nachdem, was wir vorhaben.

Wie seid ihr auf den Namen gekommen – „Die heidnischen Apostel“?

Chopper:
Das war meine Idee. Ich dachte immer, dass das ein großartiger Titel für einen Spaghettiwestern wäre. Als wir dann die Band gründeten, war der Name einfach perfekt dafür.

Wie kamt ihr zu diesem ganzen Punk-Ding, was sind eure musikalischen Stationen?

Chopper:
Ich wurde durch den Punkrock der späten Siebziger und frühen Achtziger in Los Angeles sozialisiert. Als ich 15 war, lebte ich mit BLACK FLAG zusammen und war deren Roadie. Dann bin ich nach Hollywood umgezogen und habe bei den MAU MAUS mitgespielt, der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt.

Mather: Ich habe eine lange musikalische Vergangenheit als Sängerin in der Jazz- und Blues-Szene, die mich sicherlich stimmlich geprägt hat. Vor ungefähr zehn Jahren habe ich die experimentelle Band RADIO NOIR gegründet und kurz danach haben sich die Wege von Chopper und mir gekreuzt.

Ohne YouTube geht heute nichts mehr, auch ihr seid da präsent.

Chopper:
Wir drehen immer Videos zu unseren Songs. Unsere Stücke haben oft eine gewisse kinematografische Atmosphäre an sich, es bietet sich also an, Normalerweise schreiben und drehen wir sie selbst, aber manchmal arbeiten wir auch mit andern zusammen, momentan mit dem Filmemacher Jorge Jaramillo für unser nächstes Video zu „Deadly nightshade“ von unserer EP „Bloodgrass Vol. II“.

Was habt ihr jenseits von Videos schon so veröffentlicht?

Chopper:
2013 erschien „Boot Hill Hymnal“, 2014 „Without A Trace“, 2015 „Fire To The Fuse“, 2016 „Requiem For A Remix“, 2017 „Bloodgrass Vol. I“, dazu kommen diverse Singles und andere EPs. Im Frühjahr 2018 ist dann „Bloodgrass Vol. II“ rausgekommen, und zu unserer Europatour im August werden wir ein Album herausbringen, das die beiden EPs „Bloodgrass Vol. I“ und „Vol. II“ zusammenfasst.

Von MAU MAUS und Thomas’ alter Band KINGS OF NUTHIN’ zu HEATHEN APOSTLES ist es musikalisch ein weiter Weg: Wie haben die Leute bisher auf euch reagiert?

Mather:
Meistens gab es positives Feedback, insbesondere bei Live-Auftritten. Es gibt häufig Leute, die nicht zu den Shows gekommenen sind, um speziell uns zu sehen, die dann aber zu Fans werden – so etwas ist immer sehr erfreulich und befriedigend.

Jedes Kind braucht einen Namen: Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

Mather:
Im Laufe der Jahre haben wir Gothic Americana, Gothic Western oder Dark Country dazu gesagt. Seit kurzem nennen wir unseren Sound Bloodgrass – und mit dem Titel unserer letzten EPs haben wir diesen Begriff festgeschrieben.

Chopper: Wir sind von Bluegrass, Country, Blues und Gypsy Jazz genauso beeinflusst wie von Gothic und düsterem Rock’n’Roll.

Ihr veröffentlicht regelmäßig Coverversionen: Ist das eure Art, Bands und Künstler*innen, die ihr schätzt, Tribut zu zollen?

Mather:
Auf jeden Fall – wir haben eine Wunschliste mit Künstlern und Songs, die uns im Laufe der Jahre beeinflusst haben, und diese Liste wird immer länger. Manchmal schiebt sich ein Künstler aus dem einen oder anderen Grund an die Spitze dieser Liste – im Fall von Merle Haggard fühlten wir uns dazu verpflichtet, nach seinem Tod eine EP zu veröffentlichen, um ihn und seine unglaubliche Karriere zu ehren.

Chopper: Außerdem nehmen wir uns gerne Songs vor, die eigentlich nicht in unser Genre passen, und biegen sie zurecht, haha.

Warum habt ihr gerade diese Songs für „Bloodgrass Vol. I“ und Vol. II gecovert?

Chopper:
„Summertime“ ist ein Klassiker von Gershwin, den Mather früher immer mit den Jazzbands, bei denen sie war, gesungen hat. „You’ll never leave Harlan alive“ von Darrell Scott ist eine düstere Ballade über einen Arbeiter, der in den Kohleminen von Kentucky stirbt. Das ist ein Stück, das ich immer covern wollte – aber ich hatte bis jetzt nie die richtige Band dafür. Wir wählen die Coversongs immer sehr sorgfältig aus. Auf „Bloodgrass Vol. II“ sind es das alte Bluegrass-Stück „Shady grove“ und der Hank Williams-Klassiker „Ramblin’ man“.

Mather: Das ist auch so ein Song, den ich schon immer mal singen wollte. Ursprünglich hatte ich ihn auf die Setlist von RADIO NOIR gepackt, zusammen mit einer sehr düsteren Coverversion von „Walkin’ after midnight“ von Patsy Cline, aber erst bei den Heathens hat er seine wahre Heimat gefunden.

Gibt es Bands, die euch besonders beeinflusst haben?

Chopper:
Für mich sind das 16 HORSEPOWER, GUN CLUB, BAUHAUS, Bill Monroe.

Mather: Als Sängerin war ich immer eher beeinflusst von Sängern. Unter meinen Lieblingssängern sind Nick Cave, Mark Lanegan und der legendäre Howlin’ Wolf. Aber ich verbeuge mich auch vor Siouxsie Sioux, PJ Harvey und Shirley Manson, eine meiner frühesten Ikonen.

Woher nehmt ihr die Inspiration zu euren Texten?

Mather:
Das ist unterschiedlich. Von keiner bestimmten Quelle. Die Texte fließen mir zu, wenn ich in einer Art Bewusstseinsstrom-Modus bin, oder manchmal auch, wenn ich aus einem Traum erwache. Ich gestehe, dass ich eine Wortliebhaberin bin und es zu schätzen weiß, wie manche Worte klingen, wenn ich sie singe. Das spielt auch eine Rolle, wenn ich die Texte schreibe. Manchmal fällt mir auch ein Konzept für einen bestimmten Charakter ein und ich arbeite dann daran, seine Geschichte in Worte zu fassen. Meine Texte handeln von Liebe, Verlust, Tod, Verrat, Mord ... von den schönen Dingen des Lebens! Nein, jetzt mal im Ernst: Meistens ist es eine bestimmte Melodie, die mich bei meinen Texten beeinflusst. Chopper fängt an, eine musikalische Idee zu entwickeln, und je nachdem, in welche Stimmung oder in welchen Geisteszustand mich diese versetzt, beginne ich, eine Geschichte dazu zu schreiben. Für mich ist das immer eine sehr persönliche Sache, auch wenn ich von einer anderen Perspektive aus erzähle. Manchmal, wenn das Thema zu intim ist, ist es für mich einfacher, das Ganze aus der Perspektive eines anderen zu erzählen. Aber der Ursprung liegt immer in mir selbst.

Habt ihr noch andere künstlerische Talente, von der Musik mal abgesehen?

Mather:
Es ist kein Geheimnis, dass ich eine große Leidenschaft für Mode und Kostümdesign habe. Glücklicherweise konnte ich meine Fähigkeiten als Schneiderin in den vergangenen sechs Jahren mit Hilfe meiner Freundin Cheri Wilson Chagollan von Wonderland Corsets verfeinern. Heutzutage sind die meisten meiner Schneiderarbeiten in irgendeiner Weise mit den Videos oder Fotoshootings von HEATHEN APOSTLES verbunden. Aber gelegentlich kann ich mir auch ein wenig Zeit für meine eigenen Modeprojekte erkämpfen.

Wie wichtig ist das Styling für euch? Ist es Teil des künstlerischen Konzepts?

Mather:
Sehr wichtig. Seit der Gründung der Band nimmt das eine zentrale Rolle ein. Als Chopper und ich begannen zusammenzuarbeiten, bat er mich, bei allem Visuellen das Zepter zu übernehmen, was natürlich wunderbar war, da ich eine sehr genaue Vorstellung davon im Kopf hatte.

Was ist das Seltsamste, das euch auf der Bühne passiert ist?

Chopper:
Ich habe schon so ziemlich alles erlebt; einen Rausschmeißer, der mit dem Messer auf mich los ist, Bullen, die während eines Festivals auf die Menge eingeschlagen haben, und so weiter. Aber mit Lux Interior auf der Bühne zu stehen, das war besonders wild, und das jeden Abend!

Mather: Ich bin nicht sicher, ob es wirklich der merkwürdigste Vorfall per se ist, aber es gibt immer wieder Zuschauer – meistens die völlig betrunkenen –, die hörbar meine Art, Gitarre zu spielen, kommentieren. Einer ist sogar hoch auf die Bühne gekommen, um mit mir darüber zu diskutieren – während eines Auftritts.

Welchen Gig werdet ihr niemals vergessen?

Mather:
Den in Bakersfield. Das ist das Mekka der Country-Musik und die Heimat von Merle Haggard und Buck Owens. Es gibt dort nur einen einzigen Goth-Schuppen, den Heresy Club, und für den wurden wir gebucht. Der Promoter war super liebenswert und zuvorkommend und die Fans waren völlig irreal – ein Haufen Goth-Kids, die gleichermaßen auf Siouxsie Sioux und Merle Haggard und Buck Owens stehen. Leider hat das Heresy inzwischen dichtgemacht, aber wir fühlen uns geehrt, dass wir Teil dieser wirklich außergewöhnlichen Szene sein durften, solange es den Club gab.

Wie ist es zu eurer ersten Europatour gekommen?

Chopper:
Kurt De Bont von Rootstown Bookings in Belgien hat einige Shows und Festivals für uns gebucht. Ich bin schon mehrmals mit anderen Bands in Europa auf Tour gewesen und wir haben für HEATHEN APOSTLES nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet. Und der ist jetzt gekommen!