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Interviews & Artikel

PRIMETIME FAILURE

A-D-A-D-C, zweimal Refrain und raus

Die Neunziger sind wieder da! Inmitten des insbesondere aus Schweden derzeit aufkeimenden Revivals des typischen Melodic Hardcore werfen die vier Thirtysomethings von PRIMETIME FAILURE –Tobias 1, Tobias 2, Jan und Daniel aus Westfalen – die 8-Song EP „Home“ unters Volk, die zwar alte Genremuster bedient, aber in keiner Sekunde schablonenhaft rüberkommt. Für juveniles Startum ist man eh zu alt, daher kann man sich zwischen Nostalgie und Selbstironie dem alten Mixtape des Sommers von 1998 widmen. Entstaubt die alten Vans und presst euch ins zu kleine „Mons-Tour“-Shirt! Der Sommer kommt zurück. Mit PRIMETIME FAILURE.

Im Info steht etwas nebulös, dass ihr aus der Nähe von Bielefeld kommt ...

Jan:
Tobias 2, Jan und ich sind in Lipperreihe aufgewachsen. Das war unser kleines Kalifornien. Tagsüber Skaten und abends am Teich sitzen, Tüten rauchen und Punkrock hören. Tobias 1 ist aus Elverdissen bei Herford, da wo das leckere Bier herkommt.

Wie sieht in so einem Dorf eine Punkrock-Sozialisation aus? Eigentlich hättest du doch einen Bauernhof übernehmen müssen, oder?

Tobias 1:
In Elverdissen gab es auch Kassettenrecorder mit Batterien, Bushaltestellen und billiges Bier. Und wenn die Eltern selber nur zugezogen sind und nicht einer Dynastie von Landwirten angehören, dann können auch solche Sachen passieren.

Jan: Bei uns kam das auch über den GREEN DAY-Hype, dass man dann auch andere Bands für sich entdeckt hat. Dann wächst du auf mit Skaten, Gras rauchen, Nintendo spielen. Dann gründet man eine Band. Du lernst über die Musik super Leute kennen. Diese Art von Musik ist ja auch nicht nur Mucke, sondern ein Lebensstil und eine Einstellung. Mit 13 Jahren haben wir uns gedacht, wenn wir das mit 25 immer noch machen, das wäre schon geil. Dann bleibt man ewig dran hängen. Und mittlerweile spielen wir selber mit Bands, die wir zu Hause im Regal stehen haben. Für uns gibt es dazu keine Alternative. Klar hört man auch andere Sachen, aber die sind auch alle verwurzelt im Punkrock. In dieser Form spielen wir seit 2015, kennen uns aber schon ewig und haben auch schon in anderen Bands gespielt. Typische Kindergartenfreundschaften eben. Dann kamen aber die üblichen Sachen, Kinder, Familie. Da lag dann eine zeitlang alles auf Eis. Aber wir lieben nun mal diesen Neunziger-Westküsten-Sound und 2015 dachten wir uns einfach, lass uns noch mal den Kram von früher machen.

Tobias 2: Da war anfangs auch gar nicht viel geplant, wir wollten nur für uns im Proberaum die alten Sachen noch einmal spielen, die ansonsten keiner mehr hören will. Dann hatten wir auf einmal ein paar coole Songs und wollten hören, wie die aufgenommen klingen.

Daniel: Und das klang echt gut, wir dachten schon, die hätten das im Studio heimlich ohne uns neu eingespielt.

Und mit dem Vertrieb in mehreren Ländern klappte das anscheinend auch sehr schnell.

Tobias 1:
Das hat ganz gut geklappt mit Hilfe dieses Internets, von dem in letzter Zeit alle sprechen. Und dann haben wir einfach ein paar Mails rumgeschickt mit den Aufnahmen und haben die Leute gefragt, ob ihnen das gefällt. Bei Mirko von Uncle M hatten wir zum Beispiel gar keine Hoffnung, so nach dem Motto ,,Wir können nicht oft live spielen, hör doch trotzdem mal rein.“ Da kam erst mal zwei Wochen keine Reaktion und dann direkt das Angebot, die Scheibe rauszubringen. Mirco wollte die CD machen, wir hatten aber auch Bock auf Vinyl und glücklicherweise haben Hectic Society, Disconnet Disconnect und Shield dann mitgezogen. Dann standen wir da plötzlich und hatten eine Platte.

Einseitig bespielt und ohne Etching auf der Flipside. Ein Fauxpas!

Tobias 2:
Das hat doch jeder! Wir hätten ja auch vier Songs auf jede Seite pressen können, aber dann hätte man die Scheibe umdrehen müssen.

Jan: Das Artwork war fertig und das Vinyl schön blau, wir haben uns einfach keine weiteren Gedanken gemacht. Beim nächsten Mal.

Wann kommt denn ein komplettes Album?

Tobias 1:
Das kommt zur Eröffnung des Berliner Flughafens.

Jan: Das haben wir auch überlegt. Es ist doch alles so kurzlebig. Bringt man da schnell noch eine EP raus mit acht Songs oder wartet man, bis man genug für ein Album hat? Als Hobbyband läuft das Songschreiben auch langsamer ab. Alle haben andere Verpflichtungen. Der Schwerpunkt liegt deshalb darauf, regelmäßig präsent zu sein. Wir möchten gerne wieder ins Studio nach Hannover, da muss man schauen, wann man einen Termin bekommt.

Tobias 2: Man muss ja nur die geilen Songs aufnehmen und bei acht Songs ist es eine lange EP.

Gab es bei euch eine entscheidende Platte, die euch angefixt hat?

Jan:
„Punk In Drublic“ von NOFX! Immer noch. Die Produktion ist perfekt, das Songwriting auch.

Tobias 2: Bei mir ist das „Cheshire Cat“ von BLINK-182. Das ist nicht das tollste Punkrock-Album, aber zu der Zeit war das schon anders als der Rest. Das war auch die Zeit der Labelsampler, über die man dann schnell andere Bands kennen gelernt hat.

Tobias 1: Für die bin ich extra mit dem Zug zum Green Hell nach Münster gefahren. Bei mir waren das „Against The Grain“ und „No Control“ von BAD RELIGION, die hatte ich beide auf einem 60er-Tape.

Daniel: Ich bin ja Tobis jüngerer Bruder und die erste Scheibe in dieser Richtung war „Let’s Talk About Feelings“ von LAGWAGON, die haben wir uns zusammen in Kalifornien gekauft.

Welche Bands aus der goldenen Ära des Melodic Hardcore sind völlig unterbewertet?

Tobias 2:
BRACKET! Die haben das so geil mit dem Gesang gemacht, melodiös, harmonisch, aber nicht fröhlich.

Jan: PULLEY. Ich liebe Scotts Stimme. Gefällt mir auch besser als die späteren TEN FOOT POLE-Sachen. Leider konnten die immer nur außerhalb der Baseballsaison touren, weil Scott Profispieler war. FRENZAL RHOMB aus Australien waren auch großartig und unterbewertet.

Tobias 2: Genauso wie BODYJAR. Die sind ein bisschen untergegangen, hatten etwas von ALL und SAMIAM, gepaart mit Melodycore.

Hattet ihr mal eine Phase, in der ihr das Skatepunk-Zeug nicht mehr hören konntet?

Tobias 2:
Wir haben von Anfang an Pop-Punk gemacht. Zwischendurch wurde das mit MODERN SAINTS ruhiger und poppiger. Da habe ich Bass gespielt. Die machen übrigens weiter mit EATEN BY SNAKES, wenn ich mal eben ein bisschen Werbung machen darf.

Jan: Aber selber gehört haben wir das immer. Dann muss man sich anhören, man sei ein Nostalgiker und warum man denn noch die neue LAGWAGON-Scheibe kaufe. Ganz einfach, weil ich die liebe! Und mittlerweile erlebt das auch wieder ein kleines Revival, die alten Bands bringen wieder Platten raus, jetzt erst die Schwedenfraktion NO FUN AT ALL und SATANIC SURFERS. Obwohl NO FUN AT ALL immer überbewertet waren, nicht schlecht, aber zu glatt und steril und ein bisschen ohne Seele.

Dieses typische Soundschema limitiert euch nicht? Ihr kommt doch aus dieser Nummer jetzt nicht mehr raus, oder?

Tobias 1:
Wollen wir das überhaupt?

Jan: Dafür haben wir uns gegründet. Wir machen das für uns, weil wir es geil finden, nicht für andere.

Tobias 2: Es passiert auch einfach, weil wir das schon ewig zusammen machen. Da wirft jemand eine Idee in den Raum und die anderen haben dann sofort die Backups parat, wissen, wo ein Part abgestoppt werden muss. Wir müssen da nicht drüber reden. Es ist sonst gar nicht einfach, Leute zu finden, die auf die Art von Musik ernsthaft Bock haben, nicht nur als Nebenprojekt.

Jan: A-D-A-D-C, zweimal Refrain und raus.

Ich hatte auch den Eindruck, dass ihr euch in eurer Selbstdarstellung völlig vom Druck des Erfolges befreit habt.

Daniel:
Überlegt mal, was die Bands in Bielefeld für Musik gemacht haben, als wir anfingen. Da war ich relativ sicher, dass uns keiner geil findet.

Tobias 2: Was aber egal war! Auch bei unseren Videos: der Greenscreen ist schief aufgehangen und hat Knubbel und zwischendurch ist das Ohr von Daniel weg. Tobias spielt teilweise nicht einmal, weil er irgend etwas aufhebt. Hoher Trashfaktor. Irgendeiner vom Musikexpress hat Uncle M gefragt, ob wir das ernst meinen. Und so ist das für uns genau richtig.

Tobias 1: Langsam verstehen die Leute das auch. Unser Publikum besteht größtenteils aus Leuten in unserem Alter. Die haben das damals vielleicht nicht bewusst gehört, sind mit der Art von Musik aber vertraut.

NOFX wurden in den Neunzigern auf jeder Klassenfahrt gehört. Erreicht ihr damit heute auch ein jüngeres Publikum?

Tobias 2:
Muss man das erreichen? Ich bin froh, dass uns überhaupt jemand hören möchte, zu Konzerten kommt und wir mit Bands spielen können, die wir selber gut finden.

Daniel Schubert

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #139 (August/September 2018)

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